Zuwachsende Almen sind eine überregionale, transalpine Herausforderung, die alle etwas angeht. Diese atemberaubend schöne und artenreiche Landschaft bleibt nur durch menschliches Zutun erhalten. Matthias Merta vom Biosphärenpark Großes Walsertal in Vorarlberg, erzählt vom Projekt Alpflug und was es braucht, um ein Gemeinschaftsaktion in dieser Dimension ins Rollen zu bringen.

Der Biosphärenparkmanager Matthias Merta hat das Projekt Alpflug 2024 ins Leben gerufen, er betont: „Es ist eine Wertschätzung an unsere Älpler. Was sie tun, ist unglaublich wichtig für uns alle.“ Jedes Jahr Tiere treiben sie Tiere auf, erzeugen hochwertige Lebensmittel und pflegen die Flächen, um gutes Futter für die Tiere zu fördern. Das ist viel Arbeit, heutzutage oft mit wenig Personal und unter dem üblichen Druck unserer intensiven Zeit. Dass die Almen zuwachsen, ist ein Alpenübergreifender, besorgniserregender Trend. Die von Menschenhand geschaffene Landschaft der Almen ist ein Nutz- und ein Naturraum gleichzeitig, sie ist ein Hotspot für Biodiversität, für stabile Böden und sauberes Wasser. „Im Vergleich zu anderswo sind unsere Almen noch in einem guten Zustand, dennoch beobachten wir Veränderungen über die letzten Jahrzehnte.“, erzählt Matthias Merta. „Wir haben überlegt, wie wir das Problem angehen können, dass einerseits die ökologische Zielsetzung erreicht wird, andererseits das praktische älplen berücksichtigt wird: Wie kommt man hin? Was lässt sich gut machen, welche Kapazitäten sind vorhanden? Was wird gebraucht? Was ist schon da.“ 

Knowhow von den Älplern genutzt 

Der praktische Teil, die tatsächliche Arbeit vor Ort und die Organisation wurde bewusst bei den Älplern gelassen. Ob die Familie in einem großen Aktionstag zusammenhalf, oder die Älpler in ihrer Alpzeit aufkommende Gehölze entfernt haben, oder ob Personen angestellt wurden, um die notwendigen Arbeiten durchzuführen, entschied jede Alpe für sich selbst. Vorgegeben wurden ökologische Rahmenbedingungen und ein Zeithorizont von einem Jahr. „Das hat ihnen getaugt!“, erzählt Matthias Merta, „das Ziel war klar formuliert, aber das Knowhow haben sie selbst und das konnten sie in ihrem Sinne umsetzten, das war für alle eine gute Erfahrung.“ 

Das Team vom Biosphärenpark hat sich um den Förderantrag, die Abwicklung, die Behördenvermittlung und Bewilligungen gekümmert. Das Naturraumplanungsbüro Egger wurde in die fachliche Ausarbeitung, sowie beim persönlichen Austausch mit den Älplern eingebunden. Schlussendlich wurden 150.000€ über den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft an die Älpler ausbezahlt. Auf 17 Alpen haben 175 Personen in 7000 Arbeitsstunden 103 ha Almfläche in motor-manueller und Handarbeit sorgfältig wiederhergestellt. 

Mit Scheren und Hand- und Motorsäge 

Almen im Biosphärenpark Großes Walsertal wurden besucht, begutachtet und mit den Betroffenen Gespräche geführt. Jede Alpe unterscheidet sich durch Gelände, Tiere und Eigentums- und Nutzungsverhältnisse. Gemeinsam wurden jeweils passende Maßnahmen ausgearbeitet mit dem Ziel das typisch, feinstrukturierte, heterogene Mosaik der Almlandschaft wiederherzustellen. „Mit Scheren, Hand- und Motorsägen müssen aufkommende Gehölze, wie Latschen, Grünerlen oder Zwergsträucher zurückgeschnitten werden, damit wieder Sonnenlicht auf den Boden fällt. So entsteht das typische warme Mikroklima, das für Kräuter, aber auch Tiere unerlässlich ist.“, erklärt Matthias Merta. Als Schirmart für das Projekt Alpflug wurde das Birkhuhn ausgewählt, da es genau auf dieses typische Landschaftsmosaik der subalpinen Almregionen angewiesen ist. Im Grunde steht diese Art für unzählige andere Arten, die über diese Kulturlandschaft vernetzt sind.

Aufschwung und Energie für Weiterarbeit 

Wie sich die Tiere und Pflanzen in diesem Mosaik der Almlandschaften in vielfältigen Abhängigkeiten wiederfinden, stehen auch die Menschen am Berg und im Tal, in verschiedenen Berufsgruppen und in diversen Einstellungen mit den Almen der Region und untereinander in Beziehung. „Es ist wichtig, so viele wie möglich einzubeziehen.“, weiß Matthias Merta. „Als bei der Abschluss Veranstaltung im Dezember 2025 die Älpler, die Jäger, die Grundbesitzer, die Gemeinde und Behörde sowie unser Team zusammengekommen sind und gesehen haben, dass für alle dabei Positives entstanden ist, hat das eine unglaublich förderliche Grundlage für gute zukünftige Zusammenarbeit geschaffen.“ 

Das Projekt ist zwar eigentlich abgeschlossen, die Almarbeiten, um die Flächen in Stand zu halten werden in jedem Fall weitergehen. Die Jäger:innen, die Mitarbeiter:innen des Biosphärenparks und die Älpler:innen achten auch in Zukunft darauf, wie sich die Tier- Pflanzen und Lebensräume entwickeln. Sie haben durch die Aktion Alpflug einen Aufschwung und Energie bekommen. Es hat Verständnis und Bewusstsein für die Arbeiten und die Bedürfnisse des/der jeweilig anderen geschaffen und wäre jetzt bereit mit all seinen Erfahrungen auch in anderen Regionen umgesetzt zu werden. 

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Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

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Österreichische Bundesbahn: www.oebb.at
BusBahnBim - Auskunft: www.busbahnbim.at

Haltestelle:

  • Gesäuse Bachbrücke/Weidendom (RegioBus 912)
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geb. 1969, studierte an der Karl-Franzens-Uni Biologie bzw. Botanik, arbeitete 6 Jahre über Flechten tropischer Regenwälder am Institut für Botanik in Graz, Mitbegründung eines TB für Biologie in Gleisdorf, seit 2013 Ingenieurbüro für Biologie in Graz als Einpersonenunternehmen: Schwerpunkt Biotop- und Vegetationskartierungen zur naturschutzfachlichen Bewertung, Naturschutzarbeit in der Landwirtschaft, Flechtenerhebungen zur Bioindikation und Monitoring inkl. Publikationstätigkeit, NaturerlebniswegeFindet die Wanderung bei jedem Wetter statt?
Ja, denn wir finden, unser Nationalpark Gesäuse ist bei jedem Wetter ein Erlebnis!

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