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Der letzte Sommer hat den österreichischen Bauernhöfen und Gärten eine wahre Obstschwemme beschert. Vor allem die Apfel- und Birnbäume bogen sich vielerorts unter der Last ihrer Früchte und sorgten für eine mehr als reiche Ernte. Doch wohin mit der ganzen Herrlichkeit, was tun mit all den schönen Äpfeln? Hier findest du einen ganzen Korb voll Tipps, wie man Kernobst lagern und gut verwerten kann!

 

Äpfel, Birnen & Zahlen

Wer in den letzten Sommerwochen über das Land gefahren ist oder selbst einen Obstgarten sein Eigen nennt, wird es bemerkt haben: Die Obsternte 2018 hat an einigen Rekorden gekratzt. Den Eindruck bestätigen auch schon die ersten Zahlen der Statistik Austria. Vor allem beim Kernobst, also bei Äpfeln und Birnen, lag die Produktion deutlich über dem 10-jährigen Schnitt. Allein die Steiermark meldete heuer 188.000 Tonnen geernteter Äpfel!

Die Obstschwemme mutet umso spektakulärer an, als die Ernten der beiden vorangegangenen Jahre durch Spätfröste besonders karg ausgefallen waren. Doch nicht nur in Österreich haben es ein milder Frühling und der heiße trockene Sommer mit den Obstbäumen gut gemeint. Auch in Europa wurden heuer insgesamt 12,6 Millionen Tonnen Äpfel eingebracht. Das freut KonsumentInnen allerdings mehr als die Landwirte und Landwirtinnen. Für Tafelobst sind die Preise im Keller und nebenbei fragt man sich auch in kleinen Gärten:

„Was tun mit den Äpfeln, wohin mit all dem Obst?“

Frisch, saftig, Bio

Drei von vier heimischen Äpfeln kommen übrigens aus der Steiermark. Insgesamt haben Äpfel mit über 80 % den Löwenanteil am in Österreich produzierten Obst. Den kleinen Rest teilen sich Birnen, Steinobstsorten wie Marillen und Kirschen und das Beerenobst, allen voran Erdbeeren auf.

Bei der Kernobst-Ernte gilt: Pflückreife ist nicht Genussreife. Äpfel und Birnen reifen nach der Ernte weiter, während Erdbeeren oder Kirschen einmal gepflückt nicht mehr süßer werden. In einem Apfel wird dann weiter Stärke in Zucker umgewandelt. Wie bei Paradeisern bildet sich so nach und nach eine gute Säure-Zucker-Balance aus und das Obst bekommt seinen sortentypischen Geschmack. Beschleunigt wird der Prozess auch durch das Reifehormon Ethylen.

Viele industriell produzierte Äpfel werden heute mit Gasen behandelt, welche die Reifung gänzlich blockieren. Im biologischen Obstbau ist diese Methode aber zum Glück verboten. Der Apfel lebt! Willst du Kernobst lange konservieren, begibst du dich auf eine Gratwanderung, während der du den Reifeprozess verzögern musst, ohne ihn völlig zu unterbinden. Doch wie geht das?

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Äpfel selbst lagern

Am längsten halten sich Äpfel & Co. bei niedrigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Sauerstoff. Wenn du einen sehr kalten Keller hast, ist er der richtige Ort für die Lagerung deines Kernobstes. Da bei höheren Temperaturen allerdings die Schimmelgefahr steigt, kann ein trockener kühler Dachboden vielleicht die bessere Lösung sein. Hast du Glück mit dem Wetter und keine Angst vor Obsträubern, kannst du deine Winteräpfel auch einfach im Hof oder Garten, vor Sonne und Frost geschützt, lagern. Wer ganz sicher gehen will, verpackt seine Äpfel in perforierte Plastiksäcke und legt sie in einen freien Kühlschrank. Steht das Gerät im Keller, verbraucht es nur wenig Energie.

Egal wo du deine Äpfel und Birnen unterbringst, achte darauf, nur unbeschädigte Früchte einzulagern und das Obst wenn möglich nicht zu schichten. Der Lagerraum sollte sorgfältig gereinigt und die Ernte in den ersten Wochen regelmäßig auf faule Früchte kontrolliert werden.

So kannst du vor allem späte Apfelsorten bis in den Frühling lagern und nach Lust und Laune verarbeiten - und verkosten, wann immer du Gusto hast!

Strudel, Mus & Apfelchips

Bevor man einlagert, sollte man aber die Zeit der Ernte genießen und das frische Obst zubereiten. Sicher findest du in deiner Familie das unschlagbare Rezept für köstlichen Apfelstrudel oder gefüllte Bratäpfel! Auch Apfelmus, ein Klassiker, der zu so vielen Gerichten der österreichischen Küche passt, ist schnell selbst eingekocht und lange haltbar.

Trocknen ist ebenfalls eine gute Methode, um Äpfel zu verwerten. Knusprige Apfelchips oder –ringe lassen sich ganz leicht herstellen. Das Trocknen erfolgt im Backrohr, in einem Dörrapparat oder aufgefädelt an der Luft – ganz ohne Konservierungsstoffe!

Veranstaltungstipp:

Am 10. November 2018 findet in der Steiermark ein Workshop für das Schnapsbrennen statt. Mehr Infos findest du hier.

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Gib mir deinen Saft, Most oder Brand

Die meisten heimischen Äpfel und Birnen der wunderbaren Streuobstwiesen und Alleen finden ihre Bestimmung aber seit jeher als Pressobst. Vor allem die Verarbeitung zu Saft und Most hat in vielen Regionen eine lange Tradition und auch den Anbau alter Apfelsorten erhalten.

Sind die Ideen für Apfelrezepte und deine Lagerkapazitäten erschöpft, findest du bestimmt große oder kleine Abnehmer, die über eine Obstpresse verfügen. Immer öfter wird dort auch angeboten, einen Teil der gelieferten Äpfel in Form des Endprodukts wieder mitzunehmen. So erhältst du deinen eigenen Apfelsaft in schönen Flaschen oder Kartons. In manchen Gegenden ziehen im Herbst auch wieder mobile Mostereien und Saftpressen umher, machen auf Märkten Station oder kommen gleich zu dir nach Hause!

Preisgekrönte Streuobstwiesen, Bio-Mostereien, Direktsaft aus eigenem Anbau und regionale Produkte ohne Fruchtkonzentrat: Es tut sich was im Land und selbst in Zeiten der Obstschwemme gibt es unzählige Möglichkeiten, Äpfel und Birnen nachhaltig zu nutzen. Auf diese Entwicklung kann man übrigens auch schon einmal mit einem Obstler anstoßen. Und wer weiß? Vielleicht bist du ja bald unter die SchnapsbrennerInnen gegangen, um dein Obst zu verwerten! (Text: Stefan Agnezy)

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