4 erstaunliche Fakten über Heuschrecken und ihre Verwandten

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Dass es weltweit 26.000 Heuschrecken gibt, weißt du vielleicht. Auch, dass in Österreich 140 Schreckenarten leben, ist dir vielleicht bekannt. Aber wie „plaudern“ sie untereinander, was sind Mandibeln und was hat es mit einem “Schienen-Schleuder-Knickser” auch sich? Dies und mehr zum Staunen gibt es hier:

 

Die Naturwerktstatt “Ghupft wia Gsprunga” im Biologiezentrum Linz lädt Kinder ab 6 Jahren ein, auf spielerische Weise in die Welt der Heuschrecken und ihrer nahen Verwandten abzutauchen. Zu entdecken gibt es jede Menge – mit dabei sind auch diese vier erstaunliche Fakten, die nicht nur Kinder begeistern!

1 Sie sind Meister der Tarnung

Wenn man im Sommer auf einer Wiese spazieren geht, hört man oft den charakteristischen “Gesang” der Heuschrecken. Möchte man sie jedoch finden, wird es schon schwieriger.

Warum? Weil sie Meister der Tarnung sind!

Doch nicht nur ihre zum Teil kleine Größe hilft ihnen dabei ungesehen zu bleiben, viele Heuschrecken haben ihre ganz eigenen Tarnmodi entwickelt, erzählt Naturvermittler Andi den aufmerksamen Kindern.

Die Stabheuschrecken zum Beispiel, die in Österreich allerdings nicht heimisch sind, sehen aus wie kleine Ästchen und bewegen sich ganz zart hin und her, als würde der Wind sanft durch das Ästchen wehen. Wie das aussieht, können die Kinder live erleben, als Andi eine lebendige Stabheuschrecke holt, welche gleich versucht auf seinen höchsten Punkt, nämlich seinen Kopf, zu klettern. Stabheuschrecken versuchen so sich einen Überblick zu verschaffen, erklärt Andi.

Die mutigsten Kinder dürfen die Stabheuschrecke sogar auf die eigene Hand nehmen und spüren, wie sich das Insekt federleicht auf ihnen bewegt.

Doch nicht nur die Stabheuschrecke tarnt sich gut.

Andere Heuschrecken sehen aus wie wandelnde Blätter und wieder andere passen sich von der Farbe her so gut an, dass man sie kaum mehr von ihrer Umgebung unterscheiden kann.

Dieses Tarnen ist jedoch nicht nur den Heuschrecken vorbehalten. Auch Schmetterlinge, Frösche und Raupen färben sich mitunter richtig gut zum Beispiel mit aufgemalten Augen, welche Fressfeinde abschrecken sollen.

Besonders beeindruckend ist die Färbung der Raupe des Mittleren Weinschwärmers, sehen wir auf einem Schaubild. Die Raupe hat “aufgemalte” Augen und sieht so wie ein Schlangenkopf aus. Auf dem Blatt bewegt sie sich sogar noch leicht hin und her und wirkt so umso mehr wie eine kleine Schlange und schlägt eventuelle Räuber so oftmals erfolgreich in die Flucht.

2 Sie unterscheiden sich voneinander wie Tag und Nacht

Wusstest du, dass man Heuschrecken in Lang- und Kurzfühlerschrecken unterscheidet? Dass beide Gruppen zwar in ganz Österreich leben, sich aber die einzelnen Arten zum Teil an unterschiedlichste Lebensräume angepasst haben?

Doch nicht nur so unterscheiden sich die verschiedenen Heuschreckenarten untereinander. Es ist wirklich faszinierend, wie vielseitig diese Insekten sind! Dies ist in 5 Terrarien und auf den zahlreichen Schaukästen und -tafeln im Biologiezentrum Linz sehr gut ersichtlich.

Sie “plaudern” unterschiedlich

Je nach Art zirpen sie zum Beispiel auf unterschiedliche Weise. Heuschreckenforscher können die Arten daher nach dem Zirpen identifizieren, oder den Heuschreck selbst zu sehen. Während die vierpunktige Sichelschrecke zum Beispiel im Ultraschallbereich zirpt und nur durch einen Detektor hörbar ist, lassen Sumpfschrecken einen sogenannten “Schienen-Schleuder-Knickser” hören.

Die rotflügelige Schnarrschrecke reibt ihre Oberkiefer hörbar gegeneinander und die gemeine Eichenschrecken geben Klopfzeichen mit den Tarsen – das sind die Insektenfüße –  auf den Untergrund.

All das ergibt eine vielseitige Geräuschkulisse und die Kinder dürfen mit kleinen Kämmen, einer Trommel und anderen Instrumenten selbst kreativ werden und die Geräusche der Heuschrecken nachmachen.

Sie bewegen sich unterschiedlich fort

Doch auch in der Art der Fortbewegung unterscheiden sich die Heuschrecken untereinander.

So können die Kinder am Modell eines Sprungbeins einer Kurzfühlerschrecke selbst austesten, wie so ein Sprung funktioniert: Durch das Zusammenspiel des Beuge- und Streckermuskels sowie einer flexiblen Chitinstruktur am Knie kann die Kurzfühlerschrecke explosionsartig Kraft abrufen, welche ihr zu ihren großen Sprüngen verhilft.

Andere Heuschrecken haben diesen Vorteil nicht und müssen mit reiner Muskelkraft springen.

Die blauflügelige Ödlandschrecke wiederum macht es sich besonders einfach und kombiniert ihren Sprung mit einem Flug um Kraft zu sparen und weiter zu kommen und die Maulwurfsgrille kann sogar schwimmen!

Sie ernähren sich unterschiedlich

Doch nicht nur mit dem Zirpen und ihren Sprüngen unterscheiden sie sich voneinander – sie ernähren sich auch unterschiedlich. Auf dem Speisezettel der Heuschrecken stehen die unterschiedlichsten Dinge.

Während sich manche Heuschrecken in kargen Zeiten recht bescheiden von harten Gräsern ernähren und somit Vegetarier sind, stehen auf ihrem Speiseplan in reichhaltigen Zeiten auch süße Früchte, Blüten, Nektar und sogar Aas und andere Insekten. Somit sind sie viele Arten eher Flexitarier als Vegetarier.

Aber es gibt auch die Räuber und Kannibalen unter den Heuschrecken. Die Gottesanbeterin zum Beispiel ist bekannt dafür nach der Paarung sogar manchmal ihren eigenen Gatten zu verspeisen.

3 Von großen und klitzekleinen Feinden

Während sich die Heuschrecken selbst ja sehr vielseitig ernähren, ist auch die Liste ihrer eigenen Fressfeinde ganz schön lang. Denn Heuschrecken sind eine beliebte Beute für eine ganze Reihe von Tieren.

Vögel, Spinnen, Spitzmäuse, Marder und sogar Füchse gehören neben vielen anderen Tieren zu ihren Jägern. Selbst aus der eigenen Verwandtschaft droht Gefahr, wie wir oben am Beispiel der Gottesanbeterin gesehen haben. Auch der Warzenbeißer neigt, obwohl er auch pflanzliche Kost verzehrt, zu fleischfressenden Tendenzen und mit seinen kräftigen Mandibeln kann er sogar menschliche Haut durchdringen.

Apropos Mensch: Selbst der Mensch macht vor Heuschrecken als Nahrungsquelle keinen Halt und Heuschrecken und Larven gelten als Nahrung der Zukunft. Deshalb gab es für die mutigsten auch einen besonderen Snack angeboten: Geröstete Grillen, die zu den Langfühler-Heuschrecken gehören, konnten von den teilnehmenden Kindern verkostet werden.

Besonders fies als Fressfeinde sind übrigens Parasiten wie zum Beispiel der Saitenwurm der Gattung Gordius. Er nistet sich in der Heuschrecke ein und lebt von ihrem Fettgewebe. Er frisst die Heuschrecke also Stück für Stück von innen auf.

4 Ein Leben wie Maulwürfe und Spinnen

Maulwürfe und Spinnen sind doch keine Heuschrecken? Nein, da hast du natürlich recht.

Aber es gibt zwei Schreckenarten, die ein Leben wie Maulwürfe und Spinnen führen: Die Maulwurfsgrille zum Beispiel teilt sich mit ihrem Namensgeber nicht nur den Lebensraum, sondern auch die zu Grabschaufeln geformten Vorderbeine.

Um ihre Eier zu wärmen, baut sie dicht unter der Erdoberfläche eine Brutkammer und frisst die Wurzeln der darüber befindlichen Vegetation ab. Dadurch kann die Sonne direkt auf die Erde scheinen, erklärt Andi, und erwärmt diese. Dadurch haben es auch die Eier schön warm.

Was natürlich für die Eier hilfreich ist, nervt Gartenbesitzer, besonders wenn sich die kahl gefressenen Stellen zufällig im Salatbeet oder im gepflegten Rasen befinden. Was die meisten Menschen jedoch nicht wissen ist, dass die Maulwurfsgrille selbst unterirdisch Jagd auf Schädlinge wie Larven von anderen Pflanzenfressern macht und daher eigentlich ein Nützling ist!

Besonders lichtscheue Gesellen sind die Höhlenschrecken, die auf Grund ihrer langen Beine und fehlenden Flügel Spinnen ähneln, wie die Kinder unisono feststellen.

Man findet die Höhlenschrecken nicht nur in Höhlen, wo sie taub in kleinen Gruppen leben, sondern auch in Kellern, Stollen und Bunkern. Ihre Kommunikation erfolgt über den Geruchssinn und über Vibrationen.

In Österreich gibt es zwei Arten: Die Krauss’ und die Kollars Höhlenschrecke. Wie ihre Vermehrung und Verbreitung verläuft ist jedoch ungewiss, denn es ist nur sehr wenig über sie bekannt.

Fest steht nur, dass es fast keine männlichen Exemplare gibt, da sie sich durch Jungfernzeugung vermehren können und dass sie sich von kleinen Höhleninsekten und – spinnen ernähren.

Ebenfalls durch Jungfernzeugung vermehren sich übrigens Wasserflöhe, mehr dazu kannst du in der Welt im Wassertropfen nachlesen.

Zum Abschluss durften die Kinder dann noch ihren eigenen Heuschreckengarten im Glas und eine Heuschrecke basteln, was den Kindern großen Spaß gemacht hat. (Autorin: Jules Moody)


Wenn du mehr über Heuschrecken und ihre Verwandten erfahren möchtest, dann kannst du dir die Ausstellung “Ghupft wia Gsprunga” noch bis 1.5.2019 ansehen.

Die nächste Naturwerkstatt findet am 25.01.2019 statt und ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet.  Mehr dazu erfährst du hier. Auch Geburtstagsfeiern können im Biologiezentrum gebucht werden.

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