Sie sind billig, beständig und sehen gut aus: alte Zäune im Lungau. Dennoch werden sie verdrängt: auf den Weiden von mobilen Weidezäunen, um die Häuser von Einheitsware aus dem Baumarkt. Wie man historische Zäune baut, lernst du bei einem Schnupperkurs der Landwirtschaftsfachschule Tamsweg.

Paul Schreilechner, jenseits der Achtzig, ist kein Freund großer Worte. Aber das, was er sagt, hat Hand und Fuß. Genau wie die Zäune, die er macht. „Das Wichtigste sind die Finger, mit denen ihr das Holz haltet“, erklärt Paul und lässt die Hacke niedersausen. „Immer schön auf die Seite geben, sonst sind sie weg.“

Zack! Das merken wir uns. Wir, das sind sechs Personen, die sich heute im historischen Streuobst-Schaugarten in Tamsweg treffen. In diesem Garten werden regionale alte Apfelsorten erhalten – eine Initiative, die mit dem Naturschutzpreis „Die Brennnessel“ von Blühendes Österreich ausgezeichnet wurde. Bei der heutigen Veranstaltung wollen wir aber mehr über den Bau historischer Zäune erfahren.

Streuobst-Schaugarten in Tamsweg: Alte Zaunformen umgeben hier alte Apfelsorten.

Schaugarten: Obst & Zäune, bunt gemischt

Da sind wir bei Paul, dem Lungauer „Zaunkönig“, in guten Händen. Zusammen mit den SchülerInnen hat er rund um den Schaugarten Zaunarten errichtet, die früher im Lungau üblich waren: Kreuzzaun, Bänderzaun, Pilotenzaun, Girschtenzaun, Steinmauer und Garchtlzaun. Bis auf letzteren kommen alle ohne Metallnagel und Draht aus. Wie sie dann zusammenhalten, frage ich. „Mit Bandln und Holznägeln“, erwidert Paul. Und genau die werden wir nun herstellen.

 

 

„Bandl baahn“: Hot stuff

Burgi Kaiser, Lehrerin und treibende Kraft hinter dem Schaugarten, nimmt einen Zweig aus dem offenen Feuer, das die SchülerInnen für uns angefacht haben. Sie legt ihn auf ihre rußgeschwärzte Hose und biegt ihn vorsichtig ums Knie herum. Das beschert mir die erste Erkenntnis: Um heiße Zweige gegen das Knie zu pressen, gibt es idealeres Outfit als meine kurze Hose.

Wer historische Zäune errichten will, muss zuvor oft „Bänder baahn“. Das geht so: Man nehme nicht zu dicke Zweige, von Seitentrieben befreit. Paul ist überzeugt: Lärche ist besser als Fichte. „Wegen dem Pech drinnen. Das nennen wir „Glorat“. (Echte LungauerInnen mögen mir die möglicherweise falsche Schreibweise nachsehen.) Die Zweige erhitze man im Feuer. Dadurch lassen sie sich zu Ringen biegen, den „Bändern“. Das geht erstaunlich gut, ohne dass sie brechen. Weil Burgi Kaiser noch junge, saftige Zweige gefunden hat.

„So, und jetzt musst du das Bandl noch vernah’n“, rät Burgi. „Das heißt, du fädelst das Zweigende da noch zweimal durch. Siehst du? Jetzt hält’s. Da geht nix mehr auf.“ Und zwar für die nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahre. Auch, weil die Zweige aushärten, während sie abkühlen, und so ihre Ringform behalten.

 

Alte Zäune: gelebte Lungauer Identität

„Der Paul ist einer der wenigen Lungauer, die diese alten Handwerkstechniken noch beherrschen“, meint Burgi Kaiser. „Seit Jahren gibt er sein Wissen weiter: an mich, an die Schülerinnen und Schüler und an andere Interessierte.“ Damit dieses alte Kulturerbe wieder lebendig wird und in die Region ausstrahlt, soll es in Zukunft entsprechende Veranstaltungen im Schaugarten geben, auch zusammen mit dem Biosphärenpark Lungau. Etwa zum fachgerechten Obstbaumschnitt. Oder eben zum Zaunbau.

 

Holznägel herstellen: Die Nagelprobe

Paul hat inzwischen einen Lärchenholzsplint mit wenigen Axthieben zu einem vierkantigen Holznagel zurechtgetrimmt. „Jetzt muss ich noch abspranzen“, sagt Paul und schlägt am dicken Ende des Nagels zwei Ecken schräg ab. Während ich überlege, ob ich für die vielen Lungauer Fachbegriffe ein Vokabelheft anlege, erklärt er: „Dadurch splittert das Holz nicht ab, wenn ich draufschlage.“ Das alles hat recht einfach ausgesehen.

Es hat aber nur so ausgesehen. Beim Nachmachen rutscht mir die Axt immer wieder vom Holz ab. Anstatt gleichmäßig spitz zuzulaufen, kriegt der Nagel Buckel, wo keine hingehören. Mit der Zeit wird’s jedoch besser. Und so kommt am Ende doch noch etwas raus, das dem Paul’schen Musterstück entspricht. Mit etwas gutem Willen zumindest. Paul beruhigt: „Handwerk kann ruhig ein bissl rustikal aussehen.“ Soviel Taktgefühl rührt.

 


Pilotenzaun: Nagel rein, Bandl drauf, fertig!

Die SchülerInnen haben inzwischen schon Holzpfosten („Piloten“) mit übereinander gebohrten Löchern senkrecht in die Erde eingeschlagen. Jetzt geht’s ruckzuck: Die selbst angefertigten Holznägel waagrecht in die Löcher gehämmert, geschälte Fichtenstangen draufgelegt, einen zweiten, dünneren Holzpfosten in die Erde geschlagen, damit die Stangen nicht runterrollen. Schließlich noch beiden Holzpfosten eines unserer Lärchenholz-Bänder oben übergestülpt – und fertig ist der Pilotenzaun! Zwar nur ein paar Laufmeter. Aber über die freuen wir uns wie die Schneekönige. Und wie heißen Schneekönige im Zweitnamen? Erraten: Zaunkönige!

(Autor: Uwe Grinzinger)

Jetzt weiterlesen:

Biosphärenpark Lungau: Alte Bäume, altes Obst, alte Zäune

Alte Apfelsorten

Alte Birnensorten

 

 

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Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom

Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom

6. Aug. |
Steiermark
Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Infohütte, Erlebniszentrum Weidendom

Unsere Führungen und Angebote stehen allen Menschen offen. Sollte für eine barrierefreie Teilnahme eine besondere Form der Unterstützung erforderlich sein, wird um frühzeitige Kontaktaufnahme gebeten.

Für Personen mit eingeschränkter Mobilität wird für diese Veranstaltung ein Rollstuhl mit Zuggerät (Swiss Trac) kostenlos zur Verfügung gestellt (Voranmeldung erforderlich).

Am Veranstaltungsort befindet sich ein rollstuhlgerechtes WC.

Kosten für Forschungsprogramme (11:00, 14:00 und 16:00 Uhr):

Erwachsene: € 7,00
Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre: € 5,00
Familienkarte (max. 4 Personen): € 12,00

Sondertermine sowie spezielle Programme für (Bus-)Gruppen und Schulen werden im Infobüro Admont organisiert. Unsere Gruppenangebote finden Sie hier.

Wir sind Partner der Steiermark-Card, Bonuspartner der Schladming-Dachstein Card und ZWEI UND MEHR Vorteilsbetrieb.

Forschungsprogramm 1: Die Reise in den Mikrokosmos "Wasser" 

Tauchen Sie in die spanndende Welt der Wasserlebewesen ein. Eine selbst genommene Wasserprobe kann beim Mikroskopieren "unter die Lupe" genommen werden. Dabei entdeckt man Kleinstlebewesen, die man in dieser Größe noch nie gesehen hat.

 Forschungsprogramm 2: Wildnis erforschen im Auwald

Gehen Sie auf die Suche nach Wildnis in der Aulandschaft um den Weidendom und erfahren, welche Bäume gerne nasse Füße haben und welche seltene Vogelart ganz in der Nähe brütet.

Forschungsprogramm3: Abenteuer Wilde Wiese 

Ein:e Nationalpark Ranger:in zeigt Ihnen wie Sie in einer wilden Wiese auf Entdeckungsreise gehen können und neben schillernden Käfern und Bienen auf Nektarsuche auch Russischen Bären oder eine rotflügelige Schnarrschrecke aufspüren.


Die Gruppe entscheidet, welches der drei Programme stattfindet.

Erwachsene, Jugendliche
Familien, Erwachsene mit Kindern
Kinder und Jugendliche

Findet diese Veranstaltung bei jedem Wetter statt?
Ja, denn wir finden, unser Nationalpark Gesäuse ist bei jedem Wetter ein Erlebnis!

Darf ich meinen vierbeinigen Freund mitbringen?
Die Mitnahme von Hunden ist nicht erlaubt.


 

  • Öffnungszeiten: (der Weidendom ist ganzjährig frei betretbar, betreutes Besucherprogramm zu folgenden Zeiten)

    01.05.2026 - 30.06.2026: Samstag, Sonntag, Feiertage, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
    01.07.2026 - 13.09.2026 : täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
    14.09.2026 - 30.09.2026: Samstag, Sonntag, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr

Die Forschungsprogramme finden während der Öffnungszeiten immer um 11:00 Uhr, 14:00 Uhr und 16:00 Uhr statt.

Sondertermine außerhalb der Öffnungszeiten, sowie spezielle Programme für Gruppen, Busgruppen und Schulen werden im Informationsbüro in Admont organisiert, Tel. +43(0)3613/21160-20, info@nationalpark-gesaeuse.at

Unter fachkundiger Anleitung tauchen kleine und große Besucher:innen in die wilde Seite des Nationalparks ein.

Drei unterschiedliche Programme ermöglichen Besucher:innen einen spannenden Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks zu bekommen: „Die Reise in den Mikrokosmos Wasser“, „Abenteuer Wilde Wiese“ oder „Wildnis erforschen im Auwald“.

Keine Anmeldung erforderlich

Die Parkplätze im Nationalpark Gesäuse sind kostenpflichtig (Tagesticket € 7,00). Nähere Informationen zu den Parkplätzen sind hier zu finden. Allgemeine Informationen zur Anreise in den Nationalpark Gesäuse stehen hier zur Verfügung.

Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

Für Navi-Nutzer: Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

Für die Anreise zu unseren Veranstaltungen empfehlen wir öffentliche Verkehrsmittel. Alternativ kann im Sommerhalbjahr das Gesäuse Sammeltaxi (+43 3613 21000 99) genutzt werden.

Österreichische Bundesbahn: www.oebb.at
BusBahnBim - Auskunft: www.busbahnbim.at

Haltestelle:

  • Gesäuse Bachbrücke/Weidendom (RegioBus 912)
  • Johnsbach im Nationalpark Bahnhof (ÖBB)
Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom
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