Nationalpark Hohe Tauern: 7 Fakten für wahre Kenner

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Der Nationalpark Hohe Tauern ist mit einer Fläche von 1.856 km2 das größte zusammenhängende Schutzgebiet der Alpen und eines der größten in Europa. Jeder kennt und liebt den Nationalpark. Aber hast du diese 7 Dinge schon gewusst?  

1 Nationalpark zu werden ist schwerer als man denkt

Die Entstehungsgeschichte des Nationalparks liest sich wie ein Krimi und bei Zeitzeugenberichten läuft es einem kalt über den Rücken. Aber fangen wir von vorne an: 1971 trafen sich die Landeshauptleute der drei Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol in Heiligenblut und legten mit ihrer Unterschrift in der so genannten „Heiligenbluter Vereinbarung“ den Grundstein für die Gründung eines Nationalparks. Dass die darauffolgenden Verhandlungen zäh werden würden, war absehbar, denn die Energie- und Tourismuswirtschaft sah in den Hohen Tauern ein unerschöpfliches wirtschaftliches Potenzial, das es zu nutzen galt.

Beispiel Kärnten: Mega-Gletscherskigebiet

In der Wachstumseuphorie der 1960er Jahre tauchten Pläne für ein noch nie dagewesenes Mega-Projekt auf: die Erschließung des Tauernhauptkamms für den Wintersport. 10 Gletscher sollten zu einem gigantischen Skizirkus zusammengeschlossen werden.

Für die Gemeinde Mallnitz in Kärnten betraf das Gebiet vor allem das bis dahin völlig unerschlossene Tauerntal. Man wollte eine Erschließungsstraße, zahlreiche Lifte und Pisten sowie auf einer Höhe von etwa 1.700 m eine Hotel- und Appartementanlage mit über 4.500 Betten, Hallenbad, Restaurants, Einkaufsläden, Tennis- und Golfplätzen errichten.

In einem „Schutzgebiet Hohe Tauern“ sah man keinen Widerspruch, schließlich wolle man die Berge einer großen Zahl an Menschen zugänglich machen.

Tipp: Mehr zu dieser Geschichte kannst du im Buch „Alpingeschichte Bergsteigerdorf Mallnitz“ von Erich Glantschnig nachlesen – erhältlich in der Gemeinde Mallnitz.

Beispiel Osttirol: hart umkämpft

In Osttirol lagen seit den 1930er Jahren umfangreiche energiewirtschaftliche Pläne auf dem Tisch. Insgesamt wollte man sieben Speicherseen, zwei im Defereggental, je zwei im Gschlöß- und Virgental und einen im Kalser Dorfertal erreichten.

Jener im Kalser Dorfertal sowie das Riesenkraftwerk an der oberen Isel im Umballtal wurden bis zuletzt forciert. Allerdings hatten die Betreiber nicht mit dem großen Widerstand der einheimischen Bevölkerung gerechnet. Die Kalser Frauen gingen mit ihrem beispiellosen Einsatz für den Erhalt des Dorfertales in die Geschichte ein. Und das Umballtal mit den legendären Umballfällen konnte ebenfalls – nicht zuletzt aufgrund eines gut funktionierenden Netzwerkes an Idealisten rund um die Osttiroler Wolfang Retter und Anton Draxl sowie Peter Haßlacher vom Österreichischen Alpenverein – im wahrsten Sinne des Wortes gerettet werden.

Tipp: Nachzulesen im Buch „Geschichte des Nationalparks Hohe Tauern – Wissenschaftliche Schriften“ von Patrick Kupper und Anna-Katharina Wöbse, erhältlich im Buchladen.

 

„Mitzuerleben, wie es damals tatsächlich abgelaufen ist (…), ist eine Sternstunde – eine Gnade möchte ich fast sagen.“ 

(Peter Haßlacher, ehemaliger Leiter der Abteilung Raumplanung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins, Präsident Cipra Österreich)

Alpensalamander (c) Ch Schwann

2 Drei unter einem Hut

Ein Schutzgebiet über Ländergrenzen zu errichten war und ist nicht ganz einfach. Allein die Vorgeschichte mit den zum Teil äußerst zähen Verhandlungen um das Nationalparkgebiet nahm unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Kärnten konnte die Verhandlungen immerhin 10 Jahre nach der „Heiligenbluter Vereinbarung“ zum Abschluss bringen und machte den Nationalpark mit dem entsprechenden Nationalparkgesetz 1981 amtlich.

1983 folgte das Bundesland Salzburg. Damit warteten alle auf Tirol – und zwar noch weitere 8 Jahre! Nach zähem Ringen beschloss der Tiroler Landtag am 9. Oktober 1991 endlich das Nationalparkgesetz, welches mit 1. Jänner 1992 in Kraft trat.

Heute umfasst der Nationalpark Hohe Tauern eine Fläche von insgesamt 1.856 km2, wovon 805 km2 in Salzburg liegen, 440 km2 in Kärnten und 611 km2 in Tirol und ist fast wie eine Arche Noah für viele seltene Tierarten.

Hochalmspitze (c) Ch Schwann

3 Ein guter Grund mitzureden

Mit 333 km2 ist der Österreichische Alpenverein der größte Grundeigentümer im Nationalpark Hohe Tauern. Schon vor der Gründung des Nationalparks hielt der Alpenverein bei rund 280 km2 Grundeigentum. Mit ein Faktum, warum der Verein in der Entstehungsgeschichte eine wesentliche Rolle spielte. 1918 schenkte beispielsweise Albert Wirth, ein Villacher Holzindustrieller, dem Alpenverein 41 km2 Grund in Kärnten mit dem Wunsch, ein Schutzgebiet zu erreichten. 1986 wurde dieser Grund zu den beiden Sonderschutzgebieten „Gamsgrube“ und „Großglockner-Pasterze“. Im Bereich der Hochalmspitze kaufte der Alpenverein 1988 zusätzlich 8 km2 und konnte damit ein geplantes Skigebiet verhindern.

In Osttirol gehören dem Alpenverein sogar 46 % der Fläche. Damals wie heute eine gute Basis mitzureden.

Der Nationalpark besteht aus Außen- und Kernzonen, (c) Ch Schwann

4 IUCN Anerkennung ließ lange auf sich warten

Der Nationalpark Hohe Tauern wurde von Beginn an in eine Außen- und in eine Kernzone unterteilt. Um aber die Akzeptanz in der Bevölkerung und der Grundeigentümer nicht überzustrapazieren, war zu Beginn die wirtschaftliche Nutzung auch in der Kernzone möglich – vor allem die Jagd spielte dabei eine große Rolle. Erst 2001 erhielt Kärnten durch Vereinbarungen mit der Jägerschaft und einem durchdachten Wildtiermanagement die IUCN (International Union for Conservation of Nature) -Anerkennung, sprich die Kategorie II – Nationalpark. Salzburg und Osttirol konnten 2006 nachziehen. Damit sind die Hohen Tauern seit nunmehr 12 Jahren auch international als Nationalpark anerkannt.

 

 

5 Klimawandel offenbart Klimageschichte

Dass ein Nationalpark unter anderem für Forschung steht, ist bekannt. Dass aber ausgerechnet der Klimawandel der Forschung gleich mehrere sensationelle Funde liefert, ist außergewöhnlich.

Die Pasterze – der mit 8 km und 17 km2 Fläche immer noch größte Gletscher in Österreich – gibt aufgrund des starken Rückgangs des Gletschereises immer wieder Baum- und Torffragmente frei. Schon im Jahr 1990 entdeckte Gletscherforscher Heinz Slupetzky zwei Holzstammreste, die auf 9.000 Jahre datiert wurden. Der riesigen 2014 entdeckten und 2015 geborgenen Zirbe wird ein Alter von rund 6.000 Jahren bescheinigt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor 9.000 und auch zwischen 7.000 und 3.500 Jahren die Baumgrenze 300 bis 400 m höher lag als heute, was auf ein wesentlich wärmeres Klima hindeutet, als wir es aktuell haben.

Der Bartgeier stellt eine Erfolgsgeschichte im Nationalpark Hohe Tauern dar, (c) Ch Schwann

6 Zwei Arten kehren in ihre Heimat zurück

Der Steinbock und der Bartgeier teilen nicht nur ein ähnliches Schicksal, sondern sind auch Teil einer ansehnlichen Erfolgsgeschichte.

Dem Steinbock – oder besser gesagt seinen verwertbaren Teilen – wurde in früheren Zeiten eine starke medizinische Wirkung gegen allerlei Krankheiten nachgesagt. Sein Bestand wurde so stark dezimiert, dass er Anfang des 19. Jahrhunderts bis auf rund 100 Tiere im Gebiet des Gran Paradiso praktisch ausgerottet war. Erst 1960 wurden erste Steinböcke in den Hohen Tauern wieder angesiedelt. Durch die Ernennung zum Nationalpark konnten sich die Bestände erholen und heute leben rund 200 Steinböcke in den Tauern.

Noch schwerer hatte es der Bartgeier. Früher nannte man ihn auch „Lämmergeier“ und beschuldigte den reinen Aasfresser, Lämmer zu reißen. Um 1900 galt er in den Alpen als ausgerottet. Heute weiß man, dass sich unser größter heimische Geier mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,9 m fast ausschließlich von Knochen ernährt. Wer es nicht glauben kann: Im Innsbrucker Alpenzoo grasen die Murmeltiere gemütlich zu seinen Füßen.  

Heute hat sich der Bartgeier zu einer echten Erfolgsgeschichte gemausert: die ersten Exemplare wurden 1986 im Nationalpark Hohe Tauern ausgesetzt und es scheint ihnen zu gefallen. Nach weiteren Freilassungen leben heute rund 170 Exemplare in den Tauern und über das Projekt „Bartgeier Online  kann man die besenderten Vögel und ihre Ausflüge auf einer Karte live mitverfolgen.

 

7 Nationalpark ist nicht nur Wildnis

Der Auszug aus dem Tiroler Nationalparkgesetz führt es deutlich vor Augen: Abschnitt 1, § 1 Grundlagen, (3): Die Sicherung der naturnahen Kulturlandschaft steht gleichrangig neben der Erhaltung der Naturlandschaft.

Dieser Satz ist für die Akzeptanz eines Nationalparks in unseren Breiten sehr wichtig. Von Anfang an hat man erkannt, wie wertvoll die seit Jahrtausenden gepflegte Kulturlandschaft hinsichtlich Artenreichtum, regionaler Wertschöpfung, landschaftlicher Schönheit und Tourismus ist. Ohne die nachhaltige Almwirtschaft, ohne die Bauern, die die steilen Wiesen mähen, ohne Schafe und Kühe wäre die Artenvielfalt im Nationalpark bei weitem nicht so hoch. Es ist das Mosaik an verschiedenen Lebensraumtypen, welches unzähligen Arten eine Heimat bietet. Wie wertvoll der Nationalpark tatsächlich ist, zeigen die aktuellen Artenzahlen. Es wird angenommen, dass rund 1/3 der österreichischen Pflanzenarten und rund 10.000 Tierarten in den Hohen Tauern vorkommen. Z.B.: Rund 32 % der in Österreich vorkommenden Schmetterlingsarten finden sich im Nationalpark, 47 % der Flechtenarten und ca. 42 % der Farn- und Blütenpflanzen.

Mit der Kulturlandschaft, rund 35 % der Gesamtfläche, ist zudem uraltes Wissen, Brauchtum, Tradition und Handwerk verbunden – ein kultureller Schatz, der ebenso Teil des Nationalparks ist, wie seine 551 Bergseen, 279 Bäche, immerhin noch 342 Gletscher und über 300 Berggipfel über 3.000 m Seehöhe. (Autorin: Christina Schwann)


Auf in den Nationalpark Hohe Tauern!

Wenn du mehr zum alten, oft nur mündlich überlieferten Wissen, rund um die geheime Welt der Kräuter des Nationalparks Hohe Tauern wissen möchtest, dann komm ins Virgental in Osttirol und lass dich von einem Nationalpark-Ranger auf die Kräutersuche mitnehmen. Es darf gekostet, gesammelt und auch gleich verarbeitet werden – z.B. zu einem köstlichen Kräuteraufstrich.

 

Wann: Freitag, 21.09., 05.10. u. 19.10.2018. Dauer: 9.00 – 13.00 Uhr
Wo: Virgental in Osttirol
Mehr Infos.


 

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