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Zweifarbfledermaus, Vespertilio murinus, alias "Seppi" © Petra Schattanek

Was hat es mit Graf Dracula und den gruseligen Vampirgeschichten auf sich? Woher kommen die alten Mythen und Legenden und was davon stimmt eigentlich?
Fledermausexpertin Petra Schattanek nimmt die Fledermaus mit ins Klassenzimmer und beantwortet 10 Fragen rund um dieses legendäre, fliegende Säugetier.  

Frage Nr. 1: Gibt es Graf Dracula wirklich?

Der Legende nach ist Graf Dracula ein Vampir, der sich vom Blut anderer Menschen ernährt und ihnen das Leben aussaugt, in einem Sarg schläft und des Nachts als Fledermaus umherfliegt.

Und ja, Graf Dracula gibt – oder besser gesagt – hat es tatsächlich gegeben. Es dürfte sich um den grausamen walachischen Fürsten Vlad III. Dracula handeln, der von etwa 1430 bis 1476 gelebt und eine Vorliebe für das Pfählen seiner Feinde gehabt haben soll. Einige Historiker vermuten, dass der Graf außerdem an einer sehr seltenen Krankheit litt, der Erythropoetischen Protoporphyrie (EPP), eine Stoffwechselstörung. Die betroffenen Personen leiden unter einer sehr schmerzhaften (Sonnen-)Lichtempfindlichkeit, die zudem zu schweren Leberschäden führen kann. Sie meiden das Sonnenlicht und verlassen das Haus lieber am Abend oder in der Nacht.

Dieser Graf Dracula diente dem irischen Schriftsteller Bram Stocker als Romanvorbild für das 1897 erschienene Buch „Dracula“. Er erschuf damit nicht nur den bekanntesten Vampir in der Literaturgeschichte, sondern löste auch einen richtigen Hype aus.

Übrigens, bis auf eine einzige Fledermausart – die Vampirfledermaus, die nur am afrikanischen Kontinent vorkommt – fressen Fledermäuse fast ausschließlich Insekten. Aber dazu später noch genauer.

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Alte Legenden können die Kinder der 4a in Absam nicht einschüchtern - sie wissen schon sehr viel über die Fledermaus © Ch. Schwann

Frage Nr. 2: Was sind Pissdämonen und verheddern sich Fledermäuse wirklich in den Haaren?

Sieht man sich die in Stein gehauenen Figuren in Kirchen genauer an, dann erkennt man, dass Engel immer mit Vogelflügel dargestellt werden, böse Dämonen mit Fledermausflügel. Außerdem spricht man von so genannten „Pissdämonen“, die von oben auf die Menschen pissen.

Dass man von einem Fledertier, die zum Beispiel in einer Höhle über einem hängt, angepieselt werden kann, stimmt. Das kann schon mal passieren. Aber dass das Böse – zumindest in Europa – immer mit Fledermausflügel dargestellt wird, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Schließlich ist die Fledermaus ein hochsoziales Säugetier, das sogar Brutpflege betreibt. In China hat die Fledermaus im Übrigen einen ganz anderen Ruf: Hier steht sie für Glück, Reichtum und einen schnellen, leichten Tod.

Ein Gerücht besagt zudem, Fledermäuse würden sich in den Haaren verheddern. Früher eine wirkungsvolle Drohung, um Kinder daran zu hindern, bei Dunkelheit das Haus zu verlassen. Aber in der 4a der Volksschule Absam glaubt das sowieso keines der Kinder mehr. Viel zu genau wissen die Schüler und Schülerinnen, dass sich Fledermäuse im Raum ausgezeichnet orientieren können – aber dazu etwas später.

 

 

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Skelettvergleich: links ein Vogel, in der Mitte ein Flugsaurier und rechts eine Fledermaus © Ch. Schwann

Frage Nr. 3: Ist die Fledermaus eine Maus und der Flughund etwa ein Hund?

Fledermäuse haben weder mit Mäusen noch mit Hunden etwas zu tun – außer, dass sie auch Säugetiere sind. Um genau zu sein, sind sie sogar die einzigen Säugetiere, die wirklich gut fliegen können.

Der deutsche Name täuscht also. Tatsächlich gehören sie zu den „Chiroptera“ – Fledertiere -, die sich wiederum in die „Micorchiroptera“ – die Fledermäuse – und die „Megachiroptera“ – die Flughunde –unterteilen lassen. Flughunde sind, wie der wissenschaftliche Name schon verrät, wesentlich größer als Fledermäuse und ihre Schnauze und die Ohren ähneln jenen von Hunden.

Der Name „Fledertier“ trifft es gut, denn die Fledermaus hat keine Flügel, wie etwa Vögel, sondern eine Flughaut, die sich vom Handgelenk bis zum Fußgelenk erstreckt. Eine weitere Haut befindet sich zwischen Handgelenk und Schultergelenkt und auch zwischen den Fingern und zwischen den Beinen hat die Fledermaus Häute. Außerdem ist ihr Skelett sehr filigran, um Gewicht zu sparen. Die kleinste, bei uns heimische Fledermaus, ist die „Zwergfledermaus“ und wiegt gerade mal 5 g.

Weltweit gibt es rund 1.000 Fledermausarten, wovon bei uns in Europa 30 bis 40 Arten vorkommen. In Tirol gibt es 24 Arten unter ihnen die schon erwähnte

  • Zwergfledermaus,
  • die Große Hufeisennase,
  • Großes und Kleines Mausohr,
  • Großer und Kleiner Abendsegler,
  • die Mopsfledermaus,
  • das Alpenlangohr,
  • die Zweifarbfledermaus

und viele mehr. Flughunde allerdings leben nur in den tropischen und subtropischen Regionen von Australien, Afrika und Asien.

 

 

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Mit einem Ultraschalldetektor können die hohen Laute der Fledermäuse für uns hörbar gemacht werden © Ch. Schwann

Frage Nr. 4: Kleine Augen und dennoch perfekte Orientierung – wie geht das?

Die meisten Fledermausarten haben kleine Augen und sehen nicht extrem gut. Blind, wie einige Gerüchte behaupten, sind sie allerdings nicht. Dennoch würden ihre Augen in der Nacht nicht ausreichen, um sich derart schnell und zielsicher im Raum bewegen zu können.

Fledermäuse nutzen ein völlig anderes System zur Orientierung, die so genannte Echoortung. Dabei stoßen sie Laute im Ultraschallbereich aus und die Schallwellen treffen auf Objekte, die diese als Reflexion zurückwerfen. Die Fledermaus nimmt die Schallwellen auf und bringt sie in eine zeitliche Abfolge. So kann sie sich, ohne die Augen zu nutzen, orientieren, weiß wo das nächste Insekten ist, der nächste Baum steht oder ein Mensch, in dessen Haare die Fledermaus mit Sicherheit nicht hängen bleiben will.

Die Rufe der Fledermäuse sind so hoch, dass wir sie nicht hören können. Erst mit einem Fledermausdetektor können die Ultraschalltöne hörbar gemacht werden. Dabei hat sich herausgestellt, dass nicht nur die Arten ganz unterschiedliche Rufe ausstoßen, die meist aus einer Serie von verschiedenen Tönen bestehen, sondern die Lautstärke der Rufe auch vom jeweiligen Gelände und der Art der Beute abhängig ist.

„Während das Echoortsystem schon sehr gut untersucht ist, steht die Wissenschaft bei der Erforschung der Soziallaute – also wie sich die Fledermäuse untereinander verständigen – noch ganz am Anfang. Noch können wir ihnen nicht antworten, leider.“

Fledermausexpertin Petra Schattanek

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Die Reste einer Fledermausspeise - die Flügel der Falter bleiben übrig © Ch. Schwann

Frage Nr. 5: Saugen Fledermäuse Blut?

Die überwiegende Mehrheit der Fledermäuse frisst Insekten aller Art, die sie im Flug erbeuten: Mücken, Nachtfalter, Heuschrecken. An typischen Fressplätzen findet man nicht selten eine Ansammlung der Flügel verschiedener Falter, denn die Fledermaus frisst nur den dicken Körper, die Flügel lassen sie fallen.

Einige Arten in tropischen Gebieten ernähren sich von Früchten und Nektar. Sie spielen dabei eine wichtige Rolle für die Bestäubung und Vermehrung von gewissen Pflanzen. Größere Fledermausarten fressen auch mal Mäuse, Vögel oder Frösche, wobei diese Arten bei uns in Europa nicht vorkommen. Genauso wenig wie die Vampirfledermaus, die es aber tatsächlich gibt und die sich vom Blut anderer Säugetiere – etwa einer Kuh – oder Vögel ernährt. Mir ihren äußerst scharfen Zähnen ritzt sie die Haut auf und leckt das Blut auf – also von „saugen“ keine Rede.

 

Frage Nr. 6: Wie viele Junge bekommt das Fledermausweibchen?

Die Fortpflanzungsrate der Fledermäuse ist äußerst niedrig. Während Mäuse mehrmals im Jahr bis zu 10 Junge bekommen, gebärt das Fledermausweibchen nur ein einziges pro Jahr. Die Weibchen finden sich dabei in so genannten „Wochenstuben“ ein, wo die Jungtiere geboren und gemeinsam aufgezogen werden. In den ersten acht Wochen werden sie von der Mutter mit nahrhafter Muttermilch versorgt und wachsen schnell. Bis Ende August müssen sie selbstständig sein und finden sich dann auch alleine in den Winterquartieren ein.

Frage Nr. 7: Wie alt werden Fledermäuse?

Überraschend alt - 20 bis 30 Jahre ist ganz normal. Dieses hohe Alter erklärt auch, warum Fledermäuse nur ein Junges pro Jahr bekommen. „Das Alter einer Fledermaus ist allerdings schwer zu bestimmen. Bevor sie ausgewachsen sind, erkennt man die jungen Tiere aber an den noch nicht gänzlich geschlossenen Wachstumsfugen gut", erläutert Petra Schattanek.

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Dieser selbstgebaute Fledermauskasten dient als Schlafplatz © Ch. Schwann

Frage Nr. 8: Wo schlafen Fledermäuse?

Die meist nachtaktiven Tiere suchen zum Schlafen ruhige, dunkle, trockene Räumlichkeiten auf, die möglichst keine Zugluft aufweisen. Vielfach findet man sie in Höhlen, Felsspalten oder in Baumhöhlen – mit ein Grund, warum alte Bäume für die Natur so wertvoll sind. Aber auch in Häusern findet man gar nicht selten Fledermäuse. Schnell denkt man an alte Ruinen, Kirchtürme oder Schlösser, aber Petra hat auch ganz andere Erfahrungen gemacht: „Sehr gerne besiedeln sie auch neu gebaute Häuser. Die sind trocken und schützen vor Zugluft“.

Auch hängen Fledermäuse nicht unbedingt kopfüber von der Decke. Es gibt auch Arten, die in Mauerritzen oder Holzstapel liegen. Sie nehmen sogar eigens gebaute Fledermauskästen aus Holz an, um darin die Nacht zu verbringen.

Um Fledermäuse bestmöglich beobachten zu können, hat Petra außerdem einen guten Tipp:

„Bei Dämmerung an einen See setzen und gegen den Himmel schauen. Die meisten Fledermäuse sind durstig, wenn sie aufwachen und suchen daher gerne einen See auf. Sie segeln ganz knapp über die Wasseroberfläche und trinken im Flug. Ein wahres Schauspiel.“

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Zwergfledermaus "Joni" wird zur Zeit von Petra Schattanek zu Hause gepflegt © Ch. Schwann

Frage Nr. 9: Was macht die Fledermaus im Winter?

In unseren Breiten, wo im Winter das Nahrungsangebot – sprich Insekten – sehr gering bis gar nicht vorhanden ist –, wählen Fledermäuse die beste Option: sie halten Winterschlaf. Dazu suchen sie sich Höhlen, ungeheizte Dachräume oder eben auch Holzstapel. Nicht selten kommt es vor, dass man einen Holzstapel im Winter abräumt, weil man das Holz eben für den Ofen braucht und eine Fledermaus kommt zum Vorschein.

Dazu hat Petra eine Empfehlung: „Die Fledermaus ganz vorsichtig im Stapel weiter nach hinten schieben. Auf jeden Fall das Holz anschauen, bevor man es zum Ofen trägt, sonst hat man die Fledermaus in Haus.“
Manchmal kommt es vor, dass die Fledermäuse keinen Platz mehr haben und durch die Störung aufwachen. Dann bekommt Petra wieder einmal einige Exemplare, die sie über die Wintermonate bei sich zu Hause aufnimmt, denn in freier Wildbahn würden sie nicht genug Nahrung finden, um ihren Energiebedarf zu decken. Seppi, Joni und Floh hat sie ins Klassenzimmer mitgebracht, wobei Seppi der alleinige, weil unerschrockene Star ist.

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Zweifarbfledermaus "Sepp" ist der Star bei den Kindern © Petra Schattanek

Frage Nr. 10: Hat die Fledermaus auch Feinde?

Ja, hat sie. Bei Katzen, Eulen und Greifvögel stehen Fledermäuse durchaus auf dem Speiseplan, vorausgesetzt sie sind geschickt genug, die flinken Flieger zu fangen.

Aber der weit größere Feind der Fledertiere ist der Mensch – indirekt. Fledermäuse werden nicht gejagt, sie werden weder geschossen noch werden Fallen aufstellt. Viel gravierender ist der Verlust an Lebensraum, weil sie z.B. keine alten Bäume mit passenden Höhlen finden, weil Insekten aufgrund des massiven Einsatzes von Insektiziden immer weniger werden, oder auch weil sie in ihren Winterquartieren gestört werden.

 

„Also, wer immer von euch in eine Höhle geht, verhaltet euch ganz leise und vorsichtig, denn es könnte gut sein, dass hier Fledermäuse schlafen.“

Autorin: Christina Schwann


Jetzt mitmachen

Wenn auch du - gemeinsam mit deinen Mitschülern und Mitschülerinnen - Fragen zur Fledermaus hast und du noch mehr spannende Details erfahren möchtest, dann melde dich mit deiner Lehrerin oder mit deinem Lehrer beim Verein Natopia. Expertin Petra Schattanek ist gerne bereit, auch deiner Klasse den frechen „Seppi“ vorzustellen und deine Fragen zu beantworten.

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