Drei Meter Abstand zu den Nachbargärten – damit die Käfer nicht rüberkrabbeln. Petra Rumpler muss schmunzeln, wenn sie davon erzählt. Aber genau so funktioniert das Projekt der Pfadfindergruppe Mattersburg: präzise geplant, mutig umgesetzt. 85 Kinder und Jugendliche verwandeln ihre Stadt in ein Refugium für Zwergohreule und Blindschleiche. Und lernen nebenbei: Naturschutz riecht nach Kräutern, klingt nach Ameisen-Geschichten – und braucht langen Atem.

Für ihr Engagement wurde die Gruppe mit dem „Changemaker"-Award von Blühendes Österreich ausgezeichnet. Das Projekt läuft über ein ganzes Jahr, und die jungen Naturschützer:innen erleben hautnah mit, wie aus Ideen echte Naturoasen werden.

Ein Mosaik für die Artenvielfalt


Das Mattersburger Hügelland liegt im Natura 2000 Vogelschutzgebiet und im Naturpark Rosalia-Kogelberg. Trotz kleinparzellierten Felder, Weingärten und Streuobstwiesen schwindet der Lebensraum für bedrohte Tiere. Die Pfadfinder:innen wollen gegensteuern. 

Ihr Ziel: 50 Streuobstbäume, 60 heimische Wildsträucher, 80 klimafitte Waldbäume, vier Totholzhecken, zwei Käferburgen, zwei Sandarien und 1.500 Quadratmeter Blühwiese – verteilt auf verschiedene Grundstücke in und um Mattersburg. Eine Mammutaufgabe, die nur mit Wissen und Ausdauer gelingen kann.


Sommer: Von Ameisen-Königinnen und Kräuterdüften


Im Juni 2025 fiel der Startschuss mit einem Infoabend für Kinder, Eltern und Gemeinde. Die Verantwortlichen stellten das Projekt vor. Abgerundet wurde der Abend von einem kurzen Vortrag durch Sandra Wallner, der Biodiversitätsexpertin vom Naturpark Rosalia-Kogelberg. 

Dann folgte das einwöchige Sommerlager in Kirchschlag mit einem ganzen Workshop-Tag: Ameisenexpertin Magdalena Sorger, Autorin des Buchs „Ameisen – Die geheimen Herrscherinnen der Welt", nahm alle Altersstufen mit in die faszinierende Welt der sozialen Insekten. Am Nachmittag führte Kräuterpädagogin Emily Ankerl ins Sammeln und Bestimmen heimischer Wildpflanzen ein. Die Mischung aus Theorie und sinnlichem Erleben machte Naturwissen greifbar.

Ein Highlight zu Schulbeginn: der Ausflugstag zur Arche Noah nach Schiltern und in den Nationalpark Donau-Auen. „Die Kinder im Alter von 6 und 18 Jahre alt waren total begeistert. Beim Nationalpark-Ranger hingen sie regelrecht an den Lippen", berichtet Rumpler. Die Botschaft kam an: Artenvielfalt braucht aktiven Schutz.  Doch Wissen allein rettet keinen Schmetterling und Wildbiene. Im Herbst griffen die Kinder zu Spaten und Säge.

Herbst: Wenn Nachbarn staunen und Kinder anpacken

Nun wurde es praktisch: An verschiedenen Tagen legten die Pfadfinder:innen Totholzhecken – sogenannte Benjeshecken – an: beim Pfadfinderheim, auf zwei Wiesen und auf öffentlichem Gemeindegrund. Gleichzeitig pflanzten sie heimische Wildsträucher wie Felsenbirne, Schlehe und Hagebutte.

Der Pflanztag wurde zum Event: Ein Fernsehteam aus dem Burgenland rückte an. Auch Bürgermeisterin Claudia Schlager und Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner machten sich vor Ort ein Bild vom Engagement der jungen Pfadfinder:innen. „Dieses Projekt zeigt, wie Naturschutz und Umweltbildung zusammengehen", betonte Pfadfinder Obmann Thomas Haffer vor Ort.

„Was mich gewundert hat: Die Hecken brauchten drei Meter Abstand zum Garten der Nachbarn – damit die Käfer nicht in die Anrainergärten krabbeln", schmunzelt Projektleiterin Petra Rumpler. Doch die Sorge war unbegründet. Spaziergänger:innen blieben stehen, fragten nach. „Vor allem die Benjeshecke hat für Staunen gesorgt. Aber niemand hat sich negativ geäußert – alle waren interessiert."

„Die Kinder waren so begeistert, wie viele verschiedene Sträucher sie gesetzt haben", erzählt Rumpler. Die Gemeinde übernimmt das Gießen. Beim Pfadfinderheim gießen die Kinder selbst und lernen, wie wichtig Kontinuität ist. Nun können sie Woche für Woche beobachten, wie ihre Hecken wachsen und ein kleines Refugium für Falter, Bienen und Vögel entsteht.

 

Ausblick: Streuobst, Sandarien und ein Wald fürs Klima

Im Frühjahr folgen zwei Sandarien und Käferburgen an verschiedenen Orten. Schilder sollen Passant:innen über die neu geschaffenen Lebensräume informieren.

Ende Februar 2026 steht die nächste große Aktion an: Die Streuobstwiese der Gemeinde wird erweitert, ein Stück Wald mit klimafitten Bäumen aufgeforstet. Die Früchte sollen die Pfadfinder:innen selbst verwerten – ein langfristiger Kreislauf aus Pflege, Ernte und Verantwortung.

Petra Rumpler ist Streuobstwiesen-Guide und verbrachte mit den Kindern bereits einen Einführungstag auf der Wiese im Ried Hirschkreit. „Wir wünschen uns, dass die Kinder die Hecken und Bäume weiter wachsen sehen – und immer wieder hingehen, um zu beobachten." Ergänzt wird das Praxisprogramm durch Fachvorträge wie jenen zum „Klimafitten Wald" durch Herbert Stummer im Oktober.

 

Die Welt besser hinterlassen

„Das Projekt entspricht perfekt der Mission der Pfadfinder:innen: Hinterlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast", sagt Petra Rumpler. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie selbst etwas zur Erhöhung der Biodiversität beitragen können – ganz konkret, vor ihrer Haustür."

Mit über 140 Mitgliedern und einer breiten Altersstruktur entfaltet das Projekt große Breitenwirkung. Die jungen Pfadfinder:innen werden zu Vorbildern in ihren Familien, Schulen und der Gemeinde. Sie zeigen eindrucksvoll, wie junge Menschen Biodiversität nicht nur verstehen, sondern aktiv mitgestalten – als Teil einer Generation, die nicht nur redet, sondern handelt und schützt.

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.

Image
Logoleiste

Meckerziege oder flotte Biene?

Flotte Biene! Dann bist du auf Österreichs größter Plattform für Naturerlebnisse genau richtig.

Jetzt registrieren

Verwandte Naturerlebnisse

Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom

Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom

31. Aug. |
Steiermark
Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Infohütte, Erlebniszentrum Weidendom

Unsere Führungen und Angebote stehen allen Menschen offen. Sollte für eine barrierefreie Teilnahme eine besondere Form der Unterstützung erforderlich sein, wird um frühzeitige Kontaktaufnahme gebeten.

Für Personen mit eingeschränkter Mobilität wird für diese Veranstaltung ein Rollstuhl mit Zuggerät (Swiss Trac) kostenlos zur Verfügung gestellt (Voranmeldung erforderlich).

Am Veranstaltungsort befindet sich ein rollstuhlgerechtes WC.

Kosten für Forschungsprogramme (11:00, 14:00 und 16:00 Uhr):

Erwachsene: € 7,00
Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre: € 5,00
Familienkarte (max. 4 Personen): € 12,00

Sondertermine sowie spezielle Programme für (Bus-)Gruppen und Schulen werden im Infobüro Admont organisiert. Unsere Gruppenangebote finden Sie hier.

Wir sind Partner der Steiermark-Card, Bonuspartner der Schladming-Dachstein Card und ZWEI UND MEHR Vorteilsbetrieb.

Forschungsprogramm 1: Die Reise in den Mikrokosmos "Wasser" 

Tauchen Sie in die spanndende Welt der Wasserlebewesen ein. Eine selbst genommene Wasserprobe kann beim Mikroskopieren "unter die Lupe" genommen werden. Dabei entdeckt man Kleinstlebewesen, die man in dieser Größe noch nie gesehen hat.

 Forschungsprogramm 2: Wildnis erforschen im Auwald

Gehen Sie auf die Suche nach Wildnis in der Aulandschaft um den Weidendom und erfahren, welche Bäume gerne nasse Füße haben und welche seltene Vogelart ganz in der Nähe brütet.

Forschungsprogramm3: Abenteuer Wilde Wiese 

Ein:e Nationalpark Ranger:in zeigt Ihnen wie Sie in einer wilden Wiese auf Entdeckungsreise gehen können und neben schillernden Käfern und Bienen auf Nektarsuche auch Russischen Bären oder eine rotflügelige Schnarrschrecke aufspüren.


Die Gruppe entscheidet, welches der drei Programme stattfindet.

Erwachsene, Jugendliche
Familien, Erwachsene mit Kindern
Kinder und Jugendliche

Findet diese Veranstaltung bei jedem Wetter statt?
Ja, denn wir finden, unser Nationalpark Gesäuse ist bei jedem Wetter ein Erlebnis!

Darf ich meinen vierbeinigen Freund mitbringen?
Die Mitnahme von Hunden ist nicht erlaubt.


 

  • Öffnungszeiten: (der Weidendom ist ganzjährig frei betretbar, betreutes Besucherprogramm zu folgenden Zeiten)

    01.05.2026 - 30.06.2026: Samstag, Sonntag, Feiertage, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
    01.07.2026 - 13.09.2026 : täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
    14.09.2026 - 30.09.2026: Samstag, Sonntag, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr

Die Forschungsprogramme finden während der Öffnungszeiten immer um 11:00 Uhr, 14:00 Uhr und 16:00 Uhr statt.

Sondertermine außerhalb der Öffnungszeiten, sowie spezielle Programme für Gruppen, Busgruppen und Schulen werden im Informationsbüro in Admont organisiert, Tel. +43(0)3613/21160-20, info@nationalpark-gesaeuse.at

Unter fachkundiger Anleitung tauchen kleine und große Besucher:innen in die wilde Seite des Nationalparks ein.

Drei unterschiedliche Programme ermöglichen Besucher:innen einen spannenden Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks zu bekommen: „Die Reise in den Mikrokosmos Wasser“, „Abenteuer Wilde Wiese“ oder „Wildnis erforschen im Auwald“.

Keine Anmeldung erforderlich

Die Parkplätze im Nationalpark Gesäuse sind kostenpflichtig (Tagesticket € 7,00). Nähere Informationen zu den Parkplätzen sind hier zu finden. Allgemeine Informationen zur Anreise in den Nationalpark Gesäuse stehen hier zur Verfügung.

Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

Für Navi-Nutzer: Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

Für die Anreise zu unseren Veranstaltungen empfehlen wir öffentliche Verkehrsmittel. Alternativ kann im Sommerhalbjahr das Gesäuse Sammeltaxi (+43 3613 21000 99) genutzt werden.

Österreichische Bundesbahn: www.oebb.at
BusBahnBim - Auskunft: www.busbahnbim.at

Haltestelle:

  • Gesäuse Bachbrücke/Weidendom (RegioBus 912)
  • Johnsbach im Nationalpark Bahnhof (ÖBB)
Besucher:innenprogramm Erlebniszentrum Weidendom
Der Fährte folgen