VerVielfalter # 5: Der Schwarze Holunder

schwarzer Holunder

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Der Schwarze Holunder (Samubucus nigra L.) oder auch Hollerbusch und Schwarzer Flieder genannt, ist in Europa weit verbreitet und sowohl in akribisch durchdachten Bauerngärtchen
spießigen Parkanlagen und einfachen Hobbygärten ein gern gesehener Gartenbewohner. PflanzenfreundInnen schätzen den unkomplizierten Strauch, der zum einen in der Blütezeit wunderschön anzusehen ist und uns zum anderen schmackhafte Blüten und Früchte schenkt. Diese sind auch heiß begehrt bei zahlreichen Vögeln und Insekten. Welche Tiere sich im Holunderstrauch tummeln, was man aus dem Hollerbusch alles bereiten kann und welche mythische und heilende Wirkung ihm nachgesagt wird, erfährst du hier.

Husch Husch Husch im Hollerbusch

Der Schwarze Holunder beschenkt uns gleich zweimal im Jahr mit reicher Ernte. Im Frühjahr erfreuen wir uns an den duftenden Blüten und im Herbst warten wir bereits freudig auf die dunklen Früchte. Doch nicht nur wir, sondern auch zahlreiche Vögel und Insekten warten hibbelig auf die üppige Ernte. Ob sie ihre Rüssel in die Blüten stecken oder sich an den Früchten laben – der Schwarze Holunder steht bei rund 60 Vogelarten und dutzenden Insektenarten ganz hoch im Kurs.

Mit Gezwitscher auf die Früchte

Zahlreiche Vögel üben sich bis in den Spätsommer in Geduld bis sich die Holunderfrüchte tief schwarz färben. Das lange Warten lohnt sich, denn je schwärzer und reifer die Früchte werden, desto süßer und saftiger schmecken sie. Sobald sie dann aber reif genug sind, gibt es kein Halten mehr.

  • Amsel
  • Drossel
  • Fink
  • Star
  • Mönchsgrasmücke
  • Grauschnäpper

lassen alles liegen und stehen, flattern eilig zu den Hollerstauden und schlagen sich die Bäuche voll. Der Nachtschwalbenschwanz, oder auch Holunderspanner genannt, fühlt sich in der Staude so wohl, dass er sogar seine Nachbrut dort ablegt und die Raupen aufwachsen lässt. Auch der Mensch sucht immer wieder instinktiv die Nähe der Holunderstauden.

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Hast du´s gewusst?

Die Dolden sind keine Dolden und die Beeren sind keine Beeren.

Im Sprachgebrauch werden die botanisch korrekt genannten Blüten Schirmrispen genannt. Dazu ist die Hollerbeere keine Beere sondern korrekt eine Steinfrucht und mehr mit einer Marille verwandt als mit einer echten Beere.

Mähen, wenn der Holler blüht

Wann soll ich meine Wiese mähen? Der Holler zeigt es dir. Wenn er nämlich blüht, zeigt er den optimalen Schnittzeitpunkt, damit die Wiese ökologisch reichhaltig und bunt bleibt.


Schwarze Holunder: Treuer Wächter von Haus und Hof

Seit jeher rankt rund um ihn der Mythos, dass er Haus und Hof beschützen soll. Frau Holle, die germanische Baumgöttin, hat den Strauch auserkoren, um die Menschen vor bösen Geistern, hinterlistigen Hexen oder grimmigen Mächten zu schützen. Dieser Aberglaube ging so weit, dass vor fast jedem Bauerngehöft und Wohnhaus ein Holunderstrauch gepflanzt wurde. Es war bei Strafe verboten diesen zu fällen. Bauern und Bäuerinnen seiner Zeit verehrten den Holunder daher und entdeckten ziemlich rasch die heilende Wirkung der Pflanze.

Holladrio – der magische Trunk

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Der Schwarze Holunder hat sich als Immunbooster bereits einen Platz in der heimischen Naturapotheke reserviert. Der hohe Vitamin C Anteil der Früchte stärkt die Abwehrkräfte und bringt uns gesund durch die kalte Jahreszeit. Der enthaltene Pflanzenfarbstoff Anthocyane wirkt antioxidativ, bindet freie Radikale und schützt unsere Zellen. Falls doch der Grippeteufel zugeschlagen hat, empfiehlt sich ein heißer Tee aus den weißen Blüten des Schwarzen Holunders zu trinken. Dieser wirkt stark schweißtreibend und macht grippalen Infekten, Schnupfen, Bronchitis und der Lungenentzündung den Garaus.

Als Anwendung einfach die getrockneten Früchte oder Blüten als Tee aufbrühen und schluckweise trinken.

Ein Gaumenschmaus vom Strauch

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Erfrischender Holundersaft

Holundersaft ist wahrlich ein zeitloser Durstlöscher. Alt und Jung greifen gerne an heißen Tagen zu einem kühlen, sprudelnden Hollersaft. Für die Zubereitung 50 Hollerschirmrispen sammeln und diese mit 5 l kaltem Wasser, 5 kg Zucker und 150 g Zitronensäure drei Tage lang an einem dunklen Ort ziehen lassen. Zur Verfeinerung können noch Orangen- und/oder Zitronenscheiben dazugegeben werden. Danach abseihen, kurz aufkochen und in Flaschen abfüllen.

Berauschender Hollerlikör

Ein Gläschen in Ehren darf keiner verwehren. Ganz nach diesem Motto gönnt man sich gerne an eisigen Wintertagen vor dem Kamin ein Gläschen Hollerlikör und stärkt zugleich das Immunsystem – eine großartige Symbiose. Doch zuerst muss der Likör im Sommer angesetzt werden. Hierzu 2 l Holunderfrüchte und 1 l Wasser gemeinsam 30 Minuten köcheln lassen. Auskühlen lassen und in einem Tuch auspressen. Den gewonnenen Saft mit 400 g Zucker, einer Zimtstange und 20 g Vanillezucker erneut aufkochen und erkalten lassen. Am Schluss mit 0,5 l Weingeist vermengen und abfüllen. Die Flaschen gut verschließen, an einem dunklen und kühlen Ort lagern und geduldig 2 Monate auf den Genuss warten.

Schmackhafter Hollerkoch

Als Beilage zu Topfenknödel, aber auch als Solokünstler ist der Hollerkoch eine beliebte Nachspeise. Zum Einkochen 500 g Holunderfrüchte mit 100 g Zucker und 0,5 l Wasser 30 Minuten kochen. Zwetschgen entkernen, Äpfel schälen, klein schneiden und weitere 30 Minuten mitköcheln. Das Ganze mit einer Packung Vanillezucker, einer Zimtstange und 5 Gewürznelken verfeinern. Am Schluss ein Päckchen Puddingpulver mit Wasser anrühren und zu der Masse einrühren. Auskühlen lassen und genießen.

„Dem Schwarze Holunder gebührt ein Fixplatz in jedem Naturgarten und erfreut mit der Ernte nicht nur den Gärtner und die Gärtnerin, sondern steigert auch die Flatter-Vielfalt im eigenen Garten.“


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