Klimawandel Österreich: Die Alpen werden warm

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Der Klimawandel macht vor den bergigen Höhen der Alpen nicht halt. Ein umsichtiger und nachhaltiger Umgang zur Erhaltung des Lebensraumes ist notwendig und unumgänglich. Blühendes Österreich hat sich die Situation in der Heimat angesehen.

„Dem Gletscher-Hahnenfuß wird es bei uns zu warm. Der kann sich nicht einfach die Jacke ausziehen“, sagt Harald Pauli. Der Klimaexperte leitet das Beobachtungsnetzwerk und Forschungsprogramm Gloria, das mit nationalen und internationalen Experten weltweit an ökologischen Klimafolgen forscht. Gloria hat sich auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme in Gebirgen und ihre Artenvielfalt spezialisiert.

In Österreich ist Pauli mit Gloria etwa am Hochschwab und im Nationalpark Gesäuse unterwegs: „Die einzigartigsten Pflanzen wachsen nicht in den höchsten Gebieten, etwa am Großglockner, sondern in den Randgebieten der Alpen.“ Die Österreich-Soldanelle, Sauters Felsenblümchen oder die Clusius-Schafgarbe zum Beispiel. „Die meisten Gebirgsarten wachsen nur dort, wo der Wald aufhört. Die Fläche oberhalb des Waldes ist aber nicht wahnsinnig groß. Diese Arten sind deshalb viel stärker gefährdet als andere – sie können nicht einfach weiter den Berg hinaufwandern. Da ist es dann aus“, erklärt Pauli.

Diesen Engpass an Raum für Gebirgspflanzen nennt die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 die „Biodiversitätsfalle im Gebirge“.

Und der Raum dort wird enger: Klimamodelle halten einen Temperaturanstieg für den Alpenraum von bis zu fünf Grad für möglich – noch innerhalb dieses Jahrhunderts. Gleichzeitig können die Niederschlagsmengen um bis zu zehn Prozent zurückgehen. Wetterextreme – von Orkanen bis zu Dürrezeiten – sind zu erwarten. Am eindrücklichsten zeigt sich die Erwärmung der Erde im alpinen Gebiet an den Gletschern: In den letzten hundert Jahren sind sie um rund 50 Prozent geschrumpft.

„Der Klimawandel macht vor keinen Grenzen halt“, sagt Pauli. Er forscht seit den 90er-Jahren zum Klima in den Bergen. Dafür kann er auf Aufzeichnungen aus dem frühen 19. Jahrhundert zurückgreifen. Sein Befund: Jene Arten, die Spielraum haben, wandern in die Höhen, andere vermehren ihre Population, wenige verschwinden. Liegt der Fokus von Pauli und dem Gloria-Netzwerk auch auf Pflanzen, beeinflusst die Veränderung im Lebensraum natürlich auch die heimischen Alpentiere. „Säuger und Vögel sind zu mobil, um das Ambiente der Natur anzuzeigen. Interessanter sind Bodentiere“, erklärt Pauli. Bei einer Untersuchung am Schrankogel im Ötztal hat man sich etwa Hornmilben näher angesehen und auf bis zu 3300 Höhenmetern eine Vielzahl an Arten entdeckt. „Eine davon ist ein Eiszeitrelikt, das dort noch lebt“, sagt Pauli. „Das hat sich bis jetzt halt noch niemand genauer angesehen.“ Ob es den Hornmilben in der Höhe mittlerweile auch zu warm ist, kann man somit nicht konkret sagen.

Die Tiere der Alpen

Sie springen, kriechen und fliegen durch und über unsere Berglandschaft – Steinböcke, Alpensalamander und Alpendohlen, Murmeltiere, Kreuzottern und Steinadler. Achtsame Bergbesucher haben Glück, ihnen zu begegnen. Blühendes Österreich widmet drei Alpentieren ein Kurzporträt.

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Der Steinadler

Der Steinadler lebt zurückgezogen in einsamen Gebirgsregionen. Kundige Beobachter erkennen den Greifvogel an den langen, schmalen Flügeln und am goldgelben Gefieder im Nacken, das das sonst dunkelbraune Federkleid der erwachsenen Tiere ziert. Bei Jungvögeln blitzen weiße Federn hervor. Sie werden im Frühsommer geboren und verlassen nach knapp drei Monaten erstmals den Horst. Steinadler-Weibchen sind schwerer (bis zu fünf Kilogramm) und größer als ihre Partner (bis zu 230 Zentimeter Flügelspannweite). Die Vogelpaare leben monogam.

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Der König der Lüfte

Der Steinadler fegt mit bis zu 125 km/h über die Gipfel hinweg, sein Auge sieht gestochen scharf auf bis zu drei Kilometer – so hat er seine Beute, zu der Alpenschneehühner aber auch junge Gämsen zählen, fest im Blick. In den Alpen schätzt man die Steinadler-Brutpaare auf bis zu 1.300, davon sollen an die 360 Paare in Österreich zu Hause sein. Der Vogel steht seit 1952 unter Schutz.

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Die Kreuzotter

Die Kreuzotter ist eine Vipernart und kommt in den Alpen in bis zu 2500 Metern Höhe vor. Sie bevorzugt kühle und feuchte Lebensräume, in denen sie sich an warmen Stellen ansiedelt, etwa an Waldlichtungen oder an Wegrändern. Zeichnung und Färbung der Schlange sind äußerst vielfältig – die Grundfarbe reicht von weiß bis grau, von gelb bis dunkelbraun, von einfarbig rötlich bis kohlschwarz. Es kommt vor, dass das markante Zickzack-Band am Rücken fehlt.

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Das giftige Reptil

Kreuzottern werden bis zu 60 Zentimeter lang, wobei die Weibchen größer sind als die Männchen. Sie ernähren sich von kleinen Säugetieren, Fröschen oder Eidechsen. Die Tiere paaren sich nach der Winterstarre im Frühjahr und zwischen August bis Oktober kommen bis zu 20 Jungtiere zur Welt. Die Kreuzotter ist eine der wenigen giftigen Schlangen in Österreich. Die Tiere beißen nur, wenn sie sich vom Menschen bedroht fühlen. Ihr Biss ist nicht tödlich.

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Das Alpenmurmeltier

Alpenmurmeltiere, in Österreich auch Mankei genannt, leben in alpinen Rasengebieten auf bis zu 3000 Höhenmetern, in deren Boden sie ausgedehnte Baue anlegen. Die bis zu einem halben Meter großen Tiere haben ein schiefergraues bis gelbliches Fell und zählen zur Gattung der Echten Erdhörnchen. Die Tiere sind tagaktiv und leben in Gruppen in Revieren von bis zu zweieinhalb Hektar. Sie ernähren sich vegetarisch, gerne von Wurzeln, Blättern oder Gräsern.

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Das gesellige Kerlchen

Die Murmeltierfamilien bestehen aus bis zu 20 Familienmitgliedern. Von Oktober bis März verbringen die Tiere ihren Winterschlaf in ihrem bis zu sieben Meter unter der Erde angelegten Bau. Nach dem Winterschlaf paaren sie sich und fünf Wochen später werden bis zu sechs Junge geboren. Die Kleinen verlassen nach rund drei Jahren die Familie, um ihre eigene Sippe zu gründen. Auf der Bachlalm in Filzmoos kann man den Tieren, die normalerweise mit hohen Pfiffen vor Menschen warnen, in Murmeltiersafaris ganz nahe kommen. Mit etwas Geduld fressen sie einem sogar aus der Hand.

Autorin: Maria Schoiswohl

Zum Schutz der Alpen gibt es seit 1991 die Alpenkonvention.

Es ist ein internationales, völkerrechtlich verbindliches Abkommen zwischen den Alpenländern und der EU für eine nachhaltige Entwicklung und für den Schutz der Alpen. Auf Österreich entfällt mit 28,7 Prozent immerhin der größte Flächenanteil der Gebirgsregion, die nach Definition der Alpenkonvention 190.959 Quadratkilometer misst. Rund 30.000 Tier- und 4.500 Farn- und Blütenpflanzenarten finden in den Alpen ihren Lebensraum, 388 Pflanzenarten kommen davon weltweit ausschließlich in dieser Gebirgsregion vor.

Aber auch nationale Initiativen zum Schutz des alpinen Lebensraumes werden mehr: Biosphärenparks etwa sind von der UNESCO initiierte Modellregionen, die Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften erhalten – in Kooperation mit der Bevölkerung und zur nachhaltigen Entwicklung der Region.

Die Berge sind Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftsraum – gleichzeitig schützen sie den Menschen vor Gefahren.

So verhindert der Bergwald in den Alpen massive Erdbewegungen oder Felsabgänge. Solange es nicht zu warm wird. „Die Hochzonen werden langfristig unstabiler“, warnt Pauli. Dort, wo das Eis der Permafrostböden auftaut und wieder gefriert. Vor allem für Gletscherregionen wie die Hohen Tauern, das Zillertal, die Stubaier und Ötztaler Alpen oder die Vorarlberger Silvretta ist das ein Thema. „Da kann es zu Frostsprengungen kommen. Man nimmt an, dass das eine wichtige Ursache für verstärkte Hangrutschungen und Felsstürze ist“, so Pauli.

Der Österreichische Alpenverein fördert den österreichischen Schutzwald mit seinen Bergwaldprojekten. Seit 2002 packen Freiwillige an, um den Wald zu pflegen und seine Biodiversität zu erhalten. Sie pflanzen Bäume, stellen Schutzzäune auf oder befreien Pflanzen von Gehölz. „Die Teilnehmer sind Menschen, die gerne in den Bergen sind, ein Zeichen setzen wollen, dass sie die Natur und die Arbeit der Bauern schätzen und dass der Berg nicht nur eine Sportkulisse ist“, sagt Peter Kapelari, stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Bergwaldprojekte. Bis zu 20 Personen arbeiten für ein Projekt – oft in ihrem Urlaub – eine Woche lang am Berg.

Naturschutz ist seit Anbeginn Teil der Alpenvereinsarbeit.

Bereits 1882 gab es erste Aufforstungsprojekte und in einer Erklärung von 1923 verpflichtete man sich, die Erschließung der Wege und Errichtung der Hütten als abgeschlossen zu sehen. „Seitdem geht es um den Erhalt der Hütten und Wege“, sagt Kapelari. Eine Ausnahme bilden Klettersteige, bei denen man mit Tourismusgebieten mit einem strengen Kriterienkatalog zusammenarbeitet. „Die ursprüngliche Idee des Alpenvereinsgründers Franz Senn war schon der Tourismus. Die touristische Nutzung der Berge sollte das Leben in den Tälern nachhaltig sichern. Heute geht es aber um mehr“, sagt Kapelari. „Wir wollen den Tourismus deshalb nicht abschaffen. Wir wollen ihn nachhaltig fördern.“

10 Berghütten, die die Natur schützen

Der Österreichische Alpenverein betreibt 235 Hütten mit 13.000 Schlafplätzen in den Alpen. Die ökologisch nachhaltigsten erhalten für ihren vorbildhaften Umweltschutz in den Bergen das Umweltgütesiegel – insgesamt sind es bereits 111 Hütten. Blühendes Österreich stellt zehn umweltbewusste Hütten in den heimischen Bergen vor.

Zu den Fakten

c ÖAV / Harald Herzog

Salmhütte / Kärnten

Im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern am südlichen Fuß des Großglockners treffen Wandernde auf die Salmhütte. Sie ist bekannt als Stützpunkt für ausgiebige Touren, wie etwa auf den Wiener Höhenweg, sowie als Ausgangspunkt für die Besteigung des Großglockners. Auf 2644 Metern Seehöhe arbeitet man nachhaltig und folgt den strengen Kriterien für das Umweltgütesiegel.

c ÖAV / Georg Unterberger

Hochweißsteinhaus / Kärnten

Auf 1868 Metern Seehöhe, am karnischen Hauptkamm, bietet das Hochweißsteinhaus Wandersleuten Rast und Stärkung mit grandiosem Ausblick. Aber nicht nur das: Die familienfreundliche Hütte im Lesachtal leistet mit einer Photovoltaikanlage, der natürlichen Getränkekühlung mit Kaltwasser sowie mit der vollbiologischen Kläranlage einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Rottenmanner Hütte / Steiermark

Inmitten des Zirben-, Lärchen-, und Fichten-Mischwaldes in den Rottenmanner Tauern tut sich mit der Rottenmanner Hütte eine kleine Oase zum Kraft tanken auf. Rund 12.000 ehrenamtliche Stunden wurden in den umweltfreundlichen Umbau investiert. Ergebnis ist unter anderem ein natürliches Energie-Kraftwerk für die Hütte auf 1650 Höhenmetern. Zusätzlich zu energiesparender Beleuchtung und einer Wasserversorgung ohne UV-Behandlung.

c ÖAV / Harald Herzog

Mödlinger Hütte / Steiermark

Die Hütte hat ihren Namen von Bergsteigern aus Mödling, die bereits 1904 am Kamm des Treffnerbodens einen alpinen Stützpunkt planten. Zehn Jahre später feierten sie schließlich die Eröffnung ihres Stützpunktes. Die Rundumsicht am Hüttenstandort ist kaum zu überbieten. Die Wirtsleute Helga und Hans Traxler aus Hieflau bemühen sich seit 1992 um das Wohl der Gäste, die sie auf ihrer Hütte im Nationalpark Gesäuse besuchen.

Filmoorhütte / Tirol

Auf 2350 Meter Seehöhe, am karnischen Hauptkamm, hat die Filmoorhütte ihren Standort. Als Ausgangspunkt zahlreicher Wandertouren, wie beispielsweise zum Kartitscher Sattel, kommt die Hütte ohne viel technischen Schnick-Schnack aus: zurück zur Natur, ohne Internet und mit spärlichem Handyempfang. Maximal 14 Wandernde nimmt die nachhaltig geführte Hütte auf.

c ÖAV / Stefan Galbavy

Heinrich-Hueter-Hütte / Vorarlberg

Sowohl Energieeffizienz und fortschrittliche Abfallentsorgung als auch eine saubere Hüttenumgebung sind nur einige Kriterien, die die Auszeichnung mit dem Umweltgütesiegel des Alpenvereins voraussetzt. Auch die Heinrich-Hueter-Hütte in Vorarlberg erfüllt diese Anforderungen. Sie ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Drusenfluh auf 2847 Metern sowie auf den Klettersteig an der Saula-Ostwand. Bis zu 40 Wandernde finden nächtens in der Hütte im Westen der heimischen Alpen ein Platzerl.

Seethalerhütte / Oberösterreich

Ein Beitrag zum Umweltschutz in luftigen Höhen wird auf der Seethalerhütte geleistet – umschlossen vom Eis des Dachstein-Gletschers. Auf 2740 Metern Seehöhe ist sie die höchstgelegene Schutzhütte der Dachstein-Tauern-Region. Am Gipfel des knapp am Dreitausender vorbeigeschrammten Dachsteingipfels, auf 2995 Metern Seehöhe, ist man von dort deshalb auch innerhalb einer Stunde.

c ÖAV / Harald Herzog

Simonyhütte / Oberösterreich

Diese Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins bietet müden Bergtourengehern seit 135 Jahren eine warme Unterkunft. Als wichtiger Stützpunkt der Dachsteinbegehung ist die Hütte zudem Ausbildungszentrum für Kurse in Fels und Eis. Die Stromversorgung erfolgt über eine Photovoltaikanlage sowie über ein Dieselaggregat. Die vollbiologische Kläranlage leistet einen weiteren Beitrag zum Umweltschutz.

Schwarzenberghütte / Salzburg

Die Selbstversorgerunterkunft unter den Umweltgütesiegel-Trägern in Österreich: Die Schwarzenberghütte auf 2267 Metern Seehöhe inmitten des Nationalparks Hohe Tauern wird ehrenamtlich von den Mitgliedern verschiedener Alpenvereins-Sektionen betrieben. Sie bietet während der Saison Unterkunft für 24 Personen. Der Winterraum für vier Personen ist ganzjährig frei zugänglich. Alleinig um ein gewissenhaftes Wiederverschließen der Hüttentüre wird gebeten.

Wismeyerhaus / Salzburg

Keine Hütte im klassischen Sinn, sondern ein Alpenvereinshotel steckt hinter dem Namen Wismeyerhaus. Ein Drei-Sterne-Haus mitten im Skigebiet, neben der Piste zwischen Plattenkar- und Edelweißbahn auf 1673 Meter Seehöhe. Damit leistet nicht nur das Haus selbst mit der Verwendung biologischer Produkte aus der Region sowie mit dem Fokus auf Energieeffizienz seinen Beitrag zum Umweltschutz – auch der Urlauber, der ohne Auto und Co. direkt auf der Piste losstartet, hilft, Abgase zu reduzieren.

Mehr zu den nachhaltigen Hütten des Österreichischen Alpenvereins finden Sie hier: www.alpenverein.at

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Per App jeden Gipfel kennen

Die Peakfinder-App liefert ein 360°-Panorama mit den Namen aller Berggipfel – von jedem Standort aus. Dafür braucht man keinen Netzempfang, das Gipfelverzeichnis wird bei App-Installation gleich aufs Handy gespeichert. Wer sich die Gipfel genau ansehen will, nutzt die Fernglasfunktion, wer einen Überblick braucht, geht in die Vogelperspektive.

Die App hat ein topografisches Modell der Alpen (und kennt international über 25.000 Gipfel), eine Kartenfunktion, ein Gipfelverzeichnis, zeigt Gipfel in der Nähe und ermöglicht es, Favoriten zu speichern. Für Schreibtisch-Gipfelstürmer gibt’s eine Desktopversion.

Näheres auf www.peakfinder.org.

Der Tourismus ist – neben den Wetter- und Klimaveränderungen – ein großer Einflussfaktor auf den Lebensraum in den Alpen. Vor allem im Winter.

Wanderer, Kletterer, Mountainbiker suchen im Sommer ihre Erholung am Berg, unzählige Schneesportlern sind im Winter unterwegs. Obwohl die Schneefallgrenze seit 1950 um 100 Metern nach oben gestiegen ist und die Winter Jahr für Jahr milder werden, investieren manche Regionen nach wie vor in den Ausbau ihrer Skigebiete. Eine Krux – immerhin ist der Tourismus ihr Wirtschaftszweig Nummer eins. Schneesicherheit ist aber erst ab einer Höhe von ca. 1200 Metern gegeben und viele Skigebiete in Österreich liegen niedriger. Prominentes Beispiel ist Kitzbühel, das auf nur 800 Höhenmetern zum Skizirkus lädt. „Der Skisport ist nicht mehr der, der er vor 20 Jahren war“, sagt Klimaexperte Pauli. Brachten einst nur Lifte die Menschen auf die verschneite Piste, muss heute oftmals zuerst der Schnee auf die Piste gebracht werden. „Der Wasserverbrauch und der Energieverbrauch sind hier enorm. Das kurbelt natürlich wiederum den Klimawandel an“, sagt Pauli.

Autofreier Urlaub wird belohnt

Die Alpine Pearls haben sich dem sanften Tourismus in Österreichs Bergen verschrieben. Der Fokus liegt auf umweltverträglicher Mobilität. Aber nicht nur, sagt Peter Brandauer, Präsident der Tourismuskooperation und Bürgermeister der alpinen Perle Werfenweng.

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Autofreier Urlaub wird belohnt

Die Alpine Pearls haben sich dem sanften Tourismus verschrieben. Fünf Orte in Österreichs Alpen, die ihren Fokus auf umweltverträgliche Mobilität legen. Dahinter steckt aber noch mehr. Peter Brandauer, Präsident der Tourismuskooperation und Bürgermeister von Werfenweng, im Gespräch mit Maria Schoiswohl.

Was bedeutet sanfter Tourismus bei den Alpine Pearls?

Grundsätzlich geht es um umweltverträgliche Mobilität. Das Thema Anreise in den Urlaub ist ganz wichtig, deshalb haben wir ein gutes Angebot für die Bahn- und Busanreise. Gleichzeitig bieten wir eine Mobilitätsgarantie vor Ort. Wer ohne Auto anreist, kann etwa mittels Elektroshuttle zum Restaurant, zur Sehenswürdigkeit oder zum Ausgangspunkt der Wanderung. Auch da achten wir auf die Umweltverträglichkeit in der Mobilität.

Sie sagen „grundsätzlich“ geht es um umweltverträgliche Mobilität. Heißt das „ausschließlich“?

Nein, sanfter Tourismus geht darüber hinaus und berührt auch ganz andere Bereiche: Woher kommt die Energie für unsere Elektrofahrzeuge? Da ist das Thema erneuerbare Energie ganz wichtig. Und auch der Naturschutz spielt eine Rolle: Wie erhalten wir die Natur in unseren Urlaubsgebieten? Die sanfte Mobilität trägt zur Reduktion der CO2-Emissionen bei und zum Klimaschutz, sie ist aber nicht alles.

Sie haben 2006 die Alpine Pearls mitgegründet. Heute zählen 25 Gemeinden in sechs Ländern dazu, davon fünf in Österreich. Wie wurde die Idee konkret in Werfenweng umgesetzt?

Wer einen autofreien Urlaub bei uns genießt, wird belohnt. Wir haben dafür die Samo-Card eingeführt. Jene Gäste, die per Bus oder Bahn anreisen, oder ihr Auto bei uns im Urlaub stehen lassen, bekommen diese Karte für eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro. Sie inkludiert die erwähnte Mobilitätsgarantie im Ort – mit dem E-Lois, unserem E-Shuttle, mit dem Nachtmobil, das im Sommer bis 2 Uhr nachts fährt, mit der Pferdekutsche oder mit dem E-Mobil zum Ausborgen. Zusätzlich haben wir die so genannte Spaßmobilität im Sommer – per Segway, Funrider, E-Bike, Fahrrad kann man durch die Gegend fahren. Im Winter kann man auch kostenlos mit dem Pferdeschlitten fahren oder sich die Langlaufrüstung gratis ausleihen.

Warum setzt ein Ort wie Werfenweng gerade auf das Thema „sanfter Tourismus“?

Der Ursprung liegt hier in den 90er-Jahren. Damals gingen die Gästezahlen zurück und 1994 erstellte man aufgrund dessen ein Ortsleitbild. Da hielt man erstmals fest, dass man ein autofreier Ort werden möchte – wie Zermatt etwa. 1996 gab es dann ein Projekt vom Umweltministerium zum Thema „sanfte Mobilität/autofreier Tourismus“ an dem wir teilgenommen haben. Es folgte die Konzeptphase, die Ideenfindung und es gab viele Bürgerversammlungen. Da haben wir gelernt – wir haben zwei Möglichkeiten. Entweder wir machen es ganz radikal und sagen: Wir sind ab sofort autofrei. Oder wir wählen den Weg der 1.000 kleinen Schritte. Die radikale Idee war politisch nicht durchsetzbar. Somit wählten wir den zweiten Weg – sich gemeinsam mit Bürgern, Gästen, Experten auf das Ziel „autofreier Urlaubsort“ zubewegen. Auf diesem Weg sind wir nach wie vor.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei diesem Projekt?

Die Bevölkerung ist dem Thema zu Beginn sehr kritisch gegenüber gestanden. Immerhin kommt der Großteil unserer Gäste aus Deutschland und reist mit dem Auto an. Für die Akzeptanz in der Bevölkerung war es deshalb extrem wichtig, einen wirtschaftlichen Erfolg vorzuweisen. In den ersten vier Jahren der Samo-Card haben wir uns von 162.000 Nächtigungen pro Jahr auf 212.000 gesteigert. Das Projekt hat auch zu einer neuen Betriebsansiedelung geführt und aktuell halten wir bei 270.000 Nächtigungen im Jahr. Gleichzeitig haben wir eine Samo-Card für Einheimische entwickelt, die verschiedene Zielgruppen – etwa Pendler oder Familien – belohnt, wenn sie das Auto weniger nutzen.

Wie viel haben Sie in die Umsetzung des Projekts bereits investiert?

So konkret kann man das nicht sagen, aber die jährlichen Kosten, die die Samo-Card finanzieren, liegen bei 300.000 Euro. Diesen Betrag bringen die Betriebe alljährlich auf, um diese Art von Tourismus in Werfenweng zu ermöglichen. Wir zählen rund 50.000 Gäste und verkaufen rund 10.000 Samo-Cards pro Jahr.

Die Alpine Pearls sind ein länderübergreifendes Projekt. Wie ist der Vergleich der österreichischen Orte zu den anderen?

Man profitiert vom Erfahrungsaustausch der anderen immens. Das ist ja auch der Nutzen einer solchen Kooperation. Aber es ist nicht direkt vergleichbar, da jedes Land andere Startvoraussetzungen hat. In der Schweiz etwa ist das öffentliche Verkehrsnetz viel besser ausgebaut als bei uns oder in Frankreich. Man kann aber innerhalb Österreichs feststellen, dass dieser sanfte Tourismus eine Art Wettbewerb zwischen den einzelnen Orten auslöst. Es gibt sehr aktive Gemeinden wie etwa Weissensee, die sich sehr engagieren. Sie fordern sich gegenseitig heraus und tun etwas, um mitzuhalten. Das Programm ist sicherlich noch ausbaufähig, aber uns geht es vor allem um Qualität statt um Quantität.

Welche weiteren Maßnahmen setzen Sie für einen sanften Tourismus in der Region?

Aktuell sind wir dabei uns der dritten großen Zielgruppe zuzuwenden: den Tagesbesuchern, die ja doch primär mit dem Auto kommen. An einer eigenen Karte für Tagesgäste arbeiten wir gerade. Dann wollen wir noch mehr die autolosen Haushalte ansprechen und den Anteil der Bahnfahrer erhöhen. Aktuell liegen wir bei 20–25 Prozent, vor Projektstart waren es 6 Prozent. Ferner wollen wir uns vermehrt in Richtung Ganzjahresdestination entwickeln.

Warum Ganzjahresdestination?

Sommer und Wintertourismus halten sich bei uns aktuell die Waage, doch der Sommertourismus gewinnt zunehmend an Attraktivität. Das hängt unter anderem mit dem Klimawandel zusammen. Deshalb setzten wir im Moment auch ein ganz anderes Projekt um: den Spazierhimmel auf der Hochebene. Hier errichten wir Spazierwege in guter Qualität mit attraktiven Rastmöglichkeiten ohne Beschilderung und Zeitdruck. Spazieren ist eine Ganzjahresangelegenheit: der Morgenspaziergang, der Verdauungsspaziergang, der Regenspaziergang, der Liebesspaziergang – spazieren kann man immer.

Hintergrund

Zu den Alpine Pearls zählen 25 Gemeinden in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz. In Österreich gehören neben Werfenweng auch die Orte Neukirchen in Salzburg und Hinterstoder in Oberösterreich sowie Mallnitz und Weissensee in Kärnten dazu. Sie legen ihren touristischen Schwerpunkt auf einen nachhaltigen und klimaschonenden Tourismus in den Alpen. Peter Brandauer ist Präsident der Tourismuskooperation und Bürgermeister von Werfenweng.

www.alpine-pearls.com
www.werfenweng.eu

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Aber auch die Urlaubenden sind zum Umdenken angehalten.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto. Flugreise nur ab einer längeren Aufenthaltsdauer statt für den Kurztrip. Bewusster Konsum regionaler Produkte statt exotischer Gerichte in der Berghütte. „Man sollte in den Alpen eine Art des Tourismus wählen, die nicht zu viele technische Hilfsmittel braucht“, schlägt Pauli vor. „Gletscherskifahren im Sommer ist vielleicht nicht die richtige Verhaltensweise, um den Klimawandel zu verhindern.“ Noch dazu, wo die Gletscherregionen erst im Vorjahr einen massiven Rückgang erlitten haben, wie auch Glaziologin Andrea Fischer im Blühenden Österreich-Interview verrät.

Mit dem Bike am Berg

Die höchsten Gipfel erklimmen und die steilsten Wege bezwingen – das ist wahres Mountainbikegefühl! Damit Bikevolk und Bergwild gut – und naturschonend – nebeneinander auskommen, gilt es ein paar Dinge zu beachten.

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Kilometerlange Freiheit

Mit dem Bike rund um den Dachstein, auf die Kärntner Nockberge (siehe Fotos) oder gar durch den Nationalpark Hohe Tauern – die heimische Bergwelt lockt Mountainbiker mit abwechslungsreichen Routen, Touren und Schwierigkeitsgraden. Insgesamt sind in Österreich aktuell rund 27.000 Kilometer als Mountainbikestrecke befahrbar.

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Keine Raser

Gleichwohl wie Wanderer oder Skitourengeher sind auch Biker angehalten, sich am Berg gemäß ihrer Umgebung zu verhalten: Rasende Rowdies, die mit ihrem Fully, Hardtail oder E-Mountainbike kleine Waldwege hinabheizen, sind weder von Waldeigentümern, noch von Waldbewohnern gerne gesehen.

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Geteilte Meinung

Aktuell kommt es rund um Biker auf österreichischen Bergen immer wieder zu Diskussionen: Im Gegensatz zu den benachbarten Mountainbike-Eldorados in Deutschland oder Italien, sind die Regeln hierzulande etwas strenger. Das will die Radfahrerlobby ändern, ebenso der Tourismus, der mit attraktiven Strecken auf mehr Besucher hofft. Dagegen stellen sich Umweltschützer und Waldeigentümer, die wiederum die Natur in Bedrängnis oder ihren Grund vor der Enteignung sehen.

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Altes Gesetz

Ursprung der Diskussion für die Biker am Berg ist ein altes Gesetz – in Österreich regelt ein Forstgesetz aus 1975 die Nutzung von Forststraßen und Waldwegen zu Erholungszwecken, dazu zählt auch das Biken. Das Befahren der Straßen und Wege ist nur nach Zustimmung des Waldeigentümers erlaubt.

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Freigegebene Straßen

Das so genannte Vertragsmodell regelt, wo man am Berg Radfahren darf. Waldeigentümer und Wegehalter geben dafür – dort wo es ökologisch verträglich ist – Forststraßen frei. Sie sind auch für den Erhalt der Straßen verantwortlich und haften für Schäden. Biker, die auf nicht gekennzeichneten Wegen erwischt werden, können mit einer Strafe ab 150 Euro rechnen. In brenzligen Fällen droht sogar Haft.

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Faires Miteinander

Für ein friedliches – und naturschonendes – Miteinander von Bikern und Bergwild gilt deshalb: Auf gekennzeichneten Trails fahren, das Mountainbike in Schuss und unter Kontrolle halten, die Tour nach dem eigenen Fahrkönnen wählen sowie Rücksicht auf Tiere und Menschen in der Umgebung nehmen. So steht dem Fahrvergnügen nichts im Wege.

Autorin: Maria Schoiswohl

Beschäftigt der Klimawandel die Menschen auch ungemein – für die Erde und somit auch für unsere Berge ist er nichts Neues.

Eiszeiten und Erderwärmungen haben in der Vergangenheit das Klima immer wieder verändert. Hervorgerufen durch Meteoriteneinschläge oder Vulkanausbrüche wurden Aussterbewellen ausgelöst, die der Mensch niemals überlebt hätte. Neu ist in unserer Zeit der menschengemachte Einfluss, der – laut einer aktuellen Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung – mit seinem erhöhten CO2-Ausstoß sogar die nächste Eiszeit um 50.000 Jahre verzögert und einen kompletten Eiszeitzyklus überspringt. Für den Gletscher-Hahnenfuß auf den heimischen Alpen bedeutet das wohl nichts Gutes. Er wächst aktuell ab rund 2300 Metern in den Bergen und hat somit noch Raum in kältere Regionen zu wandern. Sich also „die Jacke auszuziehen“. Die Frage ist: Wie lange noch?

Autorin: Maria Schoiswohl

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