Wie groß ist mein ökologischer Fußabdruck? Wie wirkt sich mein Lebensstil auf die Umwelt aus? Und was kann ich tun, um naturverträglicher zu leben? Das erfährst du bei einer Führung im Nationalpark Gesäuse.

„Der ökologische Fußabdruck“, erklärt Nationalpark-Ranger Simon Klauss, „das ist jene Naturfläche, die wir Menschen verbrauchen, um unseren Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Je größer der Fußabdruck, desto mehr belasten wir die Natur.“ Hm, klingt etwas theoretisch, dieser Begriff… Macht aber nichts. Denn die Praxis liegt direkt vor uns.

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Fußabdruck beim Weidendom

Wir befinden wir uns im steirischen Nationalpark Gesäuse: hinter uns die rauschende Enns, von deren Sausen und Brausen das Gesäuse seinen Namen hat. Über uns die abweisenden Felswände von Hochtor, Ödstein & Co. Und vor uns das Besucherzentrum Weidendom. Dort hat der Nationalpark auf einer großen Wiese einen überdimensionalen Fußabdruck errichtet. Den ersten weltweit, zum Begehen und Angreifen.

Ferse: Lebe ich auf großem Fuß?

Grundsätzlich ist dieser Fußabdruck jederzeit frei zugänglich. Der Nationalpark Gesäuse bietet aber auch Führungen durch den Fußabdruck an – unter dem Titel „Lebe ich auf großem Fuß?“. Um das herauszufinden, habe ich mich heute Nationalpark-Ranger Simon und einer Schulklasse angeschlossen.

"Vier Bereiche prägen unseren Fußabdruck: Konsum, Ernährung, Verkehr und Wohnen."

Wir beginnen an der Ferse des Fußabdrucks. „Vier Bereiche prägen unseren Fußabdruck“, erklärt Simon, „Konsum, Ernährung, Verkehr und Wohnen. Die Ernährung macht dabei etwa ein Viertel aus.“ Im Laufe der Nationalparkführung werde ich erfahren: Dieser Anteil lässt sich entscheidend verringern, indem man seine Ernährungsgewohnheiten etwas umstellt:

1Ernährungs-Fußabdruck verringern: So geht’s!

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Labyrinth beim Weidendom

Sohle: Ausweg oder Irrweg?

Während ich noch darüber sinniere, wie umweltverträglich mein Essverhalten ist, wuseln die Kinder schon kreuz und quer durchs „lebende Labyrinth“. Dieser Sträucher-Irrgarten nimmt den Großteil des begehbaren Fußabdrucks ein – dessen Sohle, sozusagen. Wo sich das Labyrinth verzweigt, müssen die Kinder Fragen zum Umgang mit der Natur beantworten.

Je nach Antwort geht es dann in unterschiedlichen Richtungen weiter. Nur wer Antworten findet, die im Einklang mit der Natur stehen, gelangt aus dem Labyrinth schnell wieder hinaus. Und wer nicht? „Der steht halt relativ bald an“, meint Simon lapidar. Also wie im richtigen Leben: Umweltschädigendes Verhalten bringt einen in die Sackgasse – zumindest auf lange Sicht.

Apropos Gasse: Auch der Verkehr lässt sich umweltfreundlicher gestalten:

2Verkehrs-Fußabdruck verringern: So geht’s!

  • Öfter zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, v. a. auf kurzen Strecken
  • Öffentliche Verkehrsmittel benützen
  • Mit dem Auto Fahrgemeinschaften bilden statt alleine zu fahren, Car-Sharing nutzen, spritsparend fahren
  • Möglichst wenig fliegen, dafür öfter Urlaub in Österreich machen
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Wegweiser im Fußabdruck-Labyrinth

Zehen: Was du tun kannst

Nach einigen Irrwegen spuckt uns das Labyrinth wieder aus. Wir sind bei den Zehen des begehbaren Fußabdrucks angelangt. Dort liefern Tafeln Hintergrundinfos zum ökologischen Fußabdruck. Und Empfehlungen zum naturverträglichen Handeln. Diese Tipps sollen die Kinder nun darstellen – pantomimisch. Puh! „Mitgefühl“ ist echt knifflig! Oder „Licht ausdrehen“. Die ersten Auftritte geraten noch etwas schüchtern, doch bald nimmt das „Fußabdruck-Theater“ Fahrt auf, Schauspiel-Naturtalente kristallisieren sich heraus.

Apropos „Licht abdrehen“: Der Bereich "Wohnen" ist ebenfalls für etwa ein Viertel unseres Fußabdrucks verantwortlich.

3Wohn-Fußabdruck verringern: So geht’s!

  • Im Mehrparteienhaus wohnen statt Einfamilienhaus
  • Mit anderen zusammenwohnen statt alleine
  • Solaranlage statt Ölheizung; zertifizierte Ökostromanbieter verwenden
  • Wärmedämmung verbessern
  • Zimmer nicht überheizen; v. a. Räume, die du nicht ständig benützt, kühler belassen
  • Im Winter kurz stoßlüften statt Fenster lange zu kippen
  • Licht abdrehen, wenn du den Raum verlässt
  • Elektrogeräte ganz abschalten (kein Standby!), abschaltbare Steckerleisten verwenden
  • Beim Kochen einen Deckel auf dem Topf verwenden
  • Waschmaschine und Geschirrspüler erst dann einschalten, wenn sie voll sind; Sparprogramme verwenden
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Erdkugel & Hände

Waage: Was fällt ins Gewicht?

Zuletzt landen wir bei einer mannshohen Balkenwaage. Hier gilt es, Fragen zum eigenen Lebensstil zu beantworten. Je „umweltschädlicher“ die Antwort ausfällt, desto schwerere Gewichte müssen wir in die Waagschale legen. In die andere Waagschale legen wir Erdkugeln, bis sich die Waage wieder einpendelt. Es zeigt sich: Für den Lebensstil der meisten MitteleuropäerInnen ist eine Welt bei weitem nicht genug. Wir verbrauchen deutlich mehr natürliche Vorräte als die Erde nachliefern kann. Das geht auf Kosten anderer Personen und Länder, die weniger Ressourcen zur Verfügung haben.

"Wo kommt euer T-Shirt her?"

„Die Waage zeigt noch einmal anschaulich: Welche meiner Gewohnheiten fallen beim ökologischen Fußabdruck wirklich ins Gewicht?“, fasst Simon zusammen. „Oft ist es das eigene Konsumverhalten. Wo kommt zum Beispiel euer T-Shirt her?“ Alle schauen nach – zuerst auf den Aufnähern am Kleidungsstück, dann auf einer Weltkugel. Und stellen fest, dass ihr Shirt meist schon eine ziemlich weite Reise hinter sich hat. Was nicht gut fürs Klima auf der Erde ist.

4Konsum-Fußabdruck verringern: So geht’s!

  • Gut leben oder viel haben? Mal ehrlich: Musst du immer das Neueste haben? Auch wenn das Alte noch funktioniert?
  • Gebrauchtes wiederverwenden: z. B. Stoffsackerl oder Einkaufskorb statt Wegwerf-Plastiksackerl, wiederbefüllbare Trinkflasche satt Einweg-Plastikflasche
  • Reparieren oder Weitergeben statt wegwerfen
  • Tauschen, teilen und ausleihen statt kaufen
  • Nur so viel einkaufen bzw. kochen, wie gebraucht wird (statt den „Überschuss“ später wegzuwerfen)
  • Stromsparende Geräte verwenden
  • Auf Herkunft und Produktionsbedingungen von Produkten achten
  • Regionale, sozial verantwortungsvolle AnbieterInnen fördern
  • Abfall vermeiden, trennen und Wertstoffe zum Recycling geben (z. B. Papier, Mobiltelefon)
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Bucheintrag im Fußabdruck-Labyrinth

Ertappt? Dann angepackt!

Zurück beim Weidendom muss ich zugeben: Ein paarmal habe ich mich ganz schön ertappt gefühlt. Weil mir im begehbaren Fußabdruck vor Augen geführt wurde, dass einiges an meinem Handeln der Erde nicht gut tut. Nicht, weil es keine Alternativen gäbe. Oder weil ich diese nicht kennen würde. Sondern aus Bequemlichkeit. Oder weil ich schlicht zu wenig nachdenke.

„Aufrütteln ist auch erwünscht“, sagt Simon. „Es geht darum, Betroffenheit zu erzeugen.“ Die sollte nur nicht in eine Schockstarre münden. „Umso wichtiger ist es, dass wir die Kinder nicht mit einem schlechten Gewissen nach Hause schicken. Deswegen arbeiten wir am Ende der Führung heraus, was jeder selbst tun kann, um die Situation zu verbessern. Wir ermutigen die Kinder bei dem, was sie sowieso schon gut machen. Und vermitteln ihnen das Gefühl, dass sie es zu einem guten Teil selbst in der Hand haben, wie die Zukunft aussieht.“

"Aufrütteln ist erwünscht."

Und ich muss zugeben: Das ist einfacher, als man glaubt. Oft sind es erstaunlich simple Dinge, die den Unterschied beim ökologischen Fußabdruck ausmachen. Wer zum Beispiel beim Kochen einen Deckel am Topf verwendet, braucht viermal weniger Energie als ohne. Und das ist wirklich nicht schwierig, oder?

 

Wer’s ganz genau wissen will:

Weitere Tipps zum Verkleinern des ökologischen Fußabdrucks findest du in dieser WWF-Broschüre.

 

Aktiv werden:

Du willst mehr erfahren über deinen ökologischen Fußabdruck? Dann bist du bei folgender Führung des Nationalparks Gesäuse richtig!

„Lebe ich auf großem Fuß?

Termine:
Juli, August: täglich
Mai, Juni, September: an Wochenenden, Feier- und Fenstertagen
jeweils 11:00, 14:00 und 16:00 Uhr

Treffpunkt: Nationalpark Gesäuse, Weidendom

Mit dem Nationalpark-Ranger erkundest du den begehbaren ökologischen Fußabdruck im Nationalpark Gesäuse. Dabei erfährst du, wie groß dein ökologischer Fußabdruck ist. Und wie du ihn mit einfachen Mittel verringern kannst.

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Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Tauchen Sie unter fachkundiger Anleitung unserer Nationalpark Ranger in die faszinierende Welt der Wasser- und Bodenlebewesen ein. Bestaunen Sie beim Mikroskopieren jedes einzelne Bein eines Tausendfüßlers, das Schneidewerkzeug einer Ameise, den Düsenantrieb einer Libellenlarve oder die Geburt eines Wasserflohs. Beim Mikroskopieren entdecken Sie Tiere, die Sie vorher noch nie gesehen haben und bewundern im Mikrotheater winzige Mikroorganismen und andere Naturobjekte live in Großprojektion.

Termine: während der Öffnungszeiten des Weidendoms jeweils um 11:00, 14:00, und 16:00

Öffnungszeiten Nationalpark Erlebniszentrum Weidendom:

Mai, Juni: Samstag, Sonntag, sowie an Feier- und Fenstertagen geöffnet, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
Juli, August, bis Mitte September: täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
September: Samstag, Sonntag, sowie an Feier- und Fenstertagen geöffnet, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr

Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

Für Navi-Nutzer: Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

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Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

Wie groß ist mein ökologischer Fußabdruck?
Um die im Labyrinth gewonnenen Erfahrungen zu erweitern und zu vertiefen, bieten wir betreute Programme zum Ökologischen Fußabdruck an. Erfahren Sie hier spielerisch und spannend aufbereitet von unseren Rangern, wie Sie Ihren Ökologischen Fußabdruck verringern und die Umwelt schonen können. Lernen Sie mehr über die globalen Zusammenhänge des Ökologischen Fußabdrucks der Menschen der Welt, der jeweiligen Länder und jeder einzelnen Person…

Termine:
während der Öffnungszeiten des Weidendoms jeweils um 11:00, 14:00, und 16:00

Öffnungszeiten Nationalpark Erlebniszentrum Weidendom:

Mai, Juni:
Samstag, Sonntag, sowie an Feier- und Fenstertagen geöffnet, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr

Juli, August, bis Mitte September:
täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr

September:
Samstag, Sonntag, sowie an Feier- und Fenstertagen geöffnet, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr

Anfahrt:
Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

Für Navi-Nutzer:
Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

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wird bei Anmeldung bekannt gegeben
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Veranstalter: Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen

Hinschauen erlaubt
Jede Woche ein spannendes NaturLese-Thema! Altes Wissen erfahren und die Zusammenhänge in der Natur besser verstehen.

Unsere PartnerInnen leben ihre Themen, nehmen Sie mit auf eine Reise rund um den Betrieb und ermöglichen Ihnen einen tiefen Einblick in die Artenvielfalt und deren Veränderungen im Laufe der Zeit. Erkenntnisse für Ihr eigenes Leben sind dabei nicht ausgeschlossen!

Dauer: 1 – 1,5 Stunden
INFO UND ANMELDUNG bis 16 Uhr des Vortages im TVB Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen.

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