Natur entdecken mit Kindern: Entdeckerzone Garten!

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“Werden wir auch Fledermäuse sehen?” fragt mich meine 5-jährige Tochter gespannt, denn wir starten gleich mit der Nachtwanderung zum Tag der Artenvielfalt am 08. Juni 2018 im Lainzer Tiergarten.

Fledermäuse haben wir leider keine gesehen, dafür aber gehört und wir haben 5 Tipps mitgenommen, wie du deinen Garten zur Entdeckerzone machen kannst – so macht Natur entdecken mit Kindern nämlich richtig Spaß!

Dass Kinder Interesse an der Natur zeigen, das hat diese Nachtwanderung durchaus bewiesen, denn mit zwei Familiengruppen zu je ungefähr 20 Personen haben wir uns an diesem Abend auf den Weg gemacht.

Viele Kinder hatten schon einiges an Vorwissen, doch auch jene Kinder, die noch nicht viel Erfahrung hatten, waren sehr wissbegierig und neugierig.

Und wenn auch du mit deinen Kindern die Natur entdecken möchtest, dann gibt es heute 5 Tipps für dich, wie du deinen Garten in eine Entdeckerzone verwandeln kannst!

(c) Jules Moody

1 Baumlöcher als Entdeckerzone!

“Alte Bäume haben oft Löcher.”, erzählt uns eine der beiden Biologinnen, die die Führung leiten. Und in diesen Löchern verbirgt sich eine Vielzahl an Leben – man muss nur hineinleuchten: Spinnen, Ameisen und noch einige andere Insekten tummeln sich darin herum.

Die Kinder sind ganz aufgeregt und können es nicht erwarten auch einen Blick in das Baumloch zu werfen!

Ca. 300 Jahre ist der Baum übrigens alt und er steht mitten in der Pflegezone des Biosphärenparks Wienerwald. Ein Biosphärenpark ist in 3 Zonen aufgeteilt, so lernen wir: In die Entwicklungszone, die Pflegezone und die Kernzone.

Während die Entwicklungszone Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum ist, steht in der Pflegezone die verantwortungsvolle Nutzung der wertvollen Kulturlandschaft im Vordergrund. Und in den Kernzonen hat der Naturschutz Vorrang – hier darf sich die Natur ungestört entwickeln und wieder zu dem Urwald werden, der sie ursprünglich einmal war.

Übrigens sollte man, so erfahre ich, alte, morsche Bäume oder Äste ruhig stehen lassen, wenn dies gefahrlos möglich ist. Denn darin können sich eine ganze Reihe neuer Lebensformen wie zum Beispiel Flechten, Spinnen oder auch Fledermäuse einnisten und ein neues Zuhause finden!

Entdeckerzone Garten – Tipp 1: Kennst auch du einen Baum mit einem Loch? Dann schnapp’ dir doch einmal eine Taschenlampe und leuchte hinein! Du wirst überrascht sein, was sich alles darin verbirgt!

(c) Jules Moody

2 Becherlupen im Einsatz!

Mit Becherlupen ausgestattet haben wir uns dann auf die Jagd nach kleinen Tieren gemacht. Dies ist ein sehr spielerischer Zugang Kinder mit der Natur in Kontakt zu bringen und er macht großen Spaß.

Denn schon bald waren alle Kinder eifrig dabei die Becherlupen mit ihren “Schätzen” zu füllen – die Regeln dabei waren klar:

  • Immer nur 1 Tier pro Becherlupe.
  • Die Tiere so fangen, dass sie noch alle Beinchen und Fühler haben, also unverletzt sind.
  • Die Tiere ohne “Beigaben” wie Blätter oder Gras fangen.
  • Bei ganz kleinen Tieren die Luftlöcher mit Gras verkleinern, da sie sonst entkommen.
  • Keine Schnecken in die Becherlupen – den Schleim bekommt man nur ganz schwer wieder aus dem Becher.
  • Die Tiere anschließend vorsichtig wieder frei lassen.

Wir fanden Spinnen, Zikaden, einen Frosch, Ameisen und viele weitere kleine Tiere.

Die beiden Expertinnen, die die Führung wirklich sehr interessant gestaltet haben, haben die Tiere für die Kinder identifiziert und sie sehr gelobt. Der Stolz der Kinder war so groß, dass er beinahe greifbar war!

Und genau das kannst auch du dir zu Nutze machen:

Entdeckerzone Garten – Tipp 2: Becherlupen sind ein wunderbares Werkzeug um Kinder für die kleinen Bewohner auf der Wiese zu interessieren. Das vorsichtige Fangen der Tiere, das anschließende Beobachten mit der Lupe und das wieder frei lassen macht die Kinder wirklich stolz!

3 Lass ein Stück unberührte Wiese wachsen!

Ein Stück unberührte Wiese, wenn möglich noch mit Büschen, ist Heimat und “Jagdgebiet” für viele Tiere.

“Wenn du in deinem Garten einen Platz hast, wo die Wiese unberührt wachsen kann, dann schaffst du dir deinen eigenen kleinen Entdeckerplatz!”, bekomme ich als Ratschlag der Expertinnen und Experten, mit denen ich im Vorfeld gesprochen habe.

Die Natur unberührt sein zu lassen sei überhaupt einer der wichtigsten Ratschläge, den sie mir geben können. Denn wenn die Tiere einen Lebensraum haben, an dem sie ungestört sind, wird auch die Artenvielfalt von selbst wieder kommen und die Kinder haben etwas zu beobachten. Wie zum Beispiel diese vier nachtaktiven Tiere.

Wir haben auf unserer Wanderung, als es langsam dunkel wurde, viele Glühwürmchen – also eigentlich große Leuchtkäfer – gesehen und diese haben eine besondere Faszination auf die Kinder ausgeübt.

Der Große Leuchtkäfer ist übrigens die Nummer 9 von 10 heimischen Käfern, die du kennen solltest.

Entdeckerzone Garten – Tipp 3: Lass in deinem Garten ein Stück unberührte Wiese wachsen. Dort wird, wenn vielleicht auch noch ein paar Büsche vorhanden sind, bald eine Vielzahl an Tieren zu Beobachten sein!

(c) Jules Moody

4 Es wird taghell - aber nur kurz!

Auf unserer Wanderung ist es mittlerweile wirklich dunkel geworden – doch was leuchtet da in der Ferne? Es ist die Nachtfalter-Station!

Mit Lampen, die das Tageslicht imitieren und einem großen, weißen Laken werden allerlei nachtaktive Insekten angezogen.

Voller Bewunderung für die Insekten erzählt uns der ältere Herr, der die Station beaufsichtigt, was für imposante Tiere diese kleinen Wesen doch sind. In ihren kleinen Körpern befinden sich dennoch alle nötigen Zellen und sie sind so komplex ausgebildet wie größere Tiere.

Was hier zur Beobachtung genutzt wird – nämlich das Licht – ist aber eine der größten Gefahrenquellen für Insekten erfahren wir. Das Thema Lichtverschmutzung wird angesprochen: Denn sobald es hell wird umkreisen die Insekten das Licht und verbrennen entweder an der abgestrahlten Hitze oder sie sterben an Erschöpfung.  

Lampen im Garten sollten deshalb nur sparsam eingesetzt werden und wenn möglich, sollte man auf LED-Lampen in warmweiß umsteigen. Besser noch man verzichtet ganz auf die Beleuchtung und lässt die Sterne und den Mond strahlen.

Und wenn auch du etwas gegen das Insektensterben tun möchtest, dann findest du hier 9 weitere Tipps (neben der Lichtreduktion) dazu. 

Doch es gibt auch eine für Insekten ungefährliche Beobachtungsmöglichkeit für den eigenen Garten, verrät mir die Expertin:

Entdeckerzone Garten – Tipp 4: Stelle eine Stehleiter auf, hänge in den Raum zwischen die zwei Leiterteile eine Lampe und decke alles mit einem großen Leintuch ab – pass bitte nur auf, dass das Leintuch weit genug von der Lampe entfernt hängt. So können Insekten ganz gefahrlos beobachtet werden! Und wer dann bald wieder das Licht ausmacht, stellt sicher, dass auch kein Insekt an Erschöpfung stirbt.

5 Lass Dachböden offen!

Das absolute Highlight für die Kinder waren ganz sicher die Fledermäuse. Bereits ab der Hermesvilla haben wir uns auf die akustische Spurensuche nach Fledermäusen gemacht. Dort hausen die Tiere nämlich in den alten Dachböden und haben ihre Kinderstuben.

Die Biologinnen haben hierbei mittels Fledermausdetektoren versucht die Geräusche der Fledermäuse für uns hörbar zu machen.

Während wir Menschen nur bis ca. 20 kHz hören können, beginnt in diesem Bereich erst die Frequenz der Fledermäuse und geht hinauf bis zu 180 kHz, was zur Folge hat, dass wir die Fledermäuse nicht hören können.

Mit dem Fledermausdetektoren werden die Ultraschallgeräusche der Fledermäuse in eine für uns hörbare Frequenz übersetzt.

Spannendes Detail dabei: Die Fledermausarten klingen höchst unterschiedlich! Während der große Abendsegler vergleichbar tiefe und langsame Pings und Pongs von sich gibt, agieren kleinere Fledermausarten in wesentlich höheren und schnelleren Tönen.

Bei der Fledermausstation konnten wir verschiedene Fledermausarten hören und haben einiges wissenswertes über die Tiere erfahren: So sind Fledermäuse lebendgebärend und bringen nur ein Jungtier zur Welt. Sie werden bis zu 30 Jahre alt und legen nachts weite Strecken zurück!

Gesehen haben wir leider keine, denn die zwei Fledermäuse, die in dieser Nacht gefangen wurden, mussten sofort nach der Vermessung wieder freigelassen werden: Eine war ein säugendes Muttertier und die andere Fledermaus war trächtig. Um die Tiere zu schonen wurden sie umgehend wieder freigelassen.

Doch alleine die Tiere zu hören und viele Fakten über sie zu hören war wirklich wunderbar.

Zum Abschluss gab es dann noch einen Tipp, wie Fledermäuse es sich auch bei uns gemütlich machen können:

Und wenn du Tipp Nummer 3 beachtest, dann finden die Fledermäuse auch reichlich Nahrung und fühlen sich wohl bei dir!

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Fledermäuse ganz saubere und zahme Gäste: Sie graben keine Löcher, tragen kein Material ein und sie verbringen viel Zeit mit der Körperpflege.

Ein besonders tolles Exemplar ist übrigens der große Abendsegler, über den du hier mehr erfahren kannst.

Entdeckerzone Garten – Tipp 5: Wenn du einen alten Dachboden hast – dann lass ihn offen! So finden Fledermäuse Quartiere und du kannst sie mit deinen Kindern beobachten. Auch in anderen kleinen Spalten wie zum Beispiel im Holzstapel oder in der Fassade – Hauptsache warm, trocken, dunkel und sicher – eignen sich als Rückzugsort für Fledermäuse.

Mit diesen fünf Tipps machst auch du deinen Garten zur Entdeckerzone!

Du hast keinen Garten? Dann gibt es sicher einen nahegelegenen Park, den du zur Entdeckerzone machen und so die Natur mit Kindern entdecken kannst!

(Autorin: Jules Moody)

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