10 heimische Laubbäume kennen & erkennen

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Der österreichische Wald besteht zu über 70 % aus Nadelgehölzen. Ausgedehnte Laubwälder und laubdominierte Mischwälder finden sich bei uns im Grunde nur entlang der großen Flüsse und in einigen Regionen im Osten des Landes. Dennoch sind Laubbäume aus unserer Umwelt nicht wegzudenken. Ob im Park oder Garten, entlang der Straßen, mitten im Dorf oder tief im Wald. Laubbäume schenken Leben und bieten wertvolle Lebensräume! Sie schlagen fast überall Wurzeln und bestimmen das Bild der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Blühendes Österreich stellt dir zehn heimische Laubbäume vor und hilft dir, sie zu erkennen.

Laubbaeume Feldahorn acer campestre

(c) pixabay.com / Feldahorn

1 Feldahorn (Acer campestre)

  • Höhe: bis 15 m, oft strauchförmig; Blätter: bis zu 10 cm breit, meist fünflappig und gerundet.

Wer A sagt, muss Ahorn sagen. Unter den heimischen Ahornbäumen ist der Feldahorn leicht zu erkennen. Seine relativ kleinen Blätter haben meistens fünf Lappen, deren Spitzen und Buchten abgerundet sind. Der dicht verzweigte Feldahorn bleibt oft niedrig und unauffällig. Er versteckt sich in unseren Hecken, Gebüschen und Waldrändern. Im offenen Agrarland bietet er vielen Wildtieren Schutz und Deckung, allen voran den Vögeln! Sein Laub verrottet gut und düngt den Boden. Früher wurde es übrigens als Viehfutter verwendet und mancherorts sogar zu Speisen verkocht. Im Herbst legt der grüne Feldahorn ein zartes Gelb an, das bei starkem Frost ins Orange spielen kann.

Laubbaeume rotbuche Fagus sylvatica

(c) pixabay.com / Rotbuche

2 Rotbuche (Fagus sylvatica)

  • Höhe: bis 45 m; Blätter: 7-10 cm, oval, schwach gezähnt; Rinde: grau, fast immer glatt.

Jeder zehnte Baum in Österreich ist eine Buche! Sie ist bei uns also mit Abstand der häufigste Laubbaum und bildet auch relativ einheitliche Wälder aus. Diesen „Säulenhallen“ lastet etwas zu Unrecht ein Vorwurf der Artenarmut an. Alternde Buchenbestände mit hohem Totholzanteil und Lücken, in welchen andere Bäume Licht finden, können sich zu wunderbaren Mischwäldern entwickeln. Alle paar Jahre ist hier der Tisch mit Bucheckern besonders reich gedeckt. In diesen Mastjahren finden Eichhörnchen, Rötelmäuse oder Wildschweine beispielsweise viel Nahrung. Die heimische Buche ist typisch für die feucht-gemäßigte Klimazone und steigt im Gebirge gern bis zu 1000 m Seehöhe die Hänge hinauf.

Laubbaeume sommerlinde Tilia platyphyllos

(c) pixabay.com / Sommerlinde

3 Sommerlinde (Tilia platyphyllos)

  • Höhe: bis 40 m; Blätter: bis zu 18 cm lang, annähernd herzförmig und beidseitig leicht behaart.

In Bergwäldern und Schluchten fühlt sich auch die Sommerlinde wohl. Weniger häufig als die sehr ähnliche Winterlinde kannst du sie von dieser an der Behaarung der Blätter und Blattstiele unterscheiden. Im Juni verströmen die Blüten der Sommerlinde ihren süßlichen Duft durch Wald und Flur und schenken der Insektenwelt reichlich Nektar. Welcher Lindenblütenhonig denn nun der bessere ist, könnte man die Bienen fragen! Oder doch besser einige Blattläuse, die den klebrigen Honigtau produzieren? Freistehend und in Alleen können Linden zu wahren Baumdenkmälern heranwachsen und 1000 Jahre alt werden. Oft stehen solche Monumente auf Dorfplätzen, wo sie unsere Sommerfeste beschirmen.

Laubbaeume Gruenerle

(c) shutterstock / K.Jakubowska / bildagentur Zoonar GmbH / Grünerle

4 Grünerle (Alnus alnobetula)

  • Höhe: bis 6 m; Blätter: bis zu 8 cm, oval und doppelt gesägt; Blütenkätzchen und kugelige Früchte.

Von mächtigen Dorfbäumen kann die Grünerle nur träumen! Sie ist ein Pionier des Hochgebirges und begleitet dich auf Wanderungen an der absoluten Baumgrenze. In dieser Kampfzone trotzt sie Wind und Wetter und biegt sich im Winter oft unter dicken Schneedecken. An steilen Hängen befestigt die Grünerle den dünnen Boden und schützt so vor Lawinen und Muren. In den Tälern kann sich unsere „Baumlatsche“ nur an besonders unwirtlichen, schattigen und feuchten Stellen durchsetzen.

Laubbaeume Haengebirke betula pendula

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5 Hänge-Birke (Betula pendula)

  • Höhe: bis 25 m; Rinde: weiß mit schwarzen Rissen und Furchen; Blätter: bis zu 7 cm, zugespitzt.

Auch die Hänge-Birke ist ein Asket unter den heimischen Laubbäumen. Sie ist die häufigste der vier in Österreich natürlich vorkommenden Birkenarten. Birken sind konkurrenzschwach und typische Lichtbaumarten, die sich nur an offenen Standorten wie Halden und Brachen eine Zeit lang zu behaupten wissen. Auch auf sandigen oder sauren Böden und selbst in Mooren kommt die Hänge-Birke gut zurecht. Wird sie angepflanzt, ist die schnellwachsende Birke ein wertvoller Holzlieferant. Sie liefert gutes Brennholz und dient beim Bau robuster Möbel. Die Birke ist auch ein Sinnbild des Frühlings und wird in Österreich mit Vergnügen als Maibaum aufgestellt!

Laubbaeume gemeine esche Fraxinus excelsio

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6 Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)

  • Höhe: bis 40 m; Blätter: bis zu 40 cm, gefiedert; Knospen am Ende des Winters dick und schwarz.

Die Esche liebt tiefgründige Böden und begleitet gern die Buche in den heimischen Laubwäldern. Feuchtigkeit ist ihr wichtig und so finden wir sie auch oft nahe am Wasser, zum Beispiel in der Au. Ihr hartes und vielgenutztes Holz macht die Gemeine Esche zu einem sogenannten Edelholzbaum. Aber wusstest du, dass ihr Laub früher im großen Stil geerntet und als Viehfutter verwendet wurde? In der Natur ist die anspruchsvolle Esche Teil eines weit verzweigten Ökosystems. Alte Eschen können unzähligen Insekten, Flechten und Moosen einen exklusiven und wichtigen Lebensraum bieten. Leider ist dieser wunderbare Baum bei uns seit einigen Jahrzehnten vom sogenannten Eschensterben bedroht und muss vielerorts geschlägert werden. Gleichzeitig bemühen sich viele Menschen aus der heimischen Forschung, Holzwirtschaft und Naturschutzpolitik um eine Lösung. Wie diese aussehen könnte, erfährst du zum Beispiel beim Projekt  „Esche in Not“.

Laubbaeume Flaumeiche Quercus pubescens

(c) pixabay.com / Flaumeiche

7 Flaumeiche (Quercus pubescens)

  • Höhe: bis 25 m; Blätter: bis zu 9 cm, jung beidseitig flaumig behaart, später nur an der Unterseite filzig.

Heimische Eichenarten sind oft nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Und einige hybridisieren auch noch! Die Flaumeiche kannst du aber meist gut an ihrem flaumigen Laub erkennen. Warm und trocken mag es dieser schöne Laubbaum, der sein Hauptverbreitungsgebiet am Mittelmeer hat. Bei uns wächst er in den östlichen Beckenregionen oder im Steirischen Hügelland. Flaumeichen können besonders artenreiche lichte Wälder und parkähnliche Landschaften bilden. Solche Eichenwiesen sind, vor allem wenn sie durch Beweidung genutzt und gepflegt werden, wahre Hotspots der Biodiversität, die zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen beherbergen. Das sommergrüne Laub trocknet im Herbst in warmen Rottönen und bleibt oft den ganzen Winter über am Baum. Flaumeichen liefern Brennholz und sind übrigens ein guter Wirt von Trüffeln.

Laubbaeume Edelkastanie

(c) shutterstock / Erni / pixabay.com / Edelkastanie

8 Edelkastanie (Castanea sativa)

  • Höhe: bis 30 m; Blätter: bis zu 20 cm, langgestreckt oval, am Rand gezähnt; charakteristische Früchte.

Der Maroni-Baum ist auch bei uns heimisch! Vermutlich war er das sogar schon, bevor ihn die Römer in ihrem großen Reich als wichtige Nahrungsquelle kultivierten. Ähnlich der Flaumeiche wächst die Edelkastanie in Österreich in wärmebegünstigten Lagen, liebt es aber ein wenig feuchter. Manche Bäume werden viele hundert Jahre alt und entwickeln sich zu echten Riesen, die mehrere Meter Stammumfang haben. Alte Edelkastanien sind zudem oft hohl und nicht nur Insekten, sondern auch Spechten, Eulen oder Siebenschläfern ein richtiges Luxushotel. Der Mensch nutzt das Holz dieses Laubbaums für Zäune und Weinfässer, besonders aber genießt er die nahrhaften Früchte in allerlei Formen. Natürlich werden unsere „wilden Maroni“ nicht so groß wie importierte. Aber gibt es etwas Schöneres als nach einem Herbstspaziergang im Wald ein paar eingesammelte Edelkastanien im Ofen zu rösten?

laubbaeume Wildkirsche Prunus avium

(c) shutterstock / Bildagentur Zoonar GmbH / Celebrian / Wildkirsche

9 Wild-Kirsche (Prunus avium)

  • Höhe: bis 25 m; Rinde: rötlich-grau, recht glatt mit Querstreifen; Blätter: bis zu 12 cm, grob gesägt.

Die Vogelkirsche ist die Wildform unserer Speisekirsche. Ihre kleinen Früchte locken im Sommer unzählige Vögel an, um die Samen zu verbreiten. Die wilde Kirsche wächst in Hecken und Gebüschen, meistens aber in gemischten Wäldern. Dort fällt sie uns besonders im Frühling auf. Wenn die Massenblüte einsetzt und die noch unbelaubten weißen Wildkirschenbäume aus dem Grün leuchten, sind auch sämtliche Bienenvölker der Umgebung zur Stelle, um Pollen und süßen Nektar zu sammeln! Ihr Holz wird heute wieder in der Tischlerei verwendet. Und die Kerne der Wild-Kirsche kannst du ganz kostenlos einsammeln, um zum Beispiel ein Heizkissen für den nächsten Winter zu füllen.

Laubbaeume feldulme Ulmus minor

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10 Feldulme (Ulmus minor)

  • Höhe: bis 40 m; Blätter: bis zu 10 cm und zugespitzt, Blattspreite an der Basis stark asymmetrisch.

Die Feldulme war einst ein in großen Teilen Europas weit verbreiteter und gern gepflanzter Baum. Vielfältig genutzt und im Rahmen heidnischer Kulte verehrt, bestimmte sie das Leben der Bauern und prägte die traditionellen Kulturlandschaften. Doch seit knapp hundert Jahren macht unseren Ulmen, und besonders der Feldulme, ein bösartiger Pilz zu schaffen, der die Wasserversorgung größerer Bäume beeinträchtigt. In vielen Regionen findet man heute fast nur noch junge Feldulmen, die im Dickicht um ihr Leben kämpfen. Dabei kann dieser große heimische Laubbaum ein Alter von 500 Jahren und mehr erreichen! Wer einen solchen Überlebenden in seiner Gegend kennt, kann sich also glücklich schätzen, denn mittlerweile steht die Feldulme in Österreich auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

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