Welche Reptilienart haben Hauskatzen auf dem Gewissen? Wenn eine Blindschleiche weder eine Schlange noch eine Eidechse ist, was ist sie dann? Und wie verhalte ich mich, entgegen des Volksglaubens, richtig bei einem Schlangenbiss?

Unsere Entdeckungsreise schlängelt sich in die imposante Naturlandschaft des Nationalparks Gesäuse. Zwischen eiskalten Gebirgsbächen und schroffen Felsen offenbart sich das perfekte Habitat für besondere Eidechsen- und Schlangenarten.

Meist trete ich beim Wandern etwas fester auf, um Schlangen zu verscheuchen. Dieses Mal ist das anders: Auf leisen Sohlen mache ich mich auf die Suche nach Schlangen und Eidechsen, die im und um den Nationalpark Gesäuse zu finden sind.

Bevor es jedoch mit der geführten Tour losgeht, gibt der Biologe und Reptilien-Experte Werner Kammel noch umfassende Einblicke in das Leben dieser zum Teil gefährdeten Tiere.

 

Augen auf! Diese Reptilien triffst du im Gesäuse:

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Die Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine Schleiche.

Blindschleiche

Die Vermutung liegt nahe, dass die Blindschleiche schlecht sieht. Dem ist aber nicht so. Ihr Name stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet glitzernde Schlange, obwohl sie auch keine Schlange ist. Sie gehört zu einer eigenen Gruppe von Reptilien, den Schleichen.

Die Blindschleiche kommt mit den unterschiedlichsten Lebensräumen gut zurecht, so auch mit bergigen Höhen von bis zu 2.000 Metern. Wenn sie angegriffen wird, kann das Tier seinen Schwanz abwerfen – dieser macht häufig zwei Drittel der Körperlänge aus – um den Angreifer abzuhängen. Jedoch geht das nur ein bis zwei Mal im Leben der Blindschleiche, danach ist sie ihren Feinden ohne Schutz ausgeliefert.

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Die Bestände der Zauneidechse sind in Österreich bereits stark dezimiert.

Zauneidechse

Im stark strukturierten Gelände des Gesäuses fühlen sich die Zauneidechsen äußerst heimelig. Hier findet man sie vor allem entlang von Flüssen und Bächen sowie im offenen Gelände. Wie viele andere Reptilien auch, sonnen sich Zauneidechsen gerne versteckt. Meist bekommen wir Menschen die Männchen zu Gesicht. Die Weibchen sind noch zurückhaltender.

Insgesamt sinken die Bestände der Zauneidechse in unseren Breiten rapide. Einerseits wird ihr Lebensraum vom Menschen zerstört, andererseits stehen sie auf dem Speiseplan von Hauskatzen. In vielen Gärten sind diese Reptilien daher inzwischen verschwunden.

In Österreich steht die Zauneidechse auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten.

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Die Bergeidechse fühlt sich in hohen Lagen zu Hause.

Bergeidechse

Wie ihr Name schon verrät, will die Bergeidechse hoch hinaus. Im Gesäuse finden wir sie vor allem in luftigen Höhen, jedoch kann sie auch im Talboden in Gewässernähe angetroffen werden.

Sie wird je nach Lebensraum auch Wald- oder Mooreidechse genannt. Je tiefer ihr Verbreitungsgebiet liegt, umso feuchter muss es sein. Dabei kommt sie wegen der Hitze nicht tiefer als auf 500 Meter Seehöhe. Das hängt mit ihrem schlechten Transpirationsschutz zusammen. Dafür verträgt sie Kälte verhältnismäßig gut.

Wie du in Österreich heimische Schlangen unterscheidest, erfährst du hier.

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Die Ringelnatter liebt die Nähe zu Gewässern.

Ringelnatter

Aufgrund des für die Ringelnatter typischen gelben Krönchens auf dem Hinterkopf, tritt sie in mancher Sage als verwunschene Prinzessin in Erscheinung. Diese ungiftige Schlange ist zudem gut erzogen – sie beißt so gut wie nie.

Ihr Lebensraum hängt von ihrer Beute ab: Meist sind das Amphibien und manchmal auch Fische. Daher kommt die Ringelnatter in der Nähe von Seen sowie Flüssen und Bächen vor – und Wasser gibt es im Gesäuse reichlich.

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Kleines Exemplar der Äskulapnatter, die bis zu zwei Meter lang werden kann.

Äskulapnatter

Ins Gesäuse gelangte die Äskulapnatter entlang der Enns von Oberösterreich kommend. Sie hält sich gerne bei Flüssen auf und liebt den Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Lebensräumen, so auch Gärten und Hecken. Inzwischen ist sie in dieser gebirgigen Gegend weit verbreitet. Dabei machen ihr Höhen von bis zu 1.600 Metern nichts aus.

Diese Würgeschlange kann zwei Meter lang werden und ist kräftig gebaut. Doch keine Angst, ihre Beute sind kleine Nagetiere, die ihr vor die Nase laufen. Fangen sollte man sie – wie alle anderen heimischen Schlangen – trotzdem nicht. Denn erwischt man die Äskulapnatter nicht richtig, dann kann sie in dieser für sie bedrohlichen Situation schon
einmal zubeißen.

“Bewölkt und warm, das ist das perfekte Schlingnattern-Wetter.”

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Die ungiftige Schlingnatter wird oft mit der Kreuzotter verwechselt.

Schlingnatter

Der Name der Schlingnatter bezieht sich auf die Art und Weise, wie sie ihre Beute erlegt: Sie umschlingt sie blitzschnell und verschlingt sie anschließend lebend.

Sie liebt die Wärme, aber keine direkte Sonne. Eine Besonderheit der Schlingnatter ist, dass sie in offene Wiesen geht und kein Gehölz oder ähnliche Unterschlüpfe braucht. Man findet sie daher auch auf Böschungen und bei Bahndämmen. Trotzdem ist sie eine der am schwierigsten auffindbaren Schlangenarten, weil sie ein sehr verstecktes Leben führt.

Oft wird die Schlingnatter mit der Kreuzotter verwechselt. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden ist, dass die Kreuzotter ein durchgehendes Zickzack-Muster auf dem Rücken hat und ein X im Nacken. Bei der Schlingnatter ist der Rücken eher gefleckt und auf dem Hinterkopf hat sie ein verkehrtes U.

Deshalb gilt:

“Man darf sich kein X für ein U vormachen lassen”

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Die Kreuzotter hat ein durchgehendes Zickzack-Muster auf dem Rücken und ein X im Nacken.

Kreuzotter

Die Kreuzotter ist die einzige Giftschlange, die im Gesäuse zu finden ist. Im Talboden ist ihr Vorkommen nicht belegt, doch ist es gut möglich, dass sie entlang der Bäche auch ins Tal zieht. Grundsätzlich bevorzugt sie aber die Berge.

Die Kreuzotter ist zwar giftig, doch scheu und bei richtigem Verhalten
also z.B. gutem Schuhwerk bei Bergtouren – droht wenig Gefahr. Wenn Du ein Exemplar entdeckst, empfiehlt sich ein Sicherheitsabstand von einem Meter, damit sie sich nicht in die Enge getrieben fühlt. Wenn man eine Begegnung mit ihr vermeiden will, sollte man beim Gehen stets fest auftreten, damit sie die Erschütterung spürt und den Weg freimacht.

Eine Besonderheit in alpinen Gegenden ist die Höllenotter – eine durchgehend schwarze Kreuzotter –, die oft mit älteren Ringel- oder Äskulapnattern verwechselt wird.

7 kuriose und nützliche Fakten zu Schlangen:

1Auf der faulen Schlangenhaut liegen

Schlangen zählen zu den faulsten Tieren überhaupt. Sie liegen den halben Tag nur regungslos herum und sind wahre Morgenmuffel. Daher ist zu Mittag die beste Zeit, um Schlangen zu beobachten. Außer an heißen Tagen, da suchen die Reptilien meist Schutz im Schatten.

2Schlangen-Diät

Da Schlangen sich nicht viel bewegen, brauchen sie auch nicht viel Nahrung aufzunehmen. Es reicht, wenn sie etwa ein Mal pro Woche ein Beutetier verspeisen. Während der Paarungszeit und wenn sie sich häuten, dann fällt auch diese Mahlzeit meist aus.

3Nur mit Fußbodenheizung

Schlangen lieben handwarmen Boden zwischen 20 und 30 Grad Celsius. In der prallen Sonne wird es ihnen schnell zu heiß und sie flüchten in den Schatten oder unter die Erde. Aufgrund ihrer Faulheit ist ihnen warmes aber bedecktes Wetter mit einer Lufttemperatur von 20 bis maximal 26 Grad am liebsten. So müssen sie nicht ständig ihr Plätzchen wechseln, wenn sie es sich gerade gemütlich gemacht haben.

4Schlangen auf der Piste?

Mittlerweile gibt es auch im Winter Schlangenfunde. Denn bei acht bis zehn Grad Bodentemperatur kommen sie bereits aus ihrem Winterquartier um ein bisschen Sonne zu tanken. Werden sie dann von einer Wolke überrascht und der Boden kühlt ab, schafft die Schlange es oft nicht mehr in ihren Unterschlupf und erfriert.

In der Regel trifft man ab Ende März auf die ersten Schlangen. Im August gibt es meist eine Sommerpause. Und mit Ende Oktober geht die Fundhäufigkeit wieder zurück.

5Bergschuhe als fester Bestandteil einer Wanderung!

Nicht nur für den guten Halt beim Wandern über Stock und Stein sind Bergschuhe unverzichtbar. Sie bieten auch den nötigen Schutz vor Schlangenbissen in den Bergen. Denn durch das feste Schuhwerk kommen die spitzen Zähne nicht durch. Bei Sandalen hingegen sind die Füße nicht gut geschützt.

Schlangen würden nie von sich aus angreifen: Lieber machen sie sich aus dem Staub, wenn sie können. Die Kreuzottern etwa flüchtet in ihren Unterschlupf oder bergab. Da kann ein hoher Bergschuh gute Dienste erweisen, denn in den Bergen finden Begegnungen mit Schlangen meist beim Hinaufgehen statt.

6No-Go bei Schlangenbiss: Gift aussaugen oder Wunde aufschneiden

Entgegen der landläufigen Meinung sollte ein Schlangenbiss keinesfalls ausgesaugt oder die Wunde zum Ausbluten aufgeschnitten werden. Wenn jemand tatsächlich von einer Schlange gebissen wird, dann ist Ruhe bewahren das oberste Gebot.

Selbst wenn es sich bei der Schlange um eine Kreuzotter handelt, so ist das kein Grund zur Panik. Es tut zwar weh, bei entsprechender medizinischen Versorgung sollte der Biss aber keine schlimmen Folgen haben.

Als Erstversorgung beim Biss durch eine Giftschlange gilt: Beruhigen, Wunde bzw. Schwellung kühlen und trinken, trinken, trinken. Und dann ab zum nächsten Arzt oder ins Krankenhaus.

7Vorsicht bei “Schnapp”schüssen

Beim Fotografieren passieren übrigens die häufigsten Unfälle mit Schlangen. Nämlich dann, wenn sich die BeobachterIn zu nahe heranwagen. Die Biss-Reichweite beträgt ungefähr ein Drittel der Körperlänge des Tieres. Es gilt also mindestens ein halber Meter Sicherheitsabstand beim Fotografieren.

Überhaupt werden die meisten Menschen in die Hand gebissen: Etwa beim Pilze- und Heidelbeer-Sammeln aber auch beim Klettern in nicht ganz steilem Gelände.

Daher gilt: Augen auf und mit Respekt in der Natur bewegen!

Weitere Naturerlebnisse im Nationalpark Gesäuse findest du hier.

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... allerdings nur mit starker Begleitung. Schließlich war die Drachenhöhle schon vor 50.000 Jahren bewohnt. Von der letzten Begegnung mit einem Höhlenbären gibt es sicher kein Foto. Sehr lebendig sind dafür die zahlreichen Fledermäuse, die hier ein ideales Winterquartier gefunden haben. Aus rechtlichen und ökologischen Gründen ist ein Besuch der Höhle ausschließlich im Rahmen der Führungen gestattet.

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Inhaltlich wird sich der bekannte Naturfotograf und „Wildlife Photographer of the Year“-Preisträger Ewald Neffe nach einer kurzen theoretischen Einführung über Technik (Objektiv, Brennweite, Stativ,...), Bildausschnitt, Bildaufbau, Motivsuche vor allem mit der praktischen Umsetzung beschäftigen: das Prinzip „learning by doing“ macht augenscheinlich, wie gute Fotos durch das gezielte Zusammenspiel von Bildidee, Gestaltung und Kameratechnik entstehen. Mit vielen anschaulichen Beispielen aus der Praxis erläutert Ewald Neffe die Zusammenhänge der Kameratechnik und lüftet das Geheimnis technisch perfekter Bilder.

Leitung: Ewald Neffe

Termin: Samstag, 24. August 2019

Zeit: 9 bis ca. 16 Uhr

Treffpunkt: Gasthof Kölblwirt, Johnsbach

Kosten pro Teilnehmer/in: € 79,- min. 5, max. 8 Teilnehmer/innen

Mitzubringen sind: Fotoausrüstung, Wanderkleidung, Regenschutz

Anmeldung: Bis 1 Woche vor Kursbeginn mittels unten angeführten Anmeldeformular!

Ewald Neffe fotografier mit Olympus!

Referent: Ewald Neffe
Lebt in St. Ruprecht/Raab (Stmk). Vom Beruf Optiker sowie Naturfotograf aus Leidenschaft. Ebenfalls Herausgeber zahlreicher Publikationen sowie vielfacher Preisträger nationaler und internationaler Fotowettbewerbe.

Betreuung: Nationalpark Gesäuse

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