Er ist kaum zu übersehen: leuchtend türkis, gelb und rostrot, mit leicht gebogenem Schnabel und einem markanten Ruf. Der Bienenfresser zählt zu den auffälligsten Vogelarten Europas – und zu den anspruchsvollsten. Wo er brütet, geht es der Natur gut.

Im Südburgenland ist er genau deshalb für Familie Kresnik-Takacs zum Maßstab geworden. Denn auf einer rund drei Hektar großen Fläche zeigt sich gerade, was passiert, wenn man Landschaft konsequent auf Artenvielfalt ausrichtet: Das große Flattern kehrt nach und nach zurück.

Sehnsucht nach der schillernden Kolonie 

Die Geschichte beginnt nicht mit einem Plan, sondern mit einer Beobachtung. Vor etwa 15 Jahren siedelte sich in der Nachbarschaft von Familie Kresnik-Takacs überraschend eine Kolonie an Bienenfressern an – begünstigt durch offene Bodenstellen und Beweidung. Damals war es eher ein glücklicher Zufall.

Heute ist genau dieses Ereignis Ausgangspunkt für ein gezieltes Projekt, das von Noah Kresnik-Takacs initiiert wurde. Die Fläche wird systematisch so entwickelt, dass sie wieder jene Bedingungen bietet, die der Bienenfresser braucht: offene Strukturen, geeignete Brutwände, ein reiches Insektenangebot. Das Projekt wurde im Rahmen von Changemaker #nature ausgezeichnet und gefördert, da es zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommt.

„Wir wollten die Sensation mit den Bienenfressern vor 15 Jahren bewusst wieder möglich machen. Jetzt hoffen wir auf das Wunder von damals.“, sagt Initiator Noah Kresnik-Takacs.

Maßnahmen für die große Rückkehr

Der Bienenfresser ist wählerisch. Er brütet in selbst gegrabenen Röhren in steilen Sandwänden und jagt ausschließlich im Flug. Was er braucht, ist keine unberührte Natur, sondern eine sehr spezifische Kombination aus Offenflächen und Strukturen in der Landschaft.

Genau daran setzt das Projekt „Noah’s Arche“ an: Eine Sandwand wurde freigebaggert und gezielt modelliert, Strauchbewuchs entfernt, um offene Flugräume zu schaffen. Gleichzeitig entstehen rundherum neue Strukturen: Hecken für Singvögel, Streuobstflächen für Insekten, extensiv genutzte Wiesen.

Auch spontane Begegnungen werden genutzt, wie jene mit dem Biber. „Ein Biber hat bei uns Wasser aufgestaut. Wir haben uns dann entschieden, das nicht zurückzubauen, sondern daraus ein Feuchtbiotop zu machen.“

Im Zuge des Changemaker #nature Projekts wurden mehr als 40 Obstbäume gepflanzt, Nistkästen angebracht, Wasser auf die Fläche gebracht.

 

Das Comeback der Vielfalt

„Dass die Natur sich so schnell erholt, hat uns selbst überrascht,“ sagt der Changemaker. Nistkästen werden angenommen, erste Arten wie der Wiedehopf kehren zurück. Dazu gesellen sich auch schon Neuntöter, Fasane, Raubwürger oder Stieglitz. Auch Säugetiere wie Fuchs und Dachs nutzen die Fläche, was durch Wildkameras dokumentiert wird. Auch die seltene Wildkatze kommt in der Region vor und könnte dem Naturjuwel einen Besuch abstatten.

 

Pflege statt Stillstand

Im Kern geht es nicht um „Natur sich selbst überlassen“, sondern um gezielte Nutzung. Schafe halten die Flächen offen, verhindern Verbuschung und fördern die Insektenvielfalt – eine zentrale Nahrungsgrundlage für den Bienenfresser.

Gleichzeitig steckt viel Handarbeit dahinter. „Wir haben Wasserleitungen gelegt, damit wir die jungen Obstbäume gießen können.“ Und auch traditionelle Arbeitsschritte bleiben wichtig: „Bei der Heuernte hilft die ganze Familie zusammen.“

Extreme Wetterereignisse zeigen jedoch auch die Grenzen: Schneefälle haben Bäume beschädigt, Zäune zerstört. Die Fläche muss laufend gepflegt werden – in Handarbeit.

 

Vom Einzelfall zum Modell

Noah’s Arche“ ist als Pilotprojekt gedacht. Die Idee dahinter: zu zeigen, dass auch kleine, wirtschaftlich wenig attraktive Flächen ökologisch aufgewertet werden können – mit messbarem Ergebnis.

Erste Rückmeldungen gibt es bereits. Menschen aus der Umgebung holen sich Anregungen, setzen einzelne Maßnahmen im eigenen Umfeld um.

Langfristig sollen auch Unternehmen eingebunden werden, etwa über Unternehmens-Patenschaften für Naturschutzflächen. Ziel ist es, solche Projekte in größerem Maßstab umzusetzen und miteinander zu vernetzen.

 

Ein Vogel als Indikator

Der Bienenfresser ist dabei mehr als nur eine Zielart. Er steht am Anfang einer Kette. Wo seine Bedingungen erfüllt sind, finden auch andere Arten Raum – Insekten, Singvögel, Säugetiere. Strukturen greifen ineinander, ein Lebensraum beginnt zu funktionieren. Kommt er zurück, vervollständigt er einen wertvollen Kreislauf.

Am Ende geht es um diesen einen Moment: wenn ein farbenprächtiger Vogel zeigt, dass sich ein Ökosystem neu entfaltet hat. Die Rückkehr des Bienenfressers würde genau das bestätigen.


 Mehr Informationen zum Projekt

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.

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