Für ihr Engagement wurde Staudinger und ihrem Schwarm an begeisterten Kindern zu den Gewinnern der Initiative #streuobst von Blühendes Österreich gekürt.
Von der Wildnis zum Naturparadies
Vor zwanzig Jahren kaufte Staudinger ein altes Haus am Bachufer. Damals war der Garten verwildert. Heute ist dort ein kleines Naturrefugium entstanden: Eisvögel jagen über dem Wasser, Fledermäuse kreisen in der Dämmerung, Siebenschläfer huschen durch die Baumkronen.
Nun wächst dieses Refugium weiter. Angrenzende Flächen wurden übernommen und in eine artenreiche Streuobstwiese verwandelt. Die jungen Bäume – im Herbst 2024 gepflanzt – blühten bereits im ersten Frühjahr, einige trugen sogar Früchte.
„Zwetschken, Äpfel, Birnen, Quitte, Kirsche, Mirabelle, Walnuss – alle haben den ersten Winter gut überstanden“, sagt Staudinger. Rund 50 Obstbäume stehen inzwischen auf der Fläche, etwa 20 davon neu gesetzt: robuste, alte Sorten. Eine Hecke aus Schlehe, Weißdorn, Weiden, Haselnuss und Vogelbeere fasst das Gelände ein – Schutzraum, Windbremse und Lebensraum zugleich.
Lernen unter Kronen: Kinder entdecken Natur
Die Wiese ist nicht nur ein Obstgarten, sondern ein Lernlabor. Schüler:innen des Bildungscampus Vöcklabruck begleiten das Projekt vom Pflanzplan über den Baumschnitt bis zur Ernte. „Im März haben wir gemeinsam geschnitten – das war Arbeit, aber vor allem ein Erlebnis, das als Erinnerung bleibt“, erzählt Staudinger. Auch das Sensenmähen feiert hier eine Renaissance. Nach der Premiere folgte ein zweiter Kurs – beide ausgebucht. „Man spürt, wie sehr Menschen wieder lernen wollen, im Rhythmus der Natur zu arbeiten.“
Die Nachtigall singt wieder
Mit neuen Hecken, gepflegten Altbäumen, Blühflächen, Benjeshecken und einem Sandarium kehrt die Artenvielfalt zurück. Die Zahl der Vögel steigt sichtbar. „Unsere neuen Brutkästen waren heuer alle belegt. Wir haben über 60 Vogelstimmen aufgenommen“, sagt Staudinger. Käuzchen und Spechte sind da, Meisen – und sogar eine Nachtigall, die gebrütet hat.
Besonders profitieren die Insekten. Mit regionaler Saat, Kompost und lockerem Boden entstehen Nahrungs- und Brutplätze für Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer. Gefährdete Arten wie die Große Mauerbiene, Mai-Langhornbiene oder Wald-Pelzbiene könnten hier künftig Fuß fassen.
Auch die Nachbarschaft macht mit. „Eine Nachbarin hat mich überredet, noch eine Wiese zu kaufen“, erzählt Staudinger lachend. Ein ehemals skeptischer Nachbar staunt heute über jedes neue Blütenband. Und die Benjeshecke, zur Freude von Igeln, wird bereits nachgebaut. Ihre Vielfaltsaktionen dienen anderen schon als Vorlage.
Für die Schule ist das Projekt ein Erfolg: Sie wurde als engagierteste Schule Oberösterreichs in der Kategorie Tierschutz ausgezeichnet. Das Preisgeld fließt zurück in die Naturoase.
Im Jahreskreis folgen weitere Aktivitäten: Im Frühjahr wird zuerst geschaut, welche Pflanzen und Insekten den Winter überstanden haben. Im Sommer mähen die Schülerinnen die Wiesen mit der Sense. Im Herbst werden zum Tag des Apfels alte Lederäpfel gedörrt und die Obstbäume fachgerecht geschnitten. Beim Wildbienenfest wird zudem das Insektenhotel gereinigt – ein Rhythmus, der jedes Jahr von Neuem beginnt.
Wenn Vielfalt heimkehrt, um zu bleiben
Mit Unterstützung von Blühendes Österreich entsteht in Vöcklabruck ein wertvolles Trittsteinbiotop – ein Ort, an dem die blühende, flatternde und summende Vielfalt in ihre Landschaft zurückfindet und Kinder erleben, dass ihr eigenes Tun Wirkung zeigt.
Die junge Streuobstwiese wird wachsen, Früchte tragen, Arten beherbergen – und Menschen miteinander verbinden. Aus einer einzelnen Idee entsteht so ein Gefüge der Hoffnung: für Wildbienen, für Vögel, für Pflanzen. Und für eine Generation, die den Wert vom Naturjuwel Streuobstwiesen begreift und weiterträgt.
Mehr Informationen zum Projekt
Über #streuobst
Die BILLA-Stiftung Blühendes Österreich, die ARGE Streuobst Österreich und die BILLA Regioscouts rufen mit #streuobst Projekte ins Leben, die den Erhalt artenreicher Streuobstwiesen fördern. Seit 1965 sind rund 80 % dieser Lebensräume in Mitteleuropa verschwunden. Der Wettbewerb unterstützt Initiativen, die Biodiversität sichern, Wissen weitergeben und regionale Landwirtschaft stärken.