Ein solches Schauspiel ist in Österreich selten geworden. Dass es in der Stadl Au wieder zu hören ist, liegt an der Weitsicht und einem Mann, der seine Freizeit den Feuchtwiesen im Böhmerwald schenkt. Ein meckernder Erfolg, der Klaffer am Hochficht zur Gewinnerin von „Blühende Gemeinden #unsereblumenwiese" macht.
Ein Niedermoor in letzter Sekunde
Die Stadl Au ist ein über 21 Hektar großes Feuchtgebiet im Natura-2000-Gebiet Böhmerwald. Es gehört heute der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ). Fast wäre die Feuchtwiese jedoch verschwunden, so wie die meisten Moorlandschaften: 90 Prozent der Moore in Österreich wurden trockengelegt.
Über Jahrhunderte mähten Bauern die sumpfigen Wiesen per Hand. Das Gras nutzte man nicht als Futter, sondern als Einstreu im Stall. Durch diese traditionelle Nutzung blieb die Landschaft offen, ideal für Wiesenvögel.
Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft endete diese Arbeit: Schweres Gerät versank im Sumpf, die Wiesen verloren ihren Wert und wurden teilweise entwässert. Hochstauden wie Mädesüß und Brennnesseln verdrängten die offene Wiesenlandschaft.
Für die Bekassine, die weite, baumarme Feuchtwiesen braucht, schrumpfte der Lebensraum drastisch. In Österreich gilt die „Himmelsziege” mit nur noch 30 bis 60 Brutpaaren als vom Aussterben bedroht, wie ihr Lebensraum an sich. Denn Moore selbst gelten als stark gefährdet in Österreichs.
Als die ÖNJ die Fläche in Stadl Au 1986 kaufte, lag die behördliche Genehmigung zur Entwässerung des Moors bereits vor. Der Vorbesitzer hatte das Mähen längst eingestellt, Büsche machten sich breit und ein wichtiger Rückzugsort für bodenbrütende Vögel schien verloren.
„Letztendlich haben wir den Besitzer in letzter Sekunde überredet zu verkaufen“,
erinnert sich der Naturschützer Alexander Zimmerhackl. Ohne diesen Kauf wäre eines der letzten größeren Niedermoore der Region verschwunden. Doch gekauft bedeutete noch nicht wiederhergestellt: Für die verbuschten Wiesen fehlten schlicht die passenden Maschinen.
Bahn frei auf magerem Grund
Dass die Renaturierung von Feuchtwiesen gelingt, bewiesen erste Testflächen der ÖNJ. Sobald der Lebensraum wiederhergestellt wurde, kehrten die Bodenbrüter zurück. Über den Fördercall „Blühende Gemeinden“ von Blühendes Österreich konnte die ÖNJ schließlich 3,8 weitere Hektar in Angriff nehmen.
Im September 2026 wurden Gehölze und Stauden entfernt. Das Abräumen war dabei entscheidend: Bleibt das Schnittgut als Mulch liegen, gelangen Nährstoffe in den Boden und Brennnesseln würden zum Beispiel sofort nachwuchern. Nur durch den Abtransport bleibt der Boden mager und die Fläche offen.
Keine Einmal-Aktion
Projektleiter Zimmerhackl hat an der BOKU studiert und ist im Hauptberuf Biotechnologe. Naturschutz betreibt er ehrenamtlich: Er räumt Totholz von den Niedermooren ab, sammelt Hochwassermüll und sucht das Gespräch mit Landwirt:innen, Jäger:innen und der Gemeinde.
„Es ist immer wieder motivierend zu sehen, wie schnell die Natur reagiert, wenn man ihr den Raum zurückgibt und sie nachhaltig bewirtschaftet.“ Alexander Zimmerhackl
Damit die Wiese nicht wieder zuwächst, pflegen künftig zwei regionale Landwirt:innen die Flächen mit leichten, breit bereiften Traktoren. So profitieren neben der Bekassine auch Kiebitz, Schwarzkehlchen und Feldschwirl langfristig.
Ob die Bekassine die neu gewonnenen Flächen annimmt, wird sich im kommenden Frühjahr zeigen. Wenn ab April wieder das Meckern durch den Abendnebel klingt, weiß man in Stadl Au: Die Wiese gehört wieder denen, für die sie einst geschaffen wurde.
Über Blühende Gemeinden
Mit dem Fördercall „Blühende Gemeinden #unsereblumenwiese" unterstützt die BILLA Stiftung Blühendes Österreich gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund Gemeinden und Initiativen dabei, neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Ausgezeichnet werden Projekte, die Artenvielfalt fördern, Menschen einbinden und Naturschutz langfristig in der Gemeinde verankern.