Heilkräuter sind die Schätze unserer Natur. Sie stärken unsere Gesundheit und lindern kleine und große Wehwehchen. Doch umgekehrt heilt die Natur nur schwer, wenn wir ihre Artenvielfalt gefährden. Blühendes Österreich setzt sich für die Biodiversität und den Schutz ökologisch wertvoller Flächen ein und will daher wissen, wie steht es mit dem Wohl unserer heimischen Heilpflanzen? Wir gehen zurück zu den Wurzeln uralten Kräuterwissens, erkunden wichtige Heilkräuter und schlendern mit Bergbäuerin und Kräuterexpertin Anna Holzer durch „das Paradies“ in Osttirol.
PLUS: Blühendes Österreich berichtet über 10 tolle Kräuterwanderungen und bietet wertvolle Tipps für die Hausapotheke.

Nur was man kennt, kann man auch schützen

„Eure Lebensmittel sollen eure Heilmittel sein“, zitiert Anna Holzer den alten Hippokrates, während sie in ihrem Garten an den Blüten einer Ringelblume zupft. Deswegen verarbeitet die pflanzenkundige Landwirtin nicht nur Heilkräuter für ihre g’schmackigen Wirtshausklassiker – von der „Unkrautsuppe“ bis zum „Quendel Hendl“. Anders als viele Hüterinnen und Hüter traditioneller Küchenkultur plaudert Anna ihre Kochtopfgeheimnisse gerne aus. Und zwar aus ihrer „natürlichen Überzeugung“: „Man kann nur schützen, was man auch kennt!“

Wer die Kraft des freundlichen Johanniskrauts, des heilenden Spitzwegerichs, der stärkenden Schafgarbe und der anderen Heilkräuter kennt, der geht mit offenen Augen durch den Wald und beginnt sie zu schützen: Die Schätze unserer Natur.

Hoch hinauf, auf den Spuren der Heilkräuter

Der Osttiroler Bergbauernhof Strumerhof, der wie ein Schwalbennest an den steilen Hängen des Zedlacher Paradies klebt, ist dabei ein beeindruckender Ausgangspunkt, um der Kraft der Heilkräuter im Rahmen einer Kräuterwanderung auf den Grund zu gehen. Umringt von den stolzen Gipfeln des Nationalparks Hohen Tauern kann die Reise beginnen.

Anna gibt ihr Wissen an Schulklassen, Pensionisten und Familien weiter, gestaltet in einem urigen Stadl Ausstellungen zum Thema Heilkräuter und bindet dabei andere Bauern und Bäuerinnen der Region ein, die die uralte Kräuterkunde auch für nachfolgende Generationen sichern wollen. Ihnen ist wichtig, dass sie ihre Geschichten über die wertvollen Heilkräuter, essbaren Wildpflanzen und gefährlichen Giftpflanzen nicht nur erwachsenen Menschen vermitteln. Sie wollen gerade die Jungen erreichen, denn sie sind die Naturschützerinnen und Naturschützer von morgen.

Gegen Unwissenheit ist ein Kraut gewachsen

„Von uns gibt es Gott sei Dank immer mehr“, erklärt Anna und meint damit die kräuterkundigen Menschen in ganz Österreich. Mit der Weitergabe ihres Wissens im Rahmen von Waldführungen, Bergtouren oder Kräuterwanderungen leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Naturschutz, der in Zeiten wie diesen immer wichtiger erscheint.

Nur 21 Prozent der 14- bis 25-Jährigen in Deutschland bewerten eine intakte Umwelt als wichtig für ein „gutes Leben“.

(aus der Studie Umweltbewusstsein in Deutschland 2016“ vom Deutschen Umweltbundesamt)

Rund 400 Kräutlein werden in Österreich in der Küche oder heimischen Naturapotheken zum Würzen, Pflegen oder Heilen genutzt. Das berichtet Apothekerin und Kräuterexpertin Zita Marsoner Staffler und erklärt im Buch „Die Kraft der Kräuter nutzen“*: „Es gibt 500.000 Pflanzenarten auf dieser Welt. Davon sind bislang nur 70.000 eingesetzt worden, ob nun in der Volksheilkunde oder in der Schulmedizin, als Gewürze oder sonst irgendwie.“ Hier den Überblick zu behalten, ist selbst für halbwegs kräuterkundige Menschen gar nicht einmal so einfach. Deswegen sind Kräuterwanderungen und Naturführungen, wie sie mittlerweile von Vorarlberg bis ins Burgenland angeboten werden, ein sinnvoller Einstieg in uraltes Kräuterwissen.

*Irene Hager, Alice Hönigschmid und Astrid Schönweger: Die Kraft der Kräuter nutzen (Löwenzahn Verlag)

 

Farn- und Blütenpflanzen auf Roter Liste

  • 1,2% der ehemals heimischen Farn- und Blütenpflanzen sind in Österreich bereits ausgerottet, ausgestorben oder verschollen
  • 33,4% sind im gesamtösterreichischen Maßstab aktuell gefährdet
  • 20,7% sind regional, d.h. in einem, wenn nicht mehreren der großen Naturräume Österreichs aktuell gefährdet oder verschwunden
  • 5,6% sind wegen ihrer Seltenheit potenziell gefährdet

Somit stehen insgesamt rund 60% der Farn- und Blütenpflanzen in Österreich auf unterschiedlichen Gefährdungsstufen auf der Roten Liste.

Quelle: Umweltbundesamt – Perspektiven für Umwelt und Gesellschaft

Handeln für das Wohl unserer Heilkräuter

„In der Natur tut sich was. Mittlerweile wachsen auf 1.500 Metern Pflanzen, die hier früher niemals Wurzeln geschlagen hätten. Sie wandern in immer höhere Lagen“, berichtet Anna Holzer. Intensive Landwirtschaft, Umweltverschmutzung und die globale Klimaerwärmung – sie alle tragen zu den sichtbaren Änderungen und teils besorgniserregenden Entwicklungen auf Österreichs Wiesen und Wäldern bei. Von den tiefen Lagen bis hinauf in die Berge, überall können ähnliche Phänomene beobachtet werden.

Biodiversitätsfalle schnappt zu

Ähnliches weiß auch GLORIA zu berichten, ein Beobachtungsnetzwerk und Forschungsprogramm, das weltweit zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme im Gebirge forscht. In einer Reportage von Blühendes Österreich „Klimawandel Österreich: Die Alpen werden warm“ (September 2016) kam Mag. Dr. Harald Pauli, Leiter des Forschungsprogramms, zu einer ähnlich alarmierenden Erkenntnis: „Die meisten Gebirgsarten wachsen nur dort, wo der Wald aufhört. Die Fläche oberhalb des Waldes ist aber nicht wahnsinnig groß. Diese Arten sind deshalb viel stärker gefährdet als andere – sie können nicht einfach weiter den Berg hinaufwandern. Da ist es dann aus.“

Diesen Engpass bezeichnet die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 als bedrohliche Biodiversitätsfalle für Gebirgspflanzen und attestiert den Alpen einen sogenannten „Klimastress“, der bedrohliche Auswirkungen mit sich bringen könnte:„ Je näher eine Population am Gipfel lebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch die globale Erwärmung ausstirbt. Weiters wird sich die Zusammensetzung der Pflanzengesellschaft verändern. Konkurrenzstarke Arten werden aus den tieferen Lagen einwandern und schwächere Arten verdrängen.“

Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in tieferen Lagen beobachten. Das österreichische Umweltbundesamt geht im gesamtösterreichischen Raum von 33,4 % aktuell gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen aus und berichtet dazu: „Bei der am besten erforschten Pflanzengruppe, den Farn- und Blütenpflanzen, scheinen über 60% der Arten in den Roten Listen auf!“

Diese Zahlen und Fakten beweisen, es besteht klarer Handlungsbedarf, der am besten durch die aktive Auseinandersetzung mit der Natur und der Erkenntnis über Veränderungen in Flora und Fauna vermittelt werden kann.

Blühendes Österreich schützt ökologisch wertvolle Flächen im ganzen Land. Durch die finanzielle und fachliche Unterstützung naturnaher Betriebe stärkt die Naturschutzstiftung die heimische Artenvielfalt.

 

Achtsam in der Natur: Tipps und Tricks für das Sammeln von Heilkräutern

Der neugierige Wanderer, der die Schätze der Natur (wieder-)entdecken will, sollte beim Sammeln von Wildkräutern und Heilpflanzen 7 wichtige Regeln beachten:

  1. Nur bekannte Heilkräuter pflücken

    Pflanzen, die du dich nicht kennst oder bei denen du dir nicht sicher bist, solltest du UNBEDINGT stehen lassen.

  2. Fotografieren und später bestimmen

    Besser du fotografierst die unbekannte Pflanze. Zuhause kannst du entweder in einem Pflanzen-Bestimmungsbuch nachschlagen oder im Internet recherchieren, um welche Pflanze es sich handelt.

  3. Bestimmungshilfe nutzen

    Die Investition in ein Pflanzen-Bestimmungsbuch zahlt sich in jedem Fall aus. Am besten du packst das Buch bei deiner nächsten Wanderung in deinen Rucksack und kannst somit Pflanzen direkt an Ort und Stelle bestimmen.

  4. Naturschutz beachten

    Finger weg von Pflanzen, die unter Naturschutz stehen. Sammle nur Pflanzen, von denen du 100% sicher bist, dass du sie pflücken darfst.

  5. Saubere Pflanzen pflücken

    Auf frequentierten Hauptwanderwegen, auf denen viele Menschen und Hunde unterwegs sind, solltest du die Pflanzen besser stehen lassen. Gehe ein wenig weiter in den Wald hinein, damit du saubere, unberührte Pflanzen sammeln kannst.

  6. Wissen erweitern: Kräuterwanderung

    Für einen Einstieg in die Heilpflanzenkunde empfiehlt sich auf jeden Fall eine Kräuterwanderung. Auch fortgeschrittene Pflanzenkenner sollten hin und wieder an solchen Wanderungen teilnehmen, denn sie helfen nicht nur neue Orte zu entdecken, sondern sind auch eine gute Möglichkeit, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

  7. Einige Pflanzen stehen lassen

    Damit Heilpflanzen wieder nachwachsen können, ist es wichtig, dass ihre Wurzeln intakt bleiben. Deswegen pflücke sie vorsichtig und lass‘ einige Pflanzen stehen, damit sich diese auch wieder erholen und vermehren können.

 

Leichte Geschichten gegen müde Wanderbeine

Klare Waldluft, stolze Gipfeln, weiches Moos. Zurück im „Paradies“ kaut Anna Holzer das Blatt einer Hauswurz und legt es danach auf den Rücken ihrer Hand. „Schmeckt nicht besonders gut, hilft aber! Man sagt sogar, die Hauswurz lässt das Fleisch im Kochtopf zusammenwachsen“, erzählt Anna und lacht dabei. Mit Geschichten dieser Art, die gleichermaßen unterhaltsam wie einprägsam sind, zieht sie die Wandergruppe in ihren Bann.

Schritt für Schritt zu altem Wissen

Die Meisterwurz stärkt Immunsystem und Magen, die Malve lindert trockenen Husten, der Beinwell hilft bei Brüchen und Prellungen. Die Natur erzählt abertausend spannende Geschichten, denn uraltes Kräuterwissen wurzelt tief in Österreichs Wiesen und Wäldern. Zum Wohle von Mensch und Natur sollten wir dieses Wissen samt wundersamen Heilkräutern unbedingt bewahren. Für uns und allen weiteren Generationen, die auf ihren Wanderwegen noch folgen werden.

Text: Mury Vo-Papis und Stephanie Fischer

 

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Nachschauen erlaubt ...
... allerdings nur mit starker Begleitung. Schließlich war die Drachenhöhle schon vor 50.000 Jahren bewohnt. Von der letzten Begegnung mit einem Höhlenbären gibt es sicher kein Foto. Sehr lebendig sind dafür die zahlreichen Fledermäuse, die hier ein ideales Winterquartier gefunden haben. Aus rechtlichen und ökologischen Gründen ist ein Besuch der Höhle ausschließlich im Rahmen der Führungen gestattet.

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Lebt in St. Ruprecht/Raab (Stmk). Vom Beruf Optiker sowie Naturfotograf aus Leidenschaft. Ebenfalls Herausgeber zahlreicher Publikationen sowie vielfacher Preisträger nationaler und internationaler Fotowettbewerbe.

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