Schmetterlinge symbolisieren in hohem Maße Bilder von bunten, lebendigen und artenreichen Blumenwiesen – wie sie viele von uns noch aus unserer Kindheit kennen. Schmetterlinge zählen jedoch mittlerweile zu den gefährdetsten Tierarten weltweit. In Europa haben sich ihre Bestände seit 1990 um etwa die Hälfte halbiert.

Österreich ist ein im europäischen Maßstab besonders vielfältiges Land mit etwa 4.070 nachgewiesenen Schmetterlingsarten, davon 208 Tagfalterarten. Die Diversität übertrifft selbst jene großer Länder wie Deutschland. Sie schwankt jedoch regional sehr stark und ist vor allem in den größeren östlichen Bundesländern am höchsten. In der alpinen Region nimmt die Artenzahl mit zunehmender Höhenlage signifikant ab, bei einem gleichzeitigen Wechsel der Artenzusammensetzung.

Bioindikatoren

Die Bedeutung der Schmetterlinge als Zeigerorganismen (=Bioindikatoren) für die Qualität von und Änderungen in Lebensräumen basiert auf einer ausgesprochen anspruchsvollen Lebensweise vieler Arten.
Räumliche Strukturelemente wie Gebüsche oder hoch stehende Pflanzen, kleinklimatische Faktoren wie Besonnung und Beschattung, Blühhorizonte und Raupenfutterpflanzen spielen hier eine wichtige Rolle.

So lebt der durch die EU streng geschützte Dunkle Ameisenbläuling als Raupe zuerst ausschließlich in den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfes, einer zunehmend seltenen Pflanze von Feuchtbiotopen. Damit nicht genug, muss die Raupe schließlich von einer ganz bestimmten Ameisenart adoptiert werden, in deren Bau sie sich dann von der Ameisenbrut ernährt. Zu frühe Mahd der Pflanzenblüten, ungünstiger Wasserstand, Bodenverdichtung durch schwere landwirtschaftliche Geräte, zunehmende Beschattung und damit das Verschwinden der Ameisenart, der Schmetterling reagiert wie ein feinstes Messgerät.

Dank der Vielfalt ökologisch unterschiedlich spezialisierter Schmetterlingsarten lassen sich somit Änderungen in der Natur rasch und präzise nachweisen. So belegte der drastische Rückgang feuchtigkeitsliebender Schmetterlinge im Vorarlberger Rhein-Ill-Schwemmfächer frühzeitig die negativen Auswirkungen einer Grundwasserabsenkung als Folge von Flussbegradigungen.

Präzise Aussagen über die Intensität der Landnutzung sind ebenso möglich wie Bewertungen weniger offensichtlicher, jedoch gravierender Gefährdungsfaktoren, insbesondere durch Pestizide. Gerade Tagfalter und die ebenfalls tagaktiven Blutströpfchen sind daher hervorragende Indikatoren für die Qualität von Wiesen und Weiden, und sie werden regelmäßig für ökologische Bewertungen in Naturschutzverfahren herangezogen.

Blütenbestäuber

Schmetterlinge und Blütenpflanzen sind ein kongeniales Beispiel für Koevolution, mit Nutzen für beide Seiten. Wenn am Abend manche Blüten einen betörenden Duft ausströmen, so dient dies logischerweise nicht mehr der Anlockung tagaktiver Bienen, sondern von Nachtfaltern. Viele Blütenpflanzen sind auf eine Bestäubung durch diese Falter angewiesen, in den Tropen gibt es Extremfälle mit 25  cm langen Blütenkelchen, die nur von Nachtfaltern mit ebenso langem Rüssel befruchtet werden können. Auch die einheimischen Nelkenarten werden fast ausschließlich von bestimmten Nachtfaltern, den sogenannten Nelkeneulen, bestäubt. Die Schmetterlinge profitieren umgekehrt vom Nektar und entwickeln sich oft auch als Raupen an diesen Pflanzen.

Tagfalter sind dank ihres hoch entwickelten Saugrüssels ebenfalls ganz wichtige Blütenbestäuber, ein Blick in eine Blumenwiese belegt die enge Bindung der Tiere an Nektarblüten. 
Die Bestäubungsleistung von Schmetterlingen ist wissenschaftlich noch unzureichend erfasst, sie sind jedoch zweifellos gemeinsam mit den Bienen und Hummeln von entscheidender Bedeutung für die Existenz zahlloser Blütenpflanzen.

Durch den Mangel an artenreichen Blumenwiesen und Blühstreifen und somit einem reduzierten Angebot von Nektarpflanzen geraten diese Insektengruppen zunehmend unter Konkurrenzdruck, wie etwa mit Wildbienen, und damit in die Defensive.

Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse & Co.

Fledermausschutz ist heute ein großes Anliegen vieler Naturbegeisterter. Tatsächlich ernährt sich aber die Mehrzahl der einheimischen Fledermäuse bevorzugt oder sogar weitgehend von Nachtfaltern. Ohne diese Nahrungsgrundlage ist daher jegliche Schutzmaßnahme ein sinnloses Unterfangen. Ähnliches gilt für zahlreiche insektenfressende Singvögel, die sich sowohl von Faltern als auch besonders von Raupen ernähren. So frisst eine einzige Vogelart, die Blaumeise, alleine in Großbritannien alljährlich etwa 150 Milliarden Schmetterlingsraupen!

Ökologischer Kreislauf

Grüne Pflanzen und Früchte, lebendes und Totholz, Flechten und Pilze, Tierhäute und Felle, es gibt kaum eine organische Substanz, die nicht von Schmetterlingsraupen gefressen und verdaut werden kann. Vor allem in der Erstaufarbeitung von Blättern spielen Raupen eine große Rolle, die Pflanzen werden zerkleinert, verdaut und über den Kot als natürlicher Dünger ausgeschieden. Der ökologische Kreislauf wird so enorm beschleunigt und die Pflanzen können somit in relativ kurzer Zeit wieder die nötigen Mineralstoffe aus dem Boden aufnehmen. Man stelle sich Blätter vor, die nur sehr langsam zersetzt werden, oder gar Tierfelle. Hier zählen manche Schmetterlingsraupen zu den wenigen Spezialisten, die Hornsubstanz verdauen können.

Dieser Beitrag stammt aus der Publikation "Ausgeflattert I - der stille Tod der österreichischen Schmetterlinge". Die Broschüre ist kostenlos als pdf verfügbar.

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