Auf den ersten Blick unscheinbar dienen Weideroste der Weidewirtschaft. Für wandernde Amphibien jedoch bedeuten sie oft das Ende. Ihre Wanderschaften und ihr Bedürfnis nach Feuchtigkeit und Schutz führen sie genau dorthin: in eine Konstruktion, aus der sie meist nicht mehr entkommen.

Ein Weiderost auf einem Almweg: zwei Stahlträger in den Boden eingelassen, darüber querliegende Streben. Meist ist er Teil eines einfachen Zaunsystems, das Weidetiere auf ihrer Fläche hält. Für Rinder oder Schafe sind die Gitter schwer zu überqueren, denn ihre Hufe finden keinen Halt. Für viele Almbesucher:innen ist der Rost ein vertrauter Teil der ländlichen Infrastruktur – funktional, robust und irgendwie unscheinbar. Weniger bekannt ist, dass diese Konstruktionen für kleine Tiere zur tödlichen Falle werden können. Kröten, Frösche, Molche und Salamander sind in feuchten Nächten unterwegs auf dem Weg zu ihren Laichgewässern oder zurück in ihre Winterquartiere. Wenn sie dabei auf einen Weiderost treffen, erkennen sie die Gefahr nicht. Sie geraten ins Gitter, stürzen ab und finden keinen Ausweg mehr. Was geschieht, bleibt meist unbemerkt - still und spurlos.  

Unterwegs zwischen Wasser und Erde 

Gerade das macht das Problem so tückisch: Es bleibt unsichtbar, solange man nicht genauer hinschaut. Denn das, was für uns nützlich erscheint, kann für andere zum Verhängnis werden. Besonders dann, wenn biologische Bedürfnisse wie die Suche nach Feuchtigkeit auf menschengemachte Strukturen treffen, die nicht für kleine Körper gebaut wurden. Und auf Tiere treffen, die sich auf instinktiven Wegen bewegen.  

Amphibien orientieren sich nicht an Zäunen, Straßen oder Gitterrosten. Sie folgen der Feuchtigkeit, bevorzugen vertraute Bodeneigenschaften und bewegen sich mit erstaunlicher Zielstrebigkeit zu ihren Laichgewässern – oft zu genau jenem Tümpel, in dem sie selbst geschlüpft sind. Dabei legen sie mitunter mehrere Hundert Meter, teils sogar über einen Kilometer zurück, überqueren Wege, Felder oder Waldränder. Doch es bleibt nicht bei dieser einen Route. Im Sommer ziehen Jungtiere ab und suchen neue Lebensräume. Im Herbst kehren viele Amphibien in ihre Winterquartiere zurück. Auch außerhalb dieser Hauptphasen sind sie unterwegs: auf Nahrungssuche, beim Wechsel zwischen Verstecken, bei der Erkundung neuer Gebiete.  

Von der Ressource zur Sackgasse  

Entscheidend ist für alle Bewegungen: Die Tiere brauchen Feuchtigkeit. Ihre Haut ist durchlässig. Sie regulieren darüber ihren Wasserhaushalt, viele Arten nehmen zusätzlich Sauerstoff über die Haut auf. Trockene Oberflächen werden zur Gefahr, feuchte Bereiche zur lebenswichtigen Ressource. Gerade weil Amphibien so stark über ihre Haut mit ihrer Umwelt interagieren, gelten sie als Indikatorarten für ökologische Veränderungen. Schadstoffe und Trockenperioden schlagen sich direkt in ihrem Gesundheitszustand und ihrer Häufigkeit nieder. Weltweit sind Amphibien heute eine der am stärksten bedrohten Tiergruppen.  

Wenn der Boden austrocknet und sich in einer Bodengrube Feuchtigkeit hält, wird diese feuchte Stelle schnell zur bevorzugten Richtung. Und manchmal führt genau diese Richtung in eine tödliche Sackgasse. Weideroste bestehen aus parallel liegenden Metallstreben, montiert über einem tiefen Schacht. Sie sollen Weidetiere am Überqueren hindern. Ein Huf findet dazwischen keinen Halt. Für Amphibien ist der Aufbau nicht nur ein Hindernis, sondern eine potenzielle Todesfalle, denn die Tiere können die Tiefe der Spalten nicht abschätzen. 

Gitter zwischen Leben und Tod  

Ihre Sinnesorgane sind nicht darauf ausgerichtet, künstliche Strukturen zu erkennen oder zu vermeiden. Feuchte, bodennahe Strukturen wie mit Wasser gefüllten Bodenmulden wirken auf Amphibien wie Mikrohabitate. In der Agrarlandschaft sind solche Rückzugsorte selten geworden. Die Tiere orientieren sich an Temperatur und Feuchtigkeitsgradienten. In technischen Strukturen wie Weiderosten finden sie zwar kurzfristig geeignete feuchte Bedingungen, die aber keine echten Lebensräume darstellen und zusätzlich zur tödlichen Falle werden können. Denn sobald Amphibien mit ihrem kleinen Körper zwischen die Streben der Weideroste geraten, stürzen sie in den Schacht darunter. Die Wände sind glatt, viel zu steil zum Klettern und rettende Ausstiegsmöglichkeiten fehlen. Einmal unten beginnt ein aussichtsloser Kampf. Die Tiere erschöpfen sich, verhungern, verdursten. Was als einfache Lösung für die Almwirtschaft gedacht ist, wird für Amphibien zur tödlichen Barriere. Weidezäune und die dazugehörigen Roste sind ein fester Bestandteil der Almwirtschaft. Sie helfen, Weidetiere sicher auf bestimmten Flächen zu halten, ohne bewegliche Tore oder aufwendige Einzäunungen. Diese Infrastruktur ist funktional und notwendig, doch sie lässt sich ergänzen.   

Durch einfache bauliche Maßnahmen kann aus einer tödlichen Barriere eine durchlässige Struktur für Amphibien gemacht werden. Spezielle Ausstiegshilfen ermöglichen es Fröschen, Kröten und Molchen, aus den Schächten wieder herauszukommen. Sie sind keine große bauliche Herausforderung, doch sie können Leben retten – Jahr für Jahr, Wanderung für Wanderung.  

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