Die Insekten sterben leise und fast unbemerkt – gäbe es diese Studie nicht, die aufgezeigt hat, dass in den letzten 27 Jahren die Insektenmasse um 75 % geschrumpft ist. Grund genug, die Ärmel hochzukrempeln und noch heute den summenden, krabbelnden und flatternden Tierchen ein Erste-Hilfe-Paket zu schnüren, damit unsere Kinder in Zukunft noch eine Vielfalt und die überaus wichtigen Ökosystemleistungen der Insektenwelt erleben dürfen!

1Erste-Hilfe-Paket Nr. 1: Zuhause eine Arche Noah schaffen

Eine stille Revolution in Österreichs Gärten und auf den Balkonen hat begonnen: NaturfreundInnen schaffen daheim Kleinbiotope für Insekten. So entsteht ein wachsendes Mosaik an (Über-)Lebensräumen, in denen die Schmetterlinge und Co. Zuflucht vor der intensivierten Landwirtschaft und wachsenden Betonwüsten finden. Und das müssen sie, denn:

"Pro Tag werden hierzulande 14,7 ha Fläche verbaut!"

In die “Arche Noah für Insekten” haben nur heimische und regionale Pflanzen Zutritt, die als Nahrungspflanzen, aber auch zur Kinderstube für Schmetterlingsraupen dienen.

Kaufe noch heute insektenfreundliche Pflanzen, die die heimische Vielfalt tragen. Thujen oder Bambus, in denen kein Tier lebt, müssen heimischem Gehölz weichen! So sollen auch bunte Blumenwiesen den einfältigen englischen Rasen verdrängen. Exotische Balkonpflanzen machen noch heute heimischen Kräutern wie Lavendel, Thymian, Dost und Dille Platz!


Regionale Hecken, die besonders den Schmetterlingen einen Lebensraum bieten, sind zum Beispiel:

  • Roter Hartriegel,
  • Gelber Hartriegel,
  • Faulbaum,
  • Gewöhnlicher Liguster,
  • Gewöhnliche Heckenkirsche,
  • Schlehdorn,
  • Kreuzdorn,
  • Schwarzer Holler,
  • Wolliger Schneeball,
  • Traubenkirsche,
  • Sal-Weide

 

Diese mehrjährig blühenden Kräuter und Blumen locken Schmetterlinge, Bienen und Co. auf einer “Fettwiese” an:

  • Echte Schafgarbe
  • Wiesen-Margerite
  • Wiesen-Storchschnabel
  • Wiesen-Glockenblume
  • Wiesen-Bocksbart
  • Wiesen-Flockenblume
  • Wiesen-Labkraut

 

Auf magerem Boden in der „Magerwiese“ gedeihen:

  • Gewöhnlicher Hornklee
  • Feld-Thymian
  • Acker-Witwenblume
  • Wiesen-Salbei
  • Knäuel-Glockenblume
  • Skabiosen-Flockenblume
  • Kartäusernelke
  • Wilde Möhre
  • Echter Wundklee
  • und Duft-Skabiose

Erste-Hilfe-Paket Nr. 2: Schluss mit dem Gifteln!

Brennnesseljauche, Kompost zum Düngen, biologische Schädlingsbekämpfung, selbst gezogene, heimische Raritäten: Es ist wieder “in”, seinen Garten mit der Kraft von Mutter Natur zu pflegen, anstatt mit der Chemiekeule den Pflanzen und Tieren zu schaden! Ein reger Austausch mit altem Wissen findet unter naturlieben Gartelnden statt und lässt so die Insektenvielfalt wieder aufblühen! Verbanne die Giftspritzerei noch heute und informiere dich über die ökologischen Alternativen zu synthetischen Pestiziden und Fungiziden.

Achtung: Achtung auch „biologische“ Schädlingsbekämpfungsmittel wie Bacillus thuringiensis (Bt-Toxine) wirken nicht nur auf eine bestimmte Art wie z.B. den Buchsbaumzünsler, sondern immer auf eine ganze Insektengruppe z.B. alle Schmetterlinge! Nach Möglichkeit daher auch diese Mittel vermeiden und auf natürliche Feinde setzen.

Erste-Hilfe-Paket Nr. 3: Lass' die Gemeinde aufblühen!

Über deinen Garten hinaus kannst du auch etwas auf Gemeindeebene bewirken. Kontaktiere noch heute deine FreundInnen, Familie und NachbarInnen, um Maßnahmen zu diskutieren, die die toten und betonierten Winkel eurer Gemeinde wiederbeleben. Eine bunte Blumenwiese (heimisches Saatgut!) auf dem Dorfplatz, ein Insektenhotel oder Naschbeet im Kindergarten? Der Naturschutzpreis “Die Brennnessel” hat schon manches blühende Vorhaben realisiert, wie zum Beispiel einen insektenfreundlichen Schulgarten oder Wasserbüffel als natürliche Landschaftspfleger und geht 2019 in die zweite Runde! Alle Gewinnerprojekte findet du hier.

 

"Wir haben keine Zeit, das Artensterben zu bedauern. Wir müssen aktiv werden. Jetzt!"

Erste-Hilfe-Paket 4: Richtiges Mähen ermöglicht Vielfalt

Blicke in deinen Garten: Der Rasen trägt eine Kurzhaarfrisur? Dann lass den Rasenmäher heute stehen, damit die Blumen, Gräser und Kräuter wieder Raum zum Aufblühen erhalten. Dein Garten ist bereits völlig verbuscht und verwildert? Dann bring mit Säge und Krampen Licht und Wärme in Deinen Garten oder greife (zur Freude der lärmempfindlichen Nachbarn) auch mal zur Sense anstatt zum Rasenmäher. Eine reiche Biodiversität braucht schließlich Platz zum Gedeihen!

Damit eine höhere Artenvielfalt an Gräsern und Kräutern und somit ein vielfältigeres Nahrungsangebot für Insekten ermöglicht wird, ermöglicht wird, soll je nach Nährstoffangebot ein (nährstoffarme Flächen) bis drei (nährstoffreiche Flächen) Mal im Jahr gemäht werden, damit die Fläche nicht verbuscht.

Gezielte wilde Ecken im Garten bieten deinen Gartenbewohnern allerdings einen wichtigen Unterschlupf und Überwinterungsplätze. Igel und Co. danken es dir mit einem erfreulichen Besuch.

Erste-Hilfe-Paket Nr. 5: Flächen mit Potenzial retten

Wer über seinen “Gartenrand” hinausblicken möchte, findet unter Umständen auch verwilderte Streuobstwiesen, verlassene Flächen in der Gemeinde, einen verbuschten Trockenrasen, eine pflegebedürftige Almwiese oder ein begradigtes Bächlein, dass nach einer Renaturierung lechzt. Vielleicht gibt es in deiner Umgebung auch ein Moor, eine Au oder einen Sumpf, die mit einer artenreichen Vielfalt wachgeküsst werden möchten? Ja? Dann überlege dir einen Masterplan und lass ihn dir mithilfe der Brennnessel, Österreichs größtem Naturschutzpreis, umsetzen! Blühendes Österreich schützt zudem 1.000 ha ökologisch wertvoller Flächen und freut sich über neue, schutzbedürftige Refugien für die Vielfalt!

Erste-Hilfe-Paket Nr. 6: Licht ausknipsen

Fassadenbeleuchtung des Hauses oder Beleuchtung im Garten machen die Nacht zum Tag. Viele gefährdete Nachtfalter und andere Insekten sterben aus Erschöpfung, weil sie die künstliche Lichtquelle unermüdlich umkreisen. Nachtaktive Säugetiere zeigen ebenso Störungen in ihrem natürlichen Verhalten wie der Fortpflanzung, dem Winterschlaf oder der Nahrungssuche. Das so genannte Towerkill Phänomen beschreibt dazu, wie Vögel und Insekten in Richtung Licht fliegen und so an verspiegelte Scheiben oder Häuser knallen und sterben. Die Lichtverschmutzung schadet auch dem Menschen und deshalb: schalte draußen heute noch das Licht aus!

 

Erste-Hilfe-Paket Nr. 7: Stecker rausziehen

... die Rede ist von einem Kabel vom Akku eines batteriebetriebenen Laubbläsers und -saugers, einem Sinnbild für den "Fast-Gardener", wenn es wieder einmal schnell gehen muss. Ganz zu schweigen von seinem benzinbetriebenen, stinkenden Bruder. Das laute Ungetüm zerfetzt außerdem kleine Insekten wie den Zitronenfalter oder Spinnen, die sich im Laub für ihre Winterruhe zurückgezogen haben. Als unangenehmen Nebeneffekt wirbelt das Gebläse auch gesundheitsschädigenden Feinstaub, Hunde-, Vogel-, oder Katzenkot auf, den der Mensch einatmet.

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Die reizvolle Tälerüberschreitung beginnt mit der gemeinsamen Taxifahrt von Virgen ins Defereggental. Die Tour startet bei der Speikbodenhütte und führt über blühende Wiesen zum Speikboden. Am Kamm gibt es eine besondere Belohnung: der atemberaubende Ausblick auf Großglockner, Großvenediger, Hochgall, Quirl,und viele weitere Dreitausender Ost- und Südtirols. Beim Abstieg ins Virgental können die Füße im Zupalsee erfrischt werden, bevor uns das Hüttentaxi vom Wetterkreuz wieder ins Tal bringt.
Dauer: 08:00 bis 17:00 (mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar)
Gesamtgehzeit: ca. 4-5 Stunden
Höhenmeter: Aufstieg ca. 650 m, Abstieg ca. 550 m
Treffpunkt: Tourismusinfo Virgen

Erwachsene: €40,00 (Inklusive Transfers und Rangerführung)
Kinder ab 10 bis 14 Jahre: €30,00

Ausrüstung: Feste Bergschuhe, Regen-/Sonnenschutz, Getränk, Jause

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