Hände weg! 5 schützenswerte Frühlingsblumen

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Seit einigen Wochen leuchtet es jetzt schon violett, sonnengelb oder strahlend weiß in der Wiese. Die ersten zarten Frühlingsblumen verlocken dazu, sie zu pflücken und daheim in eine Vase zu stecken. Aber was wir beim Spaziergang durch Wiesen und Wälder als selbstverständlich ansehen, ist es oft gar nicht. Deshalb gilt: Vor dem Streifzug durch die erwachende Natur lieber zweimal nachlesen, ob die Blümchen der Begierde nicht doch gefährdet sind und unter Schutz stehen. Hier kommen 5 schützenswerte seltene oder bedrohte Frühlingsblumen.

©Pixabay.com/Küchenschelle/Pulsatilla

1 Kuhschelle/Küchenschelle

Wer Vertreter dieser Art in voller Blüte sehen möchte, muss sich beeilen. Die Große Kuhschelle oder Küchenschelle (Pulsatilla grandis) ist eine der allerersten am Frühlingsparkett und jetzt auf den Trockenrasen in Ostösterreich schon wieder am Verblühen. Aber nicht nur aufgrund der Jahreszeit ist Eile angesagt: Die Große Küchenschelle (Pulsatilla grandis) ist in Österreich regional stark gefährdet. Zu finden ist sie bei uns nur in Trocken- und Halbtrockenrasen in Ostösterreich (Wien, Niederösterreich, Burgenland). Blühendes Österreich unterstützt deswegen Landwirte dabei, ihre Trockenrasen in der Wachau und an der Thermenlinie weiterhin zu mähen und das Mähgut zu entfernen oder zu beweiden. Denn was die Kuhschellen gar nicht mögen: Flächen, die durch fehlende Beweidung oder Mahd verbrachen und wo sie durch Gehölze vertrieben werden. Aber auch auf eine zu intensive Nutzung des Bodens reagieren die Pflänzchen. Weder Düngung noch zu häufige Mahd oder zu starke Beweidung tun ihnen gut. Wer jetzt denkt – ein Pflänzchen mehr oder weniger, was macht das schon: Ein Aussterben würde den Verlust an vielen weiteren Arten nach sich ziehen und das Ökosystem weiter schwächen.

©Pixabay.com/Frühlings-Adonisröschen/Adonis Vernalis

2 Frühlings-Adonisröschen

Die Blüten des Frühlings-Adonisröschens (Adonis vernalis) sind groß, dottergelb und können bis zu 7 cm im Durchmesser haben. Ein perfekter Landeplatz für blütenbesuchende Insekten wie zum Beispiel Bienen, die sich von März bis April über das Festmahl an Pollen freuen. Umso wichtiger, die gefährdete Pflanze zu schützen. In Österreich ist sie nämlich nur in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland zu finden und generell sehr selten. In vielen europäischen Ländern gilt sie als stark gefährdet, in den Niederlanden und Weißrussland schon als ausgestorben. Das hat einerseits damit zu tun, dass Trockenrasen immer seltener beweidet werden und damit verbuschen.

©Pixabay.com/Echter Seidelbast/Daphne mezereum

3 Echter Seidelbast

Über seine rosa bis violetten, duftenden Blüten dürfen wir uns ab März freuen. Sie leuchten uns von kleinen Sträuchern am schattigen Waldrand entgegen und erscheinen noch vor den Blättern. Leider gilt die Pflanze (Daphne mezereum) in Österreich laut Roter Liste als regional gefährdet. Dabei ist sie so früh im Jahr vor allem für langrüsselige Insekten, von denen sie auch bestäubt wird, eine wichtige Nektarquelle. So werden neben Bienen und Hummeln Schmetterlinge wie der Zitronenfalter, das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs von den duftenden Blüten angelockt und stillen ihren Hunger nach dem Überwintern. Für uns Menschen ist die Pflanze hochgiftig, sogar der Duft, und verursacht Hautreizungen bzw. beim Verschlucken Magen-Darmbeschwerden und Nierenschäden. Möglicherweise kommt daher auch die volkstümliche Bezeichnung „Kellerhals“.

©Pixabay.com/Frühlings-Knotenblume/Leucojum vernum

4 Frühlings-Knotenblume

Die „große Schwester“ des Schneeglöckchens ist auch als Märzenbecher bekannt. Allerdings sind ihre sechs weißen Blütenblätter mit den grünen bis gelben Punkten an der Spitze etwas rundlicher und geschlossener – und sie duften. Die Frühlings-Knotenblume (Leucojum vernum) bevorzugt feuchte Standorte auf Auwiesen und -wäldern und blüht dort von Februar bis April. Die Wildbestände sind streng geschützt, in Österreich gilt sie laut Roter Liste als regional gefährdet. Ihr kommt einerseits der Lebensraum aufgrund von der Umwandlung naturnaher Wälder und der Trockenlegung von Mooren abhanden, andererseits setzen ihr auch scheinbar harmlose Blumen-Sammler zu. Deshalb gilt: So hübsch sie auch sein mag – wer eine Frühlings-Knotenblume entdeckt, lässt sie lieber auf der Wiese stehen.

©Pixabay.com/Hohe Schlüsselblume/Primula elatior

5 Hohe Schlüsselblume

Sie gehört zur Familie der Primelgewächse, wo es zum guten Ton gehört, sich schon früh aus dem Boden zu wagen: Primula lässt sich vom lateinischen „prima“ – die Erste ableiten und deutet wohl auf die frühe Blühzeit hin. In feuchten Wiesen, lichten Wäldern oder am Ufer eines Bachs findet man die zartgelben Blüten der Hohen Schlüsselblume, auch Waldschlüsselblume genannt, von März bis Mai. Ihren Nektar versteckt sie tief unten in der Blütenröhre und bietet damit vor allem Insekten mit langen Rüsseln Nahrung: Hummeln und Schmetterlinge haben hier einen Vorteil gegenüber Bienen. Die behelfen sich aber manchmal damit, die Pflanze von außen anzuknabbern, um an den süßen Nektar zu kommen. Auch den Raupen des etwa in Salzburg stark gefährdeten Schlüsselblumen-Würfelfalters (Hamearis lucina) dient sie als wichtige Nahrungsquelle. Leider stuft die Rote Liste auch die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) in Österreich als regional gefährdet ein. Auf trockenen Wiesen und in trockenen Wäldern findet man die ebenfalls gefährdete Frühlings-Primel oder Himmel-Schlüssel (Primula veris).


Veranstaltungstipp: Alles sprießt!

Wer die kommenden Wochenenden ganz und gar dem Lenz widmen möchte: Die Ranger des Nationalpark Thayatal führen noch an drei Sonntagen durch den erwachenden Frühlingswald. Auf Spuren von Seidelbast, Gelbem Hartriegel, Schneeglöckchen & Co. lässt sich verfolgen, wie die Natur ihren Lauf nimmt.

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