Wildgänse: Über Schwesternliebe und andere Familienkonstellationen

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(c) Nationalpark-Neusiedler-See-Seewinkel

Jeden Herbst kann man im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel ein Spektakel beobachten: Tausende Gänse brechen im sogenannten „Gänsestrich“ gemeinsam in V-Formation auf, um frühmorgens Futter zu finden. Bei Sonnenuntergang kehren sie wieder zurück. Dazu leben sie ein recht ungewöhnliches Familienleben.

 

Nun ist es wieder so weit: Die Blätter färben sich und die Dunkelheit überrascht einen jeden Tag etwas früher. Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel heißt das außerdem, dass hoher Besuch ins Haus steht. Denn jedes Jahr fliegen Gänse aus ihrem Winterquartier im Norden in den Nationalpark, um hier zu rasten oder gar zu überwintern. Während im Sommer ausschließlich Graugänse (Anser anser) im Schilfgürtel des Nationalpark zu finden sind, um an den Lacken zu brüten, kommen im Herbst auch andere Gänsearten dazu. Neben Saat- und Blässgänsen finden sich so vereinzelt auch seltene Arten wie Zwerg-, Rosthals- oder Nonnengans.

Kommt man zu dieser Zeit in den Nationalpark, ist die Schar an Gänsen kaum zu übersehen – und das nicht nur zwischen dem Schilf. Schaut man in den Himmel, sieht man, wie die Gänse in einer typischen Keilformation fliegen – dem berühmten Gänsestrich. In der Früh brechen so tausende Gänse auf, um in den nahgelegenen Feldern Futter in Form von Körnern und Gras zu suchen. Bei Sonnenuntergang kehren sie wieder zu ihrem traditionellen Schlafplatz, der Langen Lacke, zurück. Das Schlafen in der Gruppe gibt Sicherheit in der Nacht, aber auch das gemeinsame Fliegen hat Vorteile, denn in einer solchen V-Formation zu fliegen bedeutet eine Energieeinsparung für die einzelnen Individuen. Durch den vorausfliegenden Vogel kommt es zu einer Verringerung des Luftwiderstandes. Der Wirbel durch den Flügelschlag führt zum Aufwind. Jedoch muss nicht eine einzige Gans die Last der anstrengenden, führenden Position übernehmen. Die Spitze wird regelmäßig gewechselt.

 

Gänse-Inventur

(c) Nationalpark-Neusiedler-See-Seewinkel

Von Oktober bis März wird das „Federvieh“ im österreichischen und ungarischen Teil des Nationalparks monatlich gezählt. Deshalb weiß man, dass mehrere Tausend Gänse hier Rasten und überwintern. Je nach Wetter können auch bis zu 35.000 Gänse gezählt werden. 1.500 Grauganspärchen brüten im Nationalpark. Um das Zugverhalten der Graugänse des Nationalparks zu beobachten, startete diesen Juni auch ein Projekt von Birdlife Österreich.

Schon Konrad Lorenz, einer der Begründer der Verhaltensbiologe, wusste um die besonderen, sozialen Eigenschaften der Graugänse Bescheid. Die Paare bleiben oft jahrelang, manche sogar lebenslang, zusammen. Doch sind die Beziehungen zwischen den Tieren vielfältig: auch homosexuelle Beziehungen sind möglich, sowie eine Gemeinschaft aus drei Tieren. Und auch unter Geschwistern gibt es Besonderheiten: Schwestern bleiben oft ein Leben lang nah beieinander, manchmal kümmern sie sich sogar gemeinsam mit den Partnern um ihren Nachwuchs. (Autorin: Katharina Kropshofer)

 

 


Willst du auch beobachten, wie sich der Himmel beim Gänsestrich mit Vögeln füllt?

Noch zweimal hast du die Chance:

Wann?

Samstag, 17. November 14:00

Samstag, 24. November 14:00

Wo? Informationszentrum Illmitz, Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel

Link zur Veranstaltung


 

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