Für ihr Engagement wurde die Gruppe mit dem „Changemaker"-Award von Blühendes Österreich ausgezeichnet. Das Projekt läuft über ein ganzes Jahr, und die jungen Naturschützer:innen erleben hautnah mit, wie aus Ideen echte Naturoasen werden.
Ein Mosaik für die Artenvielfalt
Das Mattersburger Hügelland liegt im Natura 2000 Vogelschutzgebiet und im Naturpark Rosalia-Kogelberg. Trotz kleinparzellierten Felder, Weingärten und Streuobstwiesen schwindet der Lebensraum für bedrohte Tiere. Die Pfadfinder:innen wollen gegensteuern.
Ihr Ziel: 50 Streuobstbäume, 60 heimische Wildsträucher, 80 klimafitte Waldbäume, vier Totholzhecken, zwei Käferburgen, zwei Sandarien und 1.500 Quadratmeter Blühwiese – verteilt auf verschiedene Grundstücke in und um Mattersburg. Eine Mammutaufgabe, die nur mit Wissen und Ausdauer gelingen kann.
Sommer: Von Ameisen-Königinnen und Kräuterdüften
Im Juni 2025 fiel der Startschuss mit einem Infoabend für Kinder, Eltern und Gemeinde. Die Verantwortlichen stellten das Projekt vor. Abgerundet wurde der Abend von einem kurzen Vortrag durch Sandra Wallner, der Biodiversitätsexpertin vom Naturpark Rosalia-Kogelberg.
Dann folgte das einwöchige Sommerlager in Kirchschlag mit einem ganzen Workshop-Tag: Ameisenexpertin Magdalena Sorger, Autorin des Buchs „Ameisen – Die geheimen Herrscherinnen der Welt", nahm alle Altersstufen mit in die faszinierende Welt der sozialen Insekten. Am Nachmittag führte Kräuterpädagogin Emily Ankerl ins Sammeln und Bestimmen heimischer Wildpflanzen ein. Die Mischung aus Theorie und sinnlichem Erleben machte Naturwissen greifbar.
Ein Highlight zu Schulbeginn: der Ausflugstag zur Arche Noah nach Schiltern und in den Nationalpark Donau-Auen. „Die Kinder im Alter von 6 und 18 Jahre alt waren total begeistert. Beim Nationalpark-Ranger hingen sie regelrecht an den Lippen", berichtet Rumpler. Die Botschaft kam an: Artenvielfalt braucht aktiven Schutz. Doch Wissen allein rettet keinen Schmetterling und Wildbiene. Im Herbst griffen die Kinder zu Spaten und Säge.
Herbst: Wenn Nachbarn staunen und Kinder anpacken
Nun wurde es praktisch: An verschiedenen Tagen legten die Pfadfinder:innen Totholzhecken – sogenannte Benjeshecken – an: beim Pfadfinderheim, auf zwei Wiesen und auf öffentlichem Gemeindegrund. Gleichzeitig pflanzten sie heimische Wildsträucher wie Felsenbirne, Schlehe und Hagebutte.
Der Pflanztag wurde zum Event: Ein Fernsehteam aus dem Burgenland rückte an. Auch Bürgermeisterin Claudia Schlager und Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner machten sich vor Ort ein Bild vom Engagement der jungen Pfadfinder:innen. „Dieses Projekt zeigt, wie Naturschutz und Umweltbildung zusammengehen", betonte Pfadfinder Obmann Thomas Haffer vor Ort.
„Was mich gewundert hat: Die Hecken brauchten drei Meter Abstand zum Garten der Nachbarn – damit die Käfer nicht in die Anrainergärten krabbeln", schmunzelt Projektleiterin Petra Rumpler. Doch die Sorge war unbegründet. Spaziergänger:innen blieben stehen, fragten nach. „Vor allem die Benjeshecke hat für Staunen gesorgt. Aber niemand hat sich negativ geäußert – alle waren interessiert."
„Die Kinder waren so begeistert, wie viele verschiedene Sträucher sie gesetzt haben", erzählt Rumpler. Die Gemeinde übernimmt das Gießen. Beim Pfadfinderheim gießen die Kinder selbst und lernen, wie wichtig Kontinuität ist. Nun können sie Woche für Woche beobachten, wie ihre Hecken wachsen und ein kleines Refugium für Falter, Bienen und Vögel entsteht.
Ausblick: Streuobst, Sandarien und ein Wald fürs Klima
Im Frühjahr folgen zwei Sandarien und Käferburgen an verschiedenen Orten. Schilder sollen Passant:innen über die neu geschaffenen Lebensräume informieren.
Ende Februar 2026 steht die nächste große Aktion an: Die Streuobstwiese der Gemeinde wird erweitert, ein Stück Wald mit klimafitten Bäumen aufgeforstet. Die Früchte sollen die Pfadfinder:innen selbst verwerten – ein langfristiger Kreislauf aus Pflege, Ernte und Verantwortung.
Petra Rumpler ist Streuobstwiesen-Guide und verbrachte mit den Kindern bereits einen Einführungstag auf der Wiese im Ried Hirschkreit. „Wir wünschen uns, dass die Kinder die Hecken und Bäume weiter wachsen sehen – und immer wieder hingehen, um zu beobachten." Ergänzt wird das Praxisprogramm durch Fachvorträge wie jenen zum „Klimafitten Wald" durch Herbert Stummer im Oktober.
Die Welt besser hinterlassen
„Das Projekt entspricht perfekt der Mission der Pfadfinder:innen: Hinterlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast", sagt Petra Rumpler. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie selbst etwas zur Erhöhung der Biodiversität beitragen können – ganz konkret, vor ihrer Haustür."
Mit über 140 Mitgliedern und einer breiten Altersstruktur entfaltet das Projekt große Breitenwirkung. Die jungen Pfadfinder:innen werden zu Vorbildern in ihren Familien, Schulen und der Gemeinde. Sie zeigen eindrucksvoll, wie junge Menschen Biodiversität nicht nur verstehen, sondern aktiv mitgestalten – als Teil einer Generation, die nicht nur redet, sondern handelt und schützt.
Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.