Die Wanderschäferei – Von einer Weide zur nächsten

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Idyllisch präsentiert sich das Bild: Bis zur 1.000 Schafe grasen friedlich verstreut in einem weiten Feld. Irgendwo am Rand kann ein Schäfer mit Hut und Stock ausgemacht werden, neben ihm zwei Hunde.

Wanderschäfer zu sein, bedeutet aber auch Verantwortung für die Herde und Verantwortung gegenüber den Flächen, die beweidet werden. Was muss man als Schäfer also alles können? Wo dürfen Schafe überhaupt weiden und welche Aufgaben erfüllen sie damit?

Schafe am Großglockner. (c) Christina Schwann, ökoalpin

Die Schäferei ist nicht nur Berufung, sondern auch Beruf. In Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt es verschiedene Wege, Schäfer zu werden – meist, ist die Ausbildung in einer landwirtschaftlichen Schule eingebettet. Die einzig wirklich anerkannte Ausbildung bietet zurzeit aber nur Deutschland. In drei Jahren kann man „Tierwirt – Fachrichtung Schäferei“ studieren und ist dann Schäfer mit Kenntnissen über Behütung, Zucht und Verwendung von Schafen – also von der Wolle bis hin zum Fleisch.

 

Wollige Rasenmäher

Was in Asien oder Afrika ganz normal ist, ist in Deutschland eher selten und wird in Österreich fast gar nicht praktiziert – das nomadisierende Herumziehen mit einer großen Herde an Schafen und manchmal auch Ziegen. Die Gründe liegen auf der Hand: beinahe jedes Stück Land in unseren Breitengraden hat einen definierten Besitzer. Freies Land, also allgemein zugängliches Land, gibt es fast nicht mehr.
Dennoch: wo die Schafe eingesetzt werden, erfüllen sie gleich mehrere wichtige Aufgaben. Gibt es Vereinbarungen mit den Bauern, werden die Schafe im Herbst, Winter und Frühling über die Felder getrieben und fressen den Aufwuchs, der ansonsten keinen Nutzen mehr bringt.

 

Der Apollofalter gibt ihnen recht

Schmetterling Apollofalter

(c) Pixabay

Auf schwer zugänglichen Flächen werden Schafe ganz bewusst als Rasenmäher eingesetzt. Sie sind geländegängig und bewahren die Flächen vor der gänzlichen Verbuschung. Dass sie sogar ganz entscheidend zur Biodiversität beitragen, darüber sind sich die Wissenschaftler einig und der Apollofalter gibt ihnen Recht. Diese in Mitteleuropa bereits seltene Schmetterlingsart gilt als „Schirmart“ – wo sie vorkommt, geht es auch den anderen Kleinstlebewesen gut.

 

 

Schafe im Zillertal. (c) Christina Schwann, ökoalpin

Wanderschäferei in den Alpen

In Österreich gibt es geschätzte 400.000 Schafe, von denen rund 10.000 jeden Sommer auf die Hochalmen getrieben werden. Aber das allein ist noch keine Wanderschäferei, denn die Schafe sind meist den ganzen Sommer über, sich selbst überlassen. Ausfälle durch Blitzschlag, Krankheit, Absturz oder schlicht Verschwinden sind häufig und schlagen sich in den Zahlen durchaus zu Buche – ganz ohne Wolf, wohlgemerkt.

Dass es aber absolut Sinn macht, die Schafe auch auf den Almen zu behirten, macht Landwirt, Schäfer und Gewinner „Die Brennessel 2017“ Thomas Schranz im Kaunertal vor. Er setzt seine Wanderschafe gezielt auf erosionsgefährdeten Flächen ein, was Lawinenereignissen und Murenabgängen vorbeugt.

Die Schafe steigern zudem die Artenvielfalt und festigen den Boden durch Tritt. Unverzichtbar wertvolle Aufgaben, die gerade im Zuge des Klimawandels, der im alpinen Raum durch punktuelle Starkniederschläge, Stürme und Trockenphasen besonders stark zu spüren ist, mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Grundvoraussetzung für die Erfüllung der Aufgaben ist dabei aber die Lenkung der Schafe in eben jene Bereiche, die sie beweiden sollen – Dauer und Intensität müssen stimmen. Dass das allein aber das „Herdenmanagement“ bei weitem noch nicht ausmacht, erklärt Thomas Schranz im Zuge der geführten Wanderung „Region im Wandel“ am Freitag, den 22. Juni 2018 im Tiroler Kaunertal persönlich.

Wenn du Thomas Schranz und seine Schafe kennen lernen möchtest, dann komm um 9.15 Uhr zum TVB in Ried im Oberinntal (Anmeldung bis zum Vortag 16:30 Uhr erforderlich).

Autorin: Christina Schwann

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