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Jedes Jahr zieht es zwei Handvoll Jugendliche auf das Wiesberghaus am Dachstein, um freiwillig einen wichtigen umweltrelevanten Beitrag zu leisten. Was aber macht das internationale Umweltworkcamp der Naturfreundejugend Oberösterreich so spannend und einzigartig?

„Das ist ein wunderbarer Urlaub in der freien Natur“. „Ich bin hier, weil ich die Berge liebe.“ „Hier lerne ich neue, interessante Menschen kennen, die ähnlich ticken wie ich.“

Äh?? Nein, niemand spricht hier von Arbeit. Und doch wird am Wiesberghaus in einer Höhe von 1.884 m auf der Nordseite des Dachsteins sehr fleißig gearbeitet. Holzbretter werden geschleppt und fein säuberlich aufgestapelt, damit Platz ist für die Sickergrube der neuen Kläranlage, die demnächst gebaut werden soll. Der Weg zum Klettergarten wird ausgeschnitten, die Beschilderung ergänzt und der Steig neu markiert. Der Gletscherlehrweg mit seinen Stationen ist noch nicht fertig beschrieben und soll dieses Jahr vervollständigt werden. An besucherstarken Tagen wird in der Küche mitgeholfen und auf der Terrasse bedient.

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Stärkung eines naturnahen Tourismus

Die Naturfreundejugend Österreich hat rund 50.000 Mitglieder und veranstaltet bereits seit 2006 drei Umweltcamps pro Jahr, ähnlich den Bergwaldprojekten des Alpenvereins. Dabei ist jenes am Wiesberghaus in der UNESCO Weltkulturerberegion Dachstein im Besonderen auf die Erhaltung der alpinen Infrastruktur in Form von Wegen, Klettersteigen und Hütten ausgelegt. Ziel ist die Stärkung eines ökologisch verträglichen Tourismus sowie der Schutz und die Pflege sensibler Ökosysteme am Berg.

Jedes Jahr findet sich eine bunte und internationale Gruppe von 12 Jugendlichen im Alter von 16 bis 30 Jahren am Wiesberghaus ein, um gemeinsam notwendige umweltrelevante Arbeiten zu verrichten, wie etwa Wege, Rastplätze und Beschilderungen in Stand zu halten, die Hütte und ihre unmittelbare Umgebung attraktiv zu gestalten und auch den Hüttenbetrieb selbst kennen zu lernen. Dabei ist viel Platz für Kreativität: Schilder werden handgefertigt und bemalt, Sitzbänke geschnitzt, gehobelt und aufgestellt. Jeder darf beitragen, was er am besten kann und gemeinsam entstehen immer wieder neue Projekte, wie etwa das Hochbeet für Gemüse und Kräuter, der „Wellnessbereich“ mit „Panoramadusche“ oder der Alpengarten.

Chance Pressepraktikum

Die Aufgaben sind vielfältig und zum Teil körperlich durchaus anstrengend. Aber die Gruppe rund um Gruppenleiter Thomas, die dieses Jahr vom 12. - 18. August 2018 am Wiesberghaus arbeitet, ist fröhlich und entspannt. „Wir helfen uns gegenseitig. Teamwork passiert ganz von alleine, obwohl wir uns vorher nicht alle kannten“, erzählt Carol, die bereits zum zweiten Mal dabei ist. Im letzten Jahr hat sie sogar die Pressearbeit übernommen – ziemlich gut offensichtlich, denn Matilda aus Polen hat sich die Berichte und Bilder im Internet angesehen und beschlossen, dieses Jahr selbst teilzunehmen. Dafür ist sie kurzerhand ganz alleine nach Oberösterreich gereist.

Aber auch Katharina, die diesmal für das Magazin „P.U.L.S.“ schreiben wird, ist höchst motiviert: „Ich bin gerade auf Jobsuche und da fand ich das Angebot, kostenlos einen Presseworkshop machen zu können, gut. Ich möchte etwas lernen und kann das hier gleichzeitig mit ehrenamtlicher Arbeit verbinden.“

Das Medienpraktikum P.U.L.S. (Praxis.Umwelt.Leben.Sommer) wird vom Lebensministerium unterstützt und ermöglicht den TeilnehmerInnen ein kostenloses einwöchiges Praktikum inkl. Starter- und Abschlussworkshop zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die wertvolle Ausbildung und Erfahrung wird mit einem offiziellen Zertifikat bestätigt.

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Integration in einer „lässigen“ Gruppe

Alex kommt eine ganz besondere Rolle zu. Nicht nur, dass er bis zum letzten Jahr die Leitung überhatte, er setzt sich auch dafür ein, dass 2 bis 3 Asylwerber mit auf das Wiesberghaus kommen können. Sabzol kenn das schon, auch er ist schon das zweite Jahr mit dabei, spricht perfekt Deutsch und ist aufgrund seines Fleißes, den er letztes Jahr vor allem in der Küche bewiesen hat, der Lieblingsmitarbeiter von Hüttenwirtin Renate. Seine beiden Kollegen – alle drei kommen aus Afghanistan – Habib und Kazem hatten Glück, ausgewählt zu werden und so dem tristen Alltag als Asylwerber für ein paar Tage entfliehen zu können. „Das ist nicht so einfach. Viele möchten gerne mit, aber wir haben eben nur begrenzte Plätze. Außerdem müssen wir sie mit Bergschuhen und Jacken ausstatten – sie haben nichts,“ wie Alex erläutert und froh ist, dass damit dem Umweltworkcamp noch eine weitere wichtige Aufgabe zukommt – die Integration. Ob „offline Urlaub“, Flucht aus dem Alltag oder schlicht Liebe und Begeisterung für die Berge, jedes Jahr findet sich hier am Wiesberghaus eine „lässige Gruppe ein, die sich für die Natur begeistert“.

Kein Geld der Welt

Neben der Arbeit soll aber auch das Natur- und Bergerlebnis nicht zu kurz kommen. Die Gruppe unternimmt gemeinsame Wanderungen in der herrlichen Bergnatur des Dachsteins, geht klettern, chillt im Liegestuhl oder spielt mit den beiden Hüttenhunden.

Am Abend wird die Gitarre ausgepackt und – man möchte es kaum glauben – auch eine Harfe! Man muss wohl selbst dabei sein, um das Gefühl wirklich nachvollziehen zu können, das entsteht, wenn abends bei Sternenhimmel die Tochter der Hüttenwirtin in die Seiten greift ... Und spätestens dann weiß man es mit Sicherheit:

Gemeinsame Erlebnisse wie diese und die zufriedene Gewissheit, etwas Sinnvolles für die Natur und die Region geleistet zu haben, sind mit keinem Geld der Welt käuflich zu erwerben.  

Wenn du zwischen 16 und 30 Jahre alt bist, dich gerne draußen in der Natur und am Berg aufhältst und nichts dagegen hast, die Handschuhe anzuziehen und mit der Hacke los zu ziehen, dann melde dich für das nächste Umweltworkcamp der Naturfreundejugend Oberösterreich an! Neue Freunde und deine ganz persönlichen Erlebnisse in einer motivierten, gleichgesinnten Gruppe, sind dir sicher.

Übrigens: Die Teilnahme ist kostenlos, lediglich die Reisekosten musst du selbst begleichen.

Mehr Infos.

 

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