Was gibt es Erfrischenderes, als an einem drückend heißen Sommertag abzutauchen – und zwar tief hinein in einen Berg. Auf der Suche nach verborgenen Wassern entdecken wir in der Kreidelucke nahe des Nationalparks Kalkalpen genügsame Krebse, uralte Schnecken, einen Fledermausfriedhof und: Nix.

Es ist stockfinster und totenstill. Für ein paar Sekunden wenigstens. Dann schalten wir unsere Stirnlampen wieder an und tappen vorsichtig weiter über glitschigen Stein, noch tiefer hinein in den Bauch des Berges. Wir befinden uns in der Kreidelucke, einer Höhle im Dachsteinkalk des Toten Gebirges. Ihr Gangsystem erstreckt sich über insgesamt 1.160 Meter und sie zu betreten ist nicht ganz ungefährlich. Wegen der selten gewordenen Höhlentiere wie dem Höhlenflohkrebs oder dem Höhlenlaufkäfer, die in ihr zu Hause sind, steht die Kreidelucke außerdem unter besonderem Naturschutz. Dass wir nun trotzdem tief unter dem Gipfel des Kleinen Priel stehen und in die Finsternis lauschen, haben wir zwei Tatsachen zu verdanken: Die schützenswerten Fledermauspopulationen, die hier ihre Winterruhe halten, sind jetzt im Hochsommer ausgeflogen. Und außerdem begleitet uns der kundige Höhlenführer Heli Steinmassl auf unserer Tour durch das Naturdenkmal. Der fordert uns jetzt auf, uns ein Leben als Höhlenflohkrebs vorzustellen.

Geboren im Dunkeln, Leben im Dunkeln, Fressen im Dunkeln, Sterben im Dunkeln. Sozusagen die Höhle auf Erden und trotzdem scheinen sich die kleinen Tierchen hier wohl zu fühlen. Und das, obwohl hauptsächlich Fledermauskot auf der Speisekarte steht und sogar ein Festmahl sein dürfte, wie Heli mutmaßt. Monatelang können sich die kleinen Krebse davon ernähren.

Hilfe für das Augenlicht aus tiefster Dunkelheit

Vielleicht diente das Experiment in absoluter Finsternis aber auch zur Vorbereitung auf den nächsten Höhlenschatz. Wir klettern weiter über den glitschigen Kalksteinboden und finden: Nix. Seit dem Mittelalter hat man in der Kreidelucke diese Bergmilchschichten aus Kalk abgebaut und bis vor hundert Jahren in Apotheken verkauft. Ausgerechnet aus der tiefsten Dunkelheit gewonnen soll die Paste angeblich Augenleiden lindern. Allerdings auf etwas rabiate Art, der Kalk löst die oberen Schichten der Hornhaut ab. Jedenfalls verdankt die Kreidelucke ihren Namen ebendiesen Bergmilchablagerungen, die bei Wasserentzug zu einem leichten, kreideartigen Staub zerfallen. Wir beäugen das Nix aus sicherer Entfernung und arbeiten uns weiter vorwärts, immer tiefer in den Berg hinein. Die Lichter der Stirnlampen geistern über dunkle Felswände, streifen Stalagmiten und Stalagtiten und beleuchten versteinerte Schnecken, die hier wohl schon Jahrtausende im Fels festsitzen. Stummer Gruß aus einer anderen Zeit.

Verborgene Wasser unterm Berg

Die Gänge werden schmäler und niedriger und plötzlich stehen wir vor einem kleinen unterirdischen See. Und hier erklärt sich gleich noch ein Name: Das Tote Gebirge, unter dem auch die Kreidelucke liegt, verdankt seine Bezeichnung gemäß einer Theorie indirekt diesen unterirdischen Gewässern. Besonders zur Zeit der Schneeschmelze aber auch nach längeren Regenperioden sickert das Wasser durch das Gestein und sammelt sich hier in der Höhle in mehreren Seen. An der Erdoberfläche gedeiht dadurch allerdings kaum etwas und macht das Gebiet zur größten vegetationslosen Karsthochfläche der Kalkalpen.

Tief unter dem Toten Gebirge geht es jetzt aber erst einmal belebend weiter. Weil wir auf die andere Seite des Sees möchten, heißt es hindurchwaten und zwar bei frischen sechs Grad Wassertemperatur. Am anderen Ufer zeigt die Kreidelucke noch einmal, was sie kann. Wir werfen Steine in einen schmalen, langgezogenen Spalt im Boden und lauschen einige Sekunden lang ihrem Klacken, als sie in diesem Höhlenschlund verschwinden. Manchmal, sagt Heli, hört man sogar das Platschen, wenn sie tief unten im verborgen dahinfließenden Schwarzbach landen. Kaum zu glauben und auch besser nicht daran zu denken, dass das Wasser hier manchmal bis zur Decke steht. Glauben konnten es wohl auch die beiden Fledermäuse nicht, die 2013 vom plötzlich steigenden Wasserspiegel in ihrer Winterruhe überrascht wurden und ertranken.

Licht am Ende des Tunnels

Höhlenbesuche sind ja immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Folgt man dabei allerdings einem Urgestein wie Heli Steinmassl, ist es sehr gut abzuschätzen. Für den Fall, dass der Ausgang plötzlich versperrt wäre oder das Wasser ansteigt, ist jedenfalls vorgesorgt. An einem sicheren Ort liegt eine Versorgungsbox, mit der unsere Gruppe drei Tage lang durchkommen würde, sagt er.

Trotzdem ist es ein schönes Gefühl, am Ende der Tour durch die Finsternis wieder das Licht am Ende des Tunnels zu sehen – dieser Ort ist längerfristig doch eher etwas für Spezialisten wie den Höhlenflohkrebs. Der Ausgang kommt in Sicht, draußen grollt der Donner, ein Sommergewitter ist im Anzug.

Infobox

Die Kreidelucke ist eine für den Dachsteinkalk typische Schichtfugenhöhle. Bereits vor Jahrhunderten wurde sie von vorbeiziehenden Bauern entdeckt und 1920 erstmals erforscht. 1949 wurde das insgesamt 1.160 Meter lange Gangsystem dann eingehend wissenschaftlich untersucht.

Höhlen entstehen über Jahrhunderttausende, die Kreidelucke hat sich vor etwa einer Million Jahren gebildet: Regenwasser laugte durch Korrosion den Kalk aus. Genaugenommen ist es hier der Dachsteinkalk aus dem Trias, der wiederum etwa 200 Millionen Jahre alt ist. Der Sage nach ist allerdings der Teufel für die Entstehung der Kreidelucke verantwortlich... 

 

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Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom

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31. Aug. |
Steiermark
Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Forschungsprogramm 1: Die Reise in den Mikrokosmos "Wasser" 

Tauchen Sie in die spanndende Welt der Wasserlebewesen ein. Eine selbst genommene Wasserprobe kann beim Mikroskopieren "unter die Lupe" genommen werden. Dabei entdeckt man Kleinstlebewesen, die man in dieser Größe noch nie gesehen hat.

 Forschungsprogramm 2: Wildnis erforschen im Auwald

Gehen Sie auf die Suche nach Wildnis in der Aulandschaft um den Weidendom und erfahren, welche Bäume gerne nasse Füße haben und welche seltene Vogelart ganz in der Nähe brütet.

Forschungsprogramm3: Abenteuer Wilde Wiese 

Ein:e Nationalpark Ranger:in zeigt Ihnen wie Sie in einer wilden Wiese auf Entdeckungsreise gehen können und neben schillernden Käfern und Bienen auf Nektarsuche auch Russischen Bären oder eine rotflügelige Schnarrschrecke aufspüren.


Die Gruppe entscheidet, welches Programm stattfindet.

Unsere Führungen und Angebote stehen allen Menschen offen. Wenn Sie eine besondere Form der Unterstützung brauchen, damit Sie barrierefrei teilnehmen können, dann lassen Sie uns das bitte vorab wissen.
Wenn Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind, stellen wir für diese Veranstaltung einen Rollstuhl mit Zuggerät (Swiss Trac) kostenlos zur Verfügung (Voranmeldung notwendig).

Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

Für Navi-Nutzer: Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Direkt beim Weidendom ist eine Bushaltestelle. Suchen Sie Ihre Verbindung bei der ÖBB oder Verbundlinie.

Kosten für Forschungsprogramme (11:00, 14:00 und 16:00 Uhr):

Erwachsene: € 7,00
Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre: € 5,00
Familienkarte (max. 4 Personen): € 12,00

Sondertermine sowie spezielle Programme für (Bus-)Gruppen und Schulen werden im Infobüro Admont organisiert. Unsere Gruppenangebote finden Sie hier.

Wir sind Partner der Steiermark-Card, Bonuspartner der Schladming-Dachstein Card und ZWEI UND MEHR Vorteilsbetrieb.

Unter fachkundiger Anleitung tauchen kleine und große Besucher:innen in die wilde Seite des Nationalparks ein.

Drei unterschiedliche Programme ermöglichen Besucher:innen einen spannenden Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks zu bekommen: „Die Reise in den Mikrokosmos Wasser“, „Abenteuer Wilde Wiese“ oder „Wildnis erforschen im Auwald“.

Findet diese Veranstaltung bei jedem Wetter statt?
Ja, denn wir finden, unser Nationalpark Gesäuse ist bei jedem Wetter ein Erlebnis!

Darf ich meinen vierbeinigen Freund mitbringen?
Die Mitnahme von Hunden ist nicht erlaubt.
  • Öffnungszeiten: (der Weidendom ist ganzjährig frei betretbar, betreutes Besucherprogramm zu folgenden Zeiten)

    Mai, Juni, September: Samstag, Sonntag, Feiertage, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
    Juli, August: täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr

Sondertermine außerhalb der Öffnungszeiten, sowie spezielle Programme für Gruppen, Busgruppen und Schulen werden im Informationsbüro in Admont organisiert, Tel. +43(0)3613/21160-20, info@nationalpark-gesaeuse.at

    Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom
    Der Fährte folgen
    Kino beim Weidendom: Berghufe - Le sabot montagnard

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    31. Aug. |
    Steiermark
    Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

    Öffentliche Verkehrsmittel

    Österreiche Bundesbahn: www.oebb.at
    Verbundlinie Auskunft: http://www.verbundlinie.at/

    Reisen Sie zu unseren Veranstaltungen, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder benützen Sie im Sommerhalbjahr das Gesäuse Sammeltaxi (+43 3613 21000 99). Die Parkplätze im Nationalpark Gesäuse sind kostenpflichtig (Tagesticket € 6,00). Nähere Informationen zu den Parkplätzen finden Sie hier. Allgemeine Informationen zur Anreise in den Nationalpark Gesäuse finden Sie hier.

    Sprache, Dauer: OV mit dt. UT, 54 Min

    Altersfreigabe: FSK 0

    Findet die Veranstaltung bei jedem Wetter statt?
    Ja; bei ungünstiger Wettervorhersage weichen wir allerdings in die Galerie FOKUS (Nationalpark Fotoschule, Hauptstraße 32, 8911 Admont) aus. In diesem Fall informieren wir Sie am Veranstaltungstag ab 17:00 Uhr über eine Ortsänderung.

    Was soll ich mitbringen?
    An kühlen Abenden, wie sie im Gesäuse häufig sind, empfehlen wir warme Kleidung und eine Decke.

    kostenlos

    Nationalpark Erlebniszentrum Weidendom

    Beginn: 20:30 Uhr.

    Berghufe - Le sabot montagnard

    Ashley & Quentin durchqueren auf dem Rücken kirgisischer Pferde die Alpen. Ihre Reise, die sie auch durch das Gesäuse führt, lässt sie Natur und Menschen gemächlich entdecken.

    Regie: Ashley Parsons & Quentin Boehm, 2024

    https://www.enselle.voyage/the-movies

    Wir empfehlen warme Kleidung und eine Decke.

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    Buch dir deinen Guide - Privat-Tour

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    31. Aug. |
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    Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

    Geführte Touren sind ganzjährig möglich.

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    Österreiche Bundesbahn: www.oebb.at
    BusBahnBim-Auskunft: www.busbahnbim.at

    Buslinie G912

    Reisen Sie zu unseren Veranstaltungen, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder benützen Sie im Sommerhalbjahr das Gesäuse Sammeltaxi (+43 3613 21000 99).
    Die Parkplätze im Nationalpark Gesäuse sind kostenpflichtig (Tagesticket € 6,00). Nähere Informationen zu den Parkplätzen finden Sie hier. Allgemeine Informationen zur Anreise in den Nationalpark Gesäuse finden Sie hier.

    Gibt es Beispiele für derartige Touren?

    Ja, Sie können sich gerne hier einen Überblick über unsere Standard-Touren verschaffen. Sie können sich aber auch gerne einfach thematische Schwerpunkte, Routen oder Aktivitäten wünschen und wir organisieren eine:n genau für Ihre Bedürfnisse passende:n Ranger:in.

     

    Ich möchte auch gerne eine:n Bergwanderführer:in oder eine:n Bergführer:in buchen – wo ist das möglich?

    Bei schwierigen Wanderungen in alpine Gipfelregionen, Klettertouren oder Schitouren sollten Sie sich von Bergführer:innen oder Bergwanderführer:innen begleiten lassen. Einen Überblick finden Sie hier Bergwander- und Bergführer

    Buch dir deinen Guide - Privat-Tour mit einem/-r Nationalpark Ranger:in

    Unsere Ranger:innen stimmen ihre Führung individuell auf Ihre Wünsche, Vorstellungen und Interessen ab.

    Wieso sieht der Wald hier so wild aus? Und was genau macht diesen kleinen blauen Käfer besonders? Unsere Ranger:innen gehen bei einer exklusiven Führung auf Ihre Fragen ein und vermitteln dabei das Herzensanliegen unseres Nationalparks: die Werte der Wildnis.


    Wenden Sie sich an das Informationsbüro in Admont und wir vermitteln Ihnen gerne eine:n erfahrene:n und bestens geeignete:n Nationalpark Ranger:in. Anfragen unter der Tel: +43(0)3613/21160-20; info@nationalpark-gesaeuse.at, oder Sie nutzen die direkte Buchung: einfach Datum auswählen, Halb- oder Ganztag und los geht´s. Alles andere übernehmen wir für Sie.
    Die Buchungsabwicklung und Bezahlung erfolgt über das Infobüro des Nationalparks Gesäuse in Admont.

    Gesäuse Partner der Kategorie „Outdoor Anbieter" bieten ebenfalls eigene Programme und individuelle Touren an (Rafting, Schitouren, Klettertouren, Wandern... ): sich einmal mit Freund:innen auf schwierigere Wanderwege ins Hochgebirge wagen, die Kletterkünste testen oder im Winter eine Schitour ohne Sorge um Orientierung und Sicherheit machen...

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