Alte Gemüsesorten: Mehr denn je!

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Im Juli und August kommt frisches Fruchtgemüse auf den Teller! In den heimischen Gärten reifen während des Hochsommers unzählige Sorten von Tomaten, Auberginen, Bohnen oder Kürbissen und liefern uns frische gesunde Früchte. Doch wie viele unterschiedliche gibt es tatsächlich? Und welche passen am besten in dein Beet? Blühendes Österreich serviert dir die Gemüsevielfalt in einem Menü aus alten Sorten, jungen Projekten und Tipps für den Garten.

Tomaten (c) pixabay

Obst oder Gemüse?

Bei der Definition von Obst und Gemüse sind sich Botaniker und Ernährungswissenschaftler nicht ganz einig. Die essbaren Früchte von mehrjährigen Pflanzen wie Bäumen und Sträuchern werden gemeinhin als Obst bezeichnet. Unsere Fruchtgemüse hingegen stammen von einjährigen Pflanzen, doch entstehen sie genau wie Äpfel und Birnen aus bestäubten Blüten. Es handelt sich also um echte Früchte, die mit anderen Gemüsearten aus Blättern, Wurzeln oder Knollen nur bei Ernte und Einkauf in einen Korb geworfen werden sollten!

Heimisches Fruchtgemüse!

Obwohl es auch über die Sortenvielfalt von Salaten, Karotten oder Kartoffeln viel zu erzählen gibt, lassen wir die Sonne diesmal auf Paradeiser, Melanzani, Fisolen und Kürbisse scheinen! Die wichtigsten Fruchtgemüse reifen also auf einjährigen Pflanzen, die aus drei großen Familien stammen. Tomaten, Auberginen, Paprika und Chilipflanzen sind sogenannte Nachtschattengewächse (Solanaceae). Auch Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) wie Gurken, Zucchini, Melonen und natürlich die unzähligen Kürbissorten haben als Fruchtgemüse eine große Bedeutung. Die dritte Rolle in unserem Ensemble spielen die Hülsenfrüchtler (Fabaceae) mit ihrer fast unendlichen Vielfalt an Bohnen, Erbsen und Linsen!

 

Was steckt im Fruchtgemüse?

Dass Fruchtgemüse zu den beliebtesten Nahrungsmitteln zählen, hat viele Gründe. Einer davon: Es steckt so viel Gutes darin! Wie Obst enthält Fruchtgemüse vor allem viele Vitamine, gesunde Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Wasser. Gerade Gurken und Melonen sind wahre Wasserbomben, die dich im Sommer ausreichend mit Wasser versorgen, ohne dass du ständig trinken musst. Hülsenfrüchte wiederum zeichnen sich durch einen hohen Eiweißanteil aus. Bohnen und Erbsen können deshalb einen wichtigen Beitrag für vegetarische oder vegane Ernährung leisten.

Kunterbunte Vielfalt!

Außerdem gilt: Je bunter, desto gesünder! Für die vielen Farben im Fruchtgemüse sorgen oft sekundäre Pflanzenstoffe. Sie schützen eigentlich die Pflanze selbst, haben beim Verzehr aber auch auf den menschlichen Körper viele positive Wirkungen. Beispielsweise durch Antioxidantien! Ihr besonderer Wert liegt ebenfalls in der Nutzung von Vielfalt und Abwechslung. Ob rabenschwarze Black Krim Tomaten, blütenweiße Bianca Auberginen oder gelbrote Buschbohnen: In all seiner Vielfalt schenkt uns Fruchtgemüse ebenso viele Farben wie verschiedene Aromen. Und isst das Auge mit, wird auch das einfachste Gericht zum kulinarischen Hochgenuss.

Kürbis (c) pixabay

Alte Sorten in aller Munde?

Obwohl alte Obst- und Gemüsesorten seit einigen Jahren eine kleine Renaissance erleben, kultivieren und essen wir heute nur noch einen kleinen Bruchteil früherer Vielfalt. Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) schätzt, dass in den letzten 100 Jahren weltweit 75% der landwirtschaftlich genutzten Vielfalt verloren gegangen ist!

Anders als die allgemeine Artenvielfalt ist die Diversität an Kulturpflanzen nicht nur ein Schatz der Natur, sondern auch ein Werk des Menschen. Seit über 10 000 Jahren kultivierten Bauern in der ganzen Welt ausgesuchte Wildpflanzen und passten sie durch Zucht und Kreuzung an lokale Bedingungen perfekt an. Auch die Vielfalt der Fruchtgemüse ist ein Ergebnis der Bemühungen, Kulturpflanzen und ihre Früchte robuster und schmackhafter zu machen. Die Industrialisierung der Landwirtschaft förderte allerdings vor allem wenige, besonders ertragreiche Sorten und legte den Fokus zunehmend auf die Resistenz gegenüber Pestiziden und die Lagerfähigkeit der Früchte. Zudem entstanden durch Hybridisierung viele Gemüsesorten, deren Samen nicht mehr keimfähig sind.

Warum wir die Vielfalt brauchen!

  • Die Vielfalt an Kulturpflanzen schützt unsere Umwelt und uns selbst.

Nachhaltige Landwirtschaft mit vielen robusten Sorten und klugen Fruchtfolgen kommt ohne Gifte aus und federt Wetterextreme und andere Störungen ab. Monokulturen laugen die Böden aus, sind wesentlich anfälliger für Schädlinge oder Klimaschäden und garantieren keine Ertragssicherheit. Unserer Gesundheit ist nicht nur die abwechslungsreiche Ernährung an sich zuträglich. Viele alte und seltene Sorten von Fruchtgemüse enthalten wertvolle Inhaltsstoffe. Auch Allergiker, Veganer und Low-Carb Fans finden in dieser Schatzkammer immer Alternativen.  

  • Die Vielfalt an Fruchtgemüse sorgt für den richtigen Geschmack.

Die typische Hybridtomate aus dem Glashaus wurde lange vor ihrer Reife geerntet, wochenlang gelagert und schmeckt… nach nichts! Wer in einen echten, im Freiland kultivierten, vollreifen Ochsenherz Paradeiser beißt, dem explodieren die Aromen am Gaumen und dem zaubert die Süße ein Grinsen ins Gesicht.  Alte Gemüsesorten mögen geringere Erträge erzielen. Ihr Geschmack ist unvergleichlich.

  • Die Vielfalt an Saatgut senkt Hunger und Not und fördert die Selbstbestimmung.

Einige wenige multinationale Unternehmen bestimmen den globalen Markt an Nutzpflanzen und zwingen durch den Verkauf von sterilem Saatgut Landwirte in die Abhängigkeit. Der Anbau und Austausch von regionalen Sorten, welche lokal gut angepasst sind und sich wieder aussäen lassen, fördert die Ernährungssouveränität in aller Welt.

 

Wer kümmert sich um die Vielfalt der Fruchtgemüse?

Jeder und jede Einzelne kann durch den verstärkten Konsum von alten und seltenen Gemüsesorten zu deren Erhaltung beitragen und sich gleichzeitig selbst etwas Gutes tun! Wenn du einen Garten oder Balkon besitzt, informiere dich über die Möglichkeiten, die Vielfalt auszuschöpfen und gesunde Jungpflanzen oder biologisches samenfestes Saatgut zu beziehen. Die Robustheit und der Geschmack vieler kaum bekannter Sorten von Tomaten, Zucchini oder Bohnen werden dich und deine Familie überraschen!

Wer Initiativen und regionale Projekte zur Bewahrung der Gemüsevielfalt unterstützen will, kann sich auch an Vereine und Kooperativen wenden, die in letzter Zeit zum Glück wieder erfolgreicher für die Erhaltung der landwirtschaftlichen Vielfalt kämpfen. Hier kannst du dir sicher auch Tipps für deinen Garten und den Anbau regionaler Sorten holen!

In Österreich setzt sich beispielsweise der Verein Arche Noah seit über 25 Jahren für die Bewahrung und Entwicklung der heimischen Kulturpflanzenvielfalt ein. Aktuell stehen bei der Arche Noah etwa 4500 Gemüsesorten im Katalog! (Autor: Stefan Agnezy)

Du bist bei der Gemüsevielfalt auf den Geschmack gekommen? Du möchtest mehr erfahren oder wissen, wie viele Sorten an heimischen Fruchtgemüse es wirklich gibt?

Der Terminkalender der Arche Noah ist rund um das Jahr randvoll mit vielen Aktivitäten vom Seminar über Jungpflanzenmärkte bis zur Verkostung.

Eine gute Gelegenheit, sich umfassend zu informieren, gibt es bald im Rahmen einer großen Kooperationsveranstaltung zur Vielfalt der Fruchtgemüse:

Wann? 31. Juli 2018

Wo? Biobetrieb Mayr-Lamm, 4511 Allhaming (Oberösterreich)

Mehr Infos.


 

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