Werden bunte Blumenwiesen bald nur Erinnerungen aus unserer Kindheit sein? Folgender Beitrag zeigt, warum sie an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden, und weshalb Altelefanten und motorisierte Mäher die florale Lebensgrundlage für Orchideen und Schmetterling schaffen.

Blühendes Wiesen und Weiden sind die Korallenriffe Österreichs, voller Schönheit und Artenreichtum. In ihnen wiegen sich der purpurfarbene Feld-Thymian, Wiesen-Salbei oder die dunkelviolette Knäuel-Glockenblume im Wind sowie 10 weitere Wiesenblumen, die du kennen solltest, während eine Vielzahl der bedrohten Schmetterlinge und Wildbienen emsig von Blüte zu Blüte flattert, brummt und summt. 

 

Aber nicht nur Insekten, Reptilien und Spinnen nennen die Blumenwiese ihr Zuhause. Sie ist zudem die Kinderstube für Rehkitze und wiesenbrütende Vögel wie Braunkehlchen, Feldlerche oder Rebhuhn. Auch der Dachs, der Fuchs oder das Wildschwein gestatten dem duftenden Blütenteppich gerne einen Besuch ab. Leider schwindet das Idyll. 

 

“Der Rückgang an artenreichen Blumenwiesen ist weiter vorangeschritten, in manchen Regionen sind nur 10 % übrig (d.h. Rückgang von 90 %). Das zeigt sich auch daran, dass der Rückgang des FBI (Farmland Bird Index) im Grünland stärker ist als im Ackerland. Wir sind fachlich in die Diskussion zum nächsten Förderprogramm eingebunden, und hoffen, dass wir dadurch etwas verbessern können.” Katharina Bergmüller, BirdLife

----------------------------------------

Aktiv werden: Von 11. bis 17. August Blumenwiesen erhalten und Vielfalt retten! Mehr Infos für Freiwillige gibt es hier.

----------------------------------------

Image
Wiese ist nicht gleich Wiese

Aus bunt wird gelb-grün: die Blumenwiesen verblühen. 

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft wurden die Blumenwiesen in den letzten 40 Jahren an den Rand gedrängt. Was bleibt, sind trostlose Graswüsten und Löwenzahnwiesen –  als Lebensraum wertlos. Das dramatische Insektensterben schreitet voran.

 

90 Prozent der artenreichen Wiesen sind bereits verschwunden und intensiv genutztem Grünland zum Opfer gefallen. In Deutschland sogar 98 %. Mit ihnen steht eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Arten vor dem Aus. Darunter viele Schmetterlingsarten, die auf diese sensiblen Lebensräume angewiesen sind. 

 

„Einst typische Wiesenbewohner wie Feldlerche, Rebhuhn oder Braunkehlchen sind fast vollständig aus dem Grünland verschwunden. Der Erhalt extensiver Wiesen ist entscheidend, um die Restbestände dieser Arten noch in Wiesengebieten zu erhalten.“ Gabor Wichmann, Geschäftsführer BirdLife Österreich

---------------------------------------------------

--> Mit welchen 12 Maßnahmen die Schmetterlinge und Blumenwiesen konkret zurückkehren, zeigt die neue Studie "Aufgeflattert" von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000.

---------------------------------------------------

 

3 Gründe, weshalb die Blumenwiesen sterben:

1Intensivierung der Landwirtschaft

Koppelbeweidung mit zu hohem Tierbesatz, Umwandlung nachhaltig bewirtschafteter Flächen in Monokulturen aber auch Nutzungsaufgabe mit anschließender Verbrachung und Wiederbewaldung sind einer der Gründe, für den massiven Rückgang von Blumenwiesen und artenreichen Weiden innerhalb weniger Jahrzehnte.

2Häufige Mahd

Auf Futterwiesen, die 1- bis 2-mal im Jahr geerntet werden, gibt es 20 bis 40 verschiedene Pflanzenarten in Fettwiesen und in Magerwiesen wurden sogar 80 Pflanzenarten dokumentiert. 

Auf einer intensiv genutzten Wiese wird hingegen heute bis zu 7-mal im Jahr gemäht und es gibt lediglich 5 bis 10 Gräser- und Kräuterarten. Viele Pflanzen kommen nicht mehr zum Aussamen und verschwinden. Andere vertragen den häufigen Schnitt oder die starke Düngung nicht. Die Intensivierung ist auf die steigenden Erträge der Landwirtschaft, insbesondere der Rinderhaltung und deren Silage-Fütterung, zurückzuführen. Vor 40 Jahren gab eine Kuh jährlich 5.000 Liter Milch, heute sind es 12.000 Liter.

3Kunstdünger und Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln

Viele Pflanzen der Blumenwiesen sind nährstoffarme Böden gewohnt und vertragen keine zusätzliche Düngung. Um der großen Nachfrage an eiweißreicher Gras-Silage (zur Gärung in Plastikfolie verpacktes, vorher nicht getrocknetes Mähgut) für die Tierhaltung gerecht zu werden, werden viele Wiesenflächen heute regelmäßig gedüngt, bis nur noch 5 bis 7 Pflanzenarten vorkommen. Fettere Wiesen, das sind von Natur aus nährstoffreichere Wiesen, wurden zuerst intensiviert und ihre bunte Vielfalt verschwand. Im nächsten Schritt geht es an die Magerwiesen. Eine grüne Wüste, in der Schmetterlinge und Bienen und viele andere Insekten keine Nahrung mehr vorfinden.

Was auch unterschätzt wird, ist der Eintrag von Stickstoffverbindungen aus der Luft, die aus Abgasen von Verkehr, Heizungen und Industrie stammen. Sie wirken ebenfalls als Dünger und führen genauso zu einer Verarmung der Pflanzen- und Insektenvielfalt. Auch die Anwendung von Pestiziden gegen im Tierfutter unerwünschte Pflanzen der Wiese unterbindet eine reiche biologische Vielfalt. 


 

Image
Balkenmäher im Einsatz auf steilen Flächen

Nach Altelefanten und Rinderherden: So retten wir die Blumenwiesen!

Wie bekommen die artenreichen Blumenwiesen, Hutweiden und Almen wieder Raum zum Gedeihen? Sie der Natur zu überlassen wäre ihr Ende. Denn ohne das Zutun des Menschen würden sie heute verbuschen. Nach den Büschen käme anschließend der Wald. 

 

Wenn im Lauf der Natur der Wald die Blumenwiesen schluckt, hat der Mensch die Blumenwiesen dann erschaffen? Nein. 

 

Zuvor haben die großen Pflanzenfresser (Megafauna) vor 100.00 Jahren die in der offenen Landschaft gegrast und die Landschaft so dauerhaft offen gehalten. Wildpferd, Wildesel, Wisent und Auerochse erhielten nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 13.000 Jahren und dem Aussterben der Mammuts ein Mosaik aus Wiesen- und Waldlandschaften, wo sich Orchidee und Schmetterling bereits trafen. 

 

Mit dem Beginn des Ackerbaus und Sesshaftwerden des Menschen konnten die bunten Offenlandflächen durch die Beweidung der Nutztiere weiterhin aufblühen. Im Winter wurden mit Blättern getrocknete Zweige gefüttert. Erst im Mittelalter um 1500 - mit Beginn der kleinen Eiszeit - kam dann die Wiesennutzung in Mitteleuropa auf und ist seit damals historisch belegt. Ein Teil der Offenlandflächen wurde nun händisch, das Mähgut getrocknet und für den Winter eingelagert.

 



 

Image
Sense wird gewetzt

Bis vor 100 Jahren wurden diese Wiesen Stück für Stück über mehrere Monate mit der Sense als Futter für das Vieh ein bis zwei Mal im Jahr gemäht. Ein sehr guter Schnitter schaffte alleine an einem Tag einen halben Hektar Fläche. Gedüngt wurde lediglich mit dem Mist aus dem Stall und das nur in Hofnähe, denn der Transport zu entlegenen Flächen war zu aufwändig. Pestizide und chemische Düngemittel gab es noch nicht. 

 

Durch die gestaffelte Mahd hatten die Gräser und Blumen genug Zeit, bis zum Schnittzeitpunkt zu blühen. Es gab genügend Insekten, die sie bestäubten und es konnten sich vor dem Mahd-Termin reife Samen entwickeln. Auch die bodenbrütenden Vögel waren zu dem Zeitpunkt der Mahd fertig mit der Aufzucht der Jungen bzw. sie konnten in die noch ungemähten Nachbarflächen flüchten. 

 

Beim Mähen und Heuwenden flogen die Samen auf die Erde und die nächste florale Generation war gesichert.

So bringt eine extensive Bewirtschaftung eine Wiese zum Aufblühen

- und auch die Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten erhalten ihren Lebensraum zurück! Dazu ist eine reiche Biodiversität besser gegen den Klimawandel gewappnet. 

Image
Wiesen wie damals
Image
Du hast eine Idee zum Schutz der Blumenwiesen?

Bis 3. November 2019 unbürokratisch Naturschutzprojekte finanzieren lassen! Mehr Infos gibt es hier: www.diebrennnessel.at

Amtsschimmel oder wilder Hengst?

Wilder Hengst! Dann bist du auf Österreichs größter Plattform für Naturerlebnisse genau richtig.

Jetzt registrieren

Verwandte Lexikon Artikel

Knollen-Brandkraut

Knollen-Brandkraut

Blumen & Gräser
Weshalb das Knollen-Brandkraut stark gefährdet ist und woher der Name abstammt, kannst du hier nachlesen!
Knollen-Brandkraut
Tatarischer Meerkohl

Tatarischer Meerkohl

Blumen & Gräser
Wo ist der einzige Standort des Tatarischen Meerkohls in Österreich? Erkunde es in unserem Steckbief!
Tatarischer Meerkohl
die brennnessel 2019

Große Brennnessel

Blumen & Gräser
Das Jucken auf unserer Haut, verursacht durch ihre mit langen Brennhaaren besetzte Nesselblätter, kennen wir nur zu gut. Aber kaum eine Pflanze ist so vielseitig verwendbar wie die Große Brennnessel.
Große Brennnessel

Verwandte Naturerlebnisse

Sonnenaufgang

3D - Filmerlebnis Biosphärenpark Nockberge

5. Aug. Ab 18:30 |
Kärnten
Icon Pin_brown

Turracher Höhe 24
Ebene Reichenau 9565
Österreich

Ebene Reichenau, 9565

Veranstalter: Biosphärenpark Nockberge

Lassen Sie sich von unserem preisgekrönten 3D-Film zu den wundervollsten Plätzen im UNESCO-Biosphärenpark entführen: Staunen Sie über die atemberaubende Tierwelt und erfahren Sie mehr über die einmalige Flora!

3D - Filmerlebnis Biosphärenpark Nockberge
Der Fährte folgen
no reuse Johannser Kogel Wanderung

Erlebe den Urwald von morgen - Führung Johannser Kogel

5. Aug. Ab 22:00 |
Wien
Icon Pin_brown

Nikolausgasse
Wien 1130
Österreich

Wien, 1130

Veranstalter: Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien

Mit seinem 400 Jahre alten Eichenwald stellt das umzäunte Naturwaldreservat Johannser Kogel im Lainzer Tiergarten eine Besonderheit im Wiener Raum dar. Es ist Rückzugsgebiet vieler Tier- und Pflanzenarten. Aus Naturschutzgründen und für Forschungszwecke wird die Fläche ihrer natürlichen Entwicklung überlassen und ist normalerweise für Besucherinnen und Besucher gesperrt.
Im Rahmen der Führung kann das Reservat besichtigt werden. Dabei erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Dynamik eines sich selbst überlassenen Waldes, vom lebenden Baum bis zu den Zersetzungsprozessen durch Käfer und Pilze beim Totholz.

Der Gehweg zum Johannser Kogel und zurück beträgt - je Richtung - circa 3,5 Kilometer. Die Exkursion erfolgt teilweise weglos im Wald. Die Mitnahme von Kinderwägen ist daher nicht möglich.

Bei plötzlichem Schlechtwetter, wie zum Beispiel Sturm, kann die Exkursionsleitung die Veranstaltung am Beginn beziehungsweise währenddessen aus Sicherheitsgründen absagen.

Der genaue Treffpunkt und die genauen Zeiten werden bei der Anmeldung bekanntgegeben.

Erlebe den Urwald von morgen - Führung Johannser Kogel
Der Fährte folgen
no reuse Buch dir deinen Guide Ranger

Buch dir deinen Guide

5. Aug. Ab 22:00 |
Steiermark
Icon Pin_brown

Hauptstraße 35
Admont 8911
Österreich

Admont, 8911

Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Nationalpark Ranger/innenZu den schönsten Plätzen des Nationalparks Gesäuse – individuell und persönlich betreut durch unsere Nationalpark Ranger/innen. Ihr/e Nationalpark Ranger/in kennt nicht nur unglaublich viele Tiere und Pflanzen, sondern auch viele Geschichten: vom Leben der Natur, über Almwirtschaft und Erzabbau bis hin zur Sagenweltdes Gesäuses.

Berg- und Wanderführer/innen
Sich auf schwierige Wanderwege und Felsschluchten ins Hochgebirge wagen oder im Winter eine atemberaubende Skitour ohne Sorge um Orientierung bestreiten. Die Berg- und Wanderführer/innen garantieren nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit und Professionalität, sie kennen auch unzählige Besonderheiten und Geheimnisse: Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem sagenumwobenen Peternpfad?

Termin: nach Vereinbarung

Nationalpark Ranger/in:
Pauschalbetrag € 255,- / ganztags $Pauschalbetrag € 170,- / halbtags

Bergführer:
ab € 360,- / Tag, je nach Anforderung

Bergwanderführer/in:
ab € 230,- / Tag, je nach Anforderung

Buch dir deinen Guide
Der Fährte folgen