Wo schon viel verbaut, begradigt und verarmt ist, braucht die Natur unsere Unterstützung. Das Projekt„der.inn – lebendig und sicher“ bietet der Artenvielfalt „Trittsteine“, damit der Inn wieder zur lebendigen Lebensader werden kann, die er einst war. Am 25. Mai 2019 lud der WWF zum Flusserlebnistag ins Schutzgebiet Gaisau und zeigte, wie effektiv die Natur diese Hilfe annimmt und sich von einem Trittstein zum nächsten entfaltet. 

Mit einer Länge von über 500 km vom Engadin in der Schweiz bis zur Mündung in die Donau bei Passau ist der Inn einer der mächtigsten Alpenflüsse. Allerdings sind vom einstigen Wildfluss mit ausgedehnten Auwäldern nur noch Reste erhalten. Wie der WWF in seinen umfangreichen Studien herausgefunden hat, sind aktuell weniger als 1% der gesamten Fließstrecke unverändert, also noch ursprünglich.

Mit vereinten Kräften Großartiges bewirken

„Es geht nur gemeinsam“, ist sich Elisabeth Sötz, Flussexpertin vom WWF, sicher und meint damit das Kooperationsprojekt „der.inn“, das 2008 in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Land, Bund, WWF und Fischereiverband ins Leben gerufen wurde. Bisher konnte schon einiges erreicht werden, von konkreten Renaturierungsmaßnahmen bis hin zu umfangreichen grenzüberschreitenden Studien, die den Handlungsbedarf aufzeigen. 2018 stieg auch Blühendes Österreich ein und investierte eine nicht unwesentliche Summe für ein konkretes Projekt zwischen Inzing und Hatting im Naturschutzgebiet Gaisau, wir haben darüber berichtet.

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Stauwehr Schild Inn

Die Ausgangslage in der Gaisau 

Seit 2009 besteht in der Gaisau das 27,03 ha großes Naturschutzgebiet. Mit seinen offenen Stillwasserflächen, den Schilfbereichen, letzten Auwäldern und den zum Glück wenig gedüngten Wiesen im Umfeld, stellt das Schutzgebiet trotz seiner Kleinheit den wichtigsten und einzigen Rückzugsort für viele selten gewordene ans Wasser angepassten Tier- und Pflanzenarten im Oberen Inntal dar.

Im Jahr 1969 wurden Teile von Inzing durch den Enterbach vermurt. Dadurch wurden auch die Grundwasserquellen, die die Gaisau primär speisten, verschüttet. 1987 wurde das Gebiet zwar saniert und die Schlammmassen beseitigt, das Problem mit dem Grundwasser konnte aber nicht gelöst werden. Die wunderschönen und wertvollen Stillwasserflächen der Gaisau konnten nur deswegen erhalten werden, weil eine alte Stauwehranlage am Dorfbach einige Meter östlich für den notwendigen Rückstau sorgte, um den Wasserspiegel im Schutzgebiet zu halten. Allerdings mit einem gravierenden Nachteil: beim Hochwasserereignis 2005 war der Rückstau so groß, dass einige der neu errichteten Häuser in Hatting unter Wasser standen. Außerdem war das alte Stauwehr keinesfalls fischfreundlich und im Jahr 2015 bereits so beschädigt, dass es seine Aufgaben ohnehin nicht mehr erfüllen konnte. Kurz, der Dorfbach erhielt vom WWF Priorität 1: Einerseits um einen wirksamen Hochwasserschutz zu gewährleisten, andererseits um das Naturschutzgebiet vor der Austrocknung zu schützen.

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unser inn

Ein notwendiger Eingriff für die Artenvielfalt

Im Jänner und Februar 2019 war es dann so weit: Flussbau war angesagt. Die alte Stauanlage wurde gänzlich entfernt und durch ein fischfreundliches Stauwehr ersetzt, das einerseits ausreichend Rückstau erzeugt, andererseits bei Hochwasser genügend Abfluss zulässt, damit die Häuser von Hatting nicht erneut unter Wasser stehen.

„Der begradigte und schnell fließende Inn gräbt sich immer tiefer in die Talsohle ein, d.h. vom Grundwasser alleine kann der Wasserspiegel in der Gaisau nicht gehalten werden“, wie Elisabeth Sötz erklärt. Gleichzeitig wird die Fließgeschwindigkeit durch versetzt angeordnete Holzpilotenreihen herabgesetzt – d.h. das Wasser wird in Serpentinen durch die Anlage geleitet. Noch sieht man, dass hier gebaut wurde. Zwei Bäume mussten umgeschnitten werden, die aber als wertvolles Totholz direkt eingebaut wurden. Fische können nun vom Inn in den Seitenarm wandern und bis in die stillen Wasserzonen gelangen, wo sie in Ruhe ablaichen können.

Der WWF lud zum „Flusserlebnistag“

Um sich selbst ein Bild zu machen, was der WWF und seine Partner hier an „ihrem“ Dorfbach in „ihrer“ Gaisau taten, folgten rund 100 Personen, vor allem Familien mit Kindern, der Einladung des WWF zum „Flusserlebnistag“.

An den verschiedenen Erlebnisstationen erfuhren Erwachsene wie Kinder, warum ein baulicher Eingriff notwendig war und welche Ziele damit verfolgt werden.

Zum Beispiel kommen aktuell im Gebiet nur zwei Fischarten vor, nämlich der Hecht und das Rotauge. Der WWF wird sehr genau beobachten, wie sich das Gebiet nun verändert wird. Vor allem die Frage, ob neue Fischarten, wie vor allem die „Königin des Inns“, die Äsche, von alleine einwandern wird, bleibt spannend.

„Wir setzen keine Fischarten aktiv ein, wir wollen uns ansehen, wie die Natur sich von selbst entwickelt.“

Kreativplatz Wasser

Aber nicht nur die Natur nimmt das neue Stauwehr und die dadurch geschaffenen neuen Möglichkeiten unverzüglich an. Die Kinder werden von dem aufgeweiteten Bachbereich magisch angezogen. Hier kann man Kaulquappen aus nächster Nähe beobachten, die in der Kinderecke eben selbst gebauten Rindenschiffe schwimmen lassen, oder wie die Biber selbst ein wenig kreativ umbauen.

 

„Daran haben wir gar nicht gedacht, aber klar, die Holzstämme eigenen sich perfekt, um darüber zu balancieren und die Kinder nehmen den neu geschaffenen Raum sofort an.“

Harmonie auf kleinem Raum

Nur wenige Meter bachaufwärts, quert der Weg den Bach und gibt den Blick auf das Kernstück der Gaisau, die offene Wasserfläche, frei. So viel Idylle muss man langsam auf sich wirken lassen: unbewegt liegt der See, eingerahmt von Schilf und tief hängenden Bäumen vor einem, auf der anderen Seite befindet sich ein schier undurchdringlicher Auwald. Im Hintergrund kann man noch den Schnee auf den Bergen erkennen. Der Wind trägt Löwenzahnsamen und Pollen mit sich, die sich auf die Wasseroberfläche legen. Außer einem gelegentlichen Quaken und Geschnatter ist kaum etwas zu hören. „Jetzt um die Mittagszeit halten die meisten Vögel Siesta“, erklärt die Vogelexpertin des WWF. Aber immerhin, die Blesshühner samt Nachwuchs kann man dank der Leihferngläser sehr gut erkennen. Außerdem kreisen zwei seltene Schwarzmilane über dem Wasser. Was man nicht sieht, sind die vielen Vogelarten, die auf das Schilf angewiesen sind. Ebenso brüten im Auwald Vogelarten, die allerdings alle extrem störanfällig sind. Unter ihnen auch der Eisvogel, der immer wieder als Gast in der Gaisau weilt. Betretungsverbote dienen dem Schutz der Vögel und werden von den Menschen respektiert.

 

„Schließlich wollen wir mit unserer Information nicht gleichzeitig diejenigen verschrecken, die wir ja eigentlich schützen wollen.“

Die Perspektive für den Inn

Der Inn braucht Trittsteine – Seitenarme wie diese hier, Auwaldbereiche, aufgeweitete Flussabschnitte – wo sich Tierarten vor Kraftwerksschwallen schützen können, der Laich nicht ausgewaschen wird und Vogelarten Rast- und Brutplätze vorfinden. Andere Arten, Amphibien, Insekten, Fischotter oder auch der Biber, sowie eine ganze Reihe von Pflanzenarten, wie etwa die Sibirische Sumpfschwertlilie, die Flohsegge oder der Silberrohrkolben und nicht zuletzt die Deutsche Tamariske werden die Trittsteine nutzen und sich verbreiten.

„Die Konzepte für eine noch stärkere Zusammenarbeit mit dem Engadin und Bayern bestehen bereits. Das Projekt „der.inn“ soll bis 2021 fortgesetzt werden, denn es gibt noch viel zu tun“, so Elisabeth Sötz.

 

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