Was passiert, wen man einen Steinbock weckt? Die Antwort bekommst du bei einem geführten Schneeschuh-Trekking in den Nationalpark Hohe Tauern. Außerdem erfährst du, was Lärchenwiesen sind und wo du heute noch das legendäre Tauerngold findest.

„Die eigentliche Frage ist, wer beobachtet hier wen“, antwortet Markus Lackner auf unser Drängen, ob wir auch tatsächlich Steinböcke sehen werden. Denn der König der Alpen ist mindestens so neugierig wie wir, weiß der Ranger im Nationalpark Hohe Tauern.

Mit ihm haben wir uns pünktlich um 9.30 Uhr an der Mittelstation der Großglockner Bergbahnen oberhalb von Heiligenblut in Kärnten eingefunden, um zu einem „Schneeschuh-Trekking zu den Steinböcken“ aufzubrechen.

16 TeilnehmerInnen sind wir und wer keine eigenen Schneeschuhe hat, bekommt eine Leihausrüstung sowie eine kurze Einschulung. Der schwierigere Teil dabei ist das Anlegen der Schneeschuhe, das Gehen fällt überraschend leicht und macht im frischen Schnee richtig Spaß.

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Gämsenalarm an der Piste

Nach einer kurzen Fahrt mit der Tunnelbahn in das Große Fleißtal geht es los. Knirschend stapfen wir unter den etwas irritierten Blicken der SkifahrerInnen los. Weit kommen wir aber nicht. Bereits nach wenigen Metern – de facto noch an der Piste – hat Markus Lackner auf einem Hang die ersten Wildtiere ausgemacht.

Eine Gruppe von Gämsen wärmt sich in der Sonne. Aufgrund ihres schwarzen Winterfells sind sie mit freiem Auge zu erkennen. Mit den Ferngläsern, die unser Ranger mitgebracht hat, geht das Beobachten aber besser.

Auch die Tiere äugen zu uns rüber, sichtlich entspannt. Sie sind uns Menschen hier gewöhnt und wissen, dass sie uns in diesem Gelände überlegen sind, wie uns Markus Lackner erklärt: „Im Winter ist für die Tiere Ruhe extrem wichtig. Und die finden sie hier bei uns trotz Wintertourismus.“

Ganz offensichtlich, denn in der Gemeinde Heiligenblut kommen auf knapp 1.000 (zweibeinige) EinwohnerInnen rund 1.300 Gämsen!

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Lärchenwiesen und Tauerngold

Aber wegen der Gämsen sind wir nicht hier. Wir wollen die Steinböcke sehen! Also geht es im Gänsemarsch weiter durch einen lichten Lärchenwald – eine sogenannte „Lärchenwiese“. Da es im Tal zu wenig Weideflächen gibt, werden auch die Wälder auf über 1.800 Meter Höhe bewirtschaftet und entsprechend gepflegt. Lackner: „Im Sommer wirst du hier keinen Ast herumliegen sehen.“
Jetzt im Winter hat die Lärche vor allem eine wichtige Schutzfunktion. Ihre Wurzeln reichen weit und tief in die Erde. Das macht sie gegen Wind und Schnee weit resistenter als Fichten, die typische Flachwurzler sind. Was Lärchen aushalten müssen, lässt sich anhand der Formen erahnen. Die Bäume sind fast säbelartig gekrümmt.

Und weil wir gerade eine kleine Rast machen, erzählt uns Markus Lackner noch vom großen Goldrausch in den Tauern. Ab dem 14. und bis zum 17. Jahrhundert bestand im Großen und im Kleinen Fleißtal ein reger Abbau des legendären Tauerngolds. Heute darf man auf keine großen Funde hoffen, aber im Kleinen Fleißtal gibt es (wieder) ein Goldgräberdorf, wo jeder sein Glück versuchen kann. Markus Lackner: „Nuggets wird man keine finden, aber kleine Goldkörner immer wieder.“ Und ergänzt: „Sonst wäre ich nicht hier beim Schneeschuhwandern, sondern drüben beim Goldwaschen.“

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„Capricorni! Sono italiani!“

Als wir die unter dem Schnee verborgene Baumgrenze überschreiten, eröffnet sich vor uns ein beeindruckendes Bergpanorama. Angesichts der Felswände ringsum steigt die Spannung. Jede/r will die/der Erste sein, der einen Steinbock erspäht. Und es ist ein Italiener in unserer Gruppe, der das erste Tier entdeckt: „Capricorno!“, ruft er und ergänzt selbstbewusst: „é italiano!“.

Steinböcke sind Italiener? Das stimmt. Zwar kamen im Zuge der Wiederansiedelung die ersten Tiere aus der Schweiz zu uns, deren Vorfahren waren aber echte Italiener. Warum der Steinbock bei uns verschwunden war und wie ihm sein Comeback gelang, liest du hier. Außerdem erfährst du hier die wichtigsten Fakten über den König der Alpen.

Auf einer kleinen Anhöhe machen wir halt. Jede neue Entdeckung wird erfreut kommentiert: Oh! Schau! Che bello! Natürlich wird auch fotografiert – ohne starkes Teleobjektiv bekommt man die Tiere aber nicht so ins Bild, wie man gerne möchte. Dafür hat unser Ranger in der Zwischenzeit ein Spektiv aufgebaut und damit den stärksten Bock ins Visier genommen. Der hat es sich auf einem Grat gemütlich gemacht und scheint unsere Aufmerksamkeit durchaus zu genießen.

„Wir haben alle gern losgelassen. Sonst wären wir mit dem Bock ins Gelände verschwunden.“
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Lass los, wenn du den König weckst!

Einer nach dem anderen schauen wir durch das Spektiv und erweisen dem König der Alpen derart die Ehre. Währenddessen erzählt uns Markus Lackner noch einiges über die Lebensgewohnheiten der Steinböcke. Um möglichst viel über sie zu erfahren, wurden einige mit Sendern ausgestattet.

Und beim „Besendern“ war unser Ranger hautnah dabei. Im wahrsten Sinne des Wortes, wie er uns erzählt: „Damit der Steinbock nach der Narkose nicht abstürzt, muss er aufgeweckt werden.“ Dazu bat der Tierarzt Lackner und drei Kollegen, das Tier ordentlich festzuhalten. Lackner: „Ich hab’ noch gesagt, den Bock halten wir zu viert doch locker.“ Das Tier war aber wohl schneller munter als erwartet. Lackner: „Das Tier hat eine Kraft entwickelt, dass uns keiner mehr sagen musste, loslassen. Wir haben alle gern losgelassen. Sonst wären wir mit dem Bock ins Gelände verschwunden.“

Das ist auch unser Stichwort, den Rückweg anzutreten. Alle in der Gruppe sind sich einig: Unsere „Expedition“ hat sich gelohnt. Wir haben Steinböcke gesehen, dazu noch Gämsen und Rehe, und wir haben auch sonst einiges über den Lebensraum der Alpenkönige erfahren.

Autor: Friedrich Ruhm

So kommst auch du zu den Steinböcken:

Hast du jetzt Lust, den König der Alpen zu besuchen? Das „Schneeschuh-Trekking zu den Steinböcken“ findet jeden Dienstag, von Mitte Dezember bis Anfang April statt.

Die mittelschwere Schneeschuhwanderung dauert ca. 4 Stunden und ist auch für Kinder ab 10 Jahren geeignet. Mitbringen sollte man festes Schuhwerk und warme, wetterfeste Kleidung. Außerdem wird ein Rucksack mit warmen Getränken und einer Jause empfohlen. Hunde sind an der Leine erlaubt.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit zum Schneeschuh-Trecking zu den Steinböcken findest du HIER.

Und hier gibt es noch ein paar Bilder von unserem Schneeschuh-Trekking:

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