Ein Asthaufen nach dem Heckenschnitt, ein paar aufgeschichtete Steine oder eine offene Sandfläche: Was auf den ersten Blick wie übrig gebliebenes Material aussieht, kann für viele Tiere zum wertvollen Lebensraum werden. Mit einfachen Mitteln entstehen Rückzugsorte, Brutplätze und kleine Jagdreviere.
Laub, Äste, Steine oder Sand müssen nicht immer weggeräumt werden. Bleiben sie liegen oder werden gezielt aufgeschichtet, entstehen unterschiedliche Bedingungen auf kleinstem Raum: sonnige und warme Plätze, kühle und feuchte Bereiche sowie Spalten und Hohlräume, in denen Tiere Schutz finden.
Ein Asthaufen bietet etwa Igeln und Spitzmäusen einen Rückzugsort und zahlreichen Insekten ein Zuhause. Steine speichern Wärme und schaffen Verstecke für Eidechsen, Hermeline und andere Kleintiere. Offene Erd- und Sandflächen wiederum sind besonders für bodennistende Wildbienen wertvoll. Rund drei Viertel der heimischen Wildbienenarten legen ihre Nester im Boden an.
Auch Laub- und Wurzelhaufen erfüllen eine wichtige Aufgabe. Unter einer dicken Laubschicht bleibt es länger kühl und feucht. Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und viele weitere Bodenlebewesen zersetzen dort abgestorbenes Pflanzenmaterial und tragen zur Humusbildung bei.
Einfach gut gehäuft
Wie aus einfachen Materialien wertvolle Lebensräume werden können, zeigt der Naturschutzhof Going Artenreich von Maria Schmidt und Harald Stoiber am Wilden Kaiser.
Als die beiden den Hof 2014 übernahmen, waren die umliegenden Flächen über Jahre intensiv bewirtschaftet worden. Seither gestalten sie den Hof Schritt für Schritt um. Artenreiche Wiesen, eine Wildhecke, ein Naturteich und eine Streuobstwiese sind entstanden. Auf Dünger und Pestizide wird vollständig verzichtet.
„Wir schaffen Artenvielfalt. Das ist unser Produkt,“
erklärt Maria Schmidt.
Zu dieser Vielfalt gehören auch vermeintlich unscheinbare Strukturen wie Sand- und Steinhaufen. Gerade dort, wo wenig wächst und nicht ständig aufgeräumt wird, finden spezialisierte Arten wertvollen Lebensraum.
Kinderstuben im Sand
Kleine runde Löcher verraten, dass der Sandhaufen am Hof bereits bewohnt ist. Wildbienen graben hier ihre Brutröhren und legen darin einzelne Brutzellen an. Damit das funktioniert, braucht es allerdings den richtigen Sand. Gewaschener Spielsand eignet sich daher kaum. Besser ist ungewaschener, lehmhaltiger Sand, der genügend Stabilität für die Brutröhren bietet. Wichtig sind außerdem ein sonniger Standort und eine möglichst offene Oberfläche. Am Hof schützt eine lockere Abdeckung aus Dornenzweigen das Sandarium vor den beiden Hofkatzen, ohne den Wildbienen den Zugang zu versperren.
Wärme und Verstecke im Steinhaufen
Auch ein Steinhaufen kann mit wenig Aufwand zum Lebensraum werden. Die Steine erwärmen sich in der Sonne und geben die gespeicherte Wärme langsam wieder ab. Davon profitieren besonders wechselwarme Tiere wie Eidechsen. Gleichzeitig bieten die Zwischenräume Schutz und Rückzugsmöglichkeiten für zahlreiche Kleintiere.
Dabei muss es nicht gleich eine aufwendige Trockensteinmauer sein.
„Auch ein locker geschichteter Steinhaufen oder eine kleine Steinpyramide werden gut angenommen,"
erklärt Maria Schmidt.
Maria Schmidt und Harald Stoiber vom Natuschutzhof Going Artenreich verbindet bereits eine Zusammenarbeit mit Blühendes Österreich: Mit der Unterstützung von Blühendes Österreich haben sie unter anderem eine wildbienenfreundliche Streuobstwiese mit Blühflächen, Sandarium und Nisthilfen geschaffen. Hier geht`s zum Projektsteckbrief: Neuanlage einer Streuobswiese, Tirol | Blühendes Österreich
Und es ist so einfach, mitzuhelfen:
Wer Tieren mehr Rückzugsorte bieten will, kann mit einfachen Materialien kleine Lebensräume schaffen. Äste liegen lassen, Steine aufschichten oder einen kleinen Sandhaufen anlegen und schon entstehen wertvolle Plätze für Wildbienen, Eidechsen, Igel und viele andere Tiere. Einfach häufen statt wegräumen und schon ist man Teil der Lösung. Mach mit, fotografier deinen Stein-, Sand-, Laub- oder Ästehaufen und lade ihn hier hoch.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Sandhaufen (Sandarium)
Material: Mindestens 1 m³ ungewaschener, nicht gereinigter Sand (kein Spielsand), damit ein stabiler Brutraum gebaut werden kann.
Wohin? Unbedingt sonnig, trocken und windgeschützt, rundherum gerne Wildblumen und Kräuter.
Pflege: Zuwachsen verhindern, wüchsige Gräser entfernen.
2. Steinhaufen
Material: Große Steine ab ca. 20 cm Durchmesser, Lesesteine von Acker oder Garten, Natursteine. Je größer der Haufen, desto besser der Schutz im Winter. Große und kleine Hohlräume im Haufen bieten Platz.
Wohin? Windgeschützt, sonnig oder schattig möglich.
Pflege: Beim Anlegen auf Stabilität achten, ansonsten kaum Pflege notwendig.
3. Totholzhaufen
Material: Viele Ausführungen sind denkbar: dicke Äste, Holzstücke, Scheite. Auch Brennholz ist möglich. Eventuell Rundhölzer als Seitenstützen. Dornige Zweige und stachelige Äste obenauf bieten etwas Schutz vor Räubern.
Wohin? Eher sonnig und windgeschützt, gerne in der Nähe von Hecken.
Pflege: Kaum notwendig. Kann immer wieder vorsichtig weitergebaut werden. Kleinere Haufen können mit der Zeit auch einfach überwachsen.
4. Herbstlicher Laubhaufen
Material: Trockenes Laub von möglichst vielen unterschiedlichen Baumarten. Haufen ab 3 m² bieten auch größeren Tieren Schutz. Für Igel kann eine „Höhle“, gebaut aus Ästen mit einem kleinen Eingang, integriert werden.
Wohin? Regen- und windgeschützt, damit das Laub nicht zusammenklebt. Am besten platziert in der Nähe von Hecken, Mauern, Büschen.
Pflege: Den Haufen im Winter unbedingt in Ruhe lassen, um die Bewohner nicht zu stören. Wenn, dann Laubreste im Frühjahr erst nach dem letzten Frost verräumen & nicht verbrennen!
5. Heckenhaufen (Benjeshecke)
Material: Strauch- und Baumschnitt (mehr Laub- als Nadelholz), außerdem einige Rundpfosten als Einfassung.
Wohin? Luftig, nicht zu feucht, halbschattig.
Pflege: Heimische Wildsträucher einpflanzen oder abwarten, was von selber kommt.
Die Profiteure der Maßnahme