Viele Almen stehen vor ihrer Auflassung. Sie sind auf die Hilfe Freiwilliger angewiesen. Mitten im Naturpark Karwendel im imposanten Lalidertal wird aktuell das Handy gegen Spitzhacke und Zwicke getauscht, wird geschwendet und entsteint und vielleicht auch ein neues (Selbst-)Bewusstsein entdeckt.

Seit Jahrhunderten treiben die Bauern im Lalidertal im Karwendel ihr Vieh auf die Almen, im Frühsommer und Herbst auf die Niederleger, im Hochsommer auf die Hochleger auf 1.800 m.

Hier findet man eine uralte Kulturlandschaft, eingebettet in die Wildheit und Ursprünglichkeit dieses Tales, umrahmt von den imposanten, senkrecht aufragenden, Felswänden mit den klingenden Namen:

  • Laliderer Falk, 
  • Turmfalk,
  • Totenfalk, 
  • und Steinfalk.

Im Talschluss die alles überragende Laliderer Spitze und zu ihren Füßen die Falkenhütte.


Dass die Natur ständig in Bewegung ist und ständig bewegt, wird hier mehr als deutlich. Die Kraft des Wassers formt den Bach und seine Schotterbänke. Im Winter donnern Lawinen von beiden Seiten ins Tal, reißen Bäume mit, legen Sträucher flach. Der Erhalt der Almflächen ist ein mühevolles Ringen und ein ständiger Kampf gegen die Naturgewalt. 
Simon Wolf – einer von acht Almbauern im Lalidertal:

„Früher gab es einen eigenen 'Almputzer', der hat den ganzen Sommer nichts anderes getan, als die Almen zu entsteinen, Sträucher und Bäumchen wegzuschneiden.“ 
 

Image
Die Weideflächen im Lalidertal sind rar und brauchen viel Pflege.

Wir stehen im Talboden auf einer Wiese, die von Steinen übersäht ist, zum Teil von Gras überwuchert. Simon: „Hier wurde schon seit rund 30 Jahren nichts mehr getan. Die Futterfläche wird durch die vielen Steine immer geringer, die Tiere finden zu wenig Gras.“

Image
Erst die Jahrhunderte alte Kulturlandschaft ermöglicht die reiche Artenvielfalt auf den Almen.

Das Schicksal der Almen

Der Wert der Almen für den Naturschutz, für das Landschaftsbild und damit auch für den Tourismus ist mittlerweile weithin bekannt. Es hat sich herumgesprochen, dass die Almen eine Kulturlandschaft sind, die eine reiche Artenvielfalt beherbergt, den Boden vor Erosion schützt und dem Auge guttut. Dazu kommen regionale Almprodukte wie Milch, Butter, Käse und mancherorts auch Fleisch, die auch wirtschaftlich gesehen einen immer höheren Stellenwert bekommen. 


Auch im Lalidertal wurde die Milch in früheren Zeiten direkt verarbeitet. Heute wird hauptsächlich Galtvieh – also Tiere, die keine Milch geben – aufgetrieben. Ein Schicksal vieler Almen und meist der letzte Schritt vor der tatsächlichen Auflassung.

Der Plan

Um diesem Trend entgegen zu wirken, haben einige Bundesländer, unter ihnen das Land Tirol, eigene Fördermaßnahmen für die Almen entwickelt. Der „Naturschutzplan auf der Alm“ vereint die Interessen der Almbauern und-bäuerinnen und jene des Naturschutzes, die meist nicht weit auseinanderliegen. Denn viele Arten, die heute schützenswert sind, seien es Orchideen oder auch Raufußhühner wie das Birkhuhn, sind auf lichte, reich strukturiere Flächen angewiesen.  

Der „Naturschutzplan auf der Alm“ sieht vor, in einem 3-jährigen Förderpaket, gezielt Maßnahmen auf zuvor genau ausgewiesenen Flächen in (aktuell vier) Naturparken in Tirol umzusetzen. Die Almbewirtschafter und –bewirtschafterinnen, die hier mitmachen, sind gefordert, die Maßnahmen nun auch wirklich umzusetzen, denn nur wenn die Ziele nach drei Jahren auch nachweislich erreicht werden, fließt das Fördergeld. Aber wer kann es sich heute noch leisten, die Almen zu pflegen? 

„Wir Almbauern haben schon viel selbst umgesetzt, aber mehr als arbeiten können wir auch nicht. Personal anzustellen ist bei diesem großen Arbeitspensum unerschwinglich.“

Image
Naturpark-Rangerin Marina leitet das Team Karwendel.

Die Umsetzung

Hier kommen nun der Alpenverein mit seinen Umweltbaustellen und Bergwaldprojekten sowie im Naturpark Karwendel das Team Karwendel zum Einsatz.

Marina Hausberger, Naturpark Rangerin Karwendel, freut sich über die Zusammenarbeit mit dem Alpenverein, der die gesamte Organisation und die Buchungen für die Woche übernimmt.

Sie selbst betreut die Teilnehmer und Teilnehmerinnen während der Freiwilligenwoche auf der Alm. Übernachtet wird auf dem urigen Lalidersalm-Niederleger auf 1.526 m. Gekocht wird selbst - jeden Tag frisch versteht sich. „Ich hoffe, die Vorräte reichen, denn das nächste Geschäft ist in Achenkirch. Eine Autofahrt von rund 1h 30min in eine Richtung.“

Die Arbeitseinsätze selbst seien durch den „Naturschutz Plan auf der Alm“ klar definiert, da müsse man nicht viel planen. Bei der Umweltbaustelle wurde die Alm nach 30 Jahren wieder geschwendet, entsteint und aufgeräumt.

Bemerkenswert sei in den Augen von Marina aber vor allem das Alter der Teilnehmer und Teilnehmerinnen: „Bei unseren 1-2-tägigen Team Karwendel Einsätzen bewegt sich die Altersgruppe zwischen 45 und 60 Jahren, hier auf der Umweltbaustelle zwischen 16 und 30!“

Der Alpenverein habe wohl einen besonders guten Zugang zu jungen Menschen und wisse auch, wie man sie mobilisieren kann.

„Jetzt koche ich in der Früh Kakao anstelle von Kaffee.“

7 gute Gründe, selbst Volunteer zu sein

1Energie im Überschuss

Kraft und Ausdauer sind im Übermaß vorhanden – da kann man die Energie auch gleich in die richtigen Bahnen lenken und etwas Sinnvolles daraus machen.

2Wissen motiviert

Image
Steinriegel sind ein begehrter Lebensraum und fördern die Artenvielfalt.

„Früher hab ich mich oft gefragt, warum auf der Wiese Steinhaufen liegen. Jetzt weiß ich warum.“
Man tut nicht einfach irgendetwas, sondern die Arbeit hat einen essentiellen Wert für die Bauern, für das Vieh und darüber hinaus für die Artenvielfalt auf den Almen. Es gibt genaue Anweisungen der Almbauern, Erklärungen der Naturpark-Rangerin. Was man hier lernt, hat Hand und Fuß, geht auf uraltes Wissen zurück und ist wissenschaftlich belegt.

3Theorie versus Praxis

„Ich studiere Umweltsystemwissenschaften in Graz.“
Ökologie, Klima, Zusammenhänge erkennen – das ist das Eine, das Andere ist aber auch die praktische Umsetzung, die aus der Theorie eine bewusste Lebenseinstellung macht.  

4Mehr als nur zu Besuch

Image
Mitgestalten und Teil eines Teams sein.

Die Berge als Gast zu besuchen ist schön. Tägliches Arbeiten auf der Alm mit Übernachtung in einer urigen Hütte, wo selbst gekocht wird, das Bergerlebnis hautnah bei jedem Wetter erleben, ist aber mehr, als nur zu Besuch sein, das ist dabei sein, mitgestalten, ein wichtiger Bestandteil sein. 

5Der Mensch in uns

Sich jeden Tag abrackern, schwitzen, von oben bis unten voll Erde, Harz und Sägespäne sein… alle sind gleich. Hier ist man einfach nur der Mensch, ohne sozialen Status, ohne Fassade. Hier wird man so angenommen, wie man wirklich ist.

6Eine Woche mit Freunden

Die gemeinsame Arbeit, das Leben auf engem Raum ohne viele technische Hilfsmittel, ohne die Möglichkeit, sich in die virtuelle Welt zu verkriechen, die Notwendigkeit, sich selbst zu versorgen – das alles braucht die aktive Auseinandersetzung mit sich selbst und den anderen. Das verlangt nach Kommunikation, nach Hilfsbereitschaft, nach sozialer Kompetenz – oder einfach nach Freundschaft. 

7Urlaub für den Geist

Image
Ein Baumschwamm auf einem abgestorbenen Ahorn - der Kreislauf der Natur.

„Eine Woche lang an nichts denken.“
Ja, das geht im Lalidertal. Das Handy ist hier nutzlos, kein Netz, kein Facebook, keine E-Mails. Nicht einmal den Wetterbericht kann man abfragen – aber das macht nichts, das Wetter ist ohnehin so, wie es ist und gearbeitet wird bei jeder Witterung.

Gedanken, die uns im Hamsterrad des Alltages martern, können hier bewusst ausgeschalten werden, verlieren nach und nach an Bedeutung und werden vom Fokus auf das Hier und Jetzt verdrängt. Urlaub für den Geist, denn der Rhythmus der Arbeit, die Erfüllung eines Sinns und die Freude am Ende des Tages über das Vollbrachte erdet und macht zufrieden. 

 

Wissen, wo der Hase läuft.

1.000 Infoseiten und 4.000 Ausflugstipps zur Natur in Österreich. Jetzt registrieren auf Österreichs größter Plattform für Naturerlebnisse!

Hier registrieren

Verwandte Naturerlebnisse

no reuse 20 irrlichter und moorgeister

Irrlichter und Moorgeister

6. Aug. Ab 17:15 |
Oberösterreich
Icon Pin_brown

Ibm 52
Eggelsberg 5142
Österreich

Eggelsberg, 5142

Veranstalter: Naturschauspiel Oberösterreich

Wenn sich die nächtliche Finsternis über das Land legt, machen wir uns auf ins Ibmer Moor. In diesem größten Moorkomplex Österreichs finden seltene Tiere und Pflanzen ideale Lebensbedingungen. Wir spüren im Laternenschein die beeindruckende Stimmung und Mystik dieser sagenumwobenen Urlandschaft und ergründen so manches Moorgeheimnis.
www.naturschauspiel.at
Individuelle Termine für Gruppen ab 7 Personen nach Vereinbarung.

Irrlichter und Moorgeister
Der Fährte folgen
Wetterhexen in den Nockbergen

Wetterhexen in den Nockbergen - Eine Erzählung

6. Aug. Ab 17:30 |
Kärnten
Icon Pin_brown

St. Oswald 1
Nockalmstraße 9546
Österreich

Nockalmstraße, 9546

Veranstalter: Biosphärenpark Nockberge

Das Wetter zu verändern oder vorherzusagen beschäftigt uns seit jeher. Früher kam man als selbsternannter "Wettermacher" sogar vor Gericht - man sprach von Hexerei. Heute ist der Glaube an einflussreichen Zauber vergangen. Oder doch nicht? In den Nockbergen zeigt sich das Wetter besonders launisch - binnen weniger Minuten kann es höchst gefährlich werden. Doch was, wenn sich Unheil in der Nachbarschaft verbirgt?

In Zusammenarbeit mit dem Sagamundo - Haus des Erzählens (Döbriach) sowie dem Biosphärenpark Nockberge wird das Schauspiel auf der Naturbühne des Naturbegegnungsparks Silva Magica zu sehen sein.

Für Kinder ab 13 Jahren geeignet.

Wetterhexen in den Nockbergen - Eine Erzählung
Der Fährte folgen
no reuse Buch dir deinen Guide Ranger

Buch dir deinen Guide

6. Aug. Ab 22:00 |
Steiermark
Icon Pin_brown

Hauptstraße 35
Admont 8911
Österreich

Admont, 8911

Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Nationalpark Ranger/innenZu den schönsten Plätzen des Nationalparks Gesäuse – individuell und persönlich betreut durch unsere Nationalpark Ranger/innen. Ihr/e Nationalpark Ranger/in kennt nicht nur unglaublich viele Tiere und Pflanzen, sondern auch viele Geschichten: vom Leben der Natur, über Almwirtschaft und Erzabbau bis hin zur Sagenweltdes Gesäuses.

Berg- und Wanderführer/innen
Sich auf schwierige Wanderwege und Felsschluchten ins Hochgebirge wagen oder im Winter eine atemberaubende Skitour ohne Sorge um Orientierung bestreiten. Die Berg- und Wanderführer/innen garantieren nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit und Professionalität, sie kennen auch unzählige Besonderheiten und Geheimnisse: Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem sagenumwobenen Peternpfad?

Termin: nach Vereinbarung

Nationalpark Ranger/in:
Pauschalbetrag € 255,- / ganztags $Pauschalbetrag € 170,- / halbtags

Bergführer:
ab € 360,- / Tag, je nach Anforderung

Bergwanderführer/in:
ab € 230,- / Tag, je nach Anforderung

Buch dir deinen Guide
Der Fährte folgen