Werden bunte Blumenwiesen bald nur Erinnerungen aus unserer Kindheit sein? Folgender Beitrag zeigt, warum sie an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden und weshalb Altelefanten einst und motorisierte Mäher heute die florale Lebensgrundlage für Orchideen und Schmetterling schaffen.

Blühendes Wiesen und Weiden sind die Korallenriffe Österreichs, voller Schönheit und Artenreichtum. In ihnen wiegen sich der purpurfarbene Feld-Thymian, Wiesen-Salbei oder die dunkelviolette Knäuel-Glockenblume im Wind sowie 10 weitere Wiesenblumen, die du kennen solltest, während eine Vielzahl der bedrohten Schmetterlinge und Wildbienen emsig von Blüte zu Blüte flattert, brummt und summt. 

 

Aber nicht nur Insekten, Reptilien und Spinnen nennen die Blumenwiese als ihr Zuhause. Das Ökosystem ist zudem die Kinderstube für Rehkitze und wiesenbrütende Vögel wie Braunkehlchen, Feldlerche oder Rebhuhn. Auch der Dachs, der Fuchs oder das Wildschwein gestatten dem duftenden Blütenteppich gerne einen Besuch ab. Leider schwindet das Idyll. 

 

“Der Rückgang an artenreichen Blumenwiesen ist weiter vorangeschritten, in manchen Regionen sind nur 10 % übrig (d.h. Rückgang von 90 %). Das zeigt sich auch daran, dass der Rückgang des FBI (Farmland Bird Index) im Grünland stärker ist als im Ackerland. Wir sind fachlich in die Diskussion zum nächsten Förderprogramm eingebunden, und hoffen, dass wir dadurch etwas verbessern können.” Katharina Bergmüller, BirdLife

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Wiese ist nicht gleich Wiese

Aus bunt wird gelb-grün: die Blumenwiesen verblühen 

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft wurden die Blumenwiesen in den letzten 40 Jahren an den Rand gedrängt. Was bleibt, sind trostlose Graswüsten und Löwenzahnwiesen. Artenvielfalt? Fehlanzeige. Das dramatische Insektensterben schreitet voran.

90 Prozent der artenreichen Wiesen sind bereits verschwunden und intensiv genutztem Grünland zum Opfer gefallen. In Deutschland sind es sogar 98 %. Mit ihnen steht eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Arten vor dem Aus. Darunter viele Schmetterlingsarten, die auf diese sensiblen Lebensräume angewiesen sind. 

„Einst typische Wiesenbewohner wie Feldlerche, Rebhuhn oder Braunkehlchen sind fast vollständig aus dem Grünland verschwunden. Der Erhalt extensiver Wiesen ist entscheidend, um die Restbestände dieser Arten noch in Wiesengebieten zu erhalten.“ Gabor Wichmann, Geschäftsführer BirdLife Österreich

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--> Mit welchen 12 Maßnahmen die Schmetterlinge und Blumenwiesen konkret zurückkehren, zeigt die neue Studie "Aufgeflattert" von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000.

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3 Gründe, weshalb die Blumenwiesen sterben:

1Intensivierung der Landwirtschaft

Koppelbeweidung mit zu hohem Tierbesatz, Umwandlung nachhaltig bewirtschafteter Flächen in Monokulturen aber auch Nutzungsaufgabe mit anschließender Verbrachung und Wiederbewaldung sind Gründe, für den massiven Rückgang von Blumenwiesen und artenreichen Weiden innerhalb weniger Jahrzehnte.

2Häufige Mahd

Auf Futterwiesen, die ein bis zwei Mal im Jahr geerntet werden, gedeihen 20 bis 40 verschiedene Pflanzenarten. In Fettwiesen und in Magerwiesen wurden sogar 80 Pflanzenarten dokumentiert. 

Auf einer intensiv genutzten Wiese wird hingegen heute bis zu sieben Mal im Jahr gemäht und es wachsen lediglich 5 bis 10 Gräser- und Kräuterarten. Viele Pflanzen kommen nicht mehr zum Aussamen und verschwinden. Andere vertragen den häufigen Schnitt oder die starke Düngung nicht. Die Intensivierung ist auf die steigenden Erträge der Landwirtschaft, insbesondere der Rinderhaltung und deren Silage-Fütterung, zurückzuführen. Vor 40 Jahren gab eine Kuh jährlich 5.000 Liter Milch, heute sind es 12.000 Liter.

3Kunstdünger und Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln

Viele Pflanzen der Blumenwiesen sind nährstoffarme Böden gewohnt und vertragen keine zusätzliche Düngung. Um der großen Nachfrage an eiweißreicher Gras-Silage (zur Gärung in Plastikfolie verpacktes, vorher nicht getrocknetes Mähgut) für die Tierhaltung gerecht zu werden, werden Wiesenflächen so lange gedüngt, bis nur noch 5 bis 7 Pflanzenarten vorkommen. Fettere Wiesen, das sind von Natur aus nährstoffreichere Wiesen, wurden zuerst intensiviert und ihre bunte Vielfalt verschwand – eine grüne Wüste, in der Schmetterlinge und Bienen und viele andere Insekten keine Nahrung mehr vorfinden.

Ebenso unterschätzt wird der Eintrag von Stickstoffverbindungen aus der Luft, die aus Abgasen von Verkehr, Heizungen und Industrie stammen. Sie wirken ebenfalls als Dünger und führen genauso zu einer Verarmung der Pflanzen- und Insektenvielfalt. Auch die Anwendung von Pestiziden unterbindet eine reiche biologische Vielfalt. 


 

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Balkenmäher im Einsatz auf steilen Flächen

Nach Altelefanten und Rinderherden: So retten wir die Blumenwiesen!

Wie bekommen die artenreichen Blumenwiesen, Hutweiden und Almen wieder Raum zum Gedeihen? Sie der Natur zu überlassen, wäre ihr Ende. Denn ohne das Zutun des Menschen würden diese heute verbuschen. Nach den Büschen käme anschließend der Wald. 

 

Wenn im Lauf der Natur der Wald die Blumenwiesen schluckt, hat der Mensch die Blumenwiesen dann erschaffen? Nein. 

 

Zuvor haben die großen Pflanzenfresser (Megafauna) vor 100.00 Jahren in der offenen Landschaft gegrast und die Landschaft so dauerhaft offen gehalten. Wildpferd, Wildesel, Wisent und Auerochse erhielten nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 13.000 Jahren und dem Aussterben der Mammuts ein Mosaik aus Wiesen- und Waldlandschaften, wo sich Orchidee und Schmetterling bereits trafen. 

 

Mit dem Beginn des Ackerbaus und Sesshaftwerden des Menschen konnten die bunten Offenlandflächen durch die Beweidung der Nutztiere weiterhin aufblühen. Im Winter wurde das Vieh mit Blättern und getrockneten Zweigen gefüttert. Erst im Mittelalter um 1500 - mit Beginn der kleinen Eiszeit - kam dann die Wiesennutzung in Mitteleuropa auf und ist seit damals historisch belegt. Ein Teil der Offenlandflächen wurde nun händisch gemäht, das Mähgut getrocknet und für den Winter eingelagert.

 



 

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Sense wird gewetzt

Bis vor 100 Jahren wurden diese Wiesen Stück für Stück über mehrere Monate mit der Sense als Futter für das Vieh ein bis zwei Mal im Jahr gemäht. Ein sehr guter Schnitter schaffte alleine an einem Tag einen halben Hektar Fläche. Gedüngt wurde lediglich mit dem Mist aus dem Stall und das nur in Hofnähe, denn der Transport zu entlegenen Flächen war zu aufwändig. Pestizide und chemische Düngemittel gab es noch nicht. 

 

Durch die gestaffelte Mahd hatten die Gräser und Blumen genug Zeit, bis zum Schnittzeitpunkt zu blühen. Es gab genügend Insekten, die sie bestäubten und es konnten sich vor dem Mahd-Termin reife Samen entwickeln. Auch die bodenbrütenden Vögel waren zu dem Zeitpunkt der Mahd fertig mit der Aufzucht der Jungen bzw. sie konnten in die noch ungemähten Nachbarflächen flüchten. 

 

Beim Mähen und Heuwenden flogen die Samen auf die Erde und die nächste florale Generation war gesichert.

So bringt eine extensive Bewirtschaftung eine Wiese zum Aufblühen

- und auch die Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten erhalten ihren Lebensraum zurück! Dazu ist eine reiche Biodiversität besser gegen den Klimawandel gewappnet. 

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Wiesen wie damals
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