Bartgeier: Die große Rückkehr

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Bis in die 1980er Jahre war der Bartgeier im Alpenraum ausgestorben. Heute ist er aufgrund vieler Schutzbemühungen zurückgekehrt. Was den eitlen Knochenfresser zu einem besonderen Spezialisten macht, liest du hier:

Das Aussterben des Bartgeiers beruht eigentlich auf einem Missverständnis. Lange dachten viele, dass er ein gefährlicher Beutegreifer sei und sich – wie es zum Beispiel Steinadler und andere Greifvögel machen – von oben in die Tiefe stürzt. Neben Mäusen und jungen Hasen oder Gämsen, gehören ab und an auch landwirtschaftlich eingesetzte Tiere wie Hühner oder Lämmer zum Futter von Beutegreifern. Obwohl sich der Bartgeier fast ausschließlich von Knochen ernährt, bekam er aufgrund dieses Irrglaubens den Beinamen Lämmergeier. In manchen Lehrbüchern hieß es sogar, dass er Kinder fassen könnte. Das falsche Bild führte dazu, dass der Vogel im Alpenraum oft abgeschossen wurde. Dazu kam, dass die Bestände vieler Huftiere, seiner Futterquelle, zurückgingen. Er starb aus.

Knochenfressen leicht gemacht

Der Bartgeier ist der einzige Geier, der sich auf Knochen spezialisiert hat. Denn die meisten Arten, können diese aufgrund des hohen Kalkgehalts nicht verdauen. Sie sind schlichtweg zu hart. Nur mit verschiedenen Anpassungen, wie einem sehr sauren Magensaft, kann der Bartgeier den Kalk auflösen. Seine Schnabelöffnung ist groß und seine Luftröhre reicht fast bis zur Schnabelspitze, deshalb bekommt er auch noch genug Luft, sollte ein Knochen im Rachen feststecken. Das ist aber nicht die einzige Eigenschaft, die den Bartgeier zum Spezialisten macht: Ist ein Knochen zu groß, fliegt er hoch und lässt diese aus großer Höhe auf Steine fallen. Eine Fähigkeit, die er beim Heranwachsen immer weiter übt und verbessert. In Tirol hat ihm das den Spitznamen „Boanbrüchl“ gebracht, in Spanien nennt man ihn auch „Quebrantahuesos“ – Knochenbrecher.

Mit bis zu 2,9 Metern Flügelspannweite ist er der größte Vogel Europas. Seinen Namen hat er von seinem charakteristischen „Bart“. Dabei sind zwei dunkle Federn gemeint, die neben seinem Schnabel herabhängen. Wozu diese dienen, ist nicht geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass er sein rötliches Gefieder bewusst einfärbt: Junge Vögel haben noch dunkelbraune Federn, die aber zunehmend weiß werden. Immer wieder wird deshalb beobachtet, wie die Vögel Wasserstellen mit Eisenoxid-haltigen Sedimenten aufsuchen. Sie baden darin, um ihr Brustgefieder wieder orange zu färben.

Wiederansiedlung mit Hilfe

Im 18. Jahrhundert war der Bartgeier noch weit verbreitet. Er war fast in allen Gebirgen Eurasiens und Afrikas heimisch. Damit das wieder so wird, haben es sich verschiedene Organisationen, Stiftungen und Nationalparks zur Aufgabe gemacht, für die Wiederansiedlung des Geiers in den Alpen zu sorgen und richtige Informationen zu verbreiten. Die ersten Versuche in den 1970er Jahren scheiterten: Zwei Forscher hatten wilde Geier in Afghanistan eingefangen und in den französischen Alpen freigelassen. Ein paar Jahre später realisierten die Fachleute, dass man statt adulte Tiere einzufangen, besser Jungtiere aus Zoos aussiedeln und züchten sollte. 90 bis 100 Tage alte Bartgeier werden dabei aus den Nestern entnommen und in Auswilderungsnischen gebracht. Dort werden sie beobachtet und gefüttert, bist sie selbst flugfähig sind. Die erste erfolgreiche Auswilderung fand 1986 im Nationalpark Hohe Tauern statt.

Bis 2018 wurden so 223 junge Bartgeier im Alpenraum ausgewildert, 63 davon in Österreich. Da die genetische Vielfalt noch recht klein ist und Bartgeier maximal ein Jungtier pro Jahr und Brutpaar aufziehen können, ist es weiterhin wichtig, die Tiere zu schützen und auszusiedeln. Es hilft aber schon, gesichtete Tiere auf entsprechenden Seiten einzutragen (zum Beispiel auf http://bartgeier.ch/ )

(Autorin: Katharina Kropshofer)

 

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