Diese artenreichen Zukunftsaussichten wurden mit Changemaker #nature von der BILLA Stiftung Blühendes ausgezeichnet.
Vom Unterrichtsraum ins Freiluft-Klassenzimmer
In der niederösterreichischen Weinbaugemeinde Gumpoldskirchen kehrt die Natur zurück: Auf einer 6.900 Quadratmeter großen Wiese nahe der Volksschule entsteht eine Streuobstwiese mit Obstbäumen, heimischen Hecken und Steinhaufen – ein Paradies für Schmetterlinge, Wildbienen und Vögel. Denn: Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Kulturlandschaften Mitteleuropas. Sie bieten über 5.000 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.
Angestoßen wurde das Projekt im Zuge eines besonderen Meilensteins: 2025 wurde die Volksschule Gumpoldskirchen zur Naturparkschule des Naturparks Föhrenberge.
„Wir wollten unbedingt ein eigenes Naturprojekt starten“, erzählt Direktorin Birgit Obermann. „In Gesprächen mit der Gemeinde bekamen wir zwei mögliche Grundstücke angeboten – und so entstand die Idee, eine Streuobstwiese anzulegen.“ Möglich wurde das Projekt auch durch den Changemaker Call von Blühendes Österreich.
Pflanzen, Graben, Gestalten
Beim Pflanztag im Herbst 2025 arbeiteten alle acht Klassen der Volksschule auf der Wiese. In kleinen Gruppen pflanzten die Kinder Heckensträucher und Obstbäume.
„Jeder Baum hat einen Kinderpaten“, berichtet Obermann. Viele Kinder kümmern sich um „ihren“ Baum auch außerhalb der Schulzeit – gemeinsam mit Eltern oder Großeltern. Viele berichten montags im Morgenkreis, dass sie ihren Baum besucht haben.
Von artenarm zu artenreich
Für die Kinder waren die Pflanzaktionen mehr als nur ein Unterrichtsprojekt. Sie konnten selbst gestalten, Verantwortung übernehmen und beobachten, wie aus einer einfachen Wiese Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum entsteht.
Nach einer kurzen Einführung durch die Biolog:innen des lokalen Landschaftspflegevereins ging es ans Werk: Pflanzlöcher vorbereiten, Setzlinge einsetzen, Erde festdrücken und die jungen Pflanzen mit Pfählen und Schutzgittern sichern.
Neben den Schüler:innen beteiligten sich auch spontan zahlreiche Bewohner:innen der Gemeinde an den Pflanzarbeiten. Familien, Gemeindemitglieder und Vertreter:innen der Marktgemeinde halfen beim Setzen der Sträucher und Bäume.
Neue Heimat für seltene Arten
Gumpoldskirchen liegt an der Thermenlinie – einer Region, die für ihre außergewöhnliche Artenvielfalt bekannt ist. Während an den Hängen des Wienerwaldes noch viele wertvolle Landschaftselemente erhalten sind, hat die intensive landwirtschaftliche Nutzung in der Ebene die Natur verdrängt.
Die neue Streuobstwiese soll künftig vielen Tieren und Pflanzen zugutekommen. Gepflanzt wurden unter anderem alte, regionstypische Obstsorten wie Mandel und Weingartenpfirsich sowie heimische Sträucher wie Dirndl, Steinweichsel, Wolliger Schneeball oder Purgier-Kreuzdorn.
Sie bieten Lebensraum für Schmetterlinge wie Segelfalter, Zitronenfalter und das Wiener Nachtpfauenauge, für zahlreiche Wildbienenarten sowie für Vogelarten wie Rebhuhn, Neuntöter und Zaunkönig.
Auch Reptilien wie Smaragdeidechse und Schlingnatter sowie kleine Säugetiere wie der Igel profitieren von den neuen Strukturen.
Ein Projekt, das weiter wächst
Doch das Projekt ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren sollen die Kinder die Entwicklung ihrer Streuobstwiese weiter beobachten. Welche Vögel brüten hier? Welche Insekten kommen zurück? Die Bäume, die sie heute pflanzen, werden sie noch lange begleiten.
Hinweistafeln erklären bereits heute die Bedeutung der Fläche, weitere Bildungsprojekte sind geplant.