Sag’ mir, wo die Wiesenblumen sind! Bunte, unberührte Blumenwiesen sind nicht mehr so selbstverständlich, wie zu Omas Zeiten. Doch geht mit den Wiesenblumen auch das Blumenwissen verloren? Teste deine Botanik-Kenntnisse und überprüfe, ob du diese kleine Auswahl an heimischen Wildblumen auf einen Blick erkennst.

Mit der schwindenden Blütenpracht gehen Artenvielfalt und wichtige Lebensräume für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge verloren. Blühendes Österreich sucht mit seinem NaturschutzpreisDie Brennnessel nachhaltige Naturschutzprojekte, die von Gemeinden, NGOs, Schulen und Kindergärten ins Leben gerufen wurden.

1Geniestreich der Natur - Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

Es ist faszinierend, was sich die Natur zum Überleben einfallen lässt! Der Wiesen-Salbei, der auf heimischen Wiesen leider immer seltener zu finden ist, nutzt einen sogenannten Schlagbaum-Mechanismus. Damit bringt er seine Pollen an den Mann oder besser gesagt an den Bestäuber. Denn auf seinen langen, blau-violetten Blüten trägt der Salbei bewegliche Staubgefäße, die normalerweise verschlossen sind. Es sei denn, der Wiesen-Salbei bekommt Besuch von Bestäubern. Denn steckt beispielsweise eine Hummel ihren Rüssel in den süßen Nektarbecher, senkt sich der Hebelarm und somit das andere Ende des Staubgefäßes. Im Gegenzug zum süßen Schluck Nektar hinterlässt der Salbei ganz unbemerkt Pollen auf dem Rücken der Hummel. Diese fliegt danach unbekümmert weiter und wird beim Landeanflug auf die nächste Blüte zum wertvollen Pollen Kurier.

Wiesen-Salbei konnte Blühendes Österreich zuletzt beim Mühlbergerhof in Grein sichten. Dort hat sich die Landwirtin Irina Orlicek für eine extensive Landwirtschaft entschieden. Alte oberösterreichische Obstbaumsorten sowie gefährdete Tiere und Pflanzen finden dort neuen Lebensraum.

2Der Magenfreund - Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

Die Echte Kamille mit ihrem gelb-weißen Blütenköpfchen sollte dir bei der Bestimmung hoffentlich keine Probleme bereiten. 2002 wurde sie zur Heilpflanze des Jahres gekürt. Völlig zu Recht, denn gegen Magenschmerzen jeder Art ist sie längst schon fixer Bestandteil in jeder Naturapotheke bestückt mit wertvollen Wildkräutern. Wenn es eine Echte Kamille gibt, muss es natürlich auch eine Falsche Kamille geben. Die beiden schauen sich zum Verwechseln ähnlich, aber mit diesen einfachen Tipps kannst du sie leicht unterscheiden:

  • Die Echte Kamille kann bis zu einem halben Meter groß werden. Die Falsche Kamille erreicht fast die doppelte Größe.
  • Die Blüten der Falschen Kamille können dementsprechend fast doppelt so groß werden.
  • Der Duft der Echten Kamillen ist unverwechselbar. Die Falsche Kamille kann hier nicht mithalten. Sie duftet kaum bis gar nicht.

3Eine seltene Schönheit: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Bist du schon jemals dieser Schönheit begegnet? Wenn ja, kannst du dich besonders glücklich schätzen. Denn das auffallende Helm-Knabenkraut ist sehr anspruchsvoll und schlägt nicht überall Wurzeln. In ganz Österreich zählt das Helm-Knabenkraut zu den gefährdeten, in manchen Regionen sogar zu den stark gefährdeten Pflanzen. Überdüngung oder Aufgabe der Mahd und darauffolgende Verbuschung zerstören seinen Lebensraum. Bis zu 50 Einzelblüten bilden beim Helm-Knabenkraut einen gemeinsamen Blütenstand, dabei erinnern ihre geschlossenen Blütenhüllblätter an einen Helm.

In der Wachau unterstützt Blühendes Österreich den Verein Lanius, der mit freiwilligen Helfern die steilen Orchideenwiesen mäht und Mähgut entfernt. So bleiben diese Flächen für seltene und gefährdete Tiere und Pflanzen erhalten.  

4Die Heldin der Wiesenblumen: Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)

Auch wenn „gemein“ oder „gewöhnlich“ so gar nicht heldenhaft klingen, so kann man mit Recht behaupten, diese typische Wiesenblume strotzt vor Superpower. Den Beinamen bekommt die Achillea Millefolium – so ihre botanische Bezeichnung – um sie besser von ihren Artgenossen unterscheiden zu können. Denn tatsächlich gibt es rund 200 unterschiedliche Pflänzchen, die dieser Gattung zugehörig sind. Übrigens, geh’ ruhig etwas näher an die Schafgarbe und genieße den angenehm süßlichen Duft ihrer aromatischen Blüten! Ihr Blütenköpfchen setzt sich aus vielen kleinen Teilblütenständen zusammen, die in ihrer Form an ein weißes Körbchen erinnern. Ihre Blätter sind länglich und ähneln leichten Vogelfedern.

Die Gemeine Schafgarbe ist von Mai bis Oktober auf Wiesen, Weiden, Halbtrockenrasen und an Wegesrändern zu finden. Ihre jungen Blätter sind leicht bitter, aber in jeden Fall eine geschmackvolle Zutat für jeden Wildkräutersalat. (Achtung: Je reifer die Pflanze, desto bitterer die Blätter).

Doch jetzt zu seinen Heldentaten: Die Gemeine Schafgarbe hat auch den Beinamen Frauenkraut oder Bauchwehkraut. In der Naturheilkunde wird die Schafgarbe als Tee, in einem Wickel oder als Tinktur eingesetzt. Denn sie wirkt unter anderem schleimlösend, entkrampfend, schmerzstillend und verdauungsfördernd. Was für eine tolle Ga(r)be!

Niemand geringerer als der griechische Held Achilles wurde zum Namenspate für die Achillea Millefolium. Denn der Sage nach soll er mit der Kraft der Schafgarbe seine Wunden geheilt haben.

 

5Blau fliegt auf Rot: Rotklee oder Wiesenklee (Trifolium pratense)

Auch hier solltest du keine allzu großen Schwierigkeiten bei der Bestimmung haben. Ihr charakteristisch kugelförmiger Blütenstand und ihre dreigliedrige Blattspreite findet man oft auf heimischen Wiesen von Mai bis Oktober.

Zum Glück für den Hauhechel-Bläuling, der dem Nektar des Rotklees kaum widerstehen kann. Dabei kommt nicht jeder dahergeflogene Bestäuber an seinen Nektar heran. Denn mit einer Kelchröhre von 10 Millimetern können kurzrüsselige Bestäuber gleich einen Abflug machen.

6Haarig und stolz darauf: Der Blaue Heinrich oder Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare)

Stark behaart mit Borsten an Stängeln und Blättern und einem Blütenköpfchen mit trichterförmigen Blüten, die sich vom zarten Rosa in ein kräftiges Blau färben - so lauten seine wichtigsten Bestimmungsmerkmale. Der Blaue Heinrich auch unter den Namen Himmelbrand oder Stolzer Heinrich bekannt, schlägt seine Wurzeln am liebsten auf trockenen oder halbtrockenen Ruderalflächen* und blüht von Anfang Mai bis Oktober spät in den Herbst hinein. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge (bis zu 40 unterschiedliche Schmetterlingsarten!) fliegen besonders auf den Heinrich ab.

*Eine Ruderalfläche ist eine Rohbodenfläche, die recht trocken und steinig ist. Sie kann natürlich auf Schotter- und Kiesbänken entstehen oder durch menschliche Mitwirkung in Industriebrachen. Hier erobern wichtige Pflanzen- und Tierarten Lebensraum zurück. Und darauf kann der Heinrich zu Recht stolz sein!

7Scheinwerferlicht auf die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

Es gibt zwei gute Gründe, warum es die Kuckucks-Lichtnelke mit ihren leicht zerfledderten Blütenköpfchen in unsere Top 10 geschafft hat:

  1. Mit ihren tiefen Kelchröhren lässt sie nicht jeden Bestäuber an sich heran. Nur langrüsselige Insekten - wie zum Beispiel Schmetterlinge - haben bei ihr eine Chance. In ihrer Funktion als „Futternapf“ für bunte Gaukler schätzen wir sie sehr.
  2. Was zum Kuckuck hat es mit diesem Namen auf sich? Die Blütezeit dieser Blume startet mit Mai/Juni und somit mit dem Ruf des Kuckucks. Die Blütezeit und der Kuckucksspeichel, der oft an ihr haftet, gaben ihr diesen sonderbaren Namen. Bleibt nur noch zu fragen: Was ist eigentlich Kuckucksspeichel? Hierbei handelt es sich um eine weiße Schaumhülle, in der die pflanzensaft-saugende Schaumzikade ihre Larven ablegt.

8Beliebt bei Schmetterlingen und Raupen: Die Skabiosen- Flockenblume (Centaurea scabiosa) und Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

Die Flockenblumen sind schöne Farbtupfer in jeder Wiesenlandschaft. In der Gattung der Flockenblumen (Centaurea) gibt es sehr viele unterschiedliche Arten. Blühendes Österreich stellt dir die Skabiosen- und Wiesen-Flockenblume vor, weil sie uns als wichtige Futterpflanze für heimische Schmetterlinge besonders am Herzen liegen.

Die Skabiosen-Flockenblume blüht den ganzen Sommern hindurch, die Wiesen-Flockenblumen trägt bis in den Herbst hinein ihre federhaften Blüten. Gerne schlägt sie ihre Wurzeln auf trockenen Wiesen und Weiden. Dabei helfen der Wind, Weidetiere und fleißige Ameisen ihre Achänen (einsamige Schließfrucht) an neue Orte zu tragen.

9Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)

Auch dieses Blümchen hast du bestimmt schon des Öfteren gesehen. Der Gewöhnliche Hornklee - ebenfalls eine wichtige Futterquelle für den Hauhechel Bläuling – nutzt einen faszinierenden Mechanismus. Ein natürlicher Pumpmechanismus erleichtert die Bestäubung der Pflanze und drückt den Pollen mithilfe eines „natürlichen Kolbens“ aus der Blüte heraus, um die nektarsuchenden Insekten damit zu beladen.

Apropos Nektar: Der Gewöhnliche Hornklee, der von Mai bis September blüht, produziert mit rund 40 % einen sehr zuckerhaltigen Nektar. Damit ist dieses gelb leuchtende Blümchen ein willkommener „Siedler“ auf jeder Bienen- und Schmetterlingswiese.

10Wenn Sandbienen die Lust überkommt: Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)

Für solche einfallsreichen wie genialen Täuschungsmanöver lieben wir die Natur! Die Spinnen-Ragwurz ist relativ leicht zu erkennen. Oben: hellgrüne bis bräunliche Blütenblätter. Unten: Rotbraune, behaarte Blütenlippe. Mit ihrem extravaganten Look will sie aber nicht nur auffallen, sondern vor allem potenzielle Bestäuber schöne Augen machen. Denn die rotbraune Blütenlippe und ihr spezifischer Duft erinnern an weibliche Sandbienen, die bei ihren männlichen Artgenossen großen Eindruck hinterlassen. Doch wozu die Bienentäuschung?

Beim Versuch der männlichen Sandbiene sich mit der Spinnen-Ragwurz zu paaren, hinterlässt die Pflanze ihre Spuren auf der Biene in Form eines wertvollen Pollenpakets. Beim nächsten Mal, wenn die Sandbiene einer anderen Spinnen-Ragwurz auf den Leim geht, kommt es zur Befruchtung der Pflanze.

Trauriger Abschluss zu dieser genialen Geschichte: In Ostösterreich ist die Spinnen-Ragwurz vom Aussterben bedroht, im restlichen Österreich gilt sie als gefährdet.

Wiese ist nicht gleich Wiese. Jede Fläche der Natur mit seiner unterschiedlichen Beschaffenheit - von mager bis fett und trocken bis feucht – bietet ganz besondere Bedingungen für Pflanzen und Tiere, die diese zum Überleben brauchen. Mit dem Flächenschutzprogramm von Blühendes Österreich wollen wir diese Artenvielfalt fördern und sichern.

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