Image

Sonnige Tage, klarer Himmel und steigende Temperaturen: Der Sommerbeginn naht! Doch jeder Großstädter weiß: Mit dem Sommerbeginn naht auch die Zeit der überfüllten U-Bahnen ohne Klimaanlage - auf Kuschelkurs mit so manchem markant duftenden Mitmenschen. Um diese Situationen erträglicher zu machen hilft nur eins: Die Vorfreude auf Unternehmungen an der frischen Luft, zwischen Weinbergen, Wäldern und Vogelgezwitscher.
Und davon gibt es für uns WienerInnen glücklicherweise mehr als genug in unmittelbarer Umgebung! Ganz besonders bietet sich dafür das „Meer der Wiener“ an:
Wie du Bewegung, Stadtflucht und neues Wissen über die Fauna rund um den Neusiedler See auf entspannte und lehrreiche Weise verbinden kannst, verrate ich dir in diesem Beitrag.

In schnelllebigen Zeiten wie diesen vergisst man zu oft auf die Entschleunigung. Wir hetzen von Termin zu Termin, raufen uns die Haare wegen anstehender Deadlines, zerbrechen uns den Kopf darüber, was wir am Wochenende alles unternehmen könnten.
Dabei sollten freie Tage doch genau das Gegenteilige bewirken: Endlich runterkommen, ausspannen, entspannen. Wir alle wissen, wie schwer es sein kann, dies auch in die Realität umzusetzen.

Möglich macht’s eine Fahrradexkursion im Burgenland: Endlose Weiten, moderate sportliche Betätigung und spannende Fakten über die heimische Flora und Fauna ermöglichen ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie. Der Nationalpark Neusiedler See bietet genau diese willkommene Auszeit vom Alltag – nur eine Stunde Fahrtzeit von Wien entfernt.

Image

Von Bienen und Bienenfressern:  Eine Exkursion für Vogelbegeisterte und die, die es werden wollen

Mit Vögeln hatte ich bis dato kaum etwas am Hut. Bis auf unser recht gut besuchtes Vogelhäuschen im Garten und ein traumatisches Erlebnis in meiner Kindheit (das unsere gefräßige Katze und einen ahnungslosen Spatz, der sich auf unseren Balkon verirrt hatte, involvierte) hielten sich meine Erlebnisse mit Vögeln bisher in Grenzen.

Ich bin also in Sachen Vogelbeobachtungen noch gänzlich unbedarft, als ich die Südautobahn entlangrolle, um der Fahrrad-Exkursion „Von Bienen und Bienenfressern“ beizuwohnen.

Vorab: Meine Einstellung zur Faszination von Vögeln hat sich nach dieser Exkursion komplett geändert.

Aber der Reihe nach: Schon bei der Autobahnausfahrt zum 3.000-Seelen-Ort Gols spüre ich, wie der Stress von mir abfällt.

Grün soweit das Auge reicht, blühende Rosenstöcke vor Weinfeldern und der Blick auf den in der Sonne glitzernden Neusiedler See lassen mich schlagartig den Trubel der Großstadt vergessen.

Von ursprünglich etwa 15 angemeldeten Teilnehmern versammeln sich wegen der starken Regenfälle in der Früh heute nur drei beim Heurigen „Grammel Boscha“ in Gols – wir drei erfreuen uns aber eines aufklarenden Himmels und somit perfekter Bedingungen für eine anstehende Beobachtung der Bienenfresser.

Von unserem Guide mit Ferngläsern ausgestattet, radeln wir munter die flachen Spazierwege entlang, um nach etwa 20 Minuten gemütlicher Fahrt unsere erste „Rast“ einzulegen. Hier lassen wir uns mit Wissenswertem zur burgenländischen Hügellandschaft berieseln und genießen die Panoramaaussicht auf die Weinberge des Wagrams sowie den klaren Blick zum Neusiedler See.

Wusstest du, dass

  • mit dem Naturschutzprogramm FLORA (Förderung von LandwirtInnen und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt) von Blühendes Österreich im Seewinkel seit 2015 Ackerbrachen und Wiesen im Ausmaß von 31 Hektar sowie aufgelassene Weingärten mit reicher Biodiversität wachgeküsst werden?
  • die heute steppenartige Kulturlandschaft um den Neusiedler See früher nicht für den Weinbau, sondern als endlose Futterwiese für Grauvieh verwendet wurde?
  • 15 % des europäischen Bestandes der Bienenfresser in diesem Gebiet beheimatet sind?
  • sich Vogelarten, bei denen sich Männchen und Weibchen sehr ähnlichsehen, meistens gemeinsam um die Pflege des Nachwuchses kümmern? Je ungleicher das Aussehen, desto ungleicher auch die Rollenverteilung.
Image

Von Bienenfressern: Das Staunen über die Schönheit der Vögel am Neusiedler See

Frohen Mutes schwingen wir uns wieder auf die Räder, um zu den Brutplätzen der Vögel zu fahren, die das eigentliche Ziel unserer Exkursion sind: Die Bienenfresser.

Der Bienenfresser ist eine der wenigen tropisch-bunten Vogelarten in Europa. Charakteristisch für die Gattung ist der längliche schwarze, leicht nach unten gebogene Schnabel. Den Kopf ziert ein weißer Stirnfleck, während Scheitel und Nacken braun sind. Das blau bis türkisgrüne Gefieder schillert je nach Sonneneinstrahlung in den schönsten Farben des Regenbogens. Erkennen kann man den Bienenfresser auch an den zu Spießen geformten Schwanzfedern und seinem charakteristschen Ruf.

Vor einer großen Lößwand stellen wir die Fahrräder ab, um unsere Beobachtungen der Vögel mit Fernglas und Spektiv zu starten – denn hier sind sie, die Brutplätze der bunten Bienenfresser. Und das ist kaum zu überhören: Dutzende der Zugvögel brüten in den Steilwänden und sorgen so für eine facettenreiche Geräuschkulisse.

Was sofort auffällt: Die sandige Steilwand erinnert an Schweizer Käse. Die Bienenfresser brüten nämlich in kleinen, selbst gegrabenen Höhlen. Jedes Jahr kommen neue Höhlen dazu, die auch von anderen Vogelarten (z.B. Dohlen) genutzt werden. Zwischen den Arten herrscht dann ein sogenannter „Burgfrieden“.

Sobald ein geeigneter Standort für das Ausbrüten der Eier gefunden ist, werden diese ohne Auspolsterung am Ende der Höhle abgelegt. Beide Partner gemeinsam brüten etwa sechs Eier aus und die Jungvögel sind nach einem Monat bereit, das Nest zu verlassen.

[caption id="attachment_16564" align="alignright" width="225"] Wir beobachten die Bienenfresser im Löß. (c) Eva Schober[/caption]

Großgefüttert werden die Jungtiere der Insektenjäger mit mittelgroßen bis großen Flug-Insekten. Zu diesen zählen unter anderem Bienen, Hummeln, Libellen, Schmetterlinge und Käfer. Von einem geeigneten Beobachtungsposten aus erspäht der Bienenfresser seine potentielle Beute und packt sie nach einem schnellen, kurzen Jagdflug mit seinem spitzen Schnabel. Insekten mit Stachel, wie beispielsweise Bienen und Wespen, werden nach erfolgreicher Jagd mit dem Hinterleib gegen eine feste Unterlage (z.B. einen Ast) geschlagen, damit das Gift herausgepresst wird. Da ein Bienenfresser um die 40 – 50 Insekten am Tag verspeist, würde eine solche Dosis ohne die vorherige Entfernung des Gifts lebensgefährlich für den amselgroßen Vogel werden.

Die sehr geselligen, gewieften Bienenfresser lieben Teamwork und schwärmen auch gerne gleichzeitig mit weiteren Artgenossen aus, um möglichst viele Insekten zu erwischen.

Image

Von Bienen: Sanftmütig oder Killerbiene?

Begeistert von dem Erlebnis, die farbenfrohen Vögel in ihrer natürlichen Umgebung bestaunen zu dürfen, machen wir uns per Rad auf den Rückweg zum Heurigen „Grammel Boscha“, um uns dort vom tüchtigen Wirt mit einer Runde Spritzer erfrischen zu lassen. Dazu gibt’s einen spannenden Vortrag zu einem weiteren Thema, das ich bis zu diesem Zeitpunkt viel zu wenig am Schirm hatte: Die Bienen.

Viel über die surrenden Insekten weiß Maksimilijan Grgic aus dem Burgenland, ein junger Imker in vierter Generation. Grgic hat der konventionellen Imkerei den Rücken gekehrt und züchtet mit seinen Kollegen Bienen ursprünglich.

„Viel zu sanftmütig“ sei die heimische Honigbiene mittlerweile, erklärt Grgic, während wir köstlichen, frischen Akazienhonig direkt aus einer von ihm mitgebrachten Bienenwabe löffeln. Aus diesem Grund werde in der herkömmlichen Imkerei der Einsatz der afrikanischen Killerbiene immer beliebter. Auf solche Methoden möchte Grgic nicht zurückgreifen: Er und seine Kollegen von Biene Burgenland besinnen sich vielmehr darauf, dass die Natur uns alles gibt, was wir brauchen. Sie verzichten daher auch auf den Einsatz von Zuckerwasser als Futter für die Bienen und züchten Honigbienen, die ihren Bienenstock zwar verteidigen, aber nicht aggressiv sind. Die natürliche Nahrung und die bewusste Zucht von ursprünglichen Insekten macht ihren Honig zu einem wohlschmeckenden Naturprodukt, mit dem man regionale Betriebe unterstützt.

So geht ein Nachmittag mit den exotisch anmutenden Bienenfressern und den fleißigen Honigbienen zu Ende - lehrreich, entspannt und sympathisch. Mein Prädikat: Erlebenswert!

Na, ebenfalls Lust bekommen, die Artenvielfalt der Region um den Neusiedler See zu erkunden? Wie wäre es mit einem gemütlichen Spaziergang am Kogelberg mit Beobachtung der Nachtreiher? Auch die Bienenfresser gibt’s noch für kurze Zeit zu sehen: Bei einer geführten Exkursion in die Teichwiesen erfährst du alles über die schillernd bunten Sommergäste am Neusiedler See.

Autorin: Eva Schober

Verwandte Lexikon Artikel

Artenreiche Blühfläche mit Kornblumen, Kamille und Kornrade

Was ist Biodiversität?

Wissen
Blühendes Österreich setzt sich für den Erhalt von Artenvielfalt ein!
Was ist Biodiversität?
Blaumeise

Blaumeise

Vögel
Hier in unserem Naturlexikon erfährst du Wissenswertes rund um die Blaumeise.
Blaumeise
Fischotter

Fischotter

Säugetiere
Als Anpassung an ihren aquatischen Lebensraum ist der Körper des Fischotters sehr schlank und stromlinienförmig. Mit bis zu einem Meter Körperlänge der Männchen erreichen sie auch stattliche Dimensionen, wenngleich es schon einiges an Glück bedarf, um diesen meisterhaften Fischjäger in freier Wildbahn zu begegnen. Die Färbung des Fells ist sehr einheitlich dunkelbraun, lediglich Kehle, Brust und Bauch heben sich hell davon ab. Der Kopf ist flach und breit mit einer stumpfen Schnauze, kurzen Ohren und langen Barthaaren. Wie sein Name schon verdeutlicht besteht seine Hauptnahrung aus Fischen. Er ist jedoch grundsätzlich nicht wählerisch und frisst genauso Muscheln, Amphibien, Wasservögel oder kleinere Säugetiere.
Fischotter

Verwandte Naturerlebnisse

Fischbesatz als Ursache des Artensterbens

Fischbesatz als Ursache des Artensterbens in alpinen Gewässern

23. Juli | Ab 19:00
Icon Pin_brown

Hauptstraße 13
Hieflau 8920
Österreich

Hieflau, 8920

Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Fischbesatz als Ursache des Artensterbens in alpinen Gewässer
Viele vormals fischfreie Stillgewässer wurden gutgemeint mit Fischen besetzt, so auch der Sulzkarsee im Nationalpark Gesäuse. Erfahren Sie, welche Auswirkungen das auf die Biologie des Gewässers hatte, warum im Falle des Sulzkarsees die Rückführung in den ursprünglichen fischfreien Zustand sinnvoll war und wie dieses Ziel umgesetzt wurde. Im Vortrag wird auch auf ähnliche Situationen in anderen Seen eingegangen. Probleme können auch entstehen, wenn falsche Arten besetzt werden. Wussten Sie, dass die Fischfauna im Grundlsee nachhaltig – auch wirtschaftlich - gestört ist? Unser Wissen über das, was unter der Wasseroberfläche passiert, ist meist bescheiden. Umso erhellender werden die Ausführungen von Robert Schabetsberger sein.

Termin: 23.Juli 2019
keine Anmeldung notwendig

Fischbesatz als Ursache des Artensterbens in alpinen Gewässern Der Fährte folgen
Sonnenaufgangswanderung am Falkert

Sonnenaufgangswanderung am Falkert

24. Juli | Ab 04:00
Icon Pin_brown

Falkertsee 74
Reichenau 9564
Österreich

Reichenau, 9564

Veranstalter: Biosphärenpark Nockberge

Es geht früh mit dem Biosphärenpark-Ranger vom Falkertsee hinauf auf den Falkertgipfel, bevor die ersten Sonnenstrahlen alles rot färben. Nach dem Abstieg durchs Sonntagstal endet die Tour am Falkertsee, wo ein originales Sennersfrühstück wartet!

Sonnenaufgangswanderung am Falkert Der Fährte folgen
Über alte Pfade

Über alte Pfade – vom Defereggen- ins Virgental

24. Juli | Ab 08:00
Icon Pin_brown

Virgental Straße 77
Virgen 9972
Österreich

Virgen, 9972

Veranstalter: Nationalpark Hohe Tauern Tirol

Die reizvolle Tälerüberschreitung beginnt mit der gemeinsamen Taxifahrt von Virgen ins Defereggental. Die Tour startet bei der Speikbodenhütte und führt über blühende Wiesen zum Speikboden. Am Kamm gibt es eine besondere Belohnung: der atemberaubende Ausblick auf Großglockner, Großvenediger, Hochgall, Quirl,und viele weitere Dreitausender Ost- und Südtirols. Beim Abstieg ins Virgental können die Füße im Zupalsee erfrischt werden, bevor uns das Hüttentaxi vom Wetterkreuz wieder ins Tal bringt.
Dauer: 08:00 bis 17:00 (mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar)
Gesamtgehzeit: ca. 4-5 Stunden
Höhenmeter: Aufstieg ca. 650 m, Abstieg ca. 550 m
Treffpunkt: Tourismusinfo Virgen

Erwachsene: €40,00 (Inklusive Transfers und Rangerführung)
Kinder ab 10 bis 14 Jahre: €30,00

Ausrüstung: Feste Bergschuhe, Regen-/Sonnenschutz, Getränk, Jause

Über alte Pfade – vom Defereggen- ins Virgental Der Fährte folgen