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Flüsse in Österreich - Kleinelendtal im Nationalpark Hohe Tauern (c) Ch. Schwann

Flüsse, sprudelndes Lebenselixier in Trinkwasserqualität, artenreich, faszinierend, wild - aber leider nur noch auf rund 15 % der Fließstrecke aller Alpenbäche. Der Großteil der Flüsse wurde begradigt, betoniert und für die Energiewirtschaft aufgestaut - mit verheerenden Folgen für die Artenvielfalt. Aber zwei Wilde gibt es noch ...

Aus dem Gletschereis und aus Quellen tretend, vereinigen sich kleine Rinnsale im Gebirge zu Bächen und Flüssen. Auf ihrer Reise talwärts fallen sie über meterhohe Felskaskaden, mäandrieren durch Hochtäler, rauschen durch Schluchten, umspülen Auwälder, Moore und Seen. Unsere Flüsse liefern Wasser für Landwirtschaft, Industrie und Haushalt, sind sportlicher Austragungsort, Energielieferant und Transportstraßen.
Österreich ist ein unglaublich wasserreiches Land. Mehr als 2.190 Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer als 10 kmbahnen sich wie Lebensadern ihren Weg durch die Landschaft. Die meisten davon fließen in die Donau, die schließlich ins Schwarze Meer mündet. Nur die Bäche auf der Vorarlberger Seite des Arlberggebirges entwässern in den Rhein, der den Bodensee durchfließt und schließlich in der Nordsee endet.
Die größten und längsten Ströme unseres Landes, die Donau, die Drau, der Inn, die Mur, die Enns, die Salzach, die Gurk und die Traun, werden allesamt vom Wasser der Alpen gespeist.

Wasser ist Vielfalt

Ökologisch intakte Bäche mit guter Wasserqualität, einer natürlichen Sohle und einem abwechslungsreichen Ufer sind voller Leben. Hier finden Insektenlarven wie z.B. Köcher-, Stein- und Eintagsfliegenlarven gute Lebensvoraussetzungen. Sie wiederum stellen die wichtigste Nahrungsquelle für Fische wie die Bachforelle, die Koppe oder die Äsche dar. Muscheln, Krebse und Amphibien, wie etwa der Kammmolch, Frösche und Kröten sind ganz besonders auf sauberes Wasser angewiesen.

Ein reich strukturiertes Ufer mit viel Vegetation, kleinen und großen Wasserarmen, Tümpeln oder auch großen Schotterbänken sind für eine Vielzahl von Uferbewohnern wertvolle Lebensräume. Spezialisten wie der Flussregenpfeifer, der Flussuferläufer, die Bachstelze oder die Wasseramsel sind hier zu nennen. Nicht zu vergessen der Biber, der sich selbst Dämme und Teiche anlegt oder der Fischotter, zwei Arten, die in Österreich langsam wieder Fuß fassen.

Im Zusammenspiel all dieser Komponenten ergibt sich ein funktionierendes durchgängiges Ökosystem, welches die Landschaft vielfältig prägt, Trinkwasser bereitstellt, das Grundwasser speist und als Klimapuffer wirkt.

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Megawatt an Wasserkraft

Vor allem hinsichtlich der Energiegewinnung waren und sind die Alpenbäche aber auch von höchstem wirtschaftlichen Interesse. Große Einzugsgebiete gepaart mit entsprechenden Höhenunterschieden bieten sich für den Bau riesiger Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke geradezu an. Seit den 1950er-Jahren sind 51 solcher Kraftwerke in Österreich errichtet worden, die überwiegende Mehrheit in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten. Das größte und leistungsstärkste Kraftwerk ist die Malta-Hauptstufe in Kärnten, welches 1979 fertiggestellt wurde und aktuell eine jährliche Leistung von 730 Megawatt liefert.

Dazu kommen österreichweit 72 Laufkraftwerke, wovon mehr als 20 in den typischen Alpenbundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Kärnten liegen.

Obwohl die Wasserkraft eine wertvolle erneuerbare Energiequelle ist, die vor allem in Bezug auf den Klimawandel noch mehr an Bedeutung gewinnt, passieren durch den Bau von solch gigantischen Wasserkraftwerken massive Eingriffe in die Natur. Die Durchgängigkeit der Gewässer wird unterbrochen – fatal für viele Fischarten. Ganze Täler werden aufgestaut, Landschaften und klimatische Bedingungen völlig verändert. Vor der Staumauer findet man meist nur noch ein armseliges Rinnsal, wenn überhaupt. Selbst Bäche benachbarter Täler bleiben nicht verschont, sondern werden durch Stollen abgeleitet, wie zum Beispiel im Tiroler Sellraintal.

Gemäß WWF sind in Österreich insgesamt rund 260 neue Kraftwerke geplant, die auch noch die letzten freifließenden Flusskilometer in Anspruch nehmen würden.

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Murenabgänge Stubaital, 2015

Gnadenlos begradigt und betoniert

Um mehr Raum für die Landwirtschaft und Siedlungen zu schaffen, wurden Flüsse vielfach begradigt, das Bachbett ausgebaggert und betoniert, die Ufer gnadenlos verbaut und Auwälder und Seitenarme trocken gelegt. Rund Zweidrittel aller österreichischen Fließgewässer können ihre ökologischen Funktionen gar nicht oder nur sehr unzureichend erfüllen! Den Flüssen wurde ihr natürlicher Raum genommen und im Schnitt verhindert alle 600 m ein Barriere die Durchlässigkeit für Fische. Da gibt es keinen Platz mehr für Mäander, Seitenarme und Überflutungsbereiche. Die Artenvielfalt hat stark abgenommen und der Erlebniswert „Fluss“ ist praktisch null.

Die Fehler in der Flussraumgestaltung zeigen sich besonders deutlich bei Hochwasser.

Vor allem dann, wenn technische Maßnahmen wie Dämme, Mauern und Rückhaltebecken das Wasser nicht mehr zähmen können. Irgendwo tritt es umso heftiger über die Ufer, reißt Brücken und Straßen mit sich, überflutet Siedlungen, Industriegelände und landwirtschaftliche Bereiche.

Überflutungsereignisse der letzten Jahre - und es besteht Grund zur Annahme, dass sich solche Katastrophen im Zuge des Klimawandels noch verstärken werden - zeigen deutlich: unsere Flüsse brauchen mehr Platz. Projekte zur Renaturierung von Flussabschnitten, wie etwa an der Traisen, der Salzach oder auch am Inn, zeigen erste Erfolge. Nicht nur, dass dem Wasser durch die Aufweitung und Anbindung von Seitenarmen mehr Platz gegeben wird, Pflanzen und Tiere erobern sich diesen neuen Lebensraum in kürzester Zeit zurück. Und nebenbei entstehen wieder "erlebbare" Flussraumlandschaften mit echtem Erholungswert für uns Menschen.

Ungezähmte Flussnatur

Zwei Flüsse in den Österreichischen Alpen stechen ob ihrer Wildheit, Naturbelassenheit und ihrem guten ökologischen Zustand heraus und leben vor, wie unsere Bäche und Flüsse eigentlich aussehen könnten: Die Isel und der Tiroler Lech.

Die Isel

Die Isel entspringt auf 2.400 m dem Umbalgletscher in Osttirol in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern, stürzt über die vielbesuchten Umballfälle ins Virgental, vereinigt sich bei Matrei mit dem Tauernbach und mündet nach rund 57 km in die Drau bei Lienz. Die Isel ist der letzte große Gletscherfluss in den gesamten Ostalpen, der energiewirtschaftlich auf der gesamten Länge weder durch Stau, Ausleitung oder Schwallbetrieb beeinträchtigt wird. 2015 ist es gelungen, die Isel als Natura 2000 Gebiet auszuweisen und damit geplante Kraftwerkspläne endgültige „ad acta“ zu legen.

Der Tiroler Lech

Der Lech entspringt in der Nähe des Formarinsees in Vorarlberg, fließt durch das Tiroler Außerfern bis nach Füssen in Bayern, wo er über den künstlichen Lechfall stürzt und schließlich in die Donau mündet. 256 km legt der Fluss dabei zurück, wobei er im Lechtal seine ganze Pracht zeigt. Geschützt durch den 41,38 kmgroßen Naturpark Tiroler Lech, darf der Fluss hier noch echter Wildfluss sein, sich seinen Weg ungehindert durch die weitläufigen Schotterbänke suchen, die er selbst ständig verändert und umgestaltet.

Sowohl am Lech als auch an der Isel findet man eine ganz besondere Pflanzenart: Die „Deutsche Tamariske“, ein Rispelstrauch, der ausschließlich auf Schotterbänken vorkommt und eine Charakterart für wildfluss- und wildbachnahe Fließgewässer darstellt.

Nach der Roten Liste sind Tamariskengewächse in den alpinen Regionen Österreichs mit dem Status 1 versehen: „von vollständiger Vernichtung bedroht“.

Zumindest an diesen zwei Standorten in Österreich, am Tiroler Lech und an der Isel, wird die Tamariske und mit ihr viele andere Arten überleben. Um dauerhaft stabil bestehen zu können, braucht es aber funktionierende, durchgängige Kreisläufe und hier ist der Handlungsbedarf in der „Flussraumgestaltung“ jedenfalls noch sehr groß.
(Autorin: Christina Schwann)

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Alpenflüsse werden durch Eis und Schnee verzaubert

Aktiv werden: Winterliche Entdeckungsreise am Alpenfluss Lutz

Einem Wildbach ganz nahe zu kommen, an seinen Ufern zu wandern, von einem Stein zum anderen zu springen, ist ein kleines Abendteuer, eine Entdeckungsreise, die alle Sinne beansprucht. Wenn du Lust hast, so eine Reise mal im Winter mit Schneeschuhen zu unternehmen, dann solltet du am 28. Dezember 2018 ins Große Walsertal kommen und an der Veranstaltung „Schneeschuhwanderung in der Biosphärenpark Kernzone Lutz“

Gemeinsam mit einem Wanderführer geht es entlang des unberührten Oberlaufes der Lutz nach Buchboden. Bizarre Eisskulpturen, lange Eiszapfen und Schneekristalle verzaubern den Bach und du erfährst, wo der Ursprung der Lutz liegt und warum dieses Gebiet zur Kernzone des Biosphärenparks zählt.

Wann: jeden Freitag vom 21.12.2018 bis zum 15.3.2019, 13:30 Uhr

Treffpunkt: biosphärenpark.haus, Boden 34, 6731 Sonntag

Leihausrüstung vorhanden

 

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