Schutzgebiete sind eine tolle Sache. Hier darf Mutter Natur noch gedeihen – mal völlig wild und frei, mal unter gewissen Bedingungen. Ebenso wild scheinen aber auch die unterschiedlichen Schutzgebiets-Typen zu wachsen.

In diesem Dschungel an regionalen, nationalen und internationalen Kategorien ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Wir haben uns durchs Dickicht gekämpft und stellen dir hier die wichtigsten naturschutzrechtlich verordneten Gebiete Österreichs und ihre Aufgaben vor. 

Schutzgebiete haben die wichtige Aufgabe, die biologische Vielfalt unserer Natur- und Kulturlandschaften zu schützen. Neben der Tier- und Pflanzenwelt stehen alle Faktoren im Zentrum, die zu einer gesunden Umwelt beitragen – das Klima, die Luft, das Wasser und Licht. 

Jedes der neun österreichischen Bundesländer weist Teile der Natur und Landschaft per Verordnung als Schutzgebiet aus. Auf 25 % der Fläche Österreichs gibt es durch gesetzliche Regelungen verordnete Schutzgebiete.

Die Gebiete können sich teilweise oder vollständig überlagern und auf manche Gebiete treffen gleich mehrere Kategorien zu. Es existieren also die verschiedensten Schutzgebiets-Typen mit unterschiedlichem Schutzausmaß.

Die Vielfalt in der Gesetzgebung bedeutet leider nicht immer auch eine Vielfalt in der Natur. Die unterschiedlichen Herangehensweisen in der Naturschutzpraxis haben Vorteile als auch Nachteile. Ein Vorteil ist, dass man die jeweils nötigen regionalen Lösungen finden kann. Der Nachteil ist, dass bundesweit notwendige Umsetzungen oft nur sehr schwerfällig funktionieren – denn die Natur hält sich nicht an Grenzen.

„Idealerweise wäre ein bundesweiter gesetzlicher Rahmen (Bundesnaturschutzgesetz) gepaart mit notwendigen länderspezifischen Regelungen. Für die Schutzgebiete selbst ist aber neben den gesetzlichen Reglungen schlussendlich das Management entscheidend.“ Gábor Wichmann, Vorstand Blühendes Österreich & Geschäftsführer BirdLife

 

Die häufigsten, in allen Bundesländern vertretenen und naturschutzrechtlich verordneten Schutzgebiets-Typen sind:

  • Naturschutzgebiet
  • Landschaftsschutzgebiet
  • Naturdenkmal und
  • Europaschutz/Natura 2000 Gebiet (Europäische Schutzgebietskategorie)

 

Naturschutzgebiet

Dieser Schutzgebiets-Typ zählt zu den wichtigsten des Flächenschutzes, laut Umweltbundesamt gibt es in Österreich 478 Naturschutzgebiete (Stand 2019). 

Als Naturschutzgebiet versteht man ein weitgehend natürliches oder naturnahes Gebiet mit schützenswerten Lebensräumen und/oder mit seltenen bzw. gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Der Schutz dieser Naturgüter steht im Vordergrund, mit dem Schutzziel unvereinbare Eingriffe sollen verhindert werden. Die Besonderheit: Obwohl in Naturschutzgebieten grundsätzlich jeder Eingriff in die Natur verboten ist, sind land- und forstwirtschaftliche Nutzungen erlaubt. Das heißt zum Beispiel, dass in manchen Naturschutzgebieten auch gejagt oder gefischt werden darf.

 

Landschaftsschutzgebiet

Beim Landschaftsschutzgebiet geht es nicht an erster Stelle darum, Arten und Biotope zu schützen. Vor allem das allgemeine Erscheinungsbild von Landschaften soll geschützt werden – zum Beispiel Almen und Lärchenwiesen. Diese Landschaften können durchaus auch durch land- oder forstwirtschaftliche Bewirtschaftung von Menschen geprägt sein. Ein Landschaftsschutzgebiet dient oft als Pufferzone rund um Naturschutzgebiete, wo es strengere Schutzbestimmungen gibt. In Österreich gibt es laut Umweltbundesamt 249 dieser Landschaftsschutzgebiete (stand 2019).

Teilen macht Freude – sowohl beim Natur- als auch Landschaftsschutz gilt: Hier teilen sich Mensch und Natur den Lebensraum. Durch Pflege, Entwicklung und Nutzung soll die Balance erhalten bleiben. Verantwortlich für Natur- und Landschaftsschutz sind die Landesregierungen. 

 

Naturdenkmal

Ein Naturdenkmal ist eine besondere Einzelschöpfung, sozusagen ein Kunstwerk der Natur – es kann zum Beispiel eine tief verzweigte Höhle sein, eine Klamm oder Schlucht, oft sind es auch einzelne Bäume oder Baumgruppen.

All diese geschützten Naturgebilde haben gemeinsam, dass sie die Landschaft prägen und vor allem für die Region oder die lokale Bevölkerung bedeutend sind. Und wie das bei allen großen Kunstwerken so ist, ist es dann vollkommen, wenn nichts weggenommen oder ergänzt wird.

An einem Naturdenkmal dürfen also keinerlei Eingriffe oder Veränderungen vorgenommen werden, die den Bestand oder die Erscheinung, die Eigenart, charakteristische Prägung oder den wissenschaftlichen und kulturellen Wert beeinträchtigen könnten. Baumhausbauen auf einem Naturdenkmal-Baum? Keine gute Idee.

 

Europaschutz/Natura 2000-Gebiet

Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich schützenswerte Lebensraum-Typen wie zum Beispiel lebende Hochmoore, pannonische Steppen-Trockenrasen auf Löss, pannonische Binnendünen, Salzsteppen und Salzwiesen. Zur Sicherung dieser Lebensräume wird von der EU ein europaweit zusammenhängendes Netzwerk aus Schutzgebieten aufgebaut. In Österreich gibt es 350 Natura 2000-Gebiete, davon sind 250 als Europaschutzgebiete rechtlich verordnet.

Die rechtlichen Grundlagen für Natura 2000-Gebiete bieten die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie. Die einzelnen Landesregierungen nominieren entsprechende Gebiete und melden diese an die EU-Kommission.

In einigen Bundesländern gibt es dann noch die Kategorien „Geschützter Landschaftsteil“, „Naturpark”, „Biosphärenpark“ und ...

 

„Nationalpark“

Die 6 österreichischen Nationalparks sind aus ökologischer Sicht besonders wertvolle Schutzgebiete und auch international nach den Kriterien der Welt-Naturschutzunion IUCN (Kategorie II) anerkannt.

Sie werden hauptsächlich zum Schutz von Ökosystemen und zu Erholungszwecken für Menschen verwaltet. Natürliche Entwicklungen dürfen hier möglichst ungestört ablaufen.

Dadurch sind Nationalparks bestens für Forschungsräume für Bestandsaufnahmen, ökologische Langzeituntersuchungen und Dauerbeobachtung (Monitoring) geeignet.

Was all diese regionalen, nationalen und internationalen Schutzgebietstypen gemeinsam haben? Ihre große ökologische, gesellschaftliche, soziale, kulturelle, wirtschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung.

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