Knorrige Mostbirnbäume in alten Streuobstwiesen blicken auf eine bewegte Geschichte zurück: Könnten sie sprechen, würden sie wohl von ihrer Glanzzeit zu Kaisers’ Zeiten berichten, von Mostbaronen, ihrer Vertreibung aus dem Streuobstgartenparadies und all den Tieren, denen Sie Nahrung und Herberge bieten. Aber wie prickelnd ist ihre Zukunft?

Zu Hause ist die Mostbirne in verwunschenen Streuobstwiesen: Wo groß auf klein, jung auf alt, stattlich auf knorrig, Birne auf Apfel, Kirsche auf Zwetschke, Quitte auf Walnuss und Mispel trifft, schlägt sie ihre Wurzeln in den Boden. Zum Beispiel im sanft-hügeligen Landschaftsschutzgebiet Naturpark Obst-Hügel-Land, wo seit Jahrhunderten Streuobstwiesen, malerische Obstbaumalleen und Obstbaumzeilen das Bild prägen. 

Junger Wein von alten Sorten

Während es unten in den bunt blühenden Wiesen flattert und zirpt, zwitschert, summt und brummt es oben in den mächtigen Kronen. Die Folgen dieses Summen und Brummens hängen Wochen später als bunt leuchtende, saftig-süße Früchte an den Ästen. Brummen tut einem auch der Schädel – etwa wenn man zu viel vom köstlichen Apfel- oder Birnenmost erwischt hat, der zum Teil aus alten Sorten wie der erstmals 1822 erwähnten „Grünen Pichelbirne“ oder der „Zowizaunbirn“ (oberösterreichisch für Dorsch- oder Dornbirne) gewonnen wird: Most kommt vom lateinischen mustum und bedeutet so viel wie „junger Wein“. 
 

Die Zukunft der Mostbirne: prickelnd?

Bevor aus der Mostbirne Birnenmost wird, muss die herbe Schwester der süßen Speisebirne erst einmal reifen – dabei wird sie innen teigig und braun und entfaltet ihre Gerbstoffe. Teigig und braun? Hübsch anzusehen muss sie ja auch nicht sein, denn das kleine Früchtchen hat andere Qualitäten: 
Die Mostbirne ist in ihrer Sortenvielfalt, den Beständen und den mit ihr verbundenen Traditionen weltweit einzigartig. 


Ob rot, grün, gelb oder braun, schlank oder dickbauchig, mit zarter Schale oder rauer Haut. Und welches Obst kann schon von sich behaupten, bereits zu Kaisers’ Zeiten hoch im Kurs gewesen zu sein? So ging anno dazumal in der k.u.k Monarchie eine Mostbirnenausstellung in Linz über die Bühne und die „Mostbarone“ waren wohlhabende Leute. 

Mostbirne in Gefahr

Diese Glanzzeiten sind aber längst vorüber – heute zählt die Mostbirne zu den gefährdeten Obstarten. Mitte des letzten Jahrhunderts kamen Streuobstbestände aus der Mode und mussten Plantagenobst weichen. Immerhin ist die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen durch den hohen Pflege- und Ernteaufwand sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Zwischen 1965 und 2000 gingen die Streuobstflächen in Mitteleuropa schätzungsweise um 70 % zurück.

 

Liebhaber der herben Birne

So kommt die sogenannte Wirtschaftsbirne heute in Österreich, Deutschland und der Schweiz nur noch in sehr begrenzten Gebieten vor. Dort prägen die knorrigen Bäumchen aber immer noch die Landschaft und in den Streuobstbeständen sind verschiedenste Sorten zu finden – von der kleinen Normännischen Ciderbirne bis zur großen Bayrischen Weinbirne.

Zum Glück gibt es mittlerweile wieder einige Liebhaber der herben Birne, die hunderte Jahre alte Restbestände pflegen und sich um Neupflanzungen kümmern. 

 

Paradiesische Artenvielfalt erhalten

Das 26 km2 große Landschaftsschutzgebiet Naturpark Obst-Hügel-Land verfolgt seit 2005 das Ziel, die für das oberösterreichische Alpenvorland charakteristische Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu erhalten und weiter zu entwickeln. Der hohe Anteil an alten Mostobstbäumen bildet hier die Grundlage für eine wahrhaft paradiesische Artenvielfalt:

Mehr als 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten finden in den Streuobstwiesen ein Zuhause.

Damit zählt dieser traditionelle Landschaftstyp zu den artenreichsten in ganz Mitteleuropa. Das Buffet ist reich gedeckt: Blüten, Blätter, Gräser, Kräuter und Früchte locken Schmetterlinge, Wildbienen und viele andere Insekten an. 

Diese wiederum sind Lebensgrundlage für verschiedenste Vogelarten wie den Grünspecht, Wendehals und Star. Aber auch Igel, Hermeline und Feldhasen tummeln sich in der Streuobstwiese und die Baumhöhlen der knorrigen Methusalems unter den Obstbäumen sind unverzichtbarer Brutplatz für Gartenrotschwanz, Steinkauz oder Wiedehopf – die sich diese Höhlen mitunter mit Hornissen, Fledermäusen oder Siebenschläfern teilen müssen.

Vielleicht stattest den alten Mostbirnbäumen und ihren fruchtigen Gesellen bei einem Streifzug durch den Naturpark Obst-Hügel-Land ja einmal persönlich Besuch ab. Mit einer Flasche Most aus der Region im Gepäck – wer weiß, was sie dir alles flüstern?
 

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