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Lebensraum Streuobstwiese

Kronprinz Rudolf blickt erhaben auf sein lebhaftes Völkchen aus Vögeln und Fledermäusen, Bienen und Schmetterlingen. Denn auf einer alten Streuobstwiese im Herzen der Steiermark gedeihen alte Apfelsorten wie der Kronprinz Rudolf im Einklang mit der Natur. Hier summt und surrt es, krabbelt und kriecht es, duftet und lebt es. Alte Streuobstwiesen, wie sie beim Bio-Obstbauern Wolfgang Stix wachsen und gedeihen, sind Teil der heimischen Kulturlandschaft und wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Blühendes Österreich schützt diese Flächen im Rahmen seines Naturschutzprogramms FLORA (Förderung von Landwirtinnen und Landwirten und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt). Denn der Biotyp Streuobstwiese gilt in Österreich als stark gefährdet.

Seit drei Jahren schützt Blühendes Österreich gemeinsam mit der Vogelschutzorganisation BirdLife und OPST (Obst Partner Steiermark) gefährdete und ökologisch wertvolle Lebensräume über ihr Naturschutzprogramm FLORA. 2014 wurden in der Steiermark noch 55 Obstbaubetriebe mit insgesamt 48 Hektar natürlicher Lebensräume unterstützt. Drei Jahre später sind es bereits 79 Hektar geschützte Flächen. Bio-Bauer und REWE Lieferant Wolfgang Stix pflegt ebenfalls eine prächtige Streuobstfläche, die Teil des Naturschutzprogramms ist.

Zurück zur Natur für die Zukunft

„Ich hab’ mir schon immer schwer getan mit dem Thema Ertragsmaximierung“, erzählt der steirische Obstbauer mit einem freundlichen Lächeln. „Mit chemischen Mitteln, mit denen man die Blütenbildung, den Wachstum des Baumes oder sogar die Fruchtgröße beeinflussen kann, war ich nie besonders gut. Aber ich muss sagen, die Perfektionierung hat mir auch nie Freude gemacht. Schon damals hab’ ich lieber naturnah gearbeitet.“ Deswegen hat Wolfgang Stix, der charismatische Apfelbauer aus Sankt Margarethen an der Raab, es auch einfach sein lassen und ist vor rund sechs Jahren vom konventionellen zum biologischen Obstbau umgestiegen.

Klare Kernaussage 

Auf die Frage, wozu der schwierige Umstieg zum Bio-Anbau und die liebevolle Pflege der Streuobstwiesen, trägt seine Antwort einen simplen Kern: „Irgendwann werden mich meine Kinder nach meinem Leben fragen und da möchte ich mit gutem Gewissen die richtigen Antworten geben können.“ Deswegen pflegt er nicht nur alte Streuobstwiesen, sondern zieht auch die bekannten Apfelsorten Gala, Jonagold, Golden Delicious, Idared und Braeburn in Spindelkulturen hoch und beliefert damit die Supermärkte der REWE International AG.

→ So kochst du alle ein: Von Apfelchips bis Apfeltaschen - fünf g’schmackige Apfelrezepte zum Nachkochen!

Die biologische Bewirtschaftung verlangt ein völliges Umdenken, erklärt Bauer Stix, während wir mit ihm durch eine pittoreske Landschaft aus Apfelbäumen und blühenden Wiesen spazieren. „Man muss halt einiges ausprobieren, um die Schädlinge des Apfelbaumes im Zaum zu halten.“ Und davon gibt es einige:

  • Wühlmäuse und Feldmäuse,
  • der Apfelwickler, der den Apfel wurmig macht,
  • der Apfelblütenstecher,
  • die Apfelsägewespe und viele mehr machen dem Obst zu schaffen.

 

Doch statt Chemiekeulen setzt der Biobauer auf natürliche Gegenspieler und zeigt auf den hochgewachsenen Grünstreifen, auf dem nicht nur saftiges Gras, sondern auch bunte Wiesenblumen blühen. Sie locken wichtige Nützlinge an, Zehrwespen, Marienkäfer, Kugelkäfer und ähnliche Insekten. Sie dienen als natürliches Gegengewicht zu den Schädlingen, die so manch einem Baum zu schaffen machen. Wo immer es ihm möglich ist, setzt er auf die selbstregulierende Kraft der Natur. „Alles pipi-fein sauber, vom ersten bis zum letzten Baum, das will ich gar nicht“, erzählt Bauer Stix.

Auf einer prachtvollen Streuobstwiese, auf der alte Hochstammbäume im Gegensatz dazu mit viel Platz in die Höhe ragen, soll nicht der Ertrag, sondern die Artenvielfalt wachsen.

Streuobstwiese bietet Platz für Artenvielfalt

Am Ende seiner Apfelbaumanlage eröffnet sich ein malerischer Anblick der ganz anderen Art. Ein Bild, das im starken Kontrast zu den kleinwüchsigen Spindelbäumen steht, auf denen bereits ab einer Höhe von 50 Zentimetern Äste treiben. Denn so können ihre Früchte viel leichter geerntet werden. Auf einer prachtvollen Streuobstwiese, auf der alte Hochstammbäume im Gegensatz dazu mit viel Platz in die Höhe ragen, soll nicht der Ertrag, sondern die Artenvielfalt wachsen.

„Früher hat man die Obstbäume sehr hoch wachsen lassen. Sie wurden so gut wie nie gespritzt und sind gegen etwaige Schädlinge nahezu resistent. In den alten Obstbäumen findet man große Baumhöhlen, die von vielen Vogelarten, wie zum Beispiel dem Wiedehopf, Wendehals oder Steinkauz besiedelt werden“, berichtet Harald Komposch. Der Biologe und Kartierer bewertet Flächen nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten, die im Rahmen des Naturschutzprogramms von Blühendes Österreich aufgenommen und direkt unterstützt werden. Hornissen, Schmetterlinge, Fledermäuse und viele weitere Tierarten finden hier Unterschlupf und Nistplätze. Sie „knabbern“ zudem an dem kulinarischen Angebot alter Streuobstwiesen.

Hotspot für Biodiversität

„Streuobstwiesen sind sogenannte Hotspots der Biodiversität. Sie zählen zu den artenreichsten Lebensräumen ganz Mitteleuropas“, berichtet natura.at. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist hier die unmittelbare Verzahnung von Gehölzen mit Grünland und die Vielzahl ökologischer Nischen auf kleinem Raum hervorzuheben. Da der Unterwuchs meist nicht oder kaum gedüngt und nur selten gemäht oder extensiv beweidet wird, stellt sich eine vielfältige Flora ein. Die vielen unterschiedlichen Pflanzenarten locken wiederum verschiedenste Insekten und andere Tiere an.“

→ Pflanz’ ein Bäumchen für mehr Artenvielfalt: 5 alte Apfelsorten, die du unbedingt kennen solltest!

Streuobstwiesen bieten Lebensraum

Immer öfters müssen die ökologisch wertvollen, selten gewordenen Apfelbaumsorten einer intensiven Nutzung weichen - viel zu ertragsarm sind die Bäume, unrentabel ihre Nachpflanzung oder zu alt die Bestände. Grünspecht, gefährdete Orchideen oder der geschützte Juchtenkäfer fallen bei dieser Kalkulation kaum ins Gewicht. Umso wichtiger ist es - im Sinne der Artenvielfalt und des Erhalts regionaler Obstsorten - jetzt aktiv gegen diese Entwicklung vorzugehen.

Erfahre mehr zu diesem Thema und werde aktiv, um unsere heimische Artenvielfalt für zukünftige Generationen zu sichern! Weiterführende Artikel findest du hier:

Naturschutzprogramm FLORA
Nachhaltigkeit am Feld: Über die Reise einer Jungzwiebel
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