Vögel können Glas nicht als Hindernis erkennen und Spiegelungen nicht von der Natur unterscheiden. Hunderte Millionen unserer gefiederten Freunde gehen daher weltweit jedes Jahr bei Kollisionen mit Bauwerken zugrunde. Der Anprall an Glasflächen gilt nach der Lebensraumzerstörung als eine der häufigsten anthropogenen Todesursachen bei Vögeln.

Gefährliche Bauwerke

Wer die Problematik der Kollisionen mit Glas kennt, beobachtet vielerorts für Vögel gefährliche Situationen. Transparente Gänge, die Gebäude verbinden oder Wind- und Lärmschutzwände gehören typischerweise dazu, ebenso Glasfronten, in denen sich Sträucher und Bäume spiegeln. Man muss nirgends lange suchen, um Bauwerke mit solchen Problemstellen zu finden.

Anprallspuren

Größere Vögel wie Tauben hinterlassen deutliche Abdrucke, die Anprallspuren wenige Gramm schwerer Kleinvögel sind kaum zu sehen. Dass unsere Straßen nicht mit Vögeln "übersät" sind liegt daran, dass Kollisionsopfer vielfach nicht sofort tot, sondern schwer verletzt sind und noch in ein Gebüsch flattern. Die Entsorgung der Kadaver ist von der Natur durch Ratten, Krähen und Marder gut organisiert.

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Bei hochstehender Sonne sind Anprallspuren deutlich zu erkennen.

Bei hochstehender Sonne sind Anprallspuren auf Glasflächen deutlich zu erkennen.

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Mehrere Anprallspuren auf einem Quadratmeter Glasfläche zeugen von der Gefahr, die von dieser Vogelfalle ausgeht.

Mehrere Anprallspuren auf einem Quadratmeter zeugen von der Gefahr, die von dieser Vogelfalle ausgeht.

 

Unwirksame Greifvogelaufkleber

Die in guter Absicht aufgeklebten Greifvogelsilhouetten sind leider wirkungslos. Schon Konrad Lorenz hat nachgewiesen, dass sich ein Greifvogel in der für ihn typischen Art und Weise bewegen muss, um von seiner Beute als Feind erkannt zu werden. Aus diesem Grund lösen Vogelaufkleber keine Fluchtreaktion aus und viele Vögel prallen unmittelbar neben diesen Aufklebern gegen die Glasscheibe.

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Zweifelhafte UV-Markierungen Auch sogenannte "UV-Markierungen" verhindern Vogelanprall nur unzureichend oder gar nicht. Wahrscheinlich hat die Fähigkeit mancher Vogelarten auch im UV-Bereich zu sehen keine Bedeutung für die Orientierung beim Flug. Die entsprechenden Studien finden sich bei den Publikationen der Wiener Umweltanwaltschaft.

Zweifelhafte UV-Markierungen

Auch sogenannte "UV-Markierungen" verhindern Vogelanprall nur unzureichend oder gar nicht. Wahrscheinlich hat die Fähigkeit mancher Vogelarten auch im UV-Bereich zu sehen keine Bedeutung für die Orientierung beim Flug. Die entsprechenden Studien finden sich bei den Publikationen der Wiener Umweltanwaltschaft.

 

Alternativen zu durchsichtigem Glas

Für Situationen in denen keine Durchsicht erforderlich ist, werden zahlreiche für Vögel unbedenkliche Glasarten wie Milchglas, transluzentes oder mattiertes Glas angeboten. Auch Gussglas, Profilglas und Glasbausteine werden von Vögeln als Hindernis erkannt.

Wirksame Schutzmaßnahmen

Lamellen, Brises Soleils und Außenjalousien dienen vor allem dem Thermomanagement, können aber je nach Ausführung Vogelanprall an den dahinterliegenden Glasflächen mehr oder weniger wirksam verhindern. Auch Holzlattungen, Metallgitter und Streckmetallelemente schützen Vögel grundsätzlich vor einer Kollision mit dahinterliegenden Glasflächen.

Jalousien und Insektengitter

Auch das Verhalten der Nutzer und Nutzerinnen hat Einfluss auf die Häufigkeit von Vogelkollisionen. Tagsüber können helle Innenvorhänge oder –jalousien zwar die Spiegelung reduzieren, einen effektiven Vogelschutz bietet dies aber in der Regel nicht.

Künstliches Licht kann Vögel in ihrer Orientierung stören und Zugvögel von ihrer Route abbringen. Einfache Maßnahmen wie das Ausfahren von Außenjalousien und das Schließen von Vorhängen mit dem Einschalten der Innenbeleuchtung kann Vögeln das Leben retten.

Pflanzen und Glas

Futterhäuschen und Pflanzen sind attraktiv für Vögel und sollten sich daher nicht in der Nähe von Glasflächen ohne Vogelschutz befinden. Durch die verstärkte Vogelaktivität erhöht sich das Anprallrisiko. Dies gilt sowohl für Zimmerpflanzen hinter dem Glas als auch für Bepflanzungen vor dem Glas wie bei vielen Fassadenbegrünungen.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Die Wirksamkeit von Glasmarkierungen wird in der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf nach den Regeln der ONR 191040 geprüft. Für die Beringung gefangene Vögel werden in einen 7 m langen Tunnel gesetzt, an dessen Ende sie die Wahl haben, entweder in Richtung einer markierten oder einer unmarkierten Glasscheibe zu flüchten. Ein unsichtbares Netz schützt sie vor dem Aufprall, sie werden nach einem Flug unbeschadet in die Freiheit entlassen. Entscheiden sich 50 % der Vögel für die unmarkierte und 50 % für die markierte Scheibe, ist das Muster unwirksam. Weichen mehr als 90 % aus, handelt es sich um eine hochwirksame Markierung. Geprüfte Muster sind im Folder der WUA zusammengestellt.

Kriterien für Vogelschutzglas

Markierungen müssen sowohl bei Durchsicht als auch bei Spiegelungen die gesamte Glasfläche bedecken. Es gilt die „Faustregel“: unmarkierte Flächen größer als 5x10cm können Vögeln als „Schlupfloch“ erscheinen und zu Kollisionen führen. Stark kontrastierende Farben wie Schwarz und Orange haben sich bewährt, Weiß ist nur vor dunklem Hintergrund oder bei einem Muster mit höherem Deckungsgrad zu empfehlen.

Vorreiter Wiener Linien und ÖBB

3 mm breite horizontale Streifen in 50 mm Abstand und 5mm breite vertikale Streifen in 100 mm Abstand leisten bei zahlreichen Bauwerken der Wiener Linien und der ÖBB gute Dienste. 9 mm große Aluminiumpunkte in einem 90 mm-Raster sind trotz des geringen Deckungsgrades von unter 1 % hochwirksam.

DIY – Vogelschutz am Wohnungsfenster

Schnell und einfach lassen sich Vogelfallen mit Schnüren entschärfen, die vor das Fenster gespannt werden. Bezugsquellen für Klebebänder und andere wertvolle Tipps finden sich auf der Homepage der Wiener Umweltanwaltschaft.

Über den Autor: Der Landschaftsplaner Wilfried Doppler ist Naturschutzreferent der Wiener Umweltanwaltschaft. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Lichtverschmutzung und Vogelanprall an Glasflächen.

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