Seit Jahren warnen Umweltschützer vor dem Bienensterben. Doch es gibt ein Missverständnis: Nicht nur die Honigbiene braucht unseren Schutz. Weshalb die Honigbienen eher faule Willis sind und wer die fleißigsten Bestäuber überhaupt sind, erfährst du hier.

Biene Maja ist eine Honigbiene. Wir alle kennen, wie sie von Blume zu Blume schwirrt, dort ihre Insektenkumpanen trifft und ein fast sorgloses Leben führt.

Seit Jahren warnen Umweltschützer vor dem Bienensterben, eine richtige Lobby hat sich rund um das pelzige Insekt gebildet. Aus gutem Grund: Ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion soll von tierischer Bestäubung abhängen.

Wenn wir von Bienen sprechen, dann meinen wir meistens Honigbienen. Doch ihre Leistung als Bestäuber wird meist überbewertet:

Ökologisch gesehen, wäre der Verlust von Wildbienen viel größer als der von Honigbienen.

Wildbienen haben geringere Ausfälle durch Parasiten oder Krankheiten. Und sind auch viel effektiver in ihrer Bestäubung, wie Forscher der Universität Göttingen fanden. Manche von ihnen, wie etwa Hummeln, fliegen zum Beispiel auch bei kaltem und schlechten Wetter – einer Zeit, zu der die Honigbiene meist noch inaktiv ist.

Hummeln besuchen im gleichen Zeitraum wie eine Honigbiene etwa drei- bis fünfmal so viele Blüten.

Fast 700 Wildbienenarten gibt es in Österreich, weltweit sollen es bis zu 20.000 sein. Biologisch gesehen ist der Begriff der Wildbiene etwas irreführend: Wir bezeichnen quasi alle nicht domestizierten Bienenarten (die also keine Honigbienen sind), als „Wildbienen“. Hummeln gehören genauso dazu wie weniger bekannte Arten, wie etwa die Wildbiene Andrena fulva. Zwar sind sie mit der Honigbiene verwandt, jedoch nicht ihr wilder Vorfahre.

Wildbienen pauschal zu beschreiben ist schwierig. Manche sind mit gerade einmal drei Millimetern richtige Zwerge, andere werden bis zu drei Zentimeter groß.

Ihre Lebensweisen sind dabei genauso vielfältig wie ihr Aussehen: Die meisten leben als Einzelgänger, andere, wie die Blauschillernde Sandbiene, in Gruppen oder als „Untermieter“ in leeren Schneckenhäusern, wie etwa manche Mauerbienen.

Man findet sie beinah überall, von Frühjahr bis Spätherbst: Von trockenen, heißen Felshängen hin zu kühlen Hochmooren, lichten Wäldern und sogar Hausgärten.

----------------------------

Aktiv werden! So baust du Nisthilfen für Wildbienen richtig. Hier gehts zum Workshop.

---------------------------

Image
Die Mauerbiene Osmia bicolor sucht sich gerne verlassene Schneckenhäuser als Nistplatz

Mehr als die Hälfte gefährdet

Um die wilden Schwestern und Brüder der Honigbiene steht es nicht sehr gut. Knapp 53 Prozent stehen in Deutschland auf der Roten Liste, in Österreich sieht die Situation ähnlich aus. Eine bundesweite Rote Liste gefährdeter Bienenarten wäre dringend notwendig, um effiziente Schutzmaßnahmen zu entwickeln, schreibt etwa das Umweltbundesamt. Denn das Insektensterben trifft sie besonders. 

Etwas, das mit ihren besonderen Bedürfnissen zusammenhängt: Durch die lange Entwicklungsgeschichte von Bienen und Blütenpflanzen haben sich besondere Gemeinschaften herausgebildet. Manche Wildbienenarten sind hochspezialisiert und auf wenige oder gar eine einzige Pflanzenart angewiesen. Und ihre Lebensräume schwinden. „Selbst früher allgegenwärtige, vergleichsweise anspruchslose Arten finden in der intensiv bewirtschafteten Landschaft heute kaum noch ausreichend Nistplätze und Blüten“, sagt der Biologe und Wildbienenexperte Paul Westrich zu Spektrum der Wissenschaft.

Wenn Honigbienen übermäßig gefördert werden wirkt auch das sich negativ auf die Wildbienen aus: Wird eine gewisse Pflanze von Honigbienen genützt, haben die spezialisierten Wildbienen kaum Auswahlmöglichkeiten.

Wildbienen nisten in Böden, Hohlräumen, Pflanzenstängel oder Freibauten. Die Nistplätze müssen jedoch klimatischen Ansprüchen der Art entsprechen und in ihrer Umgebung genügend Nahrungsquellen und Baumaterial enthalten.

„Selbst früher allgegenwärtige, vergleichsweise anspruchslose Arten finden in der intensiv bewirtschafteten Landschaft heute kaum noch ausreichend Nistplätze und Blüten“, sagt der Biologe und Wildbienenexperte Paul Westrich

Der Landschaftsökologe Heinz Wiesbauer beschreibt im STANDARD den perfekten Wildbienengarten als eine Mischung, bei der für alle etwas dabei ist:

  • Alte Ziegelgemäuer für Mauerbienen,
  • morsches Holz für Holzbienen
  • abgetretene Bodenstellen für Sandbienen.
  • Eine Streuobstwiese für Wildbienennester.

Gesammelter Nektar und Pollen der meist zahlreich vorhandenen Blütenpflanzen sind Nahrung für den Nachwuchs und für die Biene selbst. Wird eine Blumenwiese plötzlich gemäht, bedeutet das eine Katastrophe für Wildbienen. Da können auch Samenmischungen für Blumenwiesen meist nicht helfen: Sie enthalten oft exotische Arten, die bei uns gar keine Bestäuber finden und für die Bienen somit keine Nahrungsquelle darstellen.

Image
Insektenhotel selber bauen

Nisthilfen können auch gebaut werden. Hier einige Tipps:

  • Hartholz, also hartes Laubholz zum Beispiel von Robinie, Eiche, Buche oder Esche eignet sich gut. Darin bohrt man Löcher quer zur Faser und keinesfalls ins Stirnholz. Unsaubere Schnittkanten können mit Schleifpapier geglättet werden.
  • Auch Bambus oder Wellkarton kann verwendet werden, wenn sie etwa zu 10 Zentimeter langen Röhren geschnitten und hinten verschlossen werden. Schneidet man den Bambus an den Knoten (den knubbeligen Ausformungen), bekommt man eine Art natürlichen Verschluss.
  • Nadel- oder Weichholz (wie Fichte) sind hingegen ungeeignet. Denn herausstehende Holzfasern können empfindliche Flügel der Bienen verletzen.
  • Bei Bohrgängen, die in nicht ausreichend getrocknetes Holz gebohrt werden, kann es zu Rissen kommen und gespaltene Gänge mögen die Bienenweibchen gar nicht, beschreibt Paul Westrich.
  • Manche Wildbienen (etwa der Gattung der Sandbienen, Furchenbienen oder Schmabienen) nisten in natürlichen Steilwänden. Oft wird versucht, solche etwa aus Ton zu reproduzieren, der jedoch viel zu hart ist. Denn diese Art von Wildbienen graben ihre Löcher selbst.
  • Auch Insekten-Nisthäuser aus Plexiglas-Röhrchen sind ungeeignet. Weil die Wände nicht luftdurchlässig sind, kann das Futter für die Larven verpilzen und die Brut so absterben.

Wie du Schritt für Schritt ein Insektenhotel baust, kannst du hier nachlesen.

Übrigens: Die beiden Bienengruppen gegeneinander auszuspielen bringt nichts. Honigbienen und Wildbienen – wir brauchen sie beide.
 

---------------------------------------------

Wusstest du, dass...

...es fast 700 verschiedene Wildbienenarten in Österreich gibt?

...einige Arten ihre Eier in Schneckenhäusern legen? Manche Arten der Gattung Mauerbiene (Osmia) suchen sich verlassene Schneckenhäuser

...Wildbienen die Qualität von Erdbeeren verbessern können? Forscher der Uni Göttingen fanden, dass tierisch bestäubte Erdbeerkulturen mehr Fruchtmasse und auch rötere Erdbeeren mit einem besser Zucker-Säure-Verhältnis produzierten. Für zwei Drittel davon waren Wildbienen zuständig.

...Wildbienen kaum Honig produzieren? Im Gegensatz zur Honigbiene, die in Bienenvölkern lebt, müssen die meisten Arten kein Volk über den Winter bringen. Nur einige Hummelarten produzieren manchmal eine "Notration".

--------------------------------------------

Jetzt weiterlesen:

Der wilde Imker: Interview mit Wildbienenzüchter Peter Fuchs

Rettet unsere Blumenwiesen

Schmetterlingsgärten überall - Kommentar von Ute Woltron

SOS Streuobstwiese: Weshalb wir diesen Lebensraum retten müssen

Verwandte Lexikon Artikel

Kaisermantel

Kaisermantel

Insekten
Mit welcher Methode, können die Männchen die Weibchen bei der Partnerfindung beeindrucken?
Kaisermantel
Habicht

Habicht

Vögel
Wie kannst du die Jungvögel von den Altvögel unterscheiden? Erfahre es hier!
Habicht
Südliche Eichenschrecke

Südliche Eichenschrecke

Insekten
Von woher stammt die Südliche Eichenschrecke ab? Erkunde es in unserem Steckbrief!
Südliche Eichenschrecke

Verwandte Naturerlebnisse

no reuse 20 fuersten in der wildnis

Fürsten in der Wildnis

2. Juni Ab 12:00 |
Oberösterreich
Icon Pin_brown

Molln 4591
Österreich

Molln, 4591

Veranstalter: Naturschauspiel Oberösterreich

Die reichen Wildbestände im Bodinggraben waren Anziehungspunkt für adelige Jäger aus der ganzen Monarchie. Heute gehört das Gebiet zum Nationalpark Kalkalpen und ist großteils Wildruhezone. Das Forsthaus Bodinggraben, einst Jagdhaus der Grafen Lamberg, ist ein besonderes kulturhistorisches Juwel. Wir besichtigen mit einem Nationalpark Ranger das Forsthaus mit seiner einzigartigen historischen Einrichtung. Dabei hören wir Geschichten über das damalige Leben der Jäger und ihrer Jagdgäste.
www.naturschauspiel.at
Individuelle Termine für Gruppen ab 7 Personen nach Vereinbarung.

Fürsten in der Wildnis Der Fährte folgen
Webinarreihe „Gartentipp des Tages“

Webinarreihe „Gartentipp des Tages“

2. Juni Ab 16:00 |
Niederösterreich
Icon Pin_brown

Am Wasserpark 1
Tulln 3430
Österreich

Tulln, 3430

Veranstalter: Natur im Garten

täglich, Montag bis Freitag um 18.00 Uhr

Lassen Sie sich mit kurzen und knackigen Tipps rund um den Garten versorgen. Mit unserer Webinarreihe „Gartentipp des Tages“ erhalten Sie täglich live frische Garten-News v​​on den „Natur im Garten“ Fachleuten.

Kommende Themen

  • Donnerstag, 28.05.2020, 18.00 Uhr
    Tipps fürs Gärtnern mit Kindern: Blütentattoo und Pflanzenmalerei
  • Freitag, 29.05.2020, 18.00 Uhr
    Was krabbelt, beißt und saugt denn da? Wie kann ich mir helfen?
     
  • Montag, 01.06.2020, 18.00 Uhr
    Feiertag
  • Dienstag, 02.06.2020, 18.00 Uhr
    Naturgarten anlegen
  • Mittwoch, 03.06.2020, 18.00 Uhr
    Kompost aufsetzen
  • Donnerstag, 04.06.2020, 18.00 Uhr
    Tipps fürs Gärtnern mit Kindern: Minihotels für Wildbienen basteln
  • Freitag, 05.06.2020, 18.00 Uhr
    Nutzgarten am Balkon
     
  • Montag, 08.06.2020, 18.00 Uhr
    Igelburg und Käferburg - Biotopholz im Garten
  • Dienstag, 09.06.2020, 18.00 Uhr
    Gartenteichpflege leicht gemacht
  • Mittwoch, 10.06.2020, 18.00 Uhr
    Tipps zur Pflanzenstärkung in deinem Garten
  • Donnerstag, 11.06.2020, 18.00 Uhr
    Feiertag
  • Freitag, 12.06.2020, 18.00 Uhr
    Pflanzen für trockene und sonnige Standorte

Weitere Termine folgen

So einfach: Ganz gemütlich über PC, Laptop, iPad oder Smartphone mitmachen. Unser Experte / unsere Expertin von „Natur im Garten“ stellt Praxis-Beispiele vor und steht für Fragen zur Verfügung.

Sie möchten an einem oder mehreren Webinaren teilnehmen?

Klicken Sie hier

Webinarreihe „Gartentipp des Tages“ Der Fährte folgen
no reuse Buch dir deinen Guide Ranger

Buch dir deinen Guide

2. Juni Ab 22:00 |
Steiermark
Icon Pin_brown

Hauptstraße 35
Admont 8911
Österreich

Admont, 8911

Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Nationalpark Ranger/innenZu den schönsten Plätzen des Nationalparks Gesäuse – individuell und persönlich betreut durch unsere Nationalpark Ranger/innen. Ihr/e Nationalpark Ranger/in kennt nicht nur unglaublich viele Tiere und Pflanzen, sondern auch viele Geschichten: vom Leben der Natur, über Almwirtschaft und Erzabbau bis hin zur Sagenweltdes Gesäuses.

Berg- und Wanderführer/innen
Sich auf schwierige Wanderwege und Felsschluchten ins Hochgebirge wagen oder im Winter eine atemberaubende Skitour ohne Sorge um Orientierung bestreiten. Die Berg- und Wanderführer/innen garantieren nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit und Professionalität, sie kennen auch unzählige Besonderheiten und Geheimnisse: Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem sagenumwobenen Peternpfad?

Termin: nach Vereinbarung

Nationalpark Ranger/in:
Pauschalbetrag € 255,- / ganztags $Pauschalbetrag € 170,- / halbtags

Bergführer:
ab € 360,- / Tag, je nach Anforderung

Bergwanderführer/in:
ab € 230,- / Tag, je nach Anforderung

Buch dir deinen Guide Der Fährte folgen