Der Herbst ist da und damit landet traditionellerweise auch der ein oder andere Gänsebraten zu Martini, spätestens zu Weihnachten, auf der Festtafel. Weil jeder saftige Braten zuvor aber eine schnatternde Gans war, sind Stopfen und Lebendrupf in Österreich zum Glück verboten. Rund 75 % des Bedarfs werden aber immer noch aus dem Ausland importiert, wo das nicht so ist.

Dafür, dass zumindest ein Viertel des heimischen Bedarfs durch glückliche Gänse gedeckt werden kann, engagiert sich der Verein Österreichische Weidegans.
Wir haben mit Vereinsobfrau Heidi Hebesberger über die zahmen Verwandten der Graugänse und ihre Eigenarten gesprochen und dabei Überraschendes erfahren.

Hier kommen 5 Fakten aus dem unbekannten Leben der Weidegans – von ihrem Dasein als Rasenmäher bis hin zum watschelnden Wachmann.

1Vorsicht: Watschelnder Wachhund

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Gänse im Garten

„Vor noch etwa siebzig Jahren gehörten zu den Höfen und Häusern am Land ein paar Gänse dazu“, erzählt Heidi Hebesberger. Die Bauern waren noch nicht so sehr auf einen Betriebszweig spezialisiert und hielten sich Kühe, Schafe, Schweine, Hühner – und eben auch Gänse, um ihren Eigenbedarf zu decken. Dass um jeden Hof ein paar Gänse watschelten, hatte aber auch noch einen anderen Grund: Gänse sind hervorragende ... Wachhunde! Nähert sich eine fremde Person, beginnen sie aufgeregt zu schnattern und zu pfauchen. Eine Tatsache, die sich angeblich auch schon die alten Römer zunutze machten.

Eine Gans, die ihrem Umfeld „Achtung“ signalisieren möchte, reckt den langen Hals vertikal in die Höhe, den Schnabel in horizontaler Position. Bei Missachten des Sicherheitsabstandes wird ordentlich gepfaucht. Allerdings hat Heidi Hebesberger beobachtet, dass sie das nur tun, wenn die Herde klein genug ist. In einer großen Gruppe fühlt sich offenbar niemand mehr so recht zuständig.

Neugierig bleiben die Gänse aber natürlich auch in einer großen Herde von etwa fünfzig Tieren. Das führt mitunter zu skurrilen Szenen. „Manchmal, wenn ein Hubschrauber oder ein besonders lauter Flieger vorbei kommt, steht die gesamte Herde auf der Weide, jedes Tier dreht sein Köpfchen seitlich und schielt hinauf in den Himmel. Das ist schon ein besonderer Anblick“, erzählt Heidi Hebesberger.

2Von wegen dumme Gans

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Verein Österreichische Weidegans

Weidegänse sind Herdentiere, und zwar mit System: Bringt man sie auf die Weide, laufen sie im Gegensatz zu Hühnern nicht wild durcheinander. Sie bleiben zusammen und entfernen sich nur wenige Meter voneinander. Das hat einen ganz bestimmten Grund. Es schützt sie vor Feinden wie Füchsen oder Greifvögeln. Droht akute Gefahr, formieren die Gänse sich und laufen dicht an dicht im Kreis. Für einen Greifvogel ist dieser laufende „Gänsehaufen“ dann gar nicht mehr so interessant. Ganz schön schlau.

Intelligent sind aber auch die Raben. Sie beobachten dieses Verhalten der Gänse auf der Weide und greifen dann zu mehrt an. „Dabei sind sie nicht zimperlich“, berichtet die Obfrau der Österreichischen Weidegänse, „oft haben sie es auf die Augen der Gänse abgesehen.“

3Immer auf die Kleinen

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Österreichische Weidegans

In der Herde verfolgen die Gänse außerdem noch eine besondere Taktik. Denn die Führung übernimmt nicht das stärkste Tier, sondern das schwächste. Und das nicht unbedingt freiwillig. Es wird von den anderen Gänsen vorangetrieben – sozusagen um den Weg zu erkunden.

Den berühmten, durch Verhaltensforscher Konrad Lorenz bekannt gewordenen Effekt, dass junge Gänse so ziemlich jeden als Elterntier akzeptieren, beobachten auch Heidi Hebesberger und ihr Mann. Sie bekommen die frisch geschlüpften Gössel, also Gänseküken, wenn sie einen Tag alt sind. Herr Hebesberger nimmt sich dann besonders viel Zeit, spricht mit den Kleinen und gewöhnt sie so sehr an sich, dass das Abwiegen und Untersuchen der Tiere später ein Kinderspiel ist.

4Wetterfester Rasenmäher

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Gänse im Garten

„Gänse sind die besten Rasenmäher“, findet Heidi Hebesberger, „ob auf der Weide oder auf der Streuobstwiese, wo das Mähen besonders mühsam ist.“ Das war auch der Grund, warum Heidi Hebesberger sich vor über 20 Jahren für Gänse entschied. „Wir betreiben eine Koppelwirtschaft mit unseren Weidegänsen. Das bedeutet, die Herde kommt alle 2-3 Tage auf eine neue Weide.“ So schnell ist nämlich alles abgefressen. Kein Wunder: Eine Gans verdrückt bis zu ein Kilo Gras pro Tag.

Weidegänse sind also bei Wind und Wetter draußen. „Sie können ihre Innentemperatur regulieren“, sagt Heidi Hebesberger. Wenn es warm ist, plustern sie sich auf – so kann der kühlende Wind besser durch das Gefieder strömen. Und jetzt im Herbst legen sie einiges nach und statten sich mit einem warmen Daunenpolster aus.

5Die Gans hat nicht immer Saison

Im Gegensatz zu Hühnern und Enten, die das gesamte Jahr über Eier legen (und das täglich oder jeden zweiten Tag), tun Gänse das nur ab März – „und nach 40-50 Eiern ist Schluss“, erklärt Heidi Hebetsberger. Die Gössel schlüpfen dann im Mai und Juni. Vielleicht ist auch das mit ein Grund dafür, warum man im Herbst zu Martini Gänsebraten isst. Die jungen Tiere haben dann ein optimales Gewicht erreicht – sofern sie aus Weidehaltung stammen: Eine Weidegans darf sieben Monate alt werden, während Mastgänse nach nur drei Monaten geschlachtet werden.

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