David Sandler steht vor einem jungen Auwald und schaut. Wo vor zwei Jahren noch Windwurf und Fichtenstämme lagen, wurzeln heute junge Schwarzerlen, Bergahorne, Bergulmen, Rotbuchen. Kniehoch sind sie, manche kaum höher. Aber sie stehen.

Während er an einem Zaun arbeitet, taucht plötzlich ein Sperlingskauz auf. Mitten am Tag. Die kleinste Eule Europas ist selten zu sehen, obwohl sie auch tagsüber aktiv ist. Sie sitzt einen Moment, beobachtet, und verschwindet wieder. Für Sandler ist das mehr als eine zufällige Begegnung. Es zeigt, dass sich mit dem Besuch der seltenen Eule bereits etwas verändert.

Im südlichen Waldviertel entwickelt der Jungbauer auf rund 7.000 Quadratmetern einen neuen Auwald. Und die Natur reagiert schneller, als er erwartet hat.

Wo das Wasser seinen Wald verlor

80 bis 90 Prozent Naturnahe Auwälder sind in Österreich selten geworden. Ein Großteil der ursprünglichen Bestände ist verschwunden – gerodet, entwässert oder durch Fichtenforste ersetzt. Besonders entlang von Bächen gingen jene Übergangszonen verloren, die einst zahlreichen Arten Lebensraum boten.

Mit ihnen verschwanden auch Tiere wie Schwarzstorch, Ringelnatter oder Bergmolch aus vielen Regionen. Was blieb, sind oft wirtschaftlich optimierte, aber ökologisch verarmte Wälder. Sandler wollte das auf seinen Flächen nicht fortsetzen.

 

1.500 Bäume und ein langer Atem

Auf zwei ehemaligen Windwurfflächen setzt er deshalb auf standortgerechte Mischwälder. Schwarzerle, Grauerle, Vogelkirsche – dazu Bergulme, Bergahorn und Rotbuche. Arten, die mit feuchten Böden zurechtkommen und zugleich widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Sturm sind.

Rund zwei Drittel der geplanten 1.500 Bäume sind bereits gepflanzt. Unterstützung kam aus dem Ort: Schülerinnen und Schüler halfen im Herbst spontan mit. Für viele von ihnen war es das erste Mal, selbst Bäume zu setzen.

Die Idee eines artenreichen Mischwaldes hatte Sandler schon länger. Gescheitert war sie bislang an den Kosten. Erst durch den Changemaker-Call von Blühendes Österreich und dem Biodiversitätsfonds des Klimaschutzministeriums wurde die Umsetzung möglich.

 

Ein Tümpel, der Leben bringt

Ein zusätzlicher Impuls kam durch einen einfachen Vorschlag: Eine ehemalige Biologielehrerin regte an, ein Kleingewässer anzulegen. Sandler setzte die Idee um.

Heute ist der Tümpel voller Leben. Frösche und Kröten haben ihn innerhalb weniger Wochen angenommen. Was zunächst wie ein kleines Detail wirkte, entwickelte sich schnell zu einem zentralen Element des Projekts.
 

Wenn alles wieder zusammenwächst

Auch in der Umgebung zeigen sich Veränderungen. In der Region werden regelmäßig Schwarzstörche und Bekassinen gesichtet. Schillerfalter, Smaragdlibelle, Ringelnattern und Bergmolche finden hier wieder geeignete Bedingungen.

Jeder Totholzhaufen, jeder Lesesteinwall, jedes Kleingewässer trägt dazu bei. Schritt für Schritt entsteht ein Verbund aus Lebensräumen – kleinräumig, aber wirksam.

 

Die Krux mit der Fichte

Nicht alle in der Region sehen das Neue mit offenen Augen. Viele Landwirte setzen weiterhin auf die Fichte — günstig, vertraut, seit Generationen das Maß aller Dinge. Sandler versteht die Logik. Aber er kennt auch die Rückseite: Fichten auf nassen Böden entwurzelt der nächste Sturm. Der Borkenkäfer, der sich unter veränderten Klimabedingungen rasend schnell ausbreitet, greift zuerst die Fichte an.

„Oft wird zu wenig langfristig gedacht — etwa daran, wie ein Wald in 50 oder 70 Jahren noch bestehen kann."

Ein Mischwald kann Ausfälle einzelner Arten abfedern. Er ist stabiler, weil er nicht von einer einzigen Baumart abhängt.

Ein Keimpunkt für die Region

Inzwischen wird das Projekt auch in der Umgebung wahrgenommen. Landwirte aus benachbarten Gemeinden kommen vorbei, stellen Fragen, schauen sich die Entwicklung an. In der Gemeinde gibt es bereits ein weiteres Waldstück mit Informationstafeln und Führungen.

In Workshops entstehen neue Ideen – etwa, Obstbäume stärker in Waldflächen zu integrieren. Das Projekt wirkt über seine Fläche hinaus.

Sandler versteht seine Arbeit als Ausgangspunkt. Viele hätten ähnliche Überlegungen, sagt er, doch oft fehle der erste Schritt. Förderprogramme wie jene von Blühendes Österreich können genau hier ansetzen.

Der Sperlingskauz ist längst weitergezogen. Doch seine kurze Erscheinung passt zu dem, was hier gerade passiert: Die Natur kehrt zurück, sobald man ihr Raum gibt.
Manchmal schneller, als man erwartet.

 Mehr Informationen zum Projekt

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.

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