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Obst, Nüsse oder Eier machen sich ganz wunderbar  in Heukörben unterschiedlicher Größe. Aber wie werden diese durchaus stabilen kleinen Körbchen hergestellt? Damit dieses alte Handwerk nicht in Vergessenheit gerät, bietet Monika Hartmann regelmäßig Kurse zum Körbe binden im Biosphärenparkhaus im Großen Walsertal in Vorarlberg an.  

 

Wir sind eine kleine Gruppe von Frauen und einem Mann, die sich am Samstagmorgen im schönen Biosphärenparkhaus in Sonntag trifft. Auf einem Holztisch stehen sie, kleine und große Heukörbchen, jedes für sich ein Einzelstück. Es duftet herrlich nach frischem Heu, nach Minze und Holz. Während wir uns noch fragen, wie aus losem Heu derart schöne und stabile Körbchen werden können, ist unsere Kursleiterin Monika Hartmann schon mitten im Erklären.

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Das Um und Auf ist die Nadel

„Ohne das passende Werkzeug ist es sehr mühsam“, erläutert Monika und teilt auch gleich sogenannten Paketnadeln aus. Ein stabiles Ding, vorne leicht aufgebogen und mit einer großen Öse am anderen Ende.

Und dann zu den Materialien: „Ihr könnt Sisal nehmen – in verschiedenen Stärken und Farben, oder auch diesen Hanffaden, den ich von einer Teppichweberin bekommen habe. Hauptsache, es sind Naturprodukte.“ Während alle anderen zum Sisal greifen, entscheide ich mich für den dünneren aber durchaus sehr robusten Hanffaden.

Am Boden stehen ganze Säcke voll bestem Bergwiesenheu, ein Korb mit ganz feinem Heu und Kisten mit halbtrockener, wilder Minze und dunkelgrünem Schachtelhalm. Daraus soll nun mit ein wenig Faden ein Korb werden.

 

 

Aller Anfang ist schwer

Wie fängt man an? Das ist nun die große Frage. Neugierig schauen wir alle Monika auf die Hände, die ein Büschel des weichen Heus aus dem Korb nimmt. „Wir fangen mit diesem Heu aus dem zweiten Schnitt an. Es ist weicher und die Halme sind nicht so lange. Das eignet sich für den Anfang am besten.“ Dann legt sie die Sisalschnur – rund 2 m hat sie abgeschnitten und durch die Öse der Nadel gesteckt – um das Heubüschel und macht erst einmal einen Knoten. „Jetzt bindet man das Heu in Form einer Schnecke ein.“ Zum Glück macht Monika es vor, denn noch habe ich nicht verstanden, wo ich mit der Nadel einstechen soll – da ist ja noch nicht viel. Aber mit der Zeit verstehe ich, was sie meint. Man legt das Heubüschel schön geordnet um die Mitte, legt den Faden um das Heu, sticht von oben ein und zieht die Schnur fest. Neues Heu wird unter das vorhandene gelegt, die langen Halme werden etwas eingebogen. Dabei sollte das Heubüschel immer gleich dick sein.

Hat man eine Runde der Schnecke geschafft, sticht man mit der Nadel in der ersten Heureihe ein, hat man zwei Runden, sticht man für die dritte Runde in der zweiten Reihe ein und so weiter.

Ist der Faden aus, wird er vernäht. Ans Ende des neuen Fadens wird ein Knopf gemacht, der Faden wiederum vernäht und dann geht es weiter. Monika: „Fadenreste und die Knöpfe schneidet man zum Schluss heraus. Aber bitte legt die Reste extra, denn das restliche Heu bekommen die Schafe.“

 

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Eine Frage der Technik

Ich mühe mich ein wenig mit meiner Schnecke ab und bin ganz froh, dass ich den dunklen Hanffaden genommen habe. Dadurch sieht man die Unregelmäßigkeit nicht so gut. Monika geht die Runde und hilft uns einzeln. „Am besten geht es, wenn du das lange Heu mit der linken Hand festhältst, den Faden darüberlegst und ebenfalls mit zwei Fingern fixierst. So wird es schön regelmäßig.“ Ah, genau … ich hatte das Ganze irgendwie falsch in der Hand, aber jetzt hab’ ich den Dreh raus.

Nach drei Runden mit dem weichen Heu, wechsle ich auf das gröbere Heu aus dem ersten Schnitt. Es stammt von Monikas Bergwiesen, die wir vom Fenster aus sehen können. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie einen Hof auf 1.100 m Seehöhe. Monika ist aber nicht nur Schafbäuerin, sie ist auch Kräuterpädagogin, gibt Kurse in grüner Kosmetik, gehört den Alchemilla Frauen an und ist Imkerin. „Unsere Magerwiesen werden nicht vor Mitte Juli gemäht. Wenn man mit Bienen zu tun hat, sieht man sowieso alles mit anderen Augen. Bei uns darf schon auch mal was verblühen.“

 

 

Vom Boden in den Rand

 

Gut. Mein Boden ist fertig – sieht gar nicht mal so schlecht aus und fühlt sich recht stabil an. Die Frage ist nun, wie komme ich vom flachen Boden in den Rand. Irgendetwas muss ich wohl anders machen, damit sich die nächste Heureihe „aufstellt“. „Ja, du musst anders einstechen – flacher,“ erklärt Monika. Und tatsächlich, langsam formt sich aus dem Heu ein kleines Körbchen.

Jedes Körbchen ist ein Einzelstück

„Lasst eurer Kreativität freien Lauf! Wenn man mit offenen Augen durch die Natur wandert, findet man so viel, was man mit einbinden kann. Wilde Minze eignet sich sehr gut, oder der Katzenschwanz – also Schachtelhalme. Aber auch Gräser aller Art, Schafgarbe, Lavendel- oder Basilikumblüten.“

Monika findet viel auf ihren „Sammelwanderungen“ im Biosphärenpark Großes Walsertal: Traditionelle Heuwiesen (Gold- und Glatthaferwiesen) wechseln sich mit nicht gedüngten Magerwiesen mit üppiger Blütenpracht und nassen Streuwiesen ab. Daneben sind 1/3 der Gesamtfläche des Großen Walsertales Alpflächen und Weidegesellschaften, die auch heute noch in der traditionellen Dreistufenwirtschaft beweidet werden. Die Vielfalt, die auf den Alpweiden und den verschiedenen Bergwiesen gedeiht, war eine Grundvoraussetzung für die Auszeichnung als UNESCO Biosphärenpark und ist vor allem der Arbeit der Bergbauern zu verdanken.

Kein Wunder also, dass jedes Körbchen ein unverwechselbares Einzelstück wird. Ich binde die wilde Minze wegen ihres guten Geruchs in die letzte Heureihe ein. Andere wiederum nehmen Schachtelhalm und schließen das Körbchen mit einem dunkelgrünen Rand ab.

 

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Alles hat ein Ende

So ein Körbchen hält lange, sofern es nicht nass wird. Sollte sich die Haltbarkeit aber dem Ende zu neigen, hat Monika noch einen Tipp für uns. „Stellt es in den Garten, füllt es mit Erde und setzt ein Pflänzchen ein. So hat das Körbchen bis zum Schluss einen kreativen Sinn und wird zuletzt zu wertvollem Kompost.“  

Auch der Kurs neigt sich dem Ende zu und da hören wir ein helles Gebimmel. Von der Terrasse des Biosphärenparkhauses beobachten wir die Ziegen, die von der Alm nach Hause kommen. Sie sind die Vorhut. Nur wenige Minuten später wandern die Kühe die Großwalsertal Straße bis zur Abzweigung nach Raggal hinunter, prächtig geschmückt, begleitet von jungen Sennern und Sennerinnen, jeder und jede mit einem Sträußchen Almblumen am Hut.

Auch der Almsommer – heuer lange heiß und trocken – hat ein Ende und das Vieh ist wieder wohl behalten im Tal. Es ist ein ewiger Kreislauf, dem die Menschen hier im Großen Walsertal folgen und die Gaben der Natur in geschickter, nachhaltiger und kreativer Art und Weise nutzen. Für sie vielleicht selbstverständlich, aber für den Rest der Welt ein unheimlich wichtiger Beitrag, um altes Wissen und Handwerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. (Autorin Christina Schwann)

Anleitung zum Körbe binden aus Heu

Material:

  • Sisal- oder Hanfschnur
  • Paketnadel
  • Heu
  • Kräuter, Blüten, Schachtelhalm …

 

Anfang:

  1. 2 m lange Schnur abschneiden, durch die Öse der Nadel stecken
  2. Schnurende um ein Heubüschel verknoten
  3. Heubüschel wie Schnecke zusammenlegen
  4. Mit der Nadel in der Mitte einstechen und Schnur um das Heubüschel legen, fest anziehen

 

Boden:

  1. Weiter in regelmäßigen Abständen
  2. Neues Heu wird unter das alte gelegt, lange Gräser werden eingebogen
  3. Ist der Faden aus, wird er vernäht; neuen Faden mit Knoten fixieren und gleich vernähen
  4. In der zweiten Runde sticht man mit der Nadel in der ersten Reihe ein
  5. In der dritten Runde sticht man mit der Nadel in der zweiten Reihe ein, usw.

 

Rand:

  1. Mit der Nadel flacher einstechen – d.h. neue Reihe wird in 90°-Winkel auf die letzte gesetzt
  2. In die letzte Reihe des Randes können Kräuter, auffallende Gräser, Blüten, Schachtelhalme, etc. eingebunden werden
  3. Fäden werden vernäht, Knoten herausschneiden

 

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