Dadurch ist sie schon viel herumgekommen: als Bio-Austria-Gemüsebauberaterin in ganz Österreich, dann über den Ozean nach Amerika, wo sie am Stone Barns Center im Young-Farmers-Programm teilnahm, um anschließend auf Betrieben in Deutschland ihr angewachsenes Wissen anzuwenden. Mittlerweile ist sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und bringt frischen Wind in den elterlichen Betrieb. Und dort haben Schmetterlinge einen ganz besonderen Stellenwert bekommen.
Die Faszination für die Natur hat sie nie losgelassen – sie war nur zeitweise ein wenig untergegangen. „Natur hat mich immer fasziniert, aber ich habe zwischenzeitlich verlernt, wirklich darüber zu staunen“, sagt Alexandra rückblickend. Genau dieses Staunen wollte sie sich zurückholen – und mit anderen teilen. Diese Motivation gab den Ausschlag, gemeinsam mit ihrer Schwester den Instagram-Kanal „Herz und Halm“ ins Leben zu rufen. Dort teilen die Beiden die kleinen Naturgeschichten ihres Alltags: Beobachtungen, die sie selbst immer wieder neu begeistern. Besonders Schmetterlinge sorgen bei den Schwestern immer wieder für Gesprächsstoff. Dass ausgerechnet die bunten Falter so viel Raum in ihren Erzählungen einnehmen, hat einen guten Grund. „Weil Schmetterlinge für die meisten eigentlich etwas Alltägliches, ja fast Banales sind. Bis man genauer hinschaut und merkt: Wow, da gibt’s unfassbar viel zu entdecken!“, erklärt Alexandra.
Oft hat man nur das erwachsene Tier vor Augen, dabei ist das in den meisten Fällen die kürzeste Phase im gesamten Leben dieser Insekten. Dieser Perspektivwechsel hat bei Alexandra einen Prozess angestoßen. Sie hat in diesem Frühjahr bewusst innegehalten und sich eine ganz praktische Frage für ihren Alltag gestellt: „Haben wirklich alle Phasen im Lebenszyklus eines Schmetterlings Platz auf unserem Betrieb?“
Raupenfutterpflanzen
Alexandra hat ihre Spurensuche bei den Raupenfutterpflanzen begonnen. Dabei hat sie schnell gemerkt, wie verblüffend vielfältig die Wege sind, die die Natur hier eingeschlagen hat. Was letztlich gefressen wird, ist strikt von der jeweiligen Art abhängig. „Es gibt die sehr Wählerischen, die wirklich nur an einer ganz bestimmten Art knabbern, während andere als Auswahlkriterium gefühlt einfach nur ,Hauptsache grün‘ haben“, erklärt sie. Wer die Vielfalt gezielt fördern möchte, muss diese spezifischen Bedürfnisse zuerst einmal kennen. Viel häufiger als gedacht sind es eher unscheinbare Pflanzen, wie zum Beispiel Gräser, die für die Entwicklung der Raupen die entscheidende Grundlage bilden.
„Haben wirklich alle Phasen im Lebenszyklus eines Schmetterlings Platz auf unserem Betrieb?“
„Was ich anfangs gar nicht so auf dem Schirm hatte, waren Bäume und Sträucher. Weiden oder Schlehen sind beispielsweise extrem beliebt.“ So dürfen Brennnesseln auf einigen sonnigen Plätzchen bei ihr stehen bleiben – die Hotspot-Pflanze für Schmetterlingsraupen. Bei anderen Arten wie beispielsweise dem Schwalbenschwanz funktioniert das Prinzip „Teilen“ ganz unkompliziert. Das liegt an seiner speziellen Strategie: Im Gegensatz zum Großen Kohlweißling, dessen Raupen oft in größeren Gemeinschaften auftreten, setzt der Schwalbenschwanz auf „Einzelplätze“. Da die Eier einzeln abgelegt werden, bleibt der Fraßschaden, an z. B. Fenchel oder Petersilie, überschaubar. Alexandra sieht das ohnehin pragmatisch: „Nicht jede Art ist immer zu hundert Prozent mit meinen eigenen Zielen kompatibel, aber da ist es mir wichtig, einen guten Kompromiss zu finden.“
Strukturen
„Ich finde, ,Strukturen‘ ist ja so ein klassisches Naturschutzwort. Ich hab mir immer gedacht: Was ist eigentlich mit diesen Strukturen wirklich gemeint und wie hängen die mit Faltern zusammen?“
Die Antwort fand sie in der Biologie der Falter selbst. Schmetterlinge durchlaufen zwei Phasen in ihrem Leben, in denen sie vollkommen unbeweglich und damit schutzlos sind: als Ei und als Puppe. Es ist leicht vorstellbar, dass sie in dieser Zeit besonders sensibel auf äußere Einflüsse reagieren. Genau hier kommen Elemente wie Totholz, stehen gelassene alte Stängel, Laubhaufen, ungestörte Bodenstellen oder Steinhaufen, also sogenannte Strukturen, ins Spiel. Für Schmetterlinge sind das lebensnotwendige Rückzugsorte: „Das sind die Orte, an denen sie geschützt ihre unbewegliche Phase überstehen und gegebenenfalls auch gleich den ganzen Winter verbringen.“
Nektar
Nektar ist die Nahrung der Wahl für die meisten erwachsenen Schmetterlinge. Alexandra vergleicht Blühflächen gerne mit einem Staffellauf: „Blühflächen müssen über die ganze Saison hinweg Nahrung bieten – wie ein Staffellauf, bei dem eine Blüte die nächste ablöst. Ein kurzer Überfluss nützt wenig, wenn danach wochenlang Leere herrscht. “ Alexandra hat den eigenen Betrieb deshalb mit einem neuen Blick betrachtet. „Mir ist dabei aufgefallen, dass unser Hof für den Zitronenfalter bisher nur ein Durchzugsort war. Er fliegt zwar vorbei, aber er bleibt nicht. Warum? Weil uns der Faulbaum fehlt – die Lieblingspflanze seiner Raupen.“ Anderen interessierten Betrieben empfiehlt sie: „Schau nicht nur auf die Falter, die über dein Land fliegen. Frag dich, ob sie auch bleiben könnten. Oft macht ein einziges fehlendes Puzzleteil den Unterschied. Bei mir ist es der Faulbaum. Was ist es bei dir?“
Wertvolle Futterpflanzen
» Faulbaum: Zitronenfalter
» Schlehe: Zipfelfalter wie Nierenfleck-Zipfelfalter
» Wiesen-Schaumkraut: Aurorafalter
» Hornklee: Bläulinge wie Himmelblauer Bläuling
Das hier ist nur eine kleine Auswahl. Wenn du es ausführlicher wissen
willst, empfehlen wir:
FloraWeb - Schmetterlingspflanzen
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