Im Freizeitpark entsteht gerade mehr als nur eine Hecke. Über 100 Meter lang, 118 heimische Sträucher stark – und gepflanzt von 300 Kinderhänden. Was hier wächst, ist ein Netzwerk für Zitronenfalter, Igel und Rotkehlchen. Und ein lebendiges Labor für die nächste Generation.

Wenn aus Wissen Taten werden

Seit 2021 verwandelt die Volksschule Wienerstraße den Freizeitpark Stück für Stück in einen Zufluchtsort für bedrohte Arten. Nach einer wissenschaftlich begleiteten Naturwiese folgt nun die Hecke – kein Zufall, sondern Strategie. „Durch die intensive Beobachtung unserer Wiese haben wir erkannt: Viele Insektenarten brauchen beides, blütenreiche Wiesen UND Gehölze.", erklärt Margot Baier, die das Projekt gemeinsam mit Katharina Pichler-Linhart initiiert hat. 

Die Zahlen geben ihr recht: Expertinnen verschiedener Forschungseinrichtungen zeigten sich begeistert von der Artenvielfalt auf der Projektfläche. 2024 folgte die Auszeichnung mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich. Jetzt kommt der nächste Schritt.

118 Sträucher, unzählige neue Bewohner

Gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken und der Gemeinde haben die Schülerinnen und Schüler an mehreren Tagen selbst zur Schaufel gegriffen. Gepflanzt wurden ausschließlich heimische Arten: Schlehe für den Segelfalter, Liguster für den Ligusterschwärmer, Purgier-Kreuzdorn für Zitronenfalter und Kreuzdorn-Zipfelfalter.

Auch seltenere, regionstypische Gehölze finden ihren Platz: Steinweichsel, Weinrose, Wolliger Schneeball. Was für Außenstehende nach banaler Botanik klingt, ist für die Kinder eine konkrete Mission: „Wir schaffen Lebensräume für bedrohte Tiere."

Die neue Hecke bietet:

  • Windschutz und Überwinterungsplätze für Insekten
  • Brutplätze für Rotkehlchen, Zaunkönig und Mönchsgrasmücke
  • Unterschlupf für Igel und Blindschleiche
  • Nahrungsquellen das ganze Jahr über

Lernen, wo Leben ist

Das Besondere: Die 270 Schülerinnen und Schüler sind nicht nur ausführende Helfer. Sie sind Forscherinnen und Forscher. Begleitet von Biologinnen und Biologen des Landschaftspflegevereins beobachten sie, kartieren, dokumentieren.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Ressourcen zu schonen, sondern auch Wissen, Werte und Begeisterung weiterzugeben. Deshalb hat die Initiative Changemaker #nature das Brunner Projekt aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt und fördert die Umsetzung finanziell. Beim Pitch unterstützte die schuleigene Theatergruppe Katharina Pichler-Lenhart – Naturschutz als Gemeinschaftserlebnis.

Gegen grüne Wüsten im Siedlungsgebiet

Was die Volksschule hier vorlebt, ist dringend nötig: In vielen Gemeinden dominieren kurz getrimmte Rasenflächen, Kirschlorbeer-Hecken und sterile Baumscheiben. „Oft geht der Rückgang der Arten mit ,ordentlich' gepflegten, monotonen Grünflächen einher", heißt es im Projektkonzept. Vielen Tieren fehlen Unterschlupf, Nahrung, Platz für die Brut und ungestörte Überwinterungsplätze.

Die neue Hecke vernetzt nun die bereits angelegte Naturwiese mit strukturreichem Gehölz – ein Mosaik aus Lebensräumen, das zeigt: Artenvielfalt beginnt vor der eigenen Haustür.

Eine Vision, die wächst

Das Projekt ist kein Endpunkt. Die Schülerinnen und Schüler werden weiter beobachten, wie sich die Hecke entwickelt, welche Arten einziehen, wie sich die Vernetzung mit der Wiese auswirkt. Für die jetzigen Kinder – und für alle, die nach ihnen kommen.

„Unsere Schülerinnen und Schüler werden zu begeisterten Botschafterinnen und Botschaftern der Biodiversität", sagt Margot Baier. Im Freizeitpark Brunn am Gebirge wird diese Vision Realität. Strauch für Strauch für die Rückkehr der biologischen Vielfalt!

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Heimische Hecken – warum sie unverzichtbar sind

  • Heimische Sträucher bieten bis zu 10-mal mehr Insektenarten Nahrung als exotische Gehölze
  • Eine vielfältige Hecke kann über 900 Tierarten beherbergen
  • Schlehe, Weißdorn und Liguster gehören zu den wertvollsten Vogelnährgehölzen
  • Hecken speichern CO₂, filtern Staub und wirken als natürliche Klimaanlage

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Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.

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