Wusstest du, dass manche Fledermäuse nicht mehr wiegen als ein 50 Cent-Stück? Und dass manche Arten bis zu 2500 Insekten pro Nacht fressen? Wir waren den mysteriösen Säugetieren im Nationalpark Thayatal auf der Spur, um (wortwörtlich) Licht ins Dunkle zu bringen

Die Exkursionsleiterin hat sich Sorgen gemacht. Was, wenn wir – und vor allem die Kinder – Stunden durch die Dunkelheit wandern und dabei keine einzige Fledermaus sehen?

Wie sich herausstellt, sind ihre Sorgen völlig unbegründet. Schon in den ersten Minuten huscht im Augenwinkel ein flatterndes Etwas vorbei. Und eines ist sicher: Es wird nicht die letzte Fledermaus der Nacht sein. 

Artenzahl: Tendenz steigend

Jedes fünfte Säugetier ist eine Fledermaus. Dass wir trotzdem so wenig über sie wissen, hat wahrscheinlich mehr mit uns als mit ihnen zu tun: So anders ist ihre Lebensweise im Vergleich zu unserer, dass uns vielleicht die Erkenntnis fehlt, wie wir am besten an die Sache rangehen sollen. Das sind meine Gedanken als ich an einem späten Samstagabend beim Uhrturm in Hardegg, nur wenige Schritte entfernt von der tschechischen Grenze, ankomme. Wer hätte gedacht, dass zu so später Stunde über 20 Leute, darunter viele Kinder, ihren Weg in das inoffizielle Außenlager des Nationalparks Thayatal schaffen werden?

Gleich zu Beginn gibt uns die Exkursionsleiterin Claudia Reiss ein paar Vorabinfos, immerhin sollen wir ja wissen, mit wem wir es gleich zu tun haben werden: Etwa 28 Fledermausarten gibt es derzeit in Österreich, 22 davon finden sich hier im Nationalpark. Auch wenn sich das ständig ändert: Die Fledermausforschung ist vergleichsmäßig jung. Viele Arten stellen sich etwa nach fortlaufenden, genetischen Untersuchen als mehrere Arten heraus.

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Exkursionsleiterin Reiss erklärt die Fledermaus-Anatomie

"Bitte nicht in die Augen leuchten!"

Die klassische Frage, ob Fledermäuse nun mit Mäusen verwandt sind, beantwortet Reiss klar mit Nein. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aus eigener Kraft fliegen können. Nicht nur deshalb faszinieren sie uns seit jeher. Was so eine Fledermaus fresse, will eines der Kinder wissen. Heuschrecken, Wanzen, Nachtfalter und – zur allgemeinen Freude – Gelsen, aber meist kein Blut (außer bei ein paar tropischen Arten) stehen auf dem Speiseplan, erklärt die Nationalpark Rangerin bevor wir nun endlich die ersten Schritte in die Dunkelheit wagen. Wobei, nicht ganz.

Eine Taschenlampe hat es den Kindern besonders angetan und so tragen sie sie abwechselnd und stolz durch den Ort. Sie ist so stark, dass man gefühlt die Sterne anleuchten kann. Der Satz „Bitte nicht in die Augen leuchten“ wird uns deshalb noch begleiten.

Von schnellen und wendigen Jägern

Reiss ist vorbereitet. Kinder und Erwachsene treten an zu einem Mini-Quiz. Wer hätte gedacht, dass die kleinste, heimische Fledermaus – die Kleine Hufeisennase – so schwer ist wie ein 50 Cent Stück? Und dass eine Wasserfledermaus an guten Tagen bis zu 2.500 Insekten fangen kann? Das heißt, die Hälfte ihres Körpergewichts in einer Nacht bei etwa 900 Fangversuchen pro Stunde.

Endlich bekommen wir ein Hilfsmittel, um unsere Ungeduld zu überbrücken. Mit kleinen Bat Detektoren kann man die sonst unhörbaren Rufe der Fledermäuse „übersetzen“. Die Fledermäuse schreien verhältnismäßig sehr laut, wie ein Echo prallen ihre Rufe von ihren Opfertieren ab. Das hören sie dann in den Pausen zwischen ihren Rufen und begeben sich in Richtung des Tieres. Die Kinder sind begeistert, drehen den Knopf auf die verschiedenen Frequenzen und strecken das Gerät in die Luft.

„Fledermausforschung ist ein Geduldsspiel“, sagt Reiss und weiß, wovon sie spricht.

Zur weiteren Überbrückung zeigt sie uns ein Skelett eines Großen Mausohrs, der größten Fledermausart Österreichs. Trotzdem ist ihr Oberarm erstaunlich kurz, die Finger, mit denen es quasi fliegt, überraschend lang und fragil.

Wenn die Flügel insgesamt lang sind, deutet das darauf hin, dass die Art ein schneller Jäger ist. Breite, kurze Flügel machen die Fledermaus wendiger. Auch die Rufe sind dann anders und erklingen oft in kurzen Intervallen, wie Reiss mit Aufnahmen demonstriert (hier kann man ein paar Beispiele anhören).

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Den Fledermäusen nahe sein: 

Kobolde der Nacht am 12. September 2019 im Biosphärenpark Wienerwald

Fledermausführung & Burgerkundung am 7. und 21. September 2019

Höhlenexkursion am 8., 21. September und 8. Oktober 2019

Mehr Naturerlebnisse zu Fledermäusen findest du hier.

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Die Wasserfledermaus fängt bis zu 2500 Insekten pro Nacht

Uralte Überlebensstrategien

Aus den Bat Detektoren kommt ein Rauschen, plötzlich aber rattert es. Jetzt heißt es schnell sein und mit der Taschenlampe in Richtung des ausgestreckten Armes leuchten. Je lauter der Klang, desto näher die Fledermaus. Kurz erhaschen wir ihren diffusen Flug und identifizieren sie als Wasserfledermaus, dann scheint der Strahl der Taschenlampe wieder in die Leere. Weiter geht es zur nächsten Station.

Auf dem Weg erzählt Claudia Reiss von der Partnersuche der Fledermäuse. Die Männchen markieren ihre Quartiere und locken so die Weibchen an. Diese können die Spermien des Partners solange speichern, bis ein günstiger Moment für die Befruchtung gekommen ist. Verwirrte Blicke bei den Kindern, überraschte und leicht verstörte bei den Erwachsenen. Die Fledermäuse haben viele solcher Überlebensstrategien entwickelt - immerhin gibt es sie schon seit etwa 50 Millionen Jahren. So benötigen sie etwa für 12 Tage ihres Winterschlafs gleich viel Energie wie für eine Stunde Flug.

„Außerdem sind Fledermäuse große Kuschler“, so Reiss. Das erzeuge Wärme und spare so Energie.

Im Hintergrund schaut die Burg Hardegg gespenstisch zwischen ein paar Nebelfetzen hervor, die vom abendlichen Gewitter übrig geblieben sind. Auch in der Burg wohnen sicher Fledermäuse, so die richtige Bemerkung der Kinder. Dort ist man gut versteckt vor Fressfeinden wie Marder, Katzen oder nachtaktiven Raubvögeln wie Eulen oder Uhus.

Große Gefahr Mensch

Auch der Mensch schadet der Fledermaus, insbesondere durch die Errichtung von Windrädern. Dazu kommt eine Abnahme der Insektenzahl und somit der Futterquelle der Tiere. Alle 28 Arten sind in Österreich deshalb geschützt.

Der Bat Detektor hat gewirkt, am Ende können wir alle zahlreiche Audiobeweise und einige Sichtungen verbuchen. Der wahre Beweis, dass diese Fledermausnacht erfolgreich war, liefert aber einer der jungen Teilnehmer mit seiner Frage: „Wo kann ich denn einen Bat Detektor kaufen?“ Die Zukunft der Fledermausforschung scheint gesichert zu sein.

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Jetzt weiterlesen: Die Fledermaus im Klassenzimmer

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Etwas Mut ist bei der Suche nach Fledermausnachtquartieren gefragt

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