Naturschutzprogramm FLORA verleiht Wiedehopf neue Flügel

Mehr Lesen

Rund die Hälfte der 200 heimischen Schmetterlinge gilt in Österreich als gefährdet. In Deutschland wird aktuell über ein dramatisches Insektensterben berichtet und die heimischen Vogelbestände dezimieren sich drastisch. Die Auswirkungen für unser gesamtes Ökosystem sind verheerend. Blühendes Österreich und BirdLife Österreich erhalten mit ihrem gemeinsamen Naturschutzprogramm FLORA ökologisch wertvolle Flächen und schützen Lebensräume für Vögel, Insekten und Pflanzen. Ökologen haben dieses Naturschutzprogramm nun erstmals evaluiert und berichten über erfreuliche Ergebnisse: für Wiedehopf und Wiesenknopf.

Alle Details zur Evaluierung des Naturschutzprogrammes FLORA gibt es hier zum Nachlesen!

„Up-Up-Up!“ tönt es auf oststeirischen Wiesen. Es ist das unverwechselbare Geräusch eines Wiedehopfs (Upupa Epops), der es sich in den Baumhöhlen alter Hochstammbäume gemütlich macht. Seinen Ruf hört man in Österreich immer seltener, denn für den wärmeliebenden „Wuderer“, wie man ihn auf gut steirisch nennt, wird es langsam eng. Mittlerweile gilt er in Österreich als stark gefährdet, da sein natürlicher Lebensraum – artenreiche Wiesen und höhlenreiche Altbäume wie man sie auf Streuobstwiesen findet – aus unseren heimischen Kulturlandschaften langsam verschwindet. Damit teilt er dasselbe Schicksal wie viele andere Tiere und Pflanzen, die für ihr Überleben auf das spezifische, ökologische Zusammenspiel ganz besonderer Biotoptypen angewiesen sind.

→ Hintergrundwissen: Diese Lebensräume sind in Österreich gefährdet oder sogar stark gefährdet und werden von Blühendes Österreich geschützt!

 

Naturschutzprogramm FLORA Wiedehopf

(c) Pixabay / Wiedehopf

„Mehr als 50 Prozent der tagaktiven Schmetterlingsarten Österreichs sind akut gefährdet, obwohl sie einen essenziellen Beitrag zu unserem Ökosystem leisten“, Peter Huemer, Schmetterlingsexperte und Beirat der Stiftung Blühendes Österreich.

Schmetterlinge in Österreich

  • 51,6% aller Tagfalter Österreichs gelten als gefährdet
  • 2% aller Tagfalter sind bereits ausgestorben
  • 40,3% aller heimischen Nachtfalter sind gefährdet
  • 4% aller Nachtfalter sind bereits ausgestorben

Ergebnisse aus dem Schmetterlingsreport 2017 „Ausgeflattert II – der stille Tod der österreichischen Schmetterlinge“ von Blühendes Österreich.

Gefährdetes Ökosystem

Die Gefährdung einer einzelnen Vogelart kommt leider selten alleine. Blühendes Österreich veröffentlichte zuletzt seinen aktuellen Schmetterlingsreport „Ausgeflattert II – der stille Tod der österreichischen Schmetterlinge“ und berichtete von dem großflächigen Rückgang heimischer Schmetterlingsarten.

„Gerade unsere Insekten wie z.B. Schmetterlinge sind stark gefährdet. Mehr als 50 Prozent der tagaktiven Schmetterlingsarten Österreichs sind akut gefährdet, obwohl sie einen essenziellen Beitrag zu unserem Ökosystem leisten“, berichtet Peter Huemer, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen und Beirat der Stiftung Blühendes Österreich.

 

(c) Josef Leitner / Trauermantel © Blühendes Österreich © REWE International gemeinnützige Privatstiftung

Kurs zu einem ökologischen Armageddon

Ähnlich erschreckende Nachrichten erreichen uns aus Deutschland, denn dort wird aktuell über einen dramatischen Insektenschwund von bis zu 75 Prozent berichtet. Veröffentlicht wurde diese Langzeitstudie im Fachmagazin PLOS ONE, die von Wissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden als überzeugend und absolut alarmierend eingestuft wurde.

„Insekten machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Wie es scheint, machen wir große Landstriche unbewohnbar für die meisten Formen des Lebens, und befinden uns gegenwärtig auf dem Kurs zu einem ökologischen Armageddon. Bei dem derzeit eingeschlagenen Weg werden unsere Enkel eine hochgradig verarmte Welt erben.“

(Dave Goulson, Co-Autor der Studie an der britischen Sussex University, im Gespräch mit die ZEIT ONLINE über das Insektensterben in Deutschland.)

Ein Königreich der Artenvielfalt

Doch auf einer prachtvollen Streuobstwiese im steirischen Sankt Margarethen an der Raab zeigt sich durch den Einsatz eines einzelnen Landwirtes erfreulicherweise ein ganz anderes Bild. „Irgendwann werden mich meine Kinder nach meinem Leben fragen und da möchte ich mit gutem Gewissen die richtigen Antworten geben können“, erklärt Wolfgang Stix – Naturschutzpartner von Blühendes Österreich – auf die Frage, warum er sich für den biologischen Obstanbau und die Pflege alter Streuobstwiesen einsetzt. Initiativen wie diese sind mittlerweile essentiell für den Fortbestand eines intakten Ökosystems.

 

Streuobstwiese

(c) Blühendes Österreich / Alex Papis

Lese-Tipp: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stix“- Die ganze Geschichte vom Bio-Bauern Stix gibt es hier zum Nachlesen.

„Einige Spechtarten wie Grünspecht und Wendehals, aber auch der Wiedehopf, suchen ihre Nahrung bevorzugt am Boden unter den Bäumen – sie sammeln dabei mit Vorliebe Ameisen, aber auch andere Insekten. Ihre Brut erfolgt ebenfalls in Baumhöhlen. Auch verschiedene Säugetiere nehmen das Obst als Nahrungsquelle an, etwa der Igel oder der Siebenschläfer. Die Wiesen unter den Obstbäumen sind ein Standort für verschiedene seltene oder gefährdete Pflanzen wie zum Beispiel diverse Orchideenarten“, berichtet der Naturschutzbund Österreich.

Der Niedergang der Streuobstwiese, um nur ein einzelnes Beispiel eines wichtigen Biotoptypus zu nennen, löst somit eine verheerende Kettenreaktion aus. Denn er bringt gleichzeitig den Rückgang von Grünspecht, Wiedehopf, Wildbienen, Wiesensalbei, Klein-Wiesenknopf, Igel, Siebenschläfer und vielen weiteren Tieren und Pflanzen mit sich. Kurz gesagt: Ein ganzes „Königreich unterschiedlicher Arten“ geht dadurch verloren.

 

FLORA blüht auf   

Wolfgang Stix wird somit im Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt zur wichtigen Leitfigur. Ähnlich wie 113 weitere Naturschutzpartnerinnen und –partner von Blühendes Österreich. 2014 wurde die Stiftung Blühendes Österreich von der REWE International AG gemeinsam mit BirdLife Österreich und OPST (Obst Partner Steiermark) gegründet. Frank Hensel, Vorstandsvorsitzender der REWE International AG, erklärt dazu: „Natürliche Vielfalt und Ökosystemleistungen sind die Voraussetzung für vielfältige und qualitativ hochwertige Lebensmittel. Die REWE International AG übernimmt mit Blühendes Österreich Verantwortung für den Schutz der Biodiversität und unserer Artenvielfalt. Die Landwirtinnen und Landwirte werden für eine ökologisch nachhaltige und extensive Bewirtschaftungsweise belohnt und gefördert“.

Streuobstwiese

(c) Blühendes Österreich / Alex Papis

Bis 2025 sollen mindestens 1.000 Hektar ökologisch wertvoller Flächen geschützt und erhalten werden. Das entspricht umgerechnet der Größe des Ossiacher Sees in Kärnten. Zur Umsetzung dieses Zieles entwickelte Blühendes Österreich ein eigenes Naturschutzprogramm unter dem Namen FLORA („Förderung von Landwirtinnen und Landwirten und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt“), das nun nach drei Jahren erstmals auf dem Prüfstand stand und von einem Expertenteam evaluiert wurde.

Dank FLORA werden mittlerweile 79 Hektar – umgerechnet 110 Fußballfelder – an wertvollen Flächen wie Streuobstwiesen, Magerrasen oder artenreiche Fettwiesen von 65 Landwirten in der Steiermark geschützt.

Naturschutzprogramm FLORA

v.l.n.r. Ronald Würflinger, Tanja Dietrich-Hübner, Frank Hensel, Gábor Wichmann © Blühendes Österreich – REWE International gemeinnützige Privatstiftung

„Mit FLORA schützt Blühendes Österreich gefährdete Lebensräume für besondere Arten wie Wiedehopf und Gartenrotschwanz sowie stark gefährdete Vögel wie Wendehals und Zwergohreule – wovon es je nur noch 50 Brutpaare in Österreich gibt. Die Besonderheit von FLORA liegt an der alleinigen Bewertung des Biotops aufgrund seiner naturschutzfachlichen Wertigkeit. Je wertvoller und bedrohter die Fläche ist, desto höher fällt die Prämie für unsere Partner aus“, berichtet Gábor Wichmann, Geschäftsführer BirdLife Österreich und Vorstandsmitglied Blühendes Österreich.

→ Interview-Tipp: Gábor Wichmann im Gespräch mit Blühendes Österreich. Erfahre mehr über den Vogelexperten und warum die intensive Landwirtschaft vielen Vögel zu schaffen macht!

FLORA schützt die Vielfalt

Nach drei Jahren FLORA ist nicht nur die Anzahl der geschützten Flächen gestiegen. Viele Pflanzen und Tiere, die als gefährdet oder sogar stark gefährdet eingestuft werden, können dank FLORA neue Lebensräume finden.

→ Mehr Details: Die wichtigsten Ergebnisse nach drei Jahren FLORA kannst du hier nachlesen!


Aufwind für den Wuderer

Der Vogel mit der prächtigen Federhaube, der auf steirischen Wiesen „Up! Up! Up!“* ruft, soll somit für FLORA zur „geflügelten Parole“ werden. Denn in diese Richtung – Aufwärts! – soll es auch für den Wuderer gehen. Und für die Zukunft der heimischen Artenvielfalt.

*Up = englisch hinauf, aufwärts

 

gefaehrdete Voegel

(c) 1. Wiedehopf / Pixabay, 2. Wendehals / Pixabay, 3. Zwergohreule / Otto Samwald / BirdLife


Weiterführende Artikel zu diesem Thema findest du hier:

Presseinformation_FLORA
FLORA – Die wichtigsten Ergebnisse der Evaluation
Tipps und Tricks für deinen Schmetterlingsgarten – zum Artikel
Presseinformation_Ausgeflattert_II
Report Ausgeflattert II_im Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark und Wien
Report_Ausgeflattert – zum Download
Citizen Science Report 2016 – zum Download
Schmetterlings App – zum Download
So bestimmst du einen Schmetterling – zum Artikel
Blühendes Österreich – Was wir tun
Bedrohte Lebensräume – Was wir schützen


Das Thema Naturschutz liegt dir am Herzen? Dann melde dich am besten gleich für unseren Newsletter an!

Ich stimme zu, dass diese Seite Cookies für Analysen verwendet.

Mehr Erfahren