Rund um die flatterhaften, filigranen Wesen rankt sich so mancher Mythos. Wir haben uns auf die Spur dieser Fake-News gemacht und dabei Überraschendes erfahren: So sind die zarten Falter härter im Nehmen als gedacht, der Nektar des Schmetterlingsstrauchs ist längst nicht die optimale Gaukler-Diät – und es gibt tatsächlich Arten, die das Fliegen verlernt haben.

1Schmetterlinge erfrieren bei plötzlichem Frost

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Schmetterlinge Mythen

Sie sind zart und filigran und dennoch hart im Nehmen. Dabei hat jede Schmetterlingsart so ihre eigene Taktik. Viele Arten bevorzugen es, die eisigen Monate im Ei direkt an der Futterpflanze zu verbringen, andere als Raupe am Boden oder unter einer Baumrinde.

Bestimmte Arten spinnen sich ein Winterlager, das sogenannte Hibernarium. Es sieht aus wie ein vertrocknetes Blatt und ist damit eine hervorragende Tarnung. Viele Arten überwintern gerne als Puppe und tarnen sich dabei ebenfalls als Blatt oder auch als Dorn – der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) ist Meister darin. 


Und dann gibt es noch die ganz Robusten, die als fertiger Falter überwintern – doch was ist ihr Geheimnis? Entweder, sie ziehen sich in Höhlen, Stollen oder Keller zurück. Der langlebige Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) aber weiß, wie man den Winter gänzlich unter freiem Himmel verbringt: Dank seines körpereigenen Frostschutzmittels in Form von Glycerin übersteht er auch eisige Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad.

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2"Bitte nicht berühren."

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schmetterling mythen

Immer wieder ist zu hören, dass man die hübschen Gaukler keinesfalls anfassen darf, weil sie damit flugunfähig würden. Grundsätzlich gilt: Bitte berühre Schmetterlinge nur, wenn es nötig ist. Auf ihren Flügeln befinden sich feine, dachziegelartig angeordnete Schuppen. Sie enthalten jene Farbpigmente, die für den farbenprächtigen Wow-Effekt sorgen und artspezifische Muster bilden. Jede dieser Schuppen ist über eine winzige, stielartige Basis mit der Flügeloberfläche verbunden. Bei einer Berührung fallen sie daher leicht ab.

Allerdings stimmt es nicht, dass die Gaukler dadurch flugunfähig werden. Sie verlieren diese Schuppen in ihrem bewegten Schmetterlingsleben auch auf natürlichem Wege – bei älteren Tieren sind die Flügel dadurch oft blasser.

Der Schmetterlingsexperte Peter Huemer rät sogar dazu, Kindern die kleinen Tierchen vorsichtig zu zeigen, um dadurch ihr Bewusstsein für den Schutz dieser einzigartigen Tiere zu schärfen.

3Schmetterlinge sind nur auf Wiesen zu finden

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Schmetterlinge Mythen

Zwar sind die artenreichsten Tagfalterlebensräume auf das Flach- und Hügelland konzentriert, wo die Falter nährstoffarme Halbtrockenrasen und Trockenrasen, Streuwiesen und Bergmähder und subalpine Weiderasen finden.

Allerdings lohnt es sich, beim nächsten Waldspaziergang die Augen offen zu halten: An Waldesrändern und in lichten, trockenen Wäldern bis in Höhen von 1.000 Metern flattern dann nämlich die stattlichen Waldportiers (Großer, Weißer, Kleiner oder Blauäugiger Walportier), sie ruhen sich gerne an Baumstämmen aus.

Aber auch der Große Eisvogel (Limenitis populi) ist ein Waldbewohner und bevorzugt Laubwälder mit Zitterpappeln. Meist ist er im Inneren der Wälder zu finden, entlang von Waldwegen und Forststraßen. 

Bei der nächsten Bergtour gibt es mehr als das Alpenpanorama zu bewundern. Manche Schmetterlingsarten wollen besonders hoch hinaus und haben das Hochgebirge zu ihrem Lebensraum gemacht.

Höhenrekordhalter unter den österreichischen Schmetterlingen ist der Finstere Alpenspanner (Sciadia tenebraria). Er lebt auf Schuttfluren von etwa 2.000 bis 3.500 Metern und gehört zu den tagaktiven Nachtfaltern.

Ein Bergfex ist auch der Alpenapollo (Parnassius phoebus styriacus), du findest ihn in bis zu 2.000 Metern Höhe, oft in der Nähe von Bächen.

4Alle Falter können fliegen

Wir bleiben in hohen Lagen, um einen weiteren Mythos aufzudecken – zugegeben, allzu lange kennt man sie noch nicht bei uns, die Großpalpenfalter (Megacraspedus).

Entgegen ihrem Namen sind die 44 in Tirol entdeckten Arten der Familie der Palpenfalter winzig. Ihre Flügelspannweite beträgt 8 bis 26 Millimeter, noch dazu sind die Flügel verhältnismäßig kurz.

Dies führt dazu, dass die Weibchen dieser Gruppe flugunfähig sind. Was sich Mutter Natur dabei gedacht hat, ist noch nicht erforscht. Möglicherweise hat es aber mit dem Lebensraum der Großpalpenfalter zu tun, die meist im Hochgebirge zu finden sind – und sich mit ihren Mini-Flügeln an stürmische Windbedingungen angepasst haben.

5Die Erderwärmung begünstigt Schmetterlinge

Leider nein. Die Auswirkungen der Klimawandels könnten zum Aussterben vieler Arten führen.

Während wärmeliebende Schmetterlinge zwar zu den Gewinnern zählen können, besteht vor allem für solche die es gerne kalt mögen, sogenannte postglaziale Reliktarten, ein hohes Aussterberisiko.

So steht es zum Beispiel um das in Österreich nur im Lechtal vorkommende Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero) nicht gut.

Auch andere Arten der alpinen Regionen gelten als gefährdet, weil sie nicht weiter in die Höhe wandern können.

Weitere „Nebenwirkungen“ der Klimaerwärmung wie lange Dürreperioden stellen ebenfalls eine Gefahr dar – dazu kommen Starkregen, Hagel, Murenabgänge und Hochwasser, die den Schmetterlingen in Zukunft das Leben schwer machen dürften.

6Alle Schmetterlinge leiden am Verlust ihres natürlichen Lebensraums durch den Menschen

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Das stimmt nur teilweise. Bodenversiegelung, Pestizide, Monokulturen und auch Lichtverschmutzung setzen den filigranen Insekten stark zu. Allerdings gibt es auch einige Arten, die gut mit den menschgemachten Umweltbedingungen zurecht kommen.

Der anpassungsfähige Große Kohlweißling (Pieris brassicae) ist einer von ihnen: Die nimmersatten Raupen dieses Kulturfolgers bedienen sich am reichhaltigen Buffet von Weißkohl, Spitzkohl, Blumenkohl und Kohlrabi.

7Sommerflieder ist der ideale Schmetterlingsstrauch

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Falsch! Der chinesische Neophyt Buddleja davidii ist schwach giftig und enthält Glykoside – eine chemische Verbindung aus Zucker und Alkohol. Der Nektar ist zwar verlockend für die Schmetterlinge, allerdings macht er sie süchtig und die Falter vergessen im „Rausch“, heimische Pflanzen zu bestäuben.

Und auch sonst hat der Nektar fatale Nebenwirkungen: Die Schmetterlinge verlieren ihre Scheu, taumeln im Flug, werden stark durstig nach Wasser und ziehen sich in der Dämmerung nicht zurück, sondern trinken weiter.

Gut für die Arterhaltung ist der Schmetterlings- oder auch Sommerflieder genannte Strauch also nicht – noch dazu bietet er kein Futter für die Raupen.

Ideale Alternativen sind zum Beispiel: Brennnessel, Efeu und diese 6 Schmetterlingshecken.

8Schmetterlingsraupen leben im Verbund 

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Du denkst, die putzigen Raupen wären gesellig und warten harmonisch im Verbund auf ihren großen Moment der Verpuppung? Das mag für manche Arten stimmen, allerdings nicht für den egozentrischen Aurorafalter – zumindest im rüpeligen Raupenstadium. Kollegen der anderen Art werden an der Wirtspflanze wie Wiesen-Schaumkraut, Acker-Senf oder Knoblauchsrauke nicht toleriert.

Manche Aurorafalter-Raupen fressen sogar die Eier anderer Schmetterlingsarten, um sich auf diesem Weg der Konkurrenz zu entledigen.
 

9Nachtfalter fliegen nur Nachts

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Die Nacht gehört den Schwärmern, Eulenfaltern und Spannern. Während Tagfalter sich brav an die Regeln halten und nur tagsüber fliegen, gibt es viele Nachtfalterarten, die auf ihre Namensgebung pfeifen und munter tagsüber durch den Garten gaukeln.

So sind zum Beispiel die weiblichen Schwarzen Bären (Arctia villica) auch tagsüber zu sehen, während beim Kleinen Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) die Männchen tagaktiv sind. 


Flugzeit und Farbenpracht sind jedenfalls keine verlässlichen Merkmale, um Tag- von Nachtfaltern zu unterscheiden. Besser, man untersucht die Fühler: Diese sind bei Nachtfaltern meist fadenförmig und laufen zum Ende hin spitz zu. Die männlichen Nachtfalterfühler ähneln mit ihren Seitenästen einem Fächer oder einer Feder. Der typische Tagfalterfühler ist hingegen am Ende verdickt und abgerundet. 

10Schmetterlinge fliegen nur auf Blütennektar und Pollen 

Das stimmt nicht ganz, manche Arten haben es nämlich speziell auf Honig abgesehen. Der Totenkopfschwärmer ist ein Wanderfalter und fliegt auf Bienenhonig. Wie er das anstellt? Mit seiner ausgeklügelten chemischen Tarnkappe aus einem Fettsäuren-Mix riecht er wie die Bienen selbst. So glauben die Bienen, der Falter sei einer von ihnen und er kann sich so problemlos in den Waben bedienen während die anderen Bienen arbeiten. 
 

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